Der Sarg hat Übergröße, die Sargträger tragen lange Mäntel und Laternen, und die Damen haben ihre Gesichter mit schwarzen Schleiern verhüllt – die Trauer ist groß. Der Verblichene war „ein Mann mit Charakter, Charme und einer fragwürdige Leber“, klagt der Zeremonienmeister: „Mir gedenke unserem Hannebambel Knollenaas, ein treuer Gefährte der Meenzer Fastnacht.“ Man ahnt es schon: Es keine gewöhnliche Beerdigung – an diesem grauen Aschermittwoch in Mainz wird die Fastnacht zu Grabe getragen, in Form eines Schwellkopps.

Feierliche Fastnachtsbeerdigung am Aschermittwoch auf dem Mainzer Schillerplatz von Garde der Prinzessin und Mainzer Narrenclub. - Foto: gik
Feierliche Fastnachtsbeerdigung am Aschermittwoch auf dem Mainzer Schillerplatz von Garde der Prinzessin und Mainzer Narrenclub. – Foto: gik

Es ist eine sehr alte und recht anarchische Tradition: An Aschermittwoch wird nach altem Brauch die Fastnacht beerdigt, und zwar richtig mit schwarzen Gewändern und einem Sarg. Vor einigen Jahren fand diese „Fastnachtsbeerdigung“ recht unorganisiert und spontan in der Mainzer Altstadt am Weinhaus Bluhm statt, in diesem Jahr ließen nun die Garde der Prinzessin (GdP) und der Mainzer Narrenclub (MNC) die alte Tradition wieder aufleben.

Und so versammelte sich am späten Mittwochnachmittag eine große Trauergemeinde am Fastnachtsbrunnen auf dem Mainzer Schillerplatz. Rund 300 Menschen wollten dem Schauspiel beiwohnen, alle hatten sich in dunkle oder schwarze Gewänder gehüllt. Die Organisatoren selbst hatten sich einiges einfallen lassen: Es gab einen Sarg in Übergröße, umringt von rund zehn Sargträgern in langen dunkelgrünen Samtmänteln mit Pelzkragen, Dreispitz-Hüten und mit altmodischen Laternen ausgestattet.

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„Portmonees sinn leer, die Köpp sinn schwer, Seel’ braucht Trost“

In dem Sarg aber: ein Schwellkopp, eines der Symbole der Mainzer Straßenfastnacht. „Es ist eine Nachbildung von einem feiernden Mainzer“, sagte Peter Funck von der Garde der Prinzessin im Interview mit Mainz&. Man habe die Schwellkoppträger um Rat gefragt, und die hätten gebeten, einen echten Schwellkopp, ein Unikat zu verwenden. Nun liege im Sarg der „Hannebambel“, der Sarg sei extra dafür gebaut worden.

Letztes Geleit für den "verstorbenen" Hannebambel" durch Sargträger und Trauergemeinde bei der Fastnachtsbeerdigung in Mainz. - Foto: gik
Letztes Geleit für den „verstorbenen“ Hannebambel“ durch Sargträger und Trauergemeinde bei der Fastnachtsbeerdigung in Mainz. – Foto: gik

„Wir wollten die Tradition wiederaufleben lassen, weil der Aschermittwoch in den letzten Jahren ein bisschen vernachlässigt wurde“, sagte Funck weiter: „In Mainz stirbt die Tradition leider ein bisschen aus, deshalb haben wir gesagt, wir möchten das wiederbeleben.“ Und es zeige sich ja, dass die Besucher Interesse zeigten und kämen. Am Fastnachtsbrunnen war denn auch ein „Priester“ zugegen, der die „Trauergemeinde“ höchst närrisch begrüßte.

