Die nächste Hitzewelle lässt sich Zeit, nun soll sie in den kommenden Tagen doch noch eintreffen – und vor allem erneut den Südwesten des Landes heimsuchen. Mainz wird damit wohl erneut zum Mega-Hitze-Hotspot, und das hatte schon beim letzten Mal drastische Folgen: Nach Berechnungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) verursachte die historische Hitzewelle von Ende Juni in Deutschland rund 5.100 hitzebedingte Todesfälle – in Rheinland-Pfalz waren es allein rund 560. Das Bundesland hält damit mit die höchste Sterbequote aller Bundesländer.

Notarzteinsatz in der Mainzer Universitätsmedizin. - Foto: Unimedizin Mainz 2015
Notarzteinsatz in der Mainzer Universitätsmedizin. – Foto: Unimedizin Mainz 2015

Bereits Anfang Juli hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) für dieses Jahr bereits mehr als 800 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland ermittelt – das war noch vor der Hitzewelle Ende Juni. Die trieb die Temperaturen in Deutschland auf neue historische Rekordwerte, tagelang stöhnte die Republik unter 40 Grad und mehr. Die Innenstadt von Mainz wurde zum Glutofen, die Notaufnahmen der Krankenhäuser kamen an ihre Kapazitätsgrenze: Die Mainzer Unimedizin zählte allein am letzten Junisonntag rund 40 hitzebedingte Notfälle, ein Krisenstab tagte, die Feuerwehr musste bei Transporten helfen.

Am Donnerstag legte das RKI seine aktualisierten „Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität“ vor – mit dramatischen Zahlen: Demnach verursachte die Hitzewelle bis einschließlich Sonntag, den 28. Juni 2026, einige Tausend Tote. Konkret zählt das RKI vom 1. Januar bis 28. Juni jetzt 5.120 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland – bis zum 21. Juni waren es „nur“ 800 gewesen. Besonders hoch sind die Zahlen in Rheinland-Pfalz: Hier schätzt das RKI die Zahl der Hitzetoten auf rund 560, die statistische Spanne liegt zwischen 360 und 780.

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Rheinland-Pfalz: rund 560 Tote durch Hitzewelle – Spitzenreiter

Mit 13,6 Toten pro 100.000 Einwohner ist Rheinland-Pfalz damit der Spitzenreiter im Vergleich der Bundesländer, nur das benachbarte Saarland, in dem mehrere Hitzerekorde gemessen wurden, steht mit einem Wert von 15,5 schlechter da. Das Nachbarland Hessen hingegen verzeichnet mit rund 600 Todesfällen „nur“ 9,5 Hitzetote pro 100.000 Einwohner, in Nordrhein-Westfalen sind es bei rund 1230 Todesfällen nur 6,9 Tote pro 100.000 Einwohner. Als besonders aufgeheizte Orte in Rheinland-Pfalz gelten die Städte wie Ludwigshafen, Worms und Mainz – genau die Orte, die auch beim Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe durchfielen.

Rettungswagen an der Notaufnahme der Mainzer Universitätsmedizin. - Foto: gik
Rettungswagen an der Notaufnahme der Mainzer Universitätsmedizin. – Foto: gik

Wie viele Hitzetote es in Mainz allein gegeben haben könnte, ist nicht bekannt, in Wiesbaden berichtete aber Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) am Dienstag auf einer Pressekonferenz, die Zahl der Rettungsdiensteinsätze sei in der extremen Hitzewelle um rund 42 Prozent gestiegen, die Krankenhauszuweisungen um 30 Prozent – und bei den Schwerkranken gab es gar ein Plus von 162 Prozent. „Die Zahl der rettungsdienstlichen Todesfeststellungen stieg von 3 auf 33 Fälle“, berichtete Mende weiter – so viele hitzebedingte Tote könnte es also allein am Hitzewochenende Ende Juli in Wiesbaden gegeben haben. In Mainz wurden bisher keine vergleichbaren Zahlen vorgelegt.

Um das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle abzuschätzen, wendet das RKI statistische Methoden an, denn „Hitze“ wird auf dem Totenschein normalerweise nicht als Todesursache angegeben. „In einigen Fällen, zum Beispiel beim Hitzeschlag, führt die Hitzeeinwirkung unmittelbar zum Tod, während in den meisten Fällen die Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen zum Tod führt“, erklärt man beim RKI.

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RKI: klare Übersterblichkeit, kombiniert mit Wetterdaten

Für seine Schätzungen legt das RKI die Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes zugrunde und kombiniert sie mit Daten des Deutschen Wetterdienstes. das Modell habe bereits die in den Sommern der Jahre 2016 bis 2025 entstandenen Spitzen bei der Mortalität sehr gut mit Blick auf das Thema Hitze bei den wöchentlichen Sterberaten erklären können, heißt es beim RKI weiter.  Alle Erklärungen und Details findet Ihr hier beim RKI.

Fiktives Grab im Rahmen einer Demo der Kulturszene während der Corona-Pandemie in Mainz. - Foto: gik
Fiktives Grab im Rahmen einer Demo der Kulturszene während der Corona-Pandemie in Mainz. – Foto: gik

Die Bandbreite der Berechnungen ist allerdings hoch, wie das Beispiel Rheinland-Pfalz zeigt, beim RKI betont man indes, die Auswirkungen der Extrem­hitze könnten sogar noch größer sein als mit dem Hitze-Modell berechnet. Denn das Statistische Bundesamt habe sogar eine Über­sterblichkeit von geschätzt 6.800 Fällen in der Kalenderwoche 26 (22.-28. Juni) ermittelt, so viele Menschen starben also mehr, als normaler­weise zu erwarten wären. 2022 bis 2025 lagen die Schätzungen jeweils „nur“ bei rund 2.600 bis 4.900 Todesfällen.

„Hitzebedingte Mortalität ist daher in Deutschland ein relevantes Public-Health-Thema“, mahnt das RKI weiter. Besonders gefährdet seien Menschen mit einem hohen Alter sowie Vor­erkrankungen wie Herz-Kreis­lauf- oder Atem­wegs­erkrankungen oder auch neurologischen Erkrankungen wie Demenz. Auch bei Lungen­- und Nieren­erkrankungen führe Hitze häufiger zum Tod. Und das RKI mahnt: Es brauche jetzt Hitze­schutz­maßnahmen, die „von städte­baulichen Aspekten über Verschattungs­möglichkeiten und Klimatisierung bis hin zu Informations­kampagnen, unter­stützt durch Hitze­aktions­pläne“ reichen könnten.

Info& auf Mainz&: Einen ganzen Frage- und Antwort-Katalog der RKI zum Thema Hitze und Gesundheit findet Ihr hier im Internet. Mehr zum Ausnahmezustand in den Mainzer Krankenhäusern am Extrem-Hitzewochenende lest Ihr hier bei Mainz&:

Gluthitze führt zu Ausnahmezustand in Kliniken in Mainz: 40 Patienten in Notaufnahme der Uniklinik allein am Sonntag – Krisenstab tagte