Sommerzeit ist Baustellenzeit, doch in diesem Jahr scheint es so schlimm zu sein, wie nie: Überall Baustellen, aufgerissene Straßen, ganze Straßenzüge lahmt gelegt, wie derzeit die gesperrte Gaustraße. Ein Grund für die Zunahme der Baulöcher: die Schiersteiner Brücke, ein anderer: die Mainzelbahn. Das Großprojekt legt halbe Stadtteile lahm, und genau das kritisierte nun ÖDP-Chef Claudius Moseler. Mainz& hat mit Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) gesprochen – und die sagt: Die Stadt versuche, die Belastungen möglichst klein zu halten.

Baustellenplan der Stadt aktueller Stand 22.7.15
Baustellen, wohin man schaut – im interaktiven Stadtplan der Stadt Mainz – Foto: gik

Ein Blick auf den interaktiven Stadtplan der Stadt Mainz im Internet zeigt es: Es wimmelt von roten Baustellen-Schildern. Fast keine große Durchgangsstraße in Mainz, an der derzeit nicht gebuddelt wird. Die Gaustraße ist seit dem 15. Juli bis zum 5. August komplett gesperrt, der Grund: die Gleise für die Straßenbahn müssen dringend erneuert werden. Und auf der Saarstraße ist derzeit auch der Verkehr stark eingeschränkt.

Denn zu den üblichen Straßenbaumaßnahmen gehören Kabelverlegungen, Schachtarbeiten – und die Verlegung der Mainzelbahn. Das Megaprojekt der Straßenbahnlinie vom Hauptbahnhof auf den Lerchenberg kostet derzeit vor allem die Bretzenheimer und Marienborner viele Nerven.

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Moseler: Baustelllen der Mainzelbahn „harte Belastungsprobe“

„Die Bauarbeiten für die Mainzelbahn werden inzwischen zu einer harten Belastungsprobe“, kritisierte nun der Marienborner Ortsvorsteher Claudius Moseler (ÖDP). Unabhängig davon, ob man das Projekt befürworte oder nicht, „es macht sich eine gewisse Ernüchterung breit“, sagt Moseler. Der Ortsvorsteher wirft der Stadt vor, „wesentliche Zusagen“ nicht eingehalten zu haben.

Zugnummer 54: "Sin wir bald da?!" zum Baustellen-Chaos in Mainz - Foto: gik
Das Mainzer Baustellenchaos spießten auch die Mainzer Narren auf – Foto: gik

So würden Schotter und Sand von der Baustelle „ausschließlich“ über die Marienborner Straßen abtransportiert, anstatt wie versprochen über die neue Trasse. Das bringe Lärm und Staub für die Anwohner sowie eine starke Verschmutzung der Straßen, die zum Teil durch verlorenen Schotter auch beschädigt würden. „Straßenreinigung durch die MVG oder die Bau-Firmen – bisher leider eher Fehlanzeige“, monierte Moseler: „Viele Bürger sind sauer.“

Eder: Schieben Baustellen in weniger belebte Sommerferien

Aber auch Stadtweit sorgen die Baustellen für Frust: Nur eine Spur in der Rheinallee, deutliche Behinderungen auf der Saarstraße Höhe Uni – muss das wirklich alles gleichzeitig sein? Ja, sagt die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne): „Wir schieben Baustellen in die Sommerferien, weil da nachweislich am wenigsten Verkehr ist“, sagte die Dezernentin im Mainz&-Gespräch.

Baustelle
Nix geht mehr an vielen Straßen in Mainz – Foto: gik

„Niemand reißt gerne die Straßen auf“, betont Eder weiter. Das Verlegen von Strom- oder Gasleitungen seien nun einmal dringende Investitionen in die Infrastruktur – und irgendwann müssten die nun einmal erfolgen. „Wir gucken uns das schon an“, sagt die Dezernentin, Baustellen müssen nämlich von der Stadt genehmigt werden. Und während der Sperrung der Schiersteiner Brücke im Frühjahr hat die Stadt Baustellen für die Hauptverkehrsachsen eigens nicht genehmigt, um das Verkehrschaos nicht zu vergrößern. „Das ist jetzt mit Sicherheit auch der Rückstau von der Brücke“, sagt Eder.

Dazu gab es kürzlich zwei Kanaleinbrüche auf der Rheinallee und an der Uniklinik, hier musste auch sofort gehandelt werden. Und es müssen Straßenbahnschienen erneuert werden, so bis vor Kurzem am Schillerplatz und derzeit eben in der Gaustraße.

Die Stadt Mainz hat deshalb 2014 einen eigenen Internetplan zu den Baustellen eingerichtet, die Zugriffszahlen seien „ungeheuer hoch“, sagt Eder. Das richtig Gute dabei: Zu jeder Baustelle ist ein eigener Ansprechpartner benannt, mit Telefonnummer für den direkten Kontakt. Und vielleicht, sagte Eder noch, „ärgern die Menschen sich ein bisschen weniger, wenn sie sehen, was da gemacht wird.“

Info& auf Mainz&: Den interaktiven Baustellenplan der Stadt Mainz findet Ihr auf dieser Internetseite: Einfach unten auf den Link „Übersicht der aktuellen Baustellen im Online-Stadtplan“ klicken – und schon seid Ihr da. Wenn Ihr dann auf eines der kleinen Baustellenschilder klickt, öffnet sich ein eigenes kleines Fenster mit den Informationen zur Baustelle. Aber Achtung: Ihr müsst den Popup-Blocker deaktivieren, sonst seht Ihr nix 😉

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4 KOMMENTARE

  1. Es lebe Katrin Eder! Super! Diese grüne Dezernentin zwingt Mainz zum Glück. Endlich werden die Autofahrer in Mainz vergrault. Wann kommen endlich die dauerrote Ampeln auf den Mainzer Straßen? Mit den Worten von einem bekannten Mainzer Journalisten: Diese wunderbare Frau namens Eder…

  2. Diese Vorgehensweise ist einfach nur krank! Was hier mit den Mainzern getrieben wird ist eine Katastrophe. Baustellen überall und selbst auf den Umleitungen wird gebaut und nur einspurig geführt. Und die Krönung ist der Mainzer Ring mit 16 Jahren Baustelle. Andere Länder schaffen die gleiche Arbeit in 1/4 der Zeit… Warum wir nicht ? Weil gespart wird… gespart an Mitarbeitern, gespart an Aussstattung und gespart an Schichtarbeit. Baut die Baustellen im 3-Schicht Betrieb. Nachts ist kaum Verkehr… DA kann gebaut werden… aber nicht ausschliesslich tagsüber! Und auch nicht alle Strassen gleichzeitig.

    Ein F**K auf die Mainzelbahn obendrein… Braucht kein Mensch diese PR Aktion. eine Buslinie hätte es genauso getan.

    p.s. Schriftliche Beschwerden bleiben unbeantwortet. Klar – was soll man dazu auch sagen wenn man vollkommenen Blödsinn verzapft hat…

  3. Noch mal zur Klarstellung: Langfristig wird die Mainzelbahn aus meiner Sicht ein Erfolg werden. Wer morgend in Mainz auf diesen Strecken Bus fährt, weiß wovon ich spreche. Trotzdem ist die Kritik am Baustellenmanagement und mit Blick auf die Belastung der betroffenen Bürger gerechtfertigt.

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