Die dritte Corona-Welle breitet sich weiter vor allem in den jüngeren Altersgruppen stark aus – Schulen und Kitas werden gerade regelrecht zu Hotspots der Corona-Pandemie. In Mainz und dem Landkreis Mainz-Bingen wurden allein in den vergangenen zwei Wochen Corona-Infektionen in 21 Schulen und 16 Kitas registriert, Grund ist die neue Virus-Mutation: Die hochansteckende Variante B.1.1.7 hat mit inzwischen 90 Prozent der Neuinfektionen inzwischen die Kontrolle über das Pandemiegeschehen übernommen. Trotzdem hält das Land Rheinland-Pfalz bisher an Wechselunterricht in Präsenz fest – nach Ostern soll es aber zwei Schnelltests pro Woche geben. Regionen mit einer Inzidenz über 100 könnte aber erneut Fernunterricht winken.

Die Corona-Infektionen nehmen derzeit vor allem bei Kindern und Jugendlichen stark zu. - Grafik: RKI
Die Corona-Infektionen nehmen derzeit vor allem bei Kindern und Jugendlichen stark zu. – Grafik: RKI

Die dritte Corona-Welle werde „schlimmer, als die ersten beiden“, warnt der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, bereits seit Wochen – und sie breite sich vor allem bei jüngeren Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 12 Jahren besonders stark aus. Im Gegensatz zu den ersten beiden Wellen der Corona-Pandemie rücken damit nun ausgerechnet die Gruppen ins Zentrum des Pandemiegeschehens, von denen man bisher glaubte, dass sie kaum betroffen seien: kleine Kinder und Jugendliche.

Seit Anfang des Jahres sei eine Altersverschiebung beim Infektionsgeschehen erkennbar, sagte nun der Leiter des Gesundheitsamtes Mainz-Bingen, Dietmar Hoffmann: Inzwischen träten in den Seniorenheimen auch dank der erfolgten Impfungen nur noch wenige Fälle von Corona-Infektionen auf, stattdessen aber häuften sich nun in Schulen und insbesondere in Kitas die Fallzahlen. Bis zum Beginn der Osterferien seien in den vergangenen zwei Wochen acht Schulen im Landkreis und 13 Schulen in der Stadt Mainz von Corona-Infektionen betroffen gewesen.

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Leere Schulflure, geschlossene Kitas: Das Infektionsgeschehen hat in den Einrichtungen stark zugenommen. - Foto: privat
Leere Schulflure, geschlossene Kitas: Das Infektionsgeschehen hat in den Einrichtungen stark zugenommen. – Foto: privat

Vor allem aber in den Kitas komme es aktuell zu einem größeren Infektionsgeschehen, teilte Hoffmann weiter mit: Allein in der Stadt Mainz seien derzeit zwölf Einrichtungen betroffen, insgesamt seien 21 Pädagogen und 23 Kinder von Infektionen betroffen, weitere 43 Erzieher sowie 226 Kinder befänden sich in Quarantäne. Das ist geradezu eine explosionsartige Zunahme: Am 26. März hatte das Gesundheitsamt noch von gerade einmal drei betroffenen Kitas in Mainz gesprochen. Besonders betroffen sei ein Mainzer Kindergarten mit 13 infizierten Kindern und 4 Betreuerinnen. Umgebungsuntersuchungen der Kitas hätten zehn weitere Fälle beim Personal und 20 Neuinfektionen bei Kindern ergeben – damit dürfte die bisherige Darstellung der Politik, Kinder und Erzieher würden sich nicht in den Einrichtungen selbst anstecken, endgültig überholt sein.

Im Landkreis Mainz-Bingen sind derzeit vier Kindertagesstätten von Corona-Infektionsfällen betroffen, hier sind den Angaben zufolge zwei Erwachsene und zwei Kinder infiziert, 29 Erzieherinnen sowie 103 Kindern befinden sich in Quarantäne. Mit der Ausbreitung der neuen Mutante werde die Quarantäne, die grundsätzlich 14 Tage dauere, für Kontaktpersonen oder Grenzfälle strenger ausgelegt, teilte das Gesundheitsamt weiter mit. So werde bei Kontaktpersonen, die nicht klar der Kategorie eins oder zwei zugeordnet werden könnten, eher auf die Verhängung einer Quarantäne entschieden als zuvor.

Die Ende Dezember in Großbritannien zuerst entdeckte Virus-Mutation B.1.1.7 gilt als deutlich aggressiver, ansteckender und auch gefährlicher, nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) hat B.1.1.7 inzwischen die vorher gängige Wildvariaten nahezu vollständig verdrängt: In Deutschland liegt dem RKI zufolge der Anteil der Mutanten des Corona-Virus bei mittlerweile 90 Prozent, davon sind allein 88 Prozent der britischen Mutante zuzuschreiben. Der Verband der Kita-Fachkräfte fordert angesichts der neuen Entwicklung nun von der Politik, die Kitas in der dritten Welle bei der „Notbremse“ nicht zu vergessen.

Test mit Luftfiltergeräten in Klassenzimmern im Willigis-Gymnasium in Mainz. - Foto: gik
Test mit Luftfiltergeräten in Klassenzimmern im Willigis-Gymnasium in Mainz. – Foto: gik

Es sei „besorgniserregend“, dass sich die Infektionsfälle in Kitas und Schulen innerhalb von nur einer Woche verdoppelt hätten, „die Notbremse, die in allen gesellschaftlichen Bereichen zum Tragen kommt, muss auch für die Kitas gelten“, forderte der Verband am Donnerstag: Auch für die Kitas müsse eine verbindliche Notbetreuungsregelung bei einer Inzidenz von mehr als 100 Fällen pro 100.000 Einwohnern greifen. Volle Gruppen mit über 20 Kindern im Raum, die Zusammenlegung und Durchmischung der Gruppen und des Personals im Alltag, böten dem Virus ideale Bedingungen, sich auszubreiten, deshalb müsse hier dringend gegengesteuert werden.

