Wie sich die Bilder gleichen: Seit Mittwochnachmittag erlebt die Region um Bonn, was Mainz und Wiesbaden 2015 schon durchmachen mussten. Die wichtigste Autobahnbrücke von Bonn, die Nordbrücke, musste urplötzlich gesperrt werden, nun droht der gesamten Region ein Verkehrsinfarkt, der auch weit nach Rheinland-Pfalz hineinstrahlen wird – und das ist nicht die einzige Parallele: Auch in Bonn ist das Problem eine marode Vorlandbrücke, und auch hier wurde jahrelang diskutiert, anstatt gehandelt – weil ein linkes Bündnis, allen voran die Grünen, einen mehrspurigen Ausbau der Brücke durch Blockade verhinderte.

Die leere Bonner Nordbrücke: Die wichtige Autobahnbrücke über den Rhein ist seit Mittwochnachmittag voll gesperrt. - Video: WDR, Screenshot: gik
Die leere Bonner Nordbrücke: Die wichtige Autobahnbrücke über den Rhein ist seit Mittwochnachmittag voll gesperrt. – Video: WDR, Screenshot: gik

Die Hiobsbotschaft kam am Mittwochnachmittag: Die Rheinbrücke Bonn-Nord – offizieller Name: Friedrich-Ebert-Brücke – „wird ab heute (3.6.) um 15.00 Uhr vorsorglich voll für den Kraftfahrzeugverkehr und für den Rad- und Fußverkehr gesperrt.“ Das teilte die zuständige Autobahn GmbH des Bundes mit. Die Sperrung betreffe nicht nur das Bauwerk selbst, sondern auch die Abschnitte der A565 zwischen dem Autobahnkreuz Bonn-Nord und dem Autobahndreieck Bonn-Nordost.

Der Grund: Risse im Bauwerk, die Autobahn GmbH spricht von „strukturellen Schäden“, die bei einer aktuellen Brückenprüfung festgestellt worden sei – eine Sperrung sei unumgänglich. „Die Sicherheit der Menschen, die täglich über diese Brücke fahren, ist nicht verhandelbar“, betont die Autobahn GmbH, die Gutachten ließen keine andere Wahl. Man werde nun „weitere Detailuntersuchungen vornehmen, um technische Möglichkeiten zu untersuchen, mit denen die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben werden kann“, so die Autobahn GmbH weiter – bis dahin bleibe die Brücke gesperrt.

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Brücken-GAU in Bonn – Parallelen zum Crash der Schiersteiner Brücke

Damit hat die Bundeshauptstadt Bonn nun genau den Brückengau, den Mainz schon 2015 erlebte: Am Fastnachtsfreitag war damals ein Pfeiler der Vorlandbrücke der A643 bei Mainz-Mombach urplötzlich abgesackt, das Bauwerk instabil – die Autobahnbrücke, die genau auf die Schiersteiner Rheinbrücke zuführte, musste mit sofortiger Wirkung gesperrt werden. Was folgte, war ein monatelanger Super-GAU für den Verkehr im gesamten westlichen Rhein-Main-Gebiet – Wirtschaft, Pendler, Touristen, Reisende, sie alle standen monatelang im Stau. Die Wirtschaft litt unter Millionen-Schäden, Pendler verzweifelten auf dem Weg zur Arbeit.

Die politische Kolumne auf der Internetzeitung Mainz& zu aktuellen Themen. - Foto Mainz&
Die politische Kolumne auf der Internetzeitung Mainz& zu aktuellen Themen. – Foto Mainz&

All das droht nun auch der Bundesstadt Bonn mit Auswirkungen weit über deren Stadtgrenzen hinaus: Die Bonner Nordbrücke ist neben der Südbrücke in Bonn die wichtigste Rheinquerung zwischen Koblenz und Köln, laut ADAC benutzen sie pro Tag 100.000 Fahrzeuge – ihre Sperrung wird laut dem Automobilclub Umwege von 50 Millionen Kilometern pro Jahr und damit einen Schaden von geschätzten 170 Millionen Euro für die Wirtschaft verursachen. Und da sind Zeitverluste für Pendler auf dem Weg zur Arbeit noch gar nicht mitgerechnet. Die Auswirkungen werden nicht nur bis Köln spürbar sein, sondern auch weit nach Rheinland-Pfalz bis nach Koblenz hineinreichen.

