Wenn die Fastnachtsvereine zu ihren großen Prunksitzungen laden, dann ist die Kampagne so richtig in den Vollen. Beim Karneval Club Kastel (KCK) tummelten sich da in diesem Jahr muntere Langfinger und wilde Dschungeltiger, es wurde gebacken, geschunkelt und natürlich der hohen Politik den Narrenspiegel vorgehalten. „Närrisch bunt, wie’s uns gefällt – in allen Farben dieser Welt“ lautet das Motto 2026, und genau so wurde die närrische Weltreise auch. Was auffiel: Die Fastnacht wird nicht nur bunter, sie wird auch fetziger – und weiblicher. Erstmals nämlich gab es ganz regulär weibliche Komiteeterinnen.

Das ging gleich gut los: Zum ersten Mal präsentierte der ehrwürdige Karneval Club Kastel (KCK) ein Intro zu beginn seiner Sitzung – und was für eines. „Fassenacht in Meenz“, schmetterte eine junge Combo in schmissigem Swing-Sound und mit weiblicher Stimmgewalt – die Frauen kommen, auch beim KCK! „Fassenacht in Meenz“, jazzte es gut gelaunt durch den Saal, und KCK-Präsident Dirk Loomans persönlich glänzte mit einer satten Gesangseinlage: „Weck, Worscht, Woi und oioioi“, schallte es von der Bühne – der Ton für den Abend war gesetzt.
Denn auch im Verlauf der sechsstündigen Sitzung setzte man beim KCK auf jede Menge Sound und Schwung. Da brachte das Trio Aeterna nach dem Einmarsch der Garden den Saal noch einmal auf Betriebstemperatur, denselben Dienst verrichteten nach der Pause die KappellMainzer: Thorsten Ranzenberger und Christopher Ludwig brachten den Saal nicht nur mit ihrem Evergreen „Schwellkoppträger“ zum Beben. „Wieder Fastnacht“, sang Kathrin Dohle – und der Saal zelebrierte den ganzen Abend über genau das.
Geliebte Eisbären, Dschungel-Tiger und Schlumpfinen
Praktisch kein Akteur kam ohne Standing Ovations oder eine Zugabe davon, so groß waren Spielfreude und Fastnachtslust im Gutenberg Saal der Rheingoldhalle. Da mischten die Eisbären in ihrer „Fastnachtsbäckerei“ Spielszenen mit Stimmgewalt, die Gesangstruppe feiert ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum, und wirkt doch musikalisch frischer und spritziger als jemals zuvor: Zum 20. hat sich der Männerchor ein neues Lied komponieren lassen, „Ich bin verliebt in einen Eisbären“ wurde umgehend ein Hit und räumte gar Platz 3 beim SSC Song Contest ab.

„Närrisch bunt, wie’s uns gefällt – in allen Farben dieser Welt“, so lautet das Motto des KCK in der Kampagne 2026, und der Club machte dem alle Ehre. Gleich zwei große Showtanzformationen zauberten wilder Welte und schlumpfige Lieblichkeiten auf die Bretter: Die Truppe „Elementrix“ entführte nach „Madagaskar“ und ließ vor allem Tanzträume wahr werden – mit atemberaubenden Akrobatik-Flugeinlagen. Bis zum Dach der Halle bauten die Tänzerinnen die Pyramiden, dass dem Publikum schier die Spucke wegblieb.
Die „Magic Elements“ wiederum begeisterten schon beim Rucki Zucki Dance Contest des MCV das Publikum so sehr, dass sie den Publikumspreis einheimsten. Beim KCK verzückten die blau-weißen Schlumpfinen mit „Daddy Cool“ und perfekter Choreographie. Direkt aus dem Louvre waren hingegen die „Altrheinstromer“ angereist: Die Musiktruppe ist in diesem Jahr als Langfinger unterwegs und teilt im Panzerknacker-Outfit die gute Laune freigebig mit dem Publikum.
Ein Kanzler und seine Fettnäpfchen: Die Politik bekommt ihr Fett weg
Apropos Louvre: Die „Moguntia“ hat eine neue Krone, die habe sie in Paris auf einem Flohmarkt erstanden, spricht Johannes Bersch mit feinem Schmunzeln – und schon sind wir mitten drin in den feinsinnigen Gehässigkeiten eines der besten Politik-Redners der Mainzer Fastnacht. Auch in diesem Jahr wieder glossiert die „Moguntia“ das Weltgeschehen, vergisst wie immer die Absurditäten des Alltags nicht und hält Groß wie Klein den Spiegel vor – jeder Satz ein Treffer.

