An Helga führte einfach kein Weg vorbei: Der Überraschungshit von Newcomer „Hollebutz“ über die Mainzer Kultwirtin Helga Naß war am Samstagabend beim SSC Song Contest des Gonsenheimer Carneval Vereins (GCV) die unangefochtene Nummer 1. Dabei war die Konkurrenz hart wie nie: Gleich 14 Songs waren in diesem Jahr bei dem Bandwettbewerb angetreten, zum 5. Mal suchte der GCV den Kampagnensong des Jahres zum Auftakt in die Mainzer Fastnachtskampagne. Von hartem Rock bis Disco, von Hip Hop-Rap bis zur gefühlvollen Ballade: Die Bandbreite der Mainzer Musikszene ist groß wie nie – und das Niveau hochgradig professionell.

Hatte sichtlich Spaß am Samstagabend beim SSC Song Contest des GCV: Wirtin Helga Naß (vorne), hinter ihr Marvin "Hollebutz" un die Jury. - Foto: gik
Hatte sichtlich Spaß am Samstagabend beim SSC Song Contest des GCV: Wirtin Helga Naß (vorne), hinter ihr Marvin „Hollebutz“ un die Jury. – Foto: gik

Der Text ist eher schlicht, doch genau damit traf der „Hollebutz“ den Nerv: „Geh’n wir wieder bei die Helga, Da simmer schnell da, hintern Bahnhof gibt‘s e Schoppe…“, singt der 33-Jährigen Newcomer, und drückte damit ein Lebensgefühl vieler Mainzer aus: Seit 45 Jahren führt Helga Naß in einer umgebauten Garage die Kneipe „Bei Helga“, an einer schnöden Durchfahrtsstraße hinter dem Hauptbahnhof in Mainz. Hier gibt es Schnitzel und Bier zu fairen Preisen, und dazu eine gute Portion Meenzerisch und Herzenswärme – „Bei Helga“ und seine energische Wirtin sind seit vielen Jahren Kult in Mainz.

Nun steht Helga Naß auf der Bühne des Mainzer KUZ hinter einer improvisierten Theke, winkt mit beiden Armen und strahlt über das ganze Gesicht. Dass man ihr einmal einen Song widmen würde, macht die sonst so frei daher babbelnde Wirtin richtiggehend sprachlos, dass einmal 450 Menschen hemmungslos „Hey, hey Helga“ skandieren würden, und der Song dann auch noch den Siegerplatz abräumt… aber der Reihe nach.

- Werbung -
Werben auf Mainz&
Werbung

 

5. SSC Song Contest des GCV mit Zuschauerrekord

Zum 5. Mal hatte der Gonsenheimer Carneval Verein (GCV) zum SSC Song Contest geladen. Ins Leben gerufen wurde der Wettbewerb aus der Not heraus während der Corona-Pandemie, 2022 gab es für die ausfallende „Stehung“ halt den „SSC Stehung Vision Song Contest“ – daraus geworden ist ein Bandwettbewerb mit unglaublicher Dynamik: Binnen vier Jahren ist die Zahl der Bands, die sich für eine Teilnahme bewerben, explodiert – und die Zahl der Zuschauer auch.

Grandiose Stimmung, Rekorde bei Teilnehmern und Zuschauern: Finale beim SSC Song Contest am Samstagabend im KUZ mit glücklichem Moderatorenduo Teresa Betz und Thomas Becker (vorne). - Foto: gik
Grandiose Stimmung, Rekorde bei Teilnehmern und Zuschauern: Finale beim SSC Song Contest am Samstagabend im KUZ mit glücklichem Moderatorenduo Teresa Betz und Thomas Becker (vorne). – Foto: gik

Kamen 2024 noch gut 300 Fastnachtsbegeisterte live zur Party ins KUZ, so waren es 2025 rund 350 – in diesem Jahr wollten bereits 450 Menschen die Show im KUZ live miterleben. Der GCV bietet parallel dazu einen hoch professionellen Livestream an, 2025 nutzten den 700 zahlende Kunden – in diesem Jahr verzeichnete der GCV 2.000 Streams. „Wir gehen davon aus, dass dabei mindestens das 2,5-fache an Zuschauern vor den Geräten sitzt“, sagte GCV-Sprecher Christoph Häusl – damit hätten zwischen 5.000 und 6.000 Zuschauer den SSC verfolgt.

