Eigentlich ist das Label „Dummer August“ ja kein Kompliment, sondern eher ein Schimpfwort, doch genau diesen Titel will der Verein „Rettet das Römische Mainz“ nun verleihen: Am 1. Februar wird die neue Auszeichnung erstmals im Rahmen einer kleinen Fastnachtssitzung verliehen. Erster Preisträger wird der Mainzer Linkenpolitiker Martin Malcherek. Mit der Auszeichnung will der Verein besondere Persönlichkeiten mit Humor, Mut und Kreativität im Alltag würdigen – und eine Brücke in die Römische Antike schlagen.

Gab es Clowns bereits bei den Römern in der Antike? Die überraschende Antwort lautet: Ja. Spottgestalten und Hofnarren dürfte es zu allen Zeiten gegeben haben, die Ursprünge der komischen Schauspieler westlicher Tradition liegen im antiken Griechenland, wo das Theater mit seinen Tragödien und Komödien erfunden wurde. Reisende Komödianten waren damals weit verbreitet, sie traten in kurzen Tuniken auf, stellten satirische Stücke und göttliche Figuren in allerlei Verkleidungen dar und trieben ihre Späße mit dem Publikum – und legten damit die Wurzeln für westliche Clownstraditionen.
„In der Römischen Antike liegen die Ursprünge unserer heutigen Clownsfiguren“, sagt Christian Vahl, Vorsitzender des Vereins „Rettet das Römische Mainz“. Bereits am antiken Rom habe es Clownfiguren gegeben mit einer roten Nase und einem weiß geschminkten Gesicht, die übergroße Sandalen trugen. Archäologen hätten sogar am Hadrianswall übergroße Ledersohlen gefunden, die auf die mutmaßliche Präsenz eines Clowns hinweisen.

Römer: Spottgesänge, Schmähreden – und der Centuculus
Tatsächlich waren bei den Römern Spottgestalten und Narren weit verbreitet: In Spottliedern und -Gedichten nahm man Konkurrenten aufs Korn und prangerte Fehlverhalten von Politikern an. Diese Spottgesänge waren eine eigene Kunstgattung, die von den profiliertesten Rednern ständig zu neuen rhetorischen Höhen getrieben wurden – ein Paradebeispiel dafür sind die Schmähreden des Cicero.

Im römischen Theater hatten die Narren mit ihrem Schabernack, aber auch die komischen Figuren einen festen Platz, bei den Saturnalien im Dezember wurden die Rollen von Herr und Sklave auf den Kopf gestellt, man verkleidete sich und feierte ausgelassen in den Straßen. Klingt bekannt? Ist es auch: Die Parallelen zur heutigen Fastnacht mit Umzügen und bunt kostümierter Narretei sind frappierend, die Büttenreden der Mainzer Fastnacht ein Spiegel der damaligen Satiren.
Eine typische Figur der Fastnacht und des Rheinischen Carnevals sind Clownsfiguren mit bunten Flickengewändern, roter Nase und meist weiß geschminktem Gesicht – und genau diese haben einen Vorläufer in der Antike: „Bekannt war damals die Figur des Centunculus- auf Deutsche: Hundertflecken -, der in seinem bunten Fleckenhemd auf den Märkten und im Alltagsleben seine Späße machte“, berichtet Vahl.
Der „Centunculus“: Vorläufer des Rotclowns im Zirkus
Der Centunculus „trat in einem bunten Kostüm auf, Hose und Jacke waren aus vielen Fetzen zusammengeflickt, seine komische Wirkung wurde dadurch gesteigert, dass er ohne Schuhe und ohne Haare auftrat“, heißt es dazu bei Wikipedia – dazu gehörten ein komischer Gang sowie übertriebene Gestik und Mimik. Damit ist der „Hundertflecken“ der direkte Vorfahr eines der wichtigsten Clownsfiguren der Moderne: des „Dummen August“.