„Um längerfristig einen regelmäßigen KiTa-Besuch für alle Kinder zu gewährleisten, brauchen wir effektive Schutzmaßnahmen wie vollen Impfschutz der Mitarbeitenden, Luftfiltergeräte und regelmäßige Tests für Personal und Kinder“, forderte der Verband weiter. Lollitests könnten auch junge Kinder handhaben. Bislang soll es Schnelltests für Schüler nur an den Schulen im Land geben, Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte bislang einen Test pro Woche nach den Osterferien für alle Schüler im Land angekündigt. Am Mittwoch legte die Ministerin nach: Nach den Osterferien sollen nun sogar zwei Mal pro Woche Selbsttests für Lehrkräfte und Beschäftigte sowie für die Schüler in den Schulen stattfinden.

Müssen die Schulen nach Ostern zurück in den Fernunterricht? - Foto: privat
Müssen die Schulen nach Ostern zurück in den Fernunterricht? – Foto: privat

Gleichzeitig kündigte Hubig aber auch an, am Wechselunterricht in Präsenz in geteilten Klassen festhalten zu wollen. Wo die Inzidenz 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreite, werde aber das Gesundheitsamt mit den Verantwortlichen vor Ort und der Schulaufsicht beraten, ob weiter Wechselunterricht stattfinden könne oder auf Fernunterricht umgestellt werden müsse, sagte sie zugleich. Damit könnte auf Mainzer Schüler nach den Ferien erneut Fernunterricht zukommen – in Mainz stieg die Sieben-Tages-Inzidenz am Donnerstag auf inzwischen 121.

Hubig betonte, der Wechselunterricht werde „mit der konsequenten Umsetzung der Hygienekonzepte sowie der Erweiterung unserer Teststrategie begleitet“. Beim Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz hieß es zudem, die Daten zu Infektionszahlen an Schulen aus diesem Jahr zeigten, dass es trotz des veränderten Infektionsgeschehens im Wechselunterricht weiterhin zu sehr wenigen Übertragungen komme. Die Hygienekonzepte an den Schulen funktionierten offensichtlich sehr gut.

Lüftungsanlage des Max-Planck-Instituts für Chemie in einer Mainzer Grundschule. - Foto: MPIC
Lüftungsanlage des Max-Planck-Instituts für Chemie in einer Mainzer Grundschule. – Foto: MPIC

Der Verband Bildung und Erziehung forderte, wenn die Schulen offen gehalten würden, müsse nun aber auch das Personal geimpft werden – und zwar in allen Schulen. Rheinland-Pfalz macht bisher aber ein Impfangebot nur Lehrkräften an Grundschulen – im Gegensatz zu anderen Bundesländern. „Wenn auch Baden-Württemberg, Berlin oder Sachsen-Anhalt den Lehrern aller Schularten ein Impfangebot unterbreiten, müssen wir nachziehen – und zwar schnell“, forderte VBE-Landeschef Gerhard Bold. Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) sehe „keine relevanten Unterschiede hinsichtlich des Infektionsrisikos bei den unterschiedlichen Schularten – wieso wird dann bei der Priorisierung unterschieden“, kritisierte er.

Wenn die Schulen offen gehalten und Präsenzunterricht für Schüler aller Jahrgangsstufen ermöglicht werde, müsse auch der Gesundheitsschutz stimmen – erst Recht, wenn landes- und bundesweit die Infektionszahlen auch unter Kinder und Jugendlichen rasant stiegen, betonte Bold: „Wir schließen uns dem Appell unserer bayerischen Kolleginnen und Kollegen an: Ohne Impfung wollen wir nicht zurück in die Schule!“

Info& auf Mainz&: Mehr zum Infektionsgeschehen bei Kindern und Jugendlichen in der dritten Welle lest Ihr hier bei Mainz&, die Debatte, ob Kinder „Treiber der Pandemie“ sind, haben wir hier bei Mainz& ausführlich analysiert. Das Mainzer Bildungsministerium hat nun für Mittwoch nach Ostern zu einer Pressekonferenz eingeladen, dann will Ministerin Hubig über „die Situation in den Kindertagesstätten, neue Hygienehinweise und den Start der Selbsttests für das Kita-Personal“ informieren.

 

2 KOMMENTARE

  1. Ich wünsche mir als Eltern jetzt Engagement und Pragmatismus beim Testen in Kitas und Schule. Leider erlebe ich das Gegenteil:
    1. Beispiel Mainzer Kita: Auf meine Frage in welchem Maß das freiwillige regelmäßige Testen unten den Beschäftigten (insgesamt, nicht personenbezogen) angenommen wird, wird mit Verweis auf Datenschutz schlicht die Aussage verweigert.
    2. Beispiel Mainzer Grundschule: Tests für die Schüler waren nach den Osterferien vorgesehen., gleichwohl muss die Schulleitung informieren: erstmal keine Testung, Tests sind nicht da, viele Fragen, das Ganze sei „nicht unproblematisch“. Und nebenbei, Präsenzpflicht besteht natürlich weiterhin.

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