Der 122. Rosenmontagszug in Mainz ist Geschichte, und Verantwortliche und Sicherheitskräfte ziehen eine zufriedene Bilanz: Das neue Konzept zur Verkürzung des Rosenmontagszuges habe funktioniert, sagte der Mainzer Carneval Verein (MCV) am Dienstag – die Zugente erreichte den Schillerplatz 1,5 Stunden früher als 2025. Im Internet gab es allerdings auch Beschwerden über einen „rasenden“ Zug. Auch bei den Rettungskräften ist die Bilanz durchwachsen: Es gab mehr alkoholisierte Jugendliche als zuvor – manche bis zur Bewusstlosigkeit. Ein Fall stoppte gar den Rosenmontagszug.

Trotz grauen Himmels und Regens feierten Hunderttausende in Mainz den 122. Rosenmontagszug - natürlich mit Bonbons und Konfetti. - Foto: gik
Trotz grauen Himmels und Regens feierten Hunderttausende in Mainz den 122. Rosenmontagszug – natürlich mit Bonbons und Konfetti. – Foto: gik

Trotz Regen und grauen Himmels hatten am Montag geschätzte 500.000 Zuschauer in der Mainzer Innenstadt den Höhepunkt der Mainzer Fastnacht gefeiert und den rund 9.200 Teilnehmern des Rosenmontagszuges zugejubelt. Der war in diesem Jahr rund 20 Zugnummern kürzer ausgefallen – der Mainzer Carneval Verein (MCV) hatte die Teilnehmerzahl um rund 300 Personen und etwa 30 Prunkwagen gekürzt. Der Grund: 2025 hatte das Zugende erst um 18.00 Uhr den Schillerplatz erreicht, da wurde es bereits dunkel. Zudem machte die Menge Probleme im Aufstellungsraum in der Neustadt.

Am Dienstag zog der MCV nun zufriedene Bilanz: Knapp eineinhalb Stunden früher habe in diesem Jahr die Zugente den Münsterplatz erreicht und damit den 122. Rosenmontagszug deutlich vor Einbruch der Dunkelheit beendet. „Für den Verein ist das ein klares Signal: Das überarbeitete Konzept hat gewirkt“, betonte MCV-Präsident Hannsgeorg Schönig: „Wir haben damit unser selbstgestecktes Ziel erreicht und dürfen feststellen, dass unsere Maßnahmen gegriffen haben, ohne dass der Zug an Attraktivität verloren hat.“

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Zug 1,5 Stunden kürzer, trotzdem noch große Lücken

Auch Zugmarschall Thorsten Hartel zeigt sich zufrieden: „Wir hatten schon im Vorfeld die Verantwortlichen der einzelnen Zugnummern eingebunden, und ich freue mich, dass im Großen und Ganzen alle mitgemacht haben. Dafür ein herzliches Dankeschön an alle Garden und Vereine.“ Besonders die Garden hatten mit mehr Gardisten pro Reihe und deutlich geschlossenerem Marsch für einen kompakteren Ablauf gesorgt. „Wir kamen über weite Strecken zügig voran, allerdings gab es auch in diesem Jahr ein paar größere Lücken, deren Ursachen wir noch analysieren müssen“, sagte Schönig weiter.

Eine große Lücke tat sich am Mittag an der Ecke Weißliliengasse-Ludwigsstraße auf: Aus der Altstadt rollte eine Zeitlang nichts mehr an. - Foto: gik
Eine große Lücke tat sich am Mittag an der Ecke Weißliliengasse-Ludwigsstraße auf: Aus der Altstadt rollte eine Zeitlang nichts mehr an. – Foto: gik

Tatsächlich fielen im Zugverlauf mehrere größere Pausen auf, deren Ursache weitgehend unklar war. In den kommenden Wochen will der MCV nun gemeinsam mit der Zugleitung sowie unter Einbeziehung der Erfahrungen von Garden und Vereinen die Abläufe detailliert auswerten und gegebenenfalls für das kommende Jahr weiter anpassen. „Fest steht auch: kleinere Lücken wird es immer geben“, betonte Schönig. Für größere Vorfälle brauche man aber auch „Zeitpuffer, denn bei 500.000 Zuschauenden kann es immer zu einem Rettungseinsatz kommen“, erklärte der Präsident.

Tatsächlich gab es genau eine solche Unterbrechung durch einen Notfall: Ein Mitte 40-Jähriger war auf der Rheinstraße bewusstlos geworden, berichtete die Mainzer Feuerwehr am Dienstag – der Rosenmontagszug habe deshalb kurz angehalten werden müssen, damit die Rettungskräfte den Bewusstlosen schnellstmöglich erreichen konnten. „Erst als er zum Schutz seiner Atmung intubiert werden sollte, kam er zu sich“, so der Bericht weiter. Ein Zelt schirmte den Mann zeitweise von den Umstehen ab.