Abseits der Fastnacht findet man ihn vor allem im Zirkus, dort ist er der tölpelhafte, dumme, aber meist auch gutherzige und liebenswürdige „Rotclown“, der mit weiß geschminktem Gesicht, überzeichnetem Mund und roter Nase daherkommt. Seine Rolle ist es, die Abgründe und das Scheitern der menschlichen Natur aufzuzeigen, als Gegenpart zum vornehmen und oft auch arroganten „Weißclown“, den er reizt und oft am Ende auch übertölpelt.
Und genau einen solchen „Dummen August“ wird nun in diesem Jahr erstmals der Verein „Rettet das Römische Mainz“ vergeben: Mit der Auszeichnung solle eine Persönlichkeit in Mainz geehrt werden, „die sich auch außerhalb der Fastnachtsperiode durch Originalität, Humor, unkonventionelles Auftreten, Mut und Kreativität auszeichnet, ohne dabei die – im besten Sinne – kindliche Unbefangenheit verloren zu haben“, teilte der Verein nun mit.
Erster „Dummer August“ an Linken-Politiker Malcherek
„Der ‚Dumme August‘ ist eigentlich ein Klassiker in der Fastnacht“, sagte Vahl zur Begründung, der Clown mit der roten Nase lebe bis heute in Figuren wie denen von Fastnachtslegende Norbert Roth, aber auch heutigen Rednern wie Martin Heininger und Christian Schier fort. „Leider sind die Clownsfiguren in der Mainzer Fastnacht zuletzt etwas in Vergessenheit geraten“, sagte Vahl weiter, mit dem neuen Preis wolle der Verein die Clowns in Erinnerung rufen und eine Brücke in die Römische Antike schlagen.

Hintergrund ist auch, dass sich die Mainzer Fastnacht in diesem Jahr vor den Mainzer Hofsängern verneigt: Der berühmte Fastnachtschor begeht sein 100-jöhriges Bestehen und tritt traditionell in Bajazz-Kostümen auf. Der Name „Bajazzo“ kommt zwar aus dem Italienischen, bezeichnet aber ebenfalls einen Possenreißer oder Spaßmacher im bunten Kostüm und ist bis heute als „Bajass“ eine Traditionsfigur in der Mainzer, aber auch der schwäbisch-alemannischen Fastnacht.
Und: „Das heutzutage geläufigere Wort für den dummen August ist die Bezeichnung Clown“, heißt es bei Wikipedia. Der Verein „Rettet das Römische Mainz“ wolle „auch in der Fastnacht auf die klaren historischen Bindungen aufmerksam machen“, sagte Vahl – ganz nach dem Motto: Die Römische Antike und ihr Alltag. „Der italienische Bajazz ist durch die Hofsänger zwar präsenter, die Kinder lieben im Circus aber den roten Clown“, sagte Vahl: „Und der rote Clown ist immer auch der ‚Dumme August‘ und damit eine Referenz an unser römisches Erbe.“
Vergeben wird der Preis am 01. Februar 2026 im Rahmen einer kleinen Fastnachtssitzung im Mainzer Augustinerkeller. Mit Martin Malcherek zeichnet der Verein allerdings einen aktiven Kommunalpolitiker aus, der auch am 22. März als Landtagskandidat für Mainz ins Rennen geht. Die Würdigung des Preisträgers werde aber durch den Präsidenten des Karneval Clubs Kastel (KCK) Dirk Loomans vorgenommen, der selbst aktives CDU-Mitglied sei, betont der Verein weiter.
Info& auf Mainz&: Der Verein „Rettet das Römische Mainz“ veranstaltet am 01. und am 08. Februar 2026 eine Fastnachtssitzung im Mainzer Augustinerkeller, los geht es um 18.00 Uhr, Einlass ist ab 17.00 Uhr. Das Ende ist für 21.00 Uhr vorgesehen. Da die Platzzahl limitiert ist, wird um Anmeldung gebeten unter: irm.medicom@gmail.com. Alternativ ist auch eine Anmeldung unter der Telefonnummer 0172-6221027 möglich.