Das Frappierende bei dem Ereignis aber sind die Parallelen zum Crash der Schiersteiner Brücke – und zu ihren Ursachen. Denn genau wie damals in Mainz traten auch hier die Schäden nicht an der Rheinbrücke selbst, sondern „am Tragwerk der linksrheinischen Vorlandbrücke“ auf, wie die Autobahn GmbH informiert. Genau wie zuletzt in Mainz wurde auch hier zunächst versucht, die Schäden dadurch einzugrenzen, dass man ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen erließ – doch genau wie zuletzt auf der A643 wurde dieses Fahrverbot offenbar in großem Stil ignoriert.

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Zehn Jahre Ausbaublockade in Bonn durch grünes Bündnis

Die Folge in Mainz ist aktuell die Sperrung der Abfahrt bei Mainz-Mombach aus Richtung Wiesbaden, was in Mainz zu erheblichem Umleitungsverkehr führt, und gerade die angrenzenden Stadtteile Mainz-Gonsenheim und Mainz-Mombach massiv belastet. Verärgerte Pendler, genervte Transportunternehmen – im Vergleich zum Vollkollaps in Bonn ist das geradezu harmlos. Nicht harmlos ist, dass die Autobahn GmbH beständig betont, die Abfahrtsrampe lasse sich erst wieder öffnen, wenn es eine neue Vorlandbrücke gebe – doch deren Neubau wird weiter von einem Bündnis aus Naturschützern und linken Parteien um SPD und Grüne blockiert.

Die neue Schiersteiner Rheinbrücke samt maroder Vorlandbrücke auf Mainzer Seite: Frappierende Parallelen zur Bonner Nordbrücke. - Foto: Autobahn GmbH
Die neue Schiersteiner Rheinbrücke samt maroder Vorlandbrücke auf Mainzer Seite: Frappierende Parallelen zur Bonner Nordbrücke. – Foto: Autobahn GmbH

Und hier eröffnet sich die wirklich spannende Parallele zur Bonner Nordbrücke: Die Rheinquerung hätte nämlich längst neu gebaut werden sollen, die Pläne liegen fertig in den Schubladen – doch geplant ist ein Neubau mit erweiterten sechs Fahrspuren statt der bisherigen vier. Diese Planung war sogar schon im Bundesverkehrswegeplan im Jahr 2016 eingestellt, doch seit zehn Jahren wird genau dieser Neubau blockiert, und zwar von einem Bündnis aus links-grünen Parteien im Schulterschluss mit Umweltverbänden.

Federführend dabei: die Grünen. Noch im Juli 2025 teilten die Bonner Grünen begeistert mit, die Bundesstadt Bonn werde dem Rat der Stadt Bonn am 4. September 2025 vorschlagen, die geplante Verbreiterung der A565 mit zusätzlichen Fahrspuren abzulehnen – ein weiterer Ausbau werde sich „negativ auf das Stadtklima auswirken“, zu mehr Lärm für die Bürger führen und „zu einem weiter steigenden Verkehrsaufkommen führen, statt eine Entlastung für den Verkehr zu bewirken.“

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Grüne in Bonn, grünes Bündnis Mainz: Noch 2025 Nein zum Ausbau

Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn war zu diesem Zeitpunkt die Grüne Katja Dörner, und die begründete die Ablehnung so: „Die Nordbrücke sollte schnell und kostengünstig erneuert und nicht auf das teils Doppelte verbreitert werden. Denn eine breitere Autobahn bedeutet mehr Verkehr, Hitze und Lärm in Bonn sowie weniger Wohnraum und Grünflächen.“ Der Bund solle stattdessen lieber die begrenzten Ressourcen nutzen, um die Bahn auszubauen, man habe zudem eine Radschnellverbindung mit Route über die Nordbrücke beim Bund angemeldet – das sei für Pendler viel attraktiver.

