Der Haushalt der Stadt Mainz steckt tief in den roten Zahlen, die Stadt muss sparen – und will das in Zukunft ausgerechnet auch bei den Brunnen in der Stadt tun. Das wiederum sorgt für Kritik der ÖDP: Brunnen hätten eine wichtige Funktion für die Aufenthaltsqualität, und angesichts zunehmender Hitzeperioden auch bei der Kühlung des Stadtklimas, betonte die ÖDP – und reichte für die Stadtratssitzung an diesem Mittwoch eine Anfrage dazu ein. Das Ergebnis: Wichtige Brunnenanlagen sollen nicht repariert werden, neue Trinkwasserbrunnen soll es auch erst einmal nicht geben.

Der Brunnen am Mainzer Höfchen ist ein Paradebeispiel für einen kühlenden Ort mitten in der Mainzer Innenstadt. - Foto: gik
Der Brunnen am Mainzer Höfchen ist ein Paradebeispiel für einen kühlenden Ort mitten in der Mainzer Innenstadt. – Foto: gik

Mainz erlebte 2026 einen Sommer mit bislang nie gekannten Hitzeperioden, wochenlang stand die Luft bei rund 40 Grad gerade in den Innenstadtbereichen. Experten empfehlen schon lange, Städte müssten mehr für ein kühleres Stadtklima tun, als wichtiges Element dabei gelten Brunnenanlagen. Doch in Mainz sei schon länger zu beobachten, dass Brunnen über längere Zeiträume außer Betrieb seien, ohne dass öffentlich kommuniziert wird, warum und wann eine Instandsetzung erfolgt, klagte nun die ÖDP-Fraktion im Mainzer Stadtrat – und reichte eine Anfrage ein.

Brunnen seien „ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Raums und tragen zur Aufenthaltsqualität, Stadtgestaltung und angesichts zunehmender Hitzeperioden zur Kühlung des Stadtklimas bei“, sagte ÖDP-Fraktionschef Claudius Moseler. Allerdings seien viele Brunnen defekt und nicht in Betrieb, so zum Beispiel der Brunnen auf dem Platz vor der Pfarrkirche St. Stephan in Marienborn – Moseler ist dort auch Ortsvorsteher. „Trotz der Haushaltskrise kann man hier mit wenigen Mitteln gute Ergebnisse schaffen“, betonte Moseler zudem, dies gelte übrigens ebenso für die wichtigen Trinkwasserspender, auch hier „passiert leider zu wenig.“

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Große Brunnen in Mainz außer Betrieb: Kästrich, Neubrunnen

Gerade auch in der Mainzer Innenstadt sind große Brunnenanlagen derzeit außer Betrieb, dazu gehören etwa der Brunnen auf dem Neubrunnenplatz, aber auch die kleinen Brunnen auf der Kaiserstraße oder auf dem Mauritzenplatz in der Altstadt, der Bachlauf am Bretzenheimer Gänsmarkt, der Kirchbrunnen in Marienborn oder auch der große Kästrichbrunnen im gleichnamigen Wohngebiet. Die ÖDP wollte nun wissen: Wann ist die Instandsetzung dieser Brunnen geplant?

Der große Brunnen in der Wohnanlage auf dem Kästrich in Mainz ist seit Jahren außer Betrieb -und wird es vorerst auch bleiben. - Foto: gik
Der große Brunnen in der Wohnanlage auf dem Kästrich in Mainz ist seit Jahren außer Betrieb -und wird es vorerst auch bleiben. – Foto: gik

Die Antwort der Verwaltung: In den meisten Fällen gar nicht. 68 Brunnen gibt es immerhin im ganzen Mainzer Stadtgebiet inklusive der Stadtteile, dazu gehören auch Schwengelpumpen und Quellfassungen. Die gute Nachricht: Die allermeisten davon sind nach Angaben der Stadtverwaltung in Betrieb, einige wichtige große Brunnen in der Innenstadt allerdings nicht. Dazu gehört, allen voran, der Jubiläumsbrunnen auf dem Ernst-Ludwig-Platz: Das einst zum Mainzer Jubiläum 1962 errichtete, denkmalgeschützte  Brunnengebilde ist bereits seit 13 Jahren nicht mehr in Betrieb.

Ändern wird sich daran vorerst nichts: Die Brunnenbecken seien baufällig, die Technik veraltet, heißt es nun in der Antwort der zuständigen Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne). Eine Sanierung koste geschätzte 600.000 Euro und sei „aufgrund der restriktiven Haushaltsvorgaben bis auf Weiteres nicht vorgesehen.“ Damit wird es vorerst auch keine Aufwertung dieses Areals an der Großen Bleiche geben – obwohl Steinkrüger eigens damit bei der Einrichtung des Modalfilters und der Sperrung der unteren Großen Bleiche für den Durchgangsverkehr argumentierte.

