Es ist ja Römerjahr in Rheinhessen, und der Reigen der Events geht auch nach den Sommerferien weiter. Ein Highlight in Mainz wird dabei das „Antike Festival“ sein: Am 16. August 2026 lädt die Unsichtbare Römergarde zum Römischen Kulturfest ins Römische Theater. In dem antiken Bühnenrund dürfen sich die Besucher auf eine spannende Mischung zur Kultur der Römerzeit freuen. Da geht es um Frisuren und Kleidung, Legionäre präsentieren Waffen und Ausrüstung, aber es wird auch gespielt und gestaunt – etwa über den ersten Verkehrspolitiker der Antike: niemand geringen als Gaius Julius Caesar.

Das antike Römertheater von Mainz ist das größte, nördlich der Alpen gefundene seiner Art. - Foto: gik
Das antike Römertheater von Mainz ist das größte, nördlich der Alpen gefundene seiner Art. – Foto: gik

Es ist das erste Mal das ein „Antikes Festival“ in dem alten römischen Bühnentheater stattfindet, das im 4. Jahrhundert nach Christus oberhalb des Mainzer Südbahnhofs erbaut wurde, und das bis heute größte gefundene Bühnentheater der Antike nördlich der Alpen war. 10.000 Besucher fanden hier einst auf den Rängen Platz, die Sitzreihen reichten bis hinauf zum Giebel der heutigen Lutherkirche oberhalb der heutigen Pfeilerreste.

Hier wurden einst antike Komödien gespielt und Dramatiker zitiert, bis heute ist die Akustik schlicht fantastisch, und hier fanden die großen Feiern zu Ehren des bei Mainz verstorbenen Feldherrn Drusus statt, dessen Ehrenmal nur wenig Hundert Meter weiter oberhalb auf der Zitadelle aufragt. Jahrhunderte lang schlummerte das gigantische antike Bauwerk im Hang unterhalb der Zitadelle, erst 1884 entdeckte der Archäologe Ernst Neeb mächtiges Mauerwerk im Hang – ab 1997 grub Landesarchäologe Gerd Rupprecht die Reste des imposanten Baus von Moguntiacum aus, die ganze Geschichte lest Ihr hier auf Mainz&.

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Schminken und römische Frisuren, Brettspiele und Römerquizz

Im Juni 2024 erlebte das antike Theater dann nach 2.000 Jahren wohl die erste Rückkehr des Sprechtheaters zwischen seine Mauern – mit der antiken Komödie „Amphitryon“ kehrten Dank des „Theaters in der römischen Provinz“ der Zauber der antiken Komödien in das Theater zurück – Jupiter und Merkur tummelten sich im Orchesterrund, und die Unsichtbare Römergarde füllte die Ränge. Ein Jahr später gab es „die Vögel“, eine erstaunlich aktuelle Gesellschaftssatire aus dem Wolkenkuckucksheim, in diesem Jahr warten schon „Die Frösche“, die Ende August an der Reihe sind.

Legionäre in Rüstung und Musik-Archäologen präsentieren beim "Antiken Festival" spannenden Einblicke in den römischen Alltag des antiken Mogontiacum. - Foto: gik
Legionäre in Rüstung und Musik-Archäologen präsentieren beim „Antiken Festival“ spannenden Einblicke in den römischen Alltag des antiken Mogontiacum. – Foto: gik

Vorher aber laden die Unsichtbare Römergarde und der Verein „Rettet das Römische Mainz“ zum römischen Kulturfest: Von 12.00 Uhr bis 17.00 Uhr wird am 16. August 2026 ein tiefer Einblick in die Römerzeit in Mainz gegeben. Es werde Schminken nach Römerart sowie Vorträge über römische Kleidung und römische Frisuren geben, sagte Organisatorin Susanne Vahl gegenüber Mainz&. Mehr noch: Kinder können selbst ausprobieren, wie es war, eine Toga – das rituelle Senatorengewand der Römer – zu tragen, überhaupt stehen die Kleinen an diesem Tag im Mittelpunkt.

Die kleinen Besucher können sich nämlich auf Basteln mit römischen Motiven freuen, auf Mini-Theater nach Römerart für Kinder, aber auch auf ein Römerquizz mit allerlei spannenden Einblicken. Gespielt wurde in der Römerzeit übrigens auch oft und viel, beliebt waren Würfelspiele und Brettspiele, unser heutiges Mühle-Spiel wurde bereits damals erfunden – und besonders beliebt war auch ein Walnuss-Wurfspiel, bei dem man drei unterschiedlich große Tontöpfe treffen musste. Ganz modern wird auch eine Fotobox vor Ort sein.

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Antikes Chirurgenbesteck – und Caesar als erster Verkehrspolitiker

Aber natürlich kommt auch der Wissensdurst der Erwachsene nicht zu kurz: Vorträge klären über Alltagsdinge wie Kleidung, aber auch über die Musik der Römer auf, ein Vortrag über die – seit zehn Jahren verschwundene – Große Mainzer Jupitersäule steht auf dem Plan, eine Lesung über das Römische Theater selbst, und sogar ein original antikes Chirurgenbesteck aus der Römerzeit kann bewundert werden – die Römer hatten eine hoch entwickelte Medizin, und stachen etwa auch den Star im Auge.