 

Mehr stark alkoholisierte Minderjährige, 211 Liter sichergestellt

Es war beileibe nicht der einzige Fall, denn in diesem Jahr nahmen die Alkoholbedingten Probleme wieder zu: 81 Personen mussten nach übermäßigem Alkoholkonsum behandelt werden, wie die Feuerwehr berichtete: „Einige waren so stark alkoholisiert, dass sie tief
bewusstlos waren.“ Schwer verletzte sich dabei eine Frau Mitte 20, die bewusstlos am Hauptbahnhof gefunden wurde, eine dritte Person verletzte sich schwer, als sie stark alkoholisiert eine Treppe herunterstürzte – die Personen kamen in einen Schockraum im Krankenhaus.

Nach dem Zug ist vor der Party: Der Schillerplatz platzte bei der Rosenmondnacht gegen 18.00 Uhr aus allen Nähten. - Foto: gik
Nach dem Zug ist vor der Party: Der Schillerplatz platzte bei der Rosenmondnacht gegen 18.00 Uhr aus allen Nähten. – Foto: gik

Insgesamt mussten die Rettungskräfte 30 Minderjährige aufgrund von Alkoholkonsum versorgen, das waren deutlich mehr als 2025, als diese Zahl bei 23 lag. Trauriges Highlight war demnach eine 14-Jährige, die von ihrer Mutter schwer alkoholisiert zu den Rettungskräften gebracht werden musste und ins Krankenhaus kam. Dabei hatten Polizei und Stadt Mainz bereits am Vormittag intensive Jugendschutzkontrollen durchgeführt und dabei 753 Kinder und Jugendliche kontrolliert. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden rund 211 Liter Alkohol sichergestellt oder unmittelbar vernichtet.

Neben Alkoholbedingten Ausfallerscheinungen waren auch wieder zahlreiche chirurgische Behandlungen durch Scherben, Streitigkeiten und Stürze zu behandeln, so der Bericht weiter – insgesamt mussten 323 Menschen in Unfallhilfestellen behandelt werden. Auch internistische Probleme, bis hin zum Krampfanfall habe man versorgt, 45 Mal wurden Personen ins Krankenhaus transportiert, das waren allerdings weniger als 2025 (53). Das gesamte medizinische Fachwissen der Rettungskräfte sei gefordert gewesen, 75 Fälle waren indes nur Bagatelleinsätze, bei denen ein Pflaster oder Kühlpack verabreicht wurden.

Schlägerei, ein Brand, drei Sexualdelikte: wenig Straftaten

Auch die Feuerwehr selbst, die mit verstärkten Kräften an der Zugstrecke in Bereitschaft stand, musste am Rosenmontag zu neun Einsätzen ausrücken: Neben Kleineinsätzen und Fehlalarmen wurden technische Hilfeleistungen gefordert. Um 23.50 Uhr kam es zu einem Brand in einem Büro-und Wohnhaus an der Kaiserstraße. Ein Bewohner hatte den verrauchten Treppenraum bemerkt: Vor einem Büro war es zu einem Brand gekommen. Die Feuerwehr belüftete das Büro und kontrollierte den Treppenraum, verletzt wurde niemand.

Eine große Party gab es zudem auf dem Marktplatz. - Foto: gik
Eine große Party gab es zudem auf dem Marktplatz. – Foto: gik

Hatten Polizei und Feuerwehr am Nachmittag noch betont, wie friedlich das Großevent doch vonstatten ging, so änderte sich das am Abend: Vor einer Unfallhilfestelle kam es am Abend zu einer Schlägerei kam, dabei wurde eine Einsatzkraft des Sanitätsdienstes leicht an der Hand verletzt, als sie schlichten wollte. Insgesamt vier Personen mussten in der Nacht in Gewahrsam genommen werden, 47 Personen, die durch auffälliges Verhalten störten, wurden des Platzes verwiesen.

Insgesamt wurden nach Angaben der Polizei Mainz bis zum Einsatzende 55 Straftaten registriert, davon 25 Körperverletzungsdelikte, 3 Eigentumsdelikte, mehrere Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie drei Sexualdelikte. In einem Fall konnte ein männlicher Täter identifiziert werden, der mehreren Frauen an das Gesäß oder in den Schritt gefasst hatte. „Damit bewegen sich die Zahlen im Verhältnis zur hohen Besucherfrequenz auf einem erfreulich niedrigen Niveau“, betonte die Polizei.

Verdachtsfälle auf KO-Tropfen bisher nicht bestätigt

Erwartungsgemäß würden aber in den kommenden Tagen noch weitere Anzeigen erstattet, vor allem Eigentumsdelikte, etwa wenn das Smartphone doch nicht mehr auftaucht, aber auch womöglich Verdacht auf KO-Tropfen. Tatsächlich gab es im Rahmen des Einsatzes einen Hinweis auf den möglichen Einsatz von KO-Tropfen bei einer Jugendlichen mit Kreislaufproblemen. Die polizeilichen Ermittlungen hätten diesen Verdacht jedoch entkräften können, Ursache sei „ein erheblicher Alkoholkonsum ohne Fremdeinwirkung“ gewesen.