„Die Portmonees sinn leer, die Köpp sinn schwer, un die Seel’ brauch e bissje Trost“, sagte Walter Erdmann von der Garde der Prinzessin, der auch deshalb so echt wirkte, weil er im richtigen Leben Diakon des Bistums Mainz ist: „Doch bevor mer unsre Portmonees dem reinigenden Wasser übergebe, wolle mer e Moment innehalte. Mir gedenke unserem Hannebambel Knollenaas, ein treuer Gefährte der Meenzer Fastnacht – er is’ uns viel zu früh entglitte… Un nur, weil er gemoont hot, er misst des letzte Hütche auch noch trinke.“

 

Geldbeutel-Wäsche und Trauerzug durch die Innenstadt

Das Geldbeutel-Waschen ist ein anderer alter Brauch der Mainzer Fastnacht, dabei wird an Aschermittwoch der nach den Feiertagen leere Geldbeutel symbolisch oder real im Wasser ausgewaschen – ursprünglich im Rhein. Der Geldbeutel-Wäscher am Mainzer Fastnachtsbrunnen, zu finden ganz unten am Wasser, erinnert an diesen Brauch. Das üppige Trinken an Fastnacht gehört indes zu den Ausschweifungen vor der 40-tägigen christlichen Fastenzeit, und so klagte Erdmann: „Hätt er’s gelosse… ja, dann stünd er heit vielleicht noch neben uns, hätt en Kater wie en Schwellkopp, aber er wär do.“

Der Geldbeutelwäscher am Mainzer Fastnachtsbrunnen - Foto: gik
Der Geldbeutelwäscher am Mainzer Fastnachtsbrunnen – Foto: gik

Und so bleibe nur die Erinnerung, „un die is laut, bunt un manchmal peinlich“ – wie eben die Fastnacht selbst. „Denn wer den Hannebambel gekannt hat, weiß, leicht war er nie, weder körperlich noch charakterlich“, lamentierte der Pfarrer weiter, das könne niemand besser bezeugen als die Klageweiber, „denen er während der Kampagne so viele schöne Augen gemacht hat.“ Doch die Versprechen des Hannebambel „ware so leer wie uns Geldbörs’ heit“, nun sei „Ihr Leid ist groß… Ihr Schminke aach…, aber ihr Herz schlägt fastnachtlich, un des zählt.“

Der Liturgiegesang hätte denn auch so manchen Geistlichen und Uneingeweihten ziemlich verwirrt, lautet er doch „Mach weiter so – bleib bei uns!“ Danach wurde der „Hannebambel“ samt seine Sarg in einem feierlichen Trauerzug durch die Mainzer Innenstadt zum haus der Jugend geleitet, unter lautem Klagen, tiefem Seufzen und dramatischen Schniefen versteht sich. Dort wurde der „Hannebambel“ dann feierlich ins Himmelreich geleitet und anschließend zum Leichenschmaus geschritten – dem traditionellen Heringsessen.

Einlass ins Himmelreich für einen „arme Meenzer Kribbel“

Am Haus der Jugend selbst aber musste der Verblichene erst einmal drei Mal Einlass begehren, bevor ihm aufgetan wurde – es entspann sich ein letzter närrischer Dialog bevor der Vorhang der Narretei entgültig fiel:

Klopfen durch den Zeremonienmeister mit Stock an die Tür

Walter Erdmann: Wer begehrt Einlass?

Zeremonienmeister:

  • Hannebambel Knollnaas
  • Ein echtes Meenzer Original von Rang und Namen.
  • Schoppepetzer von de Altstadt.
  • Dippegucker wo es überall nix gekost hot.
  • Herzensbrecher der Meenzer Frauenwelt
  • Schnudedunker bei alle Winzer
  • Zechebreller bei alle Woistubbe
  • Ordenskrabbscher uff alle närrische Empfänge
  • Fleischworschtzippelzurzler uff en Wochemarkt
  • Uffbewahrer von Himbes und Bimbes
  • Trottwaarschwanker in alle Gasse
  • Strunzer von de Oberstadt
  • Nixschaffer und Jammerlappe

Erst das Plädoyer „en arme Meenzer Kribbel“ zu sein, öffnete die Tore – die Demut des Aschermittwochs hat auch die narren erreicht. Nun müssen sie 316 Tage warten bis die Fastnachtskampagne 2027 beginnt.

Info& auf Mainz&: Wir haben uns für die Reden und den Ablauf der Fastnachtsbeerdigung des Skriptes der Garde der Prinzessin bedient – vielen Dank dafür! Alle unsere Berichte zur Fastnachtskampagne 2026 findet Ihr in der Rubrik „Narretei&“ hier auf Mainz&.