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Stadt will 765.000 Euro bei der Instandsetzung von Brunnen sparen

Das gleiche gilt für den großen Brunnen in der Wohnanlage auf dem Kästrich: Auch die Sanierung des Kästrichbrunnens werde auf rund 600.000 Euro geschätzt, und sei „bis auf Weiteres nicht vorgesehen“, teilte Steinkrüger mit. Nicht saniert werden vorerst auch einige kleinere Brunnen in der Kaiserstraße, auch hier seien die Becken baufällig und die Technik veraltet. Nicht geplant ist offenbar auch eine Reaktivierung des alten Bachlaufs Am Gänsmarkt in Mainz-Bretzenheim: Die Quelle sei versiegt, heißt es lapidar.

Der Neubrunnen auf dem Neubrunnenplatz soll dagegen noch in diesem Jahr repariert werden. - Foto: gik
Der Neubrunnen auf dem Neubrunnenplatz soll dagegen noch in diesem Jahr repariert werden. – Foto: gik

Gute Nachrichten gibt es hingegen für den Brunnen auf dem Neubrunnenplatz: Das Becken des Neubrunnens sei undicht, die Reparatur aber beauftragt – durchgeführt werden soll sie nun Ende September. Auch bei dem kleinen Gotthardbrunnen vor der Gotthardkappelle des Mainzer Doms, der seit zwei Jahren außer Betrieb ist, seien „Teilreparaturen beauftragt“ – die Wieder-Inbetriebnahme sei für 2027 geplant. Auch beim Kirchbrunnen in Marienborn und beim Tanzbrunnen in Mainz-Weisenau soll 2027 wieder Wasser fließen.

Tatsächlich aber hatte die Mainzer Stadtspitze für den Haushaltsentwurf 2027 auf ihre Sparliste auch die Brunnen der Stadt gesetzt: 765.000 Euro wolle man bei der Instandsetzung von Brunnen einsparen, besagt das Konsolidierungspaket – nähere Angaben dazu machte die Stadtspitze (noch) nicht.  Für den Betrieb, die Wartung und Instandsetzung der Brunnen, Trinkbrunnen und der Wasserspielplätze standen in diesem Jahr insgesamt 223.500 Euro zur Verfügung – Energiekosten nicht eingerechnet – dieser Betrag werde für 2027 auch nicht erhöht, so die Antwort aus dem Umweltdezernat weiter.

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Stadt plant keine neue Spendenmodelle – trotz Brunnenbarometer

Und auch neue Trinkwasserbrunnen wird es wohl in 2027 trotz der Hitzesommer nicht geben – bislang gibt es drei solcher Trinkwassersäulen in der Mainzer Altstadt und eine in Mainz-Bretzenheim. „Aufgrund der restriktiven Haushaltsvorgaben stehen für die kommenden Jahre keine weiteren Mittel für die Anschaffung von Trinkbrunnen mehr zur Verfügung“, antwortet Steinkrüger nun. In diesem Jahr würden aber noch zwei im Jahr 2025 beschaffte Trinkbrunnen an der Stefanskirche und „nach Möglichkeit am Goetheplatz“ eingebaut.

So sah es einmal aus, das Spendentool "Mainzer Brunnenbarometer" im Internet - hier im Jahr 2017. - Foto: gik
So sah es einmal aus, das Spendentool „Mainzer Brunnenbarometer“ im Internet – hier im Jahr 2017. – Foto: gik

Die ÖDP hatte nun aber auch gefragt, ob denn noch Paten- oder Spendenmodelle existierten, bei denen private Personen, Unternehmen oder Vereine die Kosten für Betrieb oder Sanierung eines Brunnens übernehmen? Oder ob die Verwaltung plane, Brunnenpatenschaften oder Spendenmodelle wieder einzuführen, um öffentliche Haushaltsmittel zu ergänzen? Die Antwort Steinkrügers: Nein.

Dabei hatte Steinkrügers Vorgängerin Katrin Eder (Grüne) – bis Mai 2026 Umweltministerin von Rheinland-Pfalz – als Umweltdezernentin der Stadt 2011 ein höchst innovatives Instrument ins Leben gerufen. das Brunnenbarometer. 2011 nämlich drehte die Stadt ihren Brunnen fast komplett das Wasser ab, um rund 220.000 Euro einzusparen – Grund war damals der Beitritt zum Kommunalen Schutzschirm und einem Entschuldungsprogramm für die Stadt Mainz.

Das Ergebnis war höchst erfolgreich: Zahlreiche Bürger in Mainz spendeten für den Betrieb ihrer Brunnenanlagen vor der Haustür, ein „Barometer“ im Internet zeigte genau an, wieviel Geld für den Betrieb des jeweiligen Brunnens noch benötigt wurde. Die Kosten waren teilweise durchaus erschwinglich: Für „Mädchenbrunnen“ auf dem Mainzer Ballplatz brauchte es damals rund 2.000 Euro, für kleinere Brunnen wie etwa der Ignazbrunnen in der Kapuzinerstraße reichten schon 350 Euro. Das Mainzer „Brunnenbarometer“ gab es übrigens bis 2021, dann fiel Mainz in den BionTech-Geldtopf – und die Spenden wurden nicht mehr gebraucht.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Mainzer Brunnenbarometer könnt Ihr noch einmal ausführlich hier bei Mainz& in unserem Bericht aus 2017 nachlesen. Mehr zum Sparprogramm für den Mainzer Haushalt 2027 findet Ihr ausführlich hier auf Mainz&:

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