Das zeigte sich auch am Ende bei der Abstimmung 4.400 Votings gingen laut GCV auf der eigens geschalteten Online-Plattform ein – im Vorjahr waren es noch 2.500 Votings. Die Zahlen zeigen, was dem GCV gelungen ist: Der SSC ist auf dem besten Weg, eine absolute Kultveranstaltung in Mainz zu werden – und die Musikszene der Mainzer Fastnacht gründlich umzukrempeln. „Wir wollen die Veranstaltung einfach breiter streuen und die Lieder bekannter machen“, hatte es vom GCV 2025 noch geheißen – das gelang schon dieses Jahr gründlichst.

Werbung

 

14 Bands im Contest, 7 im Vorentscheid, Newcomer vor Altstars

Statt 12 Songs traten in diesem Jahr gleich 14 Bands zum Song Contest an, zwei davon mussten sich in einem harten Vorentscheid durchsetzen, zu dem insgesamt sieben Musikacts angetreten waren. Man bekomme so viele Bewerbungen, dass der Vorentscheid nötig geworden sei, sagte Häusl, und verriet: Man wolle den Vorentscheid künftig auch weiter ausbauen. Durch die Abstimmungsrunde vor dem SSC müssen auch bereits bekannte und etablierte Mainzer Fastnachtsgruppen, die „Spassmacher Company“ qualifizierte sich auf diese Weise erneut für den SSC – ebenso wie zum ersten Mal der „Hollebutz“.

Rockten gleich zu Beginn den Saal im KUZ: Die Newcomer "Mainzer Altstadtdisco". - Foto: gik
Rockten gleich zu Beginn den Saal im KUZ: Die Newcomer „Mainzer Altstadtdisco“. – Foto: gik

Im Vorentscheid scheiterten hingegen Vorjahres-Teilnehmer wie Michi Hay, der mehrfach für die Mainzer Neustadt antrat – ein Grund: Die Anforderungen für die Bands werden immer höher. Wer dabei sein wolle, müsse jetzt bis zum Tag des Song Contest einen fertig unter Studio-Bedingungen produzierten Song vorlegen, der im Anschluss auf Streaming-Plattformen ausgespielt werde, verriet Häusl gegenüber Mainz&. Die Songs müssen zudem Eigenkreationen sein, dürfen kein reines Cover sein oder müssen die Rechte dazu besitzen – das schaffen sogar etablierte Fastnachtsbands wie „Die Humbas“ oder Shooting Star Laura Müller nicht.

Überhaupt zeigte sich am Samstagabend im KUZ: Der Trend beim SSC geht weg von den klassischen Fastnachtscombos wie etwa den „Altrheinstromern“, auch ein Oliver Mager oder die Mainzer Hofsänger waren nicht mit von der Partie. Stattdessen fächerte der SSC eine enorme Bandbreite von Musikbands auf, die mit brandneuen Mainz-Hymnen die Szene bereichern. Das fing gleich mit der Startnummer 1 an: „Ich will nach M-E-E-N-Z“, rockten die  zwei Jungs von der „Meenzer Altstadtdisco“, absolute Newcomer auf der Fastnachtsbühne und gleich eine Art Geheimtipp.

Werbung

 

Ehrenpreis „Goldener Steher“ für Mainzer Hofsänger

Die „Amigos del Sol“ wiederum hatten die Stadionhymne „Mainzaaa“ und gleich auch noch die Mainzer Hofsänger als Backgroundchor dabei – vor denen verneigte sich der SSC am Ende noch mit der Verleihung des Ehrenpreises „Goldener Steher“. Der Anlass, klar: das 100. Jubiläum des berühmten Mainzer Fastnachtschores. Auch das zeigte: Die traditionelle Fastnacht und ihre Musik modernisiert sich ebenfalls zusehends, Berührungsängste gibt es nicht mehr – dafür eine enorme Bandbreite an Musikstilen.

