Am Mittwochmittag waren in der Mainzer Innenstadt zwischen 13.00 Uhr und 14.00 Uhr vermehrte Martinshorn-Einsätze zu hören, Hintergrund war offenbar ein Alarm wegen eines Brandes in der Mainzer Neustadt. Doch der wäre beinahe verzögert losgeschickt worden, denn: Abgesetzt wurde der Notruf durch die Notruf-App NORA – doch der Absender war zuvor mehrfach wegen missbräuchlicher Fehl-Notrufe aufgefallen. Mainz& klärt auf: Was ist NORA – und lädt die App zu Missbrauch ein?

Ein Brandeinsatz i der Mainzer Neustadt wäre beinahe verzögert worden - weil es zuvor mehrere Missbrauchs-Anrufe über die Notruf-App Nora gab. - Foto: Feuerwehr Mainz
Ein Brandeinsatz i der Mainzer Neustadt wäre beinahe verzögert worden – weil es zuvor mehrere Missbrauchs-Anrufe über die Notruf-App Nora gab. – Foto: Feuerwehr Mainz

Zunächst einmal zum Einsatz der Mainzer Feuerwehr: Die wurde am Mittwochmittag gegen 13.00 Uhr zu einem Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Mainzer Neustadt gerufen – und zwar über die Notruf-App „Nora“. Gemeldet wurden nach Angaben der Feuerwehr ein piepsender Rauchwarnmelder sowie Brandgeruch – doch die Einsatzkräfte waren misstrauisch: „Die hinterlegte Rufnummer war bereits in der Vergangenheit mehrfach durch Fehl- und missbräuchliche Notrufe aufgefallen – entsprechend wurde der Notruf zunächst kritisch bewertet“, so der Feuerwehrbericht.

Mehrere Rückrufversuche seien erfolglos geblieben, bis schließlich bei einem Kontaktversuch im Hintergrund eindeutig ein Rauchwarnmelder zu hören gewesen sei. Daraufhin seien „umgehend ein Löschzug sowie ein Rettungswagen alarmiert“ und zum Einsatzort geschickt worden – dort bestätigte sich tatsächlich eine Einsatzlage: In einer Wohnung hatte ein beim Kochen vergessenes Holzbrett auf einer eingeschalteten Herdplatte Feuer gefangen. Die Bewohnerin bemerkte die Situation rechtzeitig und konnte die Gefahr selbst beseitigen, verletzt wurde niemand.

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Feuerwehr: Missbrauch der Notruf-App kann Einsatz verzögern

Die Feuerwehr nimmt das nun zum Anlass, eine nachdrückliche Warnung zu veröffentlichen: „Dieser Einsatz zeigt ein wichtiges Problem: Wiederholte Fehl- oder Missbrauchsmeldungen können echte Notfälle schwerer erkennbar machen und im schlimmsten Fall verzögern“, betont man bei der Feuerwehr. Wer grundlos Alarm schlage riskiere, dass echte Gefahren später nicht sofort erkannt würden.

Beispielmeldung für einen Gasgeruch via Notruf-App Nora, natürlich im Demo-Modus. - Screenshots: gik
Beispielmeldung für einen Gasgeruch via Notruf-App Nora, natürlich im Demo-Modus. – Screenshots: gik

Doch was ist überhaupt „Nora“? Unter diesem amen findet eine App für Smartphones, mit der man ohne telefonieren zu müssen, einen Notruf absetzen kann – und zwar für ganz verschiedene Problemlagen. Das kann eine Feuer sein oder ein Unfall, ein Unwetter mit Überschwemmung oder einer Person im Rhein, aber auch umgestürzte Bäume oder ein Gasaustritt können gemeldet werden. Auch für Einbrüche, Gewalt oder verdächtige Personen gibt es in der App Meldemöglichkeiten an die Polizei – das Ganze ist simpel, schnell und sehr übersichtlich.

Die App meldet dabei an Polizei, Feuerwehr oder Rettungskräfte den genauen Standort des Meldenden, der kann zudem Angaben machen, ob jemand verletzt wurde, er sich selbst bedroht fühlt, ob es um Tiere oder Gegenstände geht, ob Schusswaffen im Einsatz sind und vieles mehr. All das wählt man durch ein einfaches Menü mit gut erkennbaren Schaltflächen aus, um die App nutzen zu können, muss man sich allerdings in einem einfachen Prozess mit Name und seiner Handynummer registrieren.