Natürlich darf zu Beginn der Sitzung auch das Protokoll nicht fehlen, Bardo Frosch wundert sich närrisch über Friedrich Merz und Donald Trump und bedenkt die „rote Heidi“ gar mit einem Narren-Rap. Dem Neu-Kanzler bescheinigt er: „Der Kanzler tritt, wie kann das sein, in jedes Fettnäpfchen hinein“, und schüttelt den Kopf über den Bundeskindergarten in Berlin. „So vieles liegt den Menschen quer“, klagt Frosch, und fordert doch auch Respekt und Humor ein, „nicht nur Gemecker“. Der „Friedenspreis“ für Donald Trump vom Fifa-Boss macht den Narren restlos fassungslos: „Welch eine Farce, blamabel für den Fußball war’s!“
Den US-Präsidenten kann der „Deutsche Michel“ nicht mehr sehen – er ignoriert ihn einfach: „Statt den Kasper zu glossieren, tue ich ihn lieber ignorieren“, reimt Bernhard Knab in seiner Paraderolle – und widmet sich dann lieber ausführlich Themen wie der Stadtbild-Debatte und der Schieflage im Land. „Merz Wortwahl war eher schlecht, in der Sache hat er leider recht“, mahnt der „Michel“ und schreibt denen, die da „Rassismus“ rufen ins Stammbuch: „Ob man das Kind beim Namen nennt, oder totschweigt, permanent, dadurch wurde die AfD so groß – wie hoch steigt die Welle noch? Zufriedenheit die nimmt reißaus, so drückt der Wähler dies nun aus.“
Der Rat des Narren an die Politik: „Handeln – und die Wahrheit sage“
Der Rat des Narren an die Politik: „Lasst das Parteiendenken sein, stellt die Wirtschaft auf die Bein‘, senkt die Energie, wie kann man wohnen und auch wie, auch mal Fehler eingesteh’n – ‚Bürgerkorrekt‘ wär dieser Tage: Handeln und die Wahrheit sage.“ Den Bürger mit seinen Problemen „ins Rampenlicht rücken, die Preise nach unten drücken – damit wir Euch Vertrauen schenken, müsst Ihr erst an uns Bürger denken.“ Nur wenige reden so starken Klartext wie Knab, der Saal dankt es mit donnernden Ovationen.

Für den Kokolores sind auch in diesem Jahr Marcel Jakobi, Jens Baumgärtner und Alexander Leber zuständig, Baumgärtner legt als „Apotheker“ wieder einmal fein säuberlich den Finger in die Wunde, und schön dabei: Nicht nur die Frauen bekommen ihr Fett weg. „Woran erkennt man, dass ein Mann krank ist“, fragt Baumgärtner, und gibt auch gleich die Antwort; „Er erzählt es Dir alle fünf Minuten.“ Dem weiblichen Teil des Saals gefällt das sehr. Marcel Jakobi geht in diesem Jahr als Student auf Wohnungssuche, das gibt genug Stoff für zutiefst närrische Szenen.
Alexander Leber wiederum hat seine Dauerrolle als „Polizist“ ordentlich aufpoliert, seine Geschichten kommen pfiffig und modern daher, die Pointen sitzen. Das klappt natürlich auch bei den „Tramps vun der Palz“, die lieb gewonnen, schrulligen Originale gehen – passend zum KCK-Motto – auf Weltreise und stauben in Hawaii, Australien und Tirol allerlei Pointen ab – Dirk Loomans und Reinhard schwarz präsentieren das herrlich trocken und ohne eine Miene zu verzieren. Heee-lau!

Feine Newcomer, Kurioses mit „Hotte & Pit“: Närrische Weltreise
Eine Strapaze für die Lachmuskeln sind wie immer „Hotte & Pit“, das Komikerduo des KCK treibt die Geschichte um „Dr. Fred von der Flachzange“ und dem trinkfreudigen Herrn Filzbacher zu immer neuen Höhen und Wendungen – in diesem Jahr widmet sich der steife Herr Arzt dem Ernst der Fastnacht, und natürlich kann das nicht gut gehen. Wie gut, dass danach das große Finale kommt, mit einer tollen Nadine Meurer und den Altrheinstromern, sympathisch und mit Herz moderiert, wie die gesamte Sitzung, von Daniel Vetter.

Und apropos Gesang: Mitten in die Sitzung schlich sich noch eine kleine Gold-Nummer, die aufhorchen ließ. Louisa Häring und Damian Bach gaben als Schlagerduo „Günter und Gisela“ eine zauberhafte kleine Narren-Nummer mit super Stimmen und feinem Humorgespür, da hat das Narrengen doch wieder zwei spannende Newcomer auf die Bühne gezaubert, dem Hören nach aus der Mainzer Musikhochschule. Welcome in der Meenzer Fastnacht, eine neue, bunte Farbe im großen Narrenspiel.
Im Foyer wurde danach noch fleißig gefeiert, denn um Mitternacht gab es einen weiteren Grund: KCK-Präsident Dirk Loomans wurde 60 Jahre alt – da gratulierte die bunte Narrenschar!
Info& auf Mainz&: Mehr zu den Sitzungen des KCK in der Kampagne 2026 und seinen Aktiven findet ihr hier im Internet. Fotogalerie folgt!






