Tja, Ihr habt es sicher gemerkt: Die Fotos von der angeblichen Entdeckung des römischen Amphitheaters in Mainz – sie waren leider ein Aprilscherz. Mainz& hat sich erlaubt, Euch ein wenig auf den Arm und in die Welt der Phantasie mitzunehmen, wir hoffen, Ihr habt Euch gut amüsiert. Dabei war an unserem Artikel über den angeblichen „Sensationsfund“ in der TRON-Baugrube in der Mainzer Oberstadt fast alles echt: Die Webcam, die Fotos und natürlich die Baugrube selbst mit ihren Funden der antiken Lagervorstadt. Selbst das Amphitheater gab es – nur schlummern seine Reste noch immer unentdeckt im Erdboden von Mainz…

Alles begann mit den Fotos der „Unsichtbaren Römergarde“, die Anfang Juni 2024 in einem Seitenstück der TRON-Baugrube an der Straße „Am Römerlager“ einige unscheinbare römische Mauerreste entdeckte. In den Wochen danach entspann sich ein wahrer Krimi, denn die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) wollte erst nicht so Recht heraus mit der Sprache: Was hatte es mit den eindeutig römischen Mauern auf sich, wozu gehörten sie – und gab es davon noch mehr?
Spekulationen machten schnell die Runde: Handelte es sich um Überreste der antiken Thermenanlage, die irgendwo dort im Umfeld gestanden haben musste? Waren es gar Reste, die zum Endstück der römischen Wasserleitung gehörten, die über den spektakulären Aquädukt des Zaybachtales das Wasser von den Quellen in Mainz-Finthen zum Römerlager auf dem Kästrich heranbrachte? Je länger die GDKE schwieg, umso mehr wurde gemunkelt – bis auf einer Pressekonferenz im August 2024 dann bestätigt wurde: Die Ausgrabungen hatten umfangreiche Mauerreste der antiken Vorstadt um das römische Legionslager von Mogontiacum zum Vorschein gebracht.
Webcam zeigt im Zeitrafferfilm mysteriöse Strukturen im Sand
In den Wochen vor der Pressekonferenz recherchierte Mainz& alles, was es zu der antiken Lagervorstadt von Mainz und der Baustelle für den TRON-Forschungsbau im Internet zu finden gab – und stieß auf eine Webcam: Eine Kamera, die von dem benachbarten Hochhaus der Augenklinik der Mainzer Unimedizin dauerhaft Aufnahmen von der Baugrube macht, und zwar seit Beginn der Bauarbeiten. Beim Scrollen durch den Zeitraffer stieß Mainz& dann auf genau die Bilder, die Ihr im Artikel gesehen habt: Mysteriöse Strukturen im Bauschlamm, dokumentiert durch reale Bilder einer echten Kamera.

Das Verblüffende dabei: Die Strukturen und Abdrücke im Schlamm waren völlig regelmäßig, sie waren groß, erinnerten an Fundamente von Gebäuden – und sie waren über Wochen hinweg auf dem Film praktisch unverändert zu sehen. Der Zeitrafferfilm zeigt, wie der Vorgängerbau abgerissen und die Baugrube im Anschluss immer kleiner wird, die mysteriösen Strukturen tauchen schließlich ab Sekunde 47 auf und halten sich über zehn Sekunden des Films hinweg – in der Realität entspricht das mehreren Wochen, wie die Veränderung der Vegetation zeigt.
Wer oder was die Strukturen im Sand verursacht haben könnte, das zeigt der Film indes nicht: Bagger oder Maschinen sind in der Baugrube nie zu sehen. Stattdessen bleiben die Strukturen über Wochen hinweg nahezu unverändert bestehen, sie erinnern an Fundamente – oder an das Raumschiff Enterprise. Tatsächlich lassen sich aber eben auch Parallelen zu den Katakomben des Kolosseums in Rom finden – und zu kleineren Amphitheatern, wie es sie in römischen Provinzhauptstädten tatsächlich gab. Mitten in Stadtbebauung, und nicht unbedingt immer in einen Hang platziert.
Amphitheater von Tarragona: echt – Römische Baudenkmäler: echt
Das Amphitheater von Tarragona ist also ebenso echt wie die Ausgrabungen in der TRON-Baugrube in der Mainzer Oberstadt. Echt ist auch die Entdeckung der antiken Lagervorstadt von Mogontiacum, die sich genau hier, auf dem Gelände der heutigen Baugrube, vor 2.000 Jahren erhob – eine quirlige Cannabae mit Tavernen, Wohnhäusern und Lagerbauten. Echt ist natürlich auch das Legionslager selbst, der Isistempel und das antike Bühnentheater am Mainzer Südbahnhof, ebenso wie die römische Wasserleitung über das Zaybachtal – die Römersteine sind noch heute ihre sichtbaren Überreste. Die römische Geschichte von Mainz, sie zeigt sich in zahlreichen Bauten noch heute im Mainzer Stadtbild.

Wahr ist übrigens auch, dass der frühere Mainzer Archäologe Gerd Rupprecht einmal im Gespräch mit Mainz& sagte, es müsse im antiken Mogontiacum auch ein Amphitheater gegeben haben, das noch im Boden schlummere. Denn das Römische Theater oberhalb des Südbahnhofs war ein Bühnentheater, kein Amphitheater, die Funktion beider Bauten höchst unterschiedlich: Im Bühnentheater wurden Theaterstücke aufgeführt und zeremonielle Feste abgehalten, wie etwa zu Ehren des verstorbenen Feldherrn Drusus, dessen Grabmal nur wenige Meter weiter auf der heutigen Zitadelle steht.
In einem Amphitheater hingegen fanden Gladiatorenkämpfe und Tierhatzen statt, auch regelrechte Wasserschlachten wurden in seinem berühmtesten Vertreter aufgeführt, dem Kolosseum in Rom. In einer Provinzhauptstadt mit einem so großen Legionslager wie in Mogontiacum muss es ein solches Theater – wenn auch kleiner – ebenfalls gegeben haben. Nur: in der Lagervorstadt auf dem Kästrich hat Rupprecht das Amphitheater nie vermutet – sondern im Hang des Zaybachtales, unterhalb der Mainzer Universitätsklinik und in Nachbarschaft zu den Römersteinen.
Der Fund eines antiken Amphitheaters in Mainz wäre tatsächlich eine archäologische Sensation, und wer weiß: Vielleicht macht sie ja in den kommenden Jahren wirklich ein Archäologe. Wir fanden: Die Fotos von der TRON-Baugrube weckten Träume und Hoffnungen. Und wir hoffen, Ihr hattet so viel Spaß wie wir mit unserem ganz besonderen historischen Aprilscherz! Ach, und übrigens: Das „Dementi“ der GDKE-Direktorin Heike Otto war übrigens auch echt – wir hatten Otto im Sommer 2024 unsere Fotofunde gezeigt und um Aufklärung gebeten. Und auch die war genau so, wie es im Text stand: Die Abdrücke im Schlamm waren kein antikes Gebäude, sondern schnöde Baggerspuren… wie schade.
Info& auf Mainz&: Unseren ganzen Aprilscherz könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen. Was die Archäologen in der TRON-Baugrube denn nun tatsächlich an Mauerresten und Funden zutage gefördert haben – das erzählen wir Euch in diesem Mainz&-Artikel.