 

Entwickelt 2021 in NRW für Hör- und Sprachbehinderte

Entwickelt wurde die App in Nordrhein-Westfalen, eigentlich um Menschen zu helfen, die nicht telefonieren können – die ursprüngliche Zielgruppe waren Sprach- und Hörbehinderte. „Ein barrierefreier Notruf ist enorm wichtig für die Teilhabe und das Sicherheitsempfinden jeder und jedes Einzelnen in unserem Land“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) beim Start der App im September 2021. Nora schließe eine Lücke im System und ergänze die bestehenden Notrufsysteme um eine mobile Komponente.

Einen Notfall melden kann man via Notrufnummern 110 oder 112 - oder eben auch mit Hilfe der Notruf-App Nora. - Foto: gik
Einen Notfall melden kann man via Notrufnummern 110 oder 112 – oder eben auch mit Hilfe der Notruf-App Nora. – Foto: gik

„Grundsätzlich ist Nora jedoch eine App für alle Menschen in Deutschland“, unterstriche Reul zudem – tatsächlich ist die App bundesweit verfügbar und im Einsatz, und seit September 2024 auch uneingeschränkt verfügbar. 2023 wurde die App zwischenzeitlich allerdings ausgesetzt und verschwand aus den App-Stores – und zwar wegen Missbrauchs. Zuvor hatten Fälle in NRW und Bayern stark zugenommen, bei denen via Nora Fake-Notrufe abgesetzt wurden

Mehrfach wurden Großeinsätze der Feuerwehr und sogar  falsche Amokalarmlagen ausgelöst, in Essen missbrauchten gar Umweltaktivisten die Notruf-App, um auf die weltweite Klimakrise aufmerksam zu machen – die Polizei war not amused. In Mainz betonte die Feuerwehr nun noch einmal: „Missbräuchliche Notrufe sind kein Kavaliersdelikt – sie binden Ressourcen und können im Ernstfall wertvolle Zeit kosten.“

Anfälligkeit für Fake-Meldungen seit Ende 2024 entschärft

Seit Ende 2024 müssen sich Nutzer deshalb mit Namen und Handynummer registrieren, damit die Rettungskräfte vor einem Einsatz erst einmal zurückrufen und die Lage verifizieren können. „Jeder Notruf wird ernst genommen“, versichert man denn auch: „Sobald konkrete Hinweise vorliegen, werden Einsatzkräfte losgeschickt – so auch in diesem Fall.“

Beispielmeldung für einen Einbruch via Notruf-App Nora und als "stille Meldung", natürlich im Demo-Modus. - Screenshots: gik
Beispielmeldung für einen Einbruch via Notruf-App Nora und als „stille Meldung“, natürlich im Demo-Modus. – Screenshots: gik

Die Notruf-App „Nora“ sei ein wichtiger Bestandteil des Notrufsystems, so die Feuerwehr weiter, empfiehlt jedoch für Menschen, telefonieren können, weiter den direkten Anruf über die Notrufnummer 112 als schnellsten Weg – dort könnten dann auch direkt Rückfragen durch geschultes Personal erfolgen und so eine präzisere Lageeinschätzung ermöglicht werden. Dennoch bietet Nora einen wichtigen Vorteil in prekären Notsituationen: Man kann den Notruf mit Hilfe der App nämlich auch ganz lautlos als „stillen Notruf“ absetzen.

Das kann in Situationen sehr hilfreich sein, wenn man nicht will, dass ein Angreifer oder Einbrecher bemerkt, dass man Polizei oder Rettungskräfte alarmiert – in dem Fall wird der Alarmschlagende dann auch nicht zurückgerufen, sondern erhält Nachrichten über einen Chat. Die Funktionen der App kann man übrigens ganz bequem in einem Demo-Modus ausprobieren, ohne dass ein echter Notruf gesendet wird, eine super Möglichkeit, sich mit der All vertraut zu machen.

Info& auf Mainz&: Die Notruf-App Nora findet Ihr im App-Store Eures Handyanbieters zum kostenlosen Download – aber bitte: Kein Missbrauch! Ausführliche Informationen zur bundesweiten App Nora findet Ihr auch hier im Internet.