Einen tollen Job machte auch wieder die "orangene Zugnummer" des Reinigungsdienstes: Mit Hochdruck wurden die Straßen von Müll und Dreck befreit. - Foto: gik
Einen tollen Job machte auch wieder die „orangene Zugnummer“ des Reinigungsdienstes: Mit Hochdruck wurden die Straßen von Müll und Dreck befreit. – Foto: gik

Bereits an Weiberfastnacht hatte es Berichte gegeben, nach denen bei einer Feier der Schwarzen Husaren zwei Frauen über Übelkeit und Kreislaufbeschwerden geklagt hatten – dabei kam der Verdacht auf den Einsatz von KO-Tropfen auf. Die Polizei betonte einige Tage später, es lägen bislang „keine konkreten Informationen zu diesen Schilderungen vor: Die betroffenen Frauen sind bislang nicht bekannt und werden gebeten sich mit einer Dienststelle in Verbindung zu setzen.“

Man nehme dieses Thema aber sehr ernst, betonte die Polizei nun noch einmal: Wer am Morgen nach einer Feier mit „Filmrissen“, blauen Flecken oder Schmerzen im Unterleib aufwacht, sollte den Verdacht auf KO-Tropfen ernst nehmen und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen. Das gilt auch beim Verdacht auf sexualisierte Gewalt: In spezialisierten Kliniken in Mainz besteht die Möglichkeit einer vertraulichen Spurensicherung. Dabei werden Beweise gesichert, ohne dass sofort Anzeige erstattet werden muss, das Material gelagert und erst an die Polizei übergeben, wenn sich die Betroffene aktiv für eine Anzeige entscheidet. Hilfe bietet unter anderem der Frauennotruf Mainz unter der Telefonnummer 06131-221213 an, und zwar vertraulich.

Zugteilnehmer: „Mussten rennen“, Wagen mit hoher Geschwindigkeit

Rund 14 Stunden waren neben den etwa 1.000 Polizeikräften auch über 500 ehren- und hauptamtliche Einsatzkräfte für die Sicherheit der Menschen an Rosenmontag in Mainz im Einsatz. Nach Ende des Rosenmontagszuges wurde weiter kräftig gefeiert: Auf dem Schillerplatz feierten Tausende dicht gedrängt bis weit in die Nacht hinein, auf dem Marktplatz drängte sich ebenfalls eine dichte Narrenmenge. Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) dankte noch am Rosenmontag den Mitarbeitern des städtischen Reinigungsdienstes, die unter Hochdruck für saubere Straßen sorgten.

Reinigungstrupp der Stadt Mainz bei der Arbeit am frühen Abend. - Foto: gik
Reinigungstrupp der Stadt Mainz bei der Arbeit am frühen Abend. – Foto: gik

Der MCV wiederum dankte ebenso den eigenen Aktiven, die sich teils seit Monaten in unterschiedlichen Ausschüssen für einen reibungslosen Ablauf engagiert hätten. „Der Rosenmontagszug ist ein Aushängeschild der Stadt Mainz“, betonte Schönig: „Er ist eine einzigartige Gemeinschaftsleistung von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften – allen, die daran mitgewirkt haben, gilt unser herzlicher Dank.“

Die Kürzung des Zuges und der Ausschluss einiger langjähriger Vereine dürfte indes auch weiter für Debatten sorgen: In den sozialen Netzwerken meldeten sich zahlreiche Mitwirkende des Rosenmontagszuges, die über ein zu hohes Tempo klagten. Fußgruppen hätten regelrecht „rennen“ müssen, das sei doch kein Marathon, klagten einige. Musiker hätten teilweise gar nicht mehr spielen können, weil ihnen die Luft dazu fehlte.

Tatsächlich bewegten sich sogar auf der Ludwigsstraße vor der Ehrentribüne am Staatstheater Wagen teils mit rasanter Geschwindigkeit an den Gästen und Kameras vorbei – die Kommentatoren im SWR kamen stellenweise gar nicht hinterher. Für Unmut sorgte auch die hohe Zahl von Zuschauern, die ständig den Zugweg kreuzten, oft sogar mitten zwischen Gruppierungen und Garden hindurch. Die Security habe „nasebohrend daneben gestanden“ und nicht eingegriffen, beschwerte sich ein Teilnehmer des Umzuges – auch Mainz& hat solche Vorfälle reihenweise beobachtet: Das störte zum Teil erheblich.

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Friedlicher und feuchter Rosenmontag in Mainz: Trotz Regen feiern 500.000 Zuschauer in der Mainzer Innenstadt