Zwei Jahre nach der verheerenden Flut gedenkt das Ahrtal an diesem Wochenende der Jahrhundertkatastrophe - am Jahrestag selbst war es ein stilles Gedenken. Neben der großen Gedenkfeier im Kurpark von Bad Neuenahr und Gottesdiensten in verschiedenen Kirchen, gab es an vielen Stellen im Tal kleinere Treffen, gemeinsame Essen, viele Gespräche - und manch einen leisen Gang zum Ufer der Ahr. Auch Kerzen wurden angezündet, oft waren es genau 136 - eine für jedes der Toten der Flut im Ahrtal. Mainz& hat neue Gedenkorte aufgesucht und der Stimmung im Tal nachgespürt.

"19.33 Uhr. Genau jetzt um die Zeit vor zwei Jahren fing es an", sagt Alfred Sebastian. Der Bürgermeister von Dernau sitzt vor einem Restaurant an der Hauptstraße seines Ortes, der Blick geht in Richtung Ahr, wo der Bahndamm noch immer wie eine Wüstenei daliegt. Vor zwei Jahren, am 14. Juli 2021, begannen just um diese Zeit die Fluten der Ahr anzuschwellen. "Die Ahr war noch in ihrem Bett, leckte gerade einmal an der Straße", erinnert sich Sebastian: "Da haben wir noch Sandsäcke gepackt. Dass die Ahr noch fünf Meter höher gehen würde - das konnte sich keiner vorstellen."
Es ist Freitagabend, und Sebastian sitzt gemeinsam mit einigen anderen Dernauern vor einem Restaurant, das inzwischen wieder an der Dernauer Hauptstraße eröffnet hat. Die Terrasse mit Blick in Richtung Ahr ist gut besucht, und doch liegt eine besondere Stimmung über dem Tal: Melancholie vielleicht, Gedenken auf jeden Fall - Trauer sicherlich. Die Gedanken schweifen zurück zu jenem 14. Juli 2021, als das zauberhafte Ahrtal unter einer bis zu zehn Meter hohen Flutwelle verschwand - und 136 Menschen in den Fluten starben. 135 sind inzwischen offiziell bestätigt, ein Mensch wird noch vermisst - unwahrscheinlich, dass er noch einmal wieder auftaucht.
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