Die GCV-Band "Voll auf die Elf" rockte erneut Mainzigartig. - Foto: gik
Die GCV-Band „Voll auf die Elf“ rockte erneut Mainzigartig. – Foto: gik

„Voll auf die Elf“ rockte „Die Gläser hoch, auf alles, was wir sind“, und die „Moritze“ hatten erneut eine wunderschöne, leicht folkig-angejazzte Meenz-Hymne im Gepäck. Die neue Band „Grundfunk“ packte gar eine coole Hip Hop-Rapnummer auf die Bühne, mitreißend und packend, und die „Schnorreswackler“ bezauberten mit einer „Lichter unserer Stadt“-Version der Balladen-Extraklasse – Gänsehaut pur!

Die „Spaßmacher Company“ ging daneben mit ihrer schönen Fastnachtshymne „Mainz auf die Eins“ beinahe schon unter, Acts wie Lea Hieronymus hatten mit ihrem Discosong erst Recht keine Chance. Die Abräumer im Saal und wohl auch im Stream waren Mainz-Songs mit viel Herzblut, aber eben auch hoher Professionalität und peppigem Mitmach-Refrain gemacht – oder Kultacts wie die „Kammersänger“. Johannes Bersch und sein Partner Sebastian Kraus kamen mit einer urkomischen Udo Lindenberg-Umdichtung des bekannten „Cellos“ am Ende auf einen sehr guten vierten Platz, die geniale Hommage an die Meenzer Schwellköppe begeisterte vor allem die Zuschauer.

Werbung

Erstmals Expertenjury mit Hofsänger-Kapitän und OB Haase

Erstmals beim SSC gab es nämlich auch eine Expertenjury, bestehend aus dem Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos), der Mainzer Content-Creatorin Anja (bekannt als frustrierte.alte) dem Co-Host des Kaiser-Talk Phillipp Bommersheim sowie niemand Geringerem als dem Kapitän der Mainzer Hofsänger, Vincent Grimmel. Die vier kommentierten die Musicacts von der Seitenlinie mit launigen, aber auch fachlich versierten Kommentaren, speziell Hofsänger-Käptn Vincent Grimmel bringt eine fundierte Musikausbildung mit, Musiktheater inklusive.

Erstmals lieferte eine Expertenjury von der Seitenlinie Einschätzungen und Punkte. - Foto: gik
Erstmals lieferte eine Expertenjury von der Seitenlinie Einschätzungen und Punkte. – Foto: gik

„Ich habe in den letzten 2,5 Tagen mehr Bestechungsversuche bekommen, als in 2,5 Jahren als OB, so wichtig ist den Leuten das hier“, scherzte Haase über seinen Jury-Job: „Das ist mal Verantwortung…“ Die Jury schaute unter anderem darauf, ob ein Song hittauglich ist, unter die Haut geht und auch über mehrere Wochen trägt, am Ende machte das Jury-Votum 25 Prozent des Rankings aus. Und da zeigten sich deutliche Unterschiede zum Publikums-Voting, denn bei der Jury lagen am Ende die Newcomer von „Grundfunk“ auf Platz zwei, die „Amigos“ auf Platz drei und Laura Heinz auf Platz 4.

Die Sängerin vom GCV hatte mit ihrer Ballade über die Mainzer Nächte Publikum und Jury mitgerissen, „das war für mich der emotionalste Song heute Abend“, betonte Nino Haase etwa. Am Ende landete die Sängerin auf einem sehr guten Platz 5. Auf Platz 5 sah die Jury die „Eisbären“, die mit ihrem neuen Song „Verliebt in einen Eisbär’n“ erstmals auf Profi-Produktion samt Video auf Social Media gesetzt hatten, und das zahlte sich aus: Die Eisbären landeten am Ede Dank Publikumsvoting auf Platz 3 – und nur ganz knapp hinter den Stars von „Dobbelbock“.