Protest des Bündnisses "Nix in den Mainzer Sand setzen" samt Beteiligung der Mainzer Grünen gegen den sechsspurigen Ausbau der A643 im August 2023 bei der Eröffnung der Schiersteiner Brücke. - Foto: gik
Protest des Bündnisses „Nix in den Mainzer Sand setzen“ samt Beteiligung der Mainzer Grünen gegen den sechsspurigen Ausbau der A643 im August 2023 bei der Eröffnung der Schiersteiner Brücke. – Foto: gik

Lesern in Mainz kommt das bekannt vor – nahezu gleichlautend fällt die Ablehnung des Bündnisses „nix in den Mainzer Sand setzen“ gegen den sechsspurigen Ausbau der A643 bei Mainz aus. Jedes Mal wird argumentiert, ein sechsspuriger Ausbau sei „gar nicht nötig“, obwohl die Verkehrsdaten der Planer genau das Gegenteil belegen. Jedes mal wird argumentiert, für Pendler seien Bahn- und Radverbindungen „viel attraktiver“, obwohl die Entwicklung des Verkehrsaufkommens über die jeweilige Brücke das Gegenteil belegen.

Dass damit notwendige Lkw-Verkehre völlig ignoriert werden, wird in jedem der Fälle ausgespart, stattdessen fordern die jeweiligen Bündnisse „einen flächenschonenden Ersatz“ und auf gar keinen Fall eine Verbreiterung der Brücken – schon gar nicht auf sechs Fahrspuren. In Bonn bildete die Stadtverwaltung genau wie in Mainz den Schulterschluss mit den ablehnenden Initiativen – das Ergebnis dürfte dasselbe gewesen sei wie in Mainz: Der Neubau der Vorlandbrücke mit sechs Spuren wird seit Jahren verhindert, in Bonn offenbar seit 2016.

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Bonn/Mainz: Notwendiger Ausbau auf sechs Spuren wird blockiert

In Mainz gibt es inzwischen eine sechsspurige Autobahnbrücke über den Rhein, die Schiersteiner Brücke wurde von Hessen gebaut – die Anschlussbrücke auf Mainzer Seite ist bis heute ein Behelfskonstrukt. Auch hier ist die Vorlandbrücke marode und muss mit zusätzlichen Stützen gesichert werden, auch hier droht ein finaler Zusammenbruch des Brückenbauwerks – und auch hier argumentiert die Autobahn GmbH: Ein Neubau sei unumgänglich, ein vierspuriger Anschluss an die sechsspurige Brücke verkehrstechnisch unsinnig und außerdem der Ausbau dringend nötig.

Die Vorlandbrücke der A643 mit der maroden Abfahrtsrampe und dem provisorischen Abschluss von der Rheinbrücke zur Vorlandbrücke. - Foto: Autobahn GmbH
Die Vorlandbrücke der A643 mit der maroden Abfahrtsrampe und dem provisorischen Abschluss von der Rheinbrücke zur Vorlandbrücke. – Foto: Autobahn GmbH

Passiert ist bisher: nichts, vor allem, weil das Bündnis aus linken und grünen Parteien und Naturschützern den Ausbau weiter vehement ablehnt. Noch im Dezember 2025 klagte die Mainzer FDP – die da noch selbst Teil der Ampel-Regierung war -, jeder Versuch, den Ausbau der A643 konstruktiv voranzubringen, sei „von SPD und Grünen auf Landes- und Stadtebene torpediert“ worden. „Wer den Ausbau kategorisch ablehnt, hat damit auch verhindert, dass die notwendige Sanierung der Vorlandbrücke und Schutzmaßnahmen für Anwohner umgesetzt wurden“, kritisierte der FDP-Bauexperte Thomas A. Klann.

In Mainz wechselte am 18. Mai die Landesregierung, der Bereich Verkehr wird seitdem vom CDU-geführten Innenministerium verantwortet – und das muss die Misere nun ausbaden. Der CDU steht dabei eine SPD als Koalitionspartner gegenüber, die bis heute ihre Blockadehaltung gegen den Ausbau nicht verändert hat – Ergebnis: offen. In Bonn verloren die Grünen bei der Kommunalwahl am 14. September 2025 deutlich an Stimmen, die CDU legte kräftig zu und stellt seither mit rund 30 Prozent die Mehrheit im Bonner Rat.