Ein Nachbau eines antiken römischen Streitwagens, im Besitz der Unsichtbaren Römergarde, beim Fest der Göttin Carna mit Christian Vahl. - Foto: gik
Ein Nachbau eines antiken römischen Streitwagens, im Besitz der Unsichtbaren Römergarde, beim Fest der Göttin Carna mit Christian Vahl. – Foto: gik

Und so erwartet die Besucher auch so manche Überraschung, wie etwa diese: „Der erste Verkehrspolitiker in Rom war Gaius Julius Caesar“, berichtet Christian Vahl, Präsident des Vereins „Rettet das Römische Mainz“ und Ex-Herzchirurg der Mainzer Universitätsmedizin. Denn auch das antike Rom war bereits eine Millionenstadt, die tatsächlich im Verkehr erstickte: Poser und Raser bretterten durch die römischen Straßen, dazu kamen Händler, protzige Wagen der Adligen sowie der Tempelangehörigen – „es gab massenhaft Staus“, berichtet Vahl.

In den engen Gassen drängten sich Esel- und Ochsenkarren auf dem Weg zum Markt oder zur Auslieferung, dazu kamen Soldaten zu Pferde, Senatoren in Sänften und Zehntausende Fußgänger – es muss ein ohrenbetäubendes Gewimmel gewesen sein. Der Dichter Martial, der zwischen 40 und 104 nach Christus lebte, beschwerte sich in seinen Epigrammen über den ohrenbetäubenden Lärm, den die Karren, Händler und Handwerker in den frühen Morgenstunden in Rom verursachten, der Satiriker Juvenal, ein Zeitgenosse, die verstopften Straßen und das rücksichtslose Gedränge.

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Caesars Paukenschlag: Schwere Wagen aus der Stadt verbannt

„Caesar ergriff die ersten verkehrspolitischen Maßnahmen: er verfügte, dass die Händler nicht am Tag durch Rom fahren durften“, berichtet Vahl. Tatsächlich dürfte Caesars „Lex Iulia Municipalis“ aus dem Jahr 45 vor Christus das wohl erste Verkehrsgesetz der Geschichte gewesen sein – es war ein radikaler Schnitt: Von Sonnaufgang bis zum späten Nachmittag durften schwere Transportkarren nicht mehr in die Stadt, die Anlieferung von Lebensmitteln musste in der Nacht erfolgen, auch Reisende mussten mit ihren Wagen vor der Stadt warten, oder Pferd und Wagen in Ställen an den Toren abgeben.

Der experimentelle Archäologe Rainer Müllers wird erneut Einblicke in die Welt von Tuba und Cornu zur Römerzeit geben. - Foto: gik
Der experimentelle Archäologe Rainer Müllers wird erneut Einblicke in die Welt von Tuba und Cornu zur Römerzeit geben. – Foto: gik

„Es wurde richtig Ordnung geschaffen und geregelt, wer wem ausweichen musste“, sagte Vahl weiter – und am Ende habe Rom nur noch aus Einbahnstraßen bestanden, um den Verkehr zu lenken. Ob es auch im antiken Mogontiacum solche Regeln gab – wer weiß? Regelungen für schwere Wagen sind durchaus wahrscheinlich, schließlich war das antike Mogontiacum zwischen dem 1. und 4. Jahrhundert eine blühende Handelsmetropole am Rhein.

Caesar jedenfalls habe durch seine Verkehrspolitik an Ansehen bei den Bürgern gewonnen, berichtet Vahl – dass der antike Herrscher an den Iden des März im Jahr 44 vor Christus ermordet wurde, hatte andere Gründe: Eine Gruppe von mehr als 60 Senatoren verschwor sich zu seiner Ermordung, weil sie befürchteten, dass Caesar eine Monarchie anstrebe – man fürchtete um den Fortbestand der Römischen Republik. Da sich der mächtigste Mann im Staat „nun unbestreitbar als Tyrann entpuppt habe“, müsse er sterben, um Rom die Freiheit zurückzugeben, hieß es damals – es ist das bis heute wohl berühmteste Beispiel für einen Tyrannenmord.

Info& auf Mainz&: Das „Antike Festival“ der Unsichtbaren Römergarde findet am Sonntag, den 16. August 2026 von 12.00 Uhr bis 17.00 Uhr statt, Ort des Geschehens ist das antike Römische Theater in Mainz, Zugang über den hintersten Bahnsteig des Bahnhofs „Römisches Theater“. Der Eintritt ist frei, Getränke gibt es vor Ort.

Transparenz&: Dieser Artikel ist entstanden im Rahmen einer Medienpartnerschaft zwischen Mainz& und der Unsichtbaren Römergarde, dabei unterstützen sich Garde und Zeitung gegenseitig durch den Austausch von Informationen und Fotos – der Artikel entstand natürlich trotzdem auf der Grundlage strenger journalistischer Kriterien. Ihr wollt so was auch? Aber gerne doch: Sprecht uns an!