Werbung

Marvin Hollederer reißt mit Überraschungshits „Bei Helga“ alle mit

Das Brüderduo Andreas und Matthias Bockius durfte nach einem Jahr Zwangspause erneut beim SSC antreten – in den ersten drei Jahren hatte „Dobbelbock“ drei Mal den ersten Platz geholt. 2025 gingen stattdessen „Handkäs und sei Mussigg“ mit ihrem Hit „Fee in der Nacht“ als Sieger durchs Ziel, die spritzige Combo konnte den Erfolg in diesem Jahr mit ihrer „Mona Lisa“ nicht ansatzweise wiederholen. Bei den Bockius-Brüdern zündete aber auch in diesem Jahr ihr neuer Hit „Was babbelst du so schee“, die Energie des Duos und ihrer Musik wäre einfach nicht zu schlagen – wenn da nicht der „Hollebutz“ gewesen wäre.

Riesenjubel bei Wirtin Helga (ganz rechts) und Sänger Marvin "Hollebutz" (2. von rechts) samt Begleitchor über Platz 1 beim SSc Song Contest 2026. - Foto: gik
Riesenjubel bei Wirtin Helga (ganz rechts) und Sänger Marvin „Hollebutz“ (2. von rechts) samt Begleitchor über Platz 1 beim SSc Song Contest 2026. – Foto: gik

Der heißt eigentlich Marvin Hollederer und sammelte bis vor zwei Jahren erste Erfahrungen bei der Band „Handkäs und sei Mussigg“ und ist auch beim Mainzer Carneval-Club aktiv. „Ich hatte dieses Jahr Bock, mal was allein zu machen“, berichtete Marvin im Interview mit Mainz&. Der gebürtige Treburer lebt seit Jahren in Mainz-Kostheim, wie er auf seinen neuen Hit gekommen sei, wisse er selbst nicht so genau: „Ich war einfach eine Eingebung, der Refrain war zuerst da“, erzählte Marvin – mit dem Text der Strophen habe er sich deutlich schwerer getan.

Die Melodie komponierte der Foto- und Videograf selbst: „Mir kommen jeden Tag beim Klimpern auf der Gitarre Tausende von Ideen“, erzählte Marvin weiter, mindestens 80 davon „sind Murks, aber mit 20 Prozent kannst Du was machen – und das Helga-Ding war eines davon.“ Begleitet wurde der „Hollebutz“ zudem von dem vor einem Jahr gegründeten Männerchor der „Goldisch Meenzer Bube“, auch das trug sicher zur Streuung des neuen Hits im Internet bei.

Und so schnellte am Ende die Säule von Platz 1 weit über die anderen Säulen hinaus, auch bei der Jury lag der Hollebutz unangefochten vorn – der Song über die „Helga“ war einfach nicht zu schlagen. „Hey, hey Helga“ rockte der Saal begeistert – Mainz hat seinen neuen Kultsong für die Kampagne 2026. „Es hat sich gezeigt, wer hier gewinnt, dessen Song wird in allen Kneipen gespielt, und meist sogar auch bei der Mutter aller Fernsehsitzungen, Mainz bleibt Mainz“, sagte SSC-Moderator Thomas Becker schon im Vorjahr – mal sehen, ob das auch 2026 so kommt.

Info& auf Mainz&: Wer sich einen Überblick über die Qualität und Machart der SSC-Songs 2026 verschaffen will, dem empfehlen wir diesen Schnelldurchlauf beim GCV. Ein Video mit dem Siegersong „Bei Helga“ könnt Ihr hier bei Mainz& auf Facebook ansehen. Unser Portrait über die Mainzer Kultwirtin Helga könnt Ihr hier noch einmal nachlesen. Ja, und die Fotogalerie kommt auch gleich 😉