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Neuer CDU-OB von Bonn: Problem vor die Füße gekippt bekommen

Mehr noch: nach fünf Jahren hatten die Bonner von der grünen Oberbürgermeisterin und ihren Verkehrsexperimenten in der Innenstadt genug – am 28. September verlor Dörner in der Stichwahl ums OB-Amt in Bonn klar gegen den CDU-Herausforderer Guido Déus, der mit 54 Prozent der Stimmen gewann. Déus bekommt nun den Scherbenhaufen um die marode Nordbrücke buchstäblich vor die Füße gekippt.

Ein Vertreter der Autobahn GmbH sicherte am Donnerstag im WDR-fernsehen zu: Die Bonner Nordbrücke hat alleroberste Priorität. - Screenshot: gik
Ein Vertreter der Autobahn GmbH sicherte am Donnerstag im WDR-fernsehen zu: Die Bonner Nordbrücke hat alleroberste Priorität. – Screenshot: gik

Déus richtetet umgehend eine Task Force ein, diese habe bereits diverse Ad hoc-Maßnahmen beschlossen, informierte die Stadt Bonn auf ihrer Homepage. Dazu gehören etwa Maßnahmen für einen besseren Verkehrsfluss auf der Ost-West-Achse in Bonn, neue Wegführungen für Radfahrende, zusätzliche P&R-Parkplätze, eine Entzerrung von ÖPNV und Individualverkehr sowie eine Taktverdichtung des ÖPNV – aber auch eine Ausweitung von Homeoffice-Regelungen, um Pendlerverkehre zu mindern.

Déus appellierte an Unternehmen in Bonn und der Region zu prüfen, inwiefern sie ihren Beschäftigten vermehrt Homeoffice anbieten können – bei der Stadtverwaltung in Bonn habe man das bereits umgesetzt. Geprüft werde auch, ob anstehende Baumaßnahmen verschoben werden könnten. Und der Oberbürgermeister machte ein kleines bisschen Hoffnung: Die Autobahn GmbH werde in den nächsten zwei Wochen die Brücke intensiv untersuchen und danach die Lage neu bewerten: „Wir hoffen, dass im Ergebnis die Nordbrücke für Fuß- und Radverkehr sowie bestenfalls auch für einen vermutlich sehr eingeschränkten Individualverkehr freigegeben werden kann.“

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Autobahn GmbH: gesperrte Brücke hat höchste Priorität

Am Freitag will sich zudem Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) persönlich in Bonn über die Lage informieren beim Bund hat man das Katastrophale der Situation durchaus erkannt: „Eine Brücke, die für den Verkehr gesperrt werden muss, hat allerhöchste Priorität, da geht nichts mehr drüber“, sagte am Abend ein Vertreter der Autobahn GmbH im WDR-Fernsehen, und versicherte: „Wir konzentrieren jetzt alle Kräfte hier auf die Bonner Nordbrücke.“

Die Moral von der Geschichte aber lautet für Bonn wie für Mainz: Wer notwendige Neubauten von wichtiger Autobahn-Infrastruktur aus ideologischen Gründen blockiert, wird mit einem Super-Brücken-GAU aufwachen. Und wer jetzt auf „die böse Bundesregierung“ und „die unfähige Autobahn GmbH“ schimpft, sollte sich mal fragen: Woran liegt es wirklich, dass die Brücke noch nicht steht? Wer hat das denn blockiert?

Höchste Zeit, dass die Alarmzeichen auch in Mainz gesehen werden – die Autobahn GmbH hat ihre Warnungen bereits überaus deutlich gemacht: Es gebe in der Mombacher Brückenrampe „statische Defizite“, es bestehe „ein enormes Sicherheitsrisiko“ – Lösung: nur mit Hilfe eines Neubaus…. letzte Ausfahrt: Vollsperrung.

Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht zu den Hintergründen der jahrelangen Ausbau-Verzögerung um die A643 bei Mainz findet Ihr hier auf Mainz&, einen aktuellen Bericht zur maroden Vorlandbrücke bei Mainz-Mombach und der gesperrten Rampe findet Ihr hier bei Mainz&.

„Enormes Sicherheitsrisiko“: Sperrung der Ausfahrt der A643 nach Mainz-Mombach bleibt – „Konnten Lkw-Verkehr nicht unterbinden“