Die Coronakrise hat nun doch Auswirkungen auf den Bau des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen: Das neue Terminal wird mindestens ein Jahr später fertig werden als geplant, die ersten Passagiere werden im Hauptgebäude wohl erst im Sommer 2025 abgefertigt werden. Das sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport am Donnerstag auf Mainz&-Anfrage, zuvor hatten die FAZ und die Hessenschau darüber berichtet. Damit gerät das Milliardenprojekt der Fraport nun doch in den Coronasog. Der Flugsteig G für Billigairlines soll aber weiter im kommenden Jahr fertig werden.

Das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen bleibt noch länger eine Baustelle als geplant. - Foto: Fraport
Das Terminal 3 am Frankfurter Flughafen bleibt noch länger eine Baustelle als geplant. – Foto: Fraport

Der Flugverkehr war wegen der Corona-Pandemie und dem Shutdown zu ihrer Eindämmung praktisch weltweit zum Erliegen gekommen: Am Frankfurter Flughafen brachen die Passagierzahlen Anfang April um fast 97 Prozent ein, der Flugverkehr selbst reduzierte sich zeitweise auf zehn Prozent des Normalverkehrs. Im Mai zählte der Flughafen Frankfurt gerade noch 272.826 Passagiere, das entsprach einem Rückgang von 95,6 Prozent gegenüber dem Mai 2019. Gerade einmal 7.764 Starts und Landungen zählte Deutschlands größter Flughafen im Mai, das waren 83,2 Prozent im Vorjahr.

Trotzdem hatte Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte bislang hartnäckig an dem Bau des Terminals 3 festgehalten: „Wir sind sehr gut beraten, ein solches Großprojekt durchzuziehen“, betonte Schulte Mitte April etwa, der Flugverkehr werde sich nach der Corona-Pandemie sicher wieder erholen, das Geschäftsmodell der Fraport werde weiter tragen. Doch offenbar zeichnet sich inzwischen ab: So schnell wie von der Luftfahrtbranche erhofft, kehrt der Flugverkehr wohl doch nicht in den Normalmodus zurück.

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Im April blieben die meisten Flugzeuge in Frankfurt am Boden, die Nordwestlandebahn wurde zum Parkplatz. - Foto: Lufthansa/ Oliver Roesler
Im April blieben die meisten Flugzeuge in Frankfurt am Boden, die Nordwestlandebahn wurde zum Parkplatz. – Foto: Lufthansa/ Oliver Roesler

„Die aktuelle Situation und der weitere Ausblick sind mit größeren Unsicherheiten verbunden“, räumte Fraport-Sprecher Dieter Hulick am Donnerstag gegenüber Mainz& ein: Der Flughafenbetreiber rechnet nun für dieses Jahr nur mit einem Flugverkehr von 30 bis 40 Prozent im Vergleich zu 2019 – im vergangenen Jahr hatte die Fraport einen Passagierrekord von mehr als 70 Millionen Passagieren zu verzeichnen gehabt. Doch auch für 2021 könnten es wohl nur etwa 50 Prozent des bislang üblichen Verkehrs werden, heißt es von Fraport nun – noch 2022 und 2023 müsse man mit 15 bis 20 Prozent weniger Luftverkehr in Frankfurt rechnen.

Die Fraport hatte bereits im April ein hartes Sparpaket angekündigt, nun steht wegen dieser Entwicklung auch ein Personalabbau im Raum: Wegen der zurückgehenden Entwicklung müssten wahrscheinlich 3.000 bis 4.000 Stellen in Zukunft wegfallen, sagte Hulick weiter, das werde aber unter „größtmöglicher Sozialverträglichkeit“ geschehen, betonte er.

Der Flugsteig G des neuen Terminal 3 in Frankfurt soll kommendes Jahr fertig werden und 2022 in Betrieb gehen. - Foto: Fraport
Der Flugsteig G des neuen Terminal 3 in Frankfurt soll kommendes Jahr fertig werden und 2022 in Betrieb gehen. – Foto: Fraport

Gleichzeitig gehen die Bautätigkeiten für das neue Terminal 3 aber weiter – allerdings wohl in reduziertem Umfang: Wegen der innereuropäischen Grenzschließungen seien Materialien und Arbeitskräfte zeitweise nicht uneingeschränkt verfügbar gewesen, das könne „zu Verzögerungen bei einzelnen Arbeiten führen“, räumte Hulick ein. „Wir halten an dem langfristigen Ausbauprojekt fest“, betonte der Fraport-Sprecher aber gleichzeitig, ein Baustopp sei das nicht. Der Flugsteig G sei zudem bereits so weit fortgeschritten, dass die bauliche Fertigstellung weiter für 2021 anvisiert werde. Die Inbetriebnahme sei für den Sommer 2022 angedacht, heißt es weiter.

Verzögern wird sich aber die Fertigstellung des großen Terminals 3: Die bauliche Fertigstellung des Hauptgebäudes sowie der beiden Flugsteige H und J sei nun für 2024 anvisiert, sagte Hulick. Die Inbetriebnahme dürfte sich dann noch weiter verzögern: Diese werde sich „eng am tatsächlichen Kapazitätsbedarf orientieren“, sagte Hulick, „wir peilen jetzt den Sommer 2025 für die Aufnahme des Passierbetriebs an.“ Die Fraport hatte den Bau des umstrittenen dritten Terminals stets mit massiven Kapazitätsengpässen begründet: Schon 2021 werde es zu erheblichen Abfertigungsengpässen in Frankfurt kommen, hatte Fraport-Chef Schulte wieder und wieder betont, bereits 2023 sollte das Terminal 3 eigentlich 14 Millionen Passagiere abfertigen können.

Kritiker und Fluglärmgegner hatten von Anfang an moniert, das Terminal sei überflüssig, Fraport operiere mit falschen Zahlen – die Prognosen für die Steigerung der Zahlen seien völlig überhöht und schon nach dem Bau der neuen Nordwestlandebahn nicht eingetreten. Die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne) hatte etwa 2015 gewarnt: Der Bau des dritten Terminals sei gar „ein ökonomisches Risiko“, das die Fraport in finanzielle Schieflage bringen könne.

Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht über die Planungen zum umstrittenen Terminal 3 könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen. Mehr zur Kritik an dem Bau des Terminals findet Ihr hier bei Mainz&.

1 KOMMENTAR

  1. Rückzug auf Raten. Auch die Wartungshalle für den A 380 wurde nur zur Hälfte verwirklicht. Der Luftverkehr hat den Zenit überschritten. Es gibt kein ewiges Wachstum und der Luftverkehr als zweitgrößter Klimaschädling nach den Kohlekraftwerken wird zurückstecken müssen. Die derzeit als Fata morgana propagierte Hoffnung auf superteure Synthesetreibstoffe wird sich nicht erfüllen. Nach den derzeitigen technologischen Möglichkeiten würde für die Synthetisierung des Bedarfs von Fraport eine Fläche von 800 km² mit Technik zugenagelt werden müssen. Wo? In den Wanderdünen der Sahara? Mehr unter http://www.lerchenberg-info.de/tipps/Hartmut-Rencker-Zukunft-des-Fliegens-2020.htm

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