Bayern hat als erstes Bundesland in Deutschland nun Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Coronapandemie verhängt. Ab heute, Mitternacht, dürfen damit Bürger in Bayern nur noch zum Arbeiten und für dringende Erledigungen aus dem Haus gehen, das kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) soeben in München an. Restaurants und Friseure werden geschlossen, ebenso Garten- und Baumärkte. „Wir müssen versuchen, die Welle der sprunghaften Infektionen zu brechen“, betonte Söder: „Jede Infektion, jeder Tote ist zu viel.“ Der bayrische Ministerpräsident machte auch klar: „Viele Bundesländer wie Baden-Württemberg und Sachsen planen derzeit Ähnliches.“ Die Ausgangssperre gilt erst einmal für zwei Wochen bis zum 3. April 2020.

UPDATE: Weil wir diverse Nachfragen dazu bekommen haben, hier ein Zusatz: Bayern hat mit seiner Anordnung faktisch eine Ausgangssperre verhängt. Das haben Experten gerade  gegenüber Mainz& im Hintergrundgespräch bestätigt. Offiziell heißt der Titel der bayrischen Verordnung: „Vorläufige Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie“, darin heißt es explizit: „Das Verlassen der eigenen Wohnung ist nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt.“ Dies ist genau das, was der Volksmund eine „Ausgangssperre“ nennt – den Begriff selbst gibt es so in den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland NICHT. Tatsächlich vermeiden die Behörden den Begriff „Sperre“, weil sie nicht suggerieren wollen, dass jemand in seine Wohnung „eingesperrt“ wird. Das ist auch nicht der Fall: Man darf weiter zur Arbeit, zum Einkaufen und zu Gesundheitszwecken spazierengehen, ebenso den Hund Gassi führen. Man darf aber eben NICHT zu Freizeitzwecken oder zu Besuchen aus dem Haus gehen, sich in Gruppen treffen oder Partys veranstalten. Bitte beachtet diesen Hinweis, wenn es in den nächsten Tagen weiter um das Thema geht.

Bayern hat als erstes Bundesland eine komplette Ausgangssperre wegen der Coronaepidemie verhängt. - Foto: Wikipedia
Bayern hat als erstes Bundesland eine komplette Ausgangssperre wegen der Coronaepidemie verhängt. – Foto: Wikipedia

Söder begründete die drastische Maßnahme mit den explosionsartig gestiegenen Infektionszahlen durch das neue Coronavirus. Die Zahl der Infektionen sei seit dem Vortag sprunghaft und mehr als 30 Prozent gestiegen, die Zahl der Toten in Bayern habe sich auf 15 verdoppelt. „Unser oberstes Gebot ist, die Menschen zu schützen“, betonte Söder. Deswegen werde Bayern jetzt nicht länger „auf endlose Abstimmungen warten“, sondern die Entscheidung auf der Grundlage der bayrischen Möglichkeiten treffen.

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„Wir müssen jetzt für eine bestimmte Zeit vollständig runterfahren, um irgendwann wieder hochfahren zu können“, betonte er: „Es entwickelt sich nicht gut.“ Erlaubt sei dann ab Mitternacht nur noch, zur Arbeit zu gehen oder zum Arzt, Physiotherapien nur noch in Ausnahmefällen, Ergotherapeuten werden geschlossen. „Das öffentliche Leben wird heruntergefahren, die Lebensmittelversorgung bleibt aber erhalten“, betonte Söder: „Es gibt keinen Anlass für Hamsterkäufe.“ Auch die Banken blieben geöffnet, Bargeldabhebungen seien unnötig.
„Wir werden auch die Gastronomie ab morgen schließen“, kündigte Söder zudem an, erlaubt seien dann nur noch Lieferservice oder Drive-Ins. Spazierengehen sei weiter erlaubt, auch Sport im Freien, aber nur allein oder in der Familie – Menschenansammlungen sind ab sofort verboten. Damit zieht Bayern als erstes auch die Konsequenzen aus den weiter hohen Menschenaufläufen der vergangenen Tage.
Info& auf Mainz&: Rheinland-Pfalz gab am Freitag ebenfalls eine Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie bekannt, mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&. Mehr zum Prinzip der Verlangsamung der Pandemie und zu #flattenthecurve lest Ihr hier bei Mainz&. Alle Informationen, Meldungen und Hintergründe zur Coronavirus Epidemie findet Ihr ab sofort auf unserer neuen Sonderseite „Alles zum Coronavirus“ genau hier bei Mainz&.
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