Zwei Gerüsttürme sollen die abgesackte Salzbachtalbrücke stabilisieren, die beiden Türme sollen kommenden Woche rechts und links der kaputten Brücke platziert werden und das Bauwerk stabilisieren – die marode Autobahnbrücke an der A66 bewegt sich offenbar weiter. Unter der instabilen Brücke ist ein 50 Meter breiter Sicherheitsbereich ausgewiesen, der nicht betreten werden darf, die Arbeiten müssen deshalb durch ferngesteuerte Fahrzeuge erfolgen. Derweil arbeitet die Stadt Wiesbaden weiter daran, Erleichterungen für die enormen Verkehrsstaus zu schaffen – am Wochenende wurde die Verkehrsführung auf der Mainzer Straße rund um den Amöneburger Kreisel neu geordnet.

Die Salzbachtalbrücke sackte am 18. Juni ab und wurde dabei stark beschädigt, der südliche Teil mit dem Brückenfahrzeug ist einsturzgefährdet. - Foto: Autobahn GmbH
Die Salzbachtalbrücke sackte am 18. Juni ab und wurde dabei stark beschädigt, der südliche Teil mit dem Brückenfahrzeug ist einsturzgefährdet. – Foto: Autobahn GmbH

Die Autobahnbrücke der A66 über das Salzbachtal bei Wiesbaden war am 18. Juni überraschend abgesackt, weil ein Rolllager zusammenbrach. Die Brücke sackte daraufhin um gut 30 Zentimeter ab und krachte ungeschützt auf einen Brückenpfeiler, der sich daraufhin schräg stellte, Betonteile fielen von der Brücke auf die darunter hindurchführende Bundesstraße. Seither ist die Salzbachtalbrücke gesperrt, die Brücke selbst ist weiter einsturzgefährdet – im Verkehrsausschuss des Hessischen Landtags wurde vergangene Woche deutlich, dass sich die Brücke noch immer weiter bewegt.

Zwei Gerüsttürme sollen nun die Brücke stabilisieren: Beidseits des kaputten Brückenpfeilers solle je ein Gerüstturm das Bauwerk sichern helfen, teilte die Autobahn GmbH West mit, die Arbeiten dazu begannen vergangenen Freitag. Unmittelbar vor der Brücke wurden zwei Gerüsttürme hochgezogen, eine Raupe bereitete die Standflächen vor. Das Besondere an den Arbeiten: Der Bereich unter der instabilen Brücke darf weiter nicht betreten werden, „hier ist ein 50 Meter breiter Sicherheitsbereich ausgewiesen, der nicht betreten werden darf“, betonen die Ingenieure: „Deshalb kommen im Baustellenbereich nur ferngesteuerte Fahrzeuge zum Einsatz.“

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Zwei Gerüsttürme sollen nun die kaputte Brücke an dem schiefen Pfeiler stabilisieren, die Raupe unten links ist ferngesteuert. - Foto: Autobahn GmbH
Zwei Gerüsttürme sollen nun die kaputte Brücke an dem schiefen Pfeiler stabilisieren, die Raupe unten links ist ferngesteuert. – Foto: Autobahn GmbH

Und ist auch die Raupe, die derzeit einen Schotterunterbau unterhalb der Brücke aufschiebt, ferngesteuert. Dieser Schotterunterbau schaffe zunächst eine tragfähige Grundlage, auf der der westliche Gerüstturm stehen werde, teilte die Autobahn GmbH weiter mit. Die Fernsteuerung der Raupe erfolgt in einem Kastenwagen, der sich auf der Brücke der benachbarten B 263 befindet, hier ist der Führerstand des Raupenfahrzeuges eingebaut. „Der Fahrer blickt zur Steuerung der Arbeiten auf einen Großmonitor, auf dem die Bilder der Kameras des Raupenfahrzeuges zu sehen sind“, heißt es weiter.

Der östliche Turm werde im Bereich der Straße stehen und wurde hier mit Hilfe eines Autokrans errichtet. In Position gebracht werden die beiden Gerüsttürme ebenfalls mit Hilfe eines ferngesteuerten Fahrzeuges: ein vielrädriges flaches Schwertransportfahrzeug, ein ferngesteuerten „Tausendfüßler“ solle das erledigen. „Wenn beide Gerüsttürme stehen, kommen die darauf montierten hydraulischen Pressen zum Einsatz“, so die Erläuterungen weiter. Die Pressen würden so weit ausgefahren bis der „Kraftschluss“ zwischen Brückenüberbau und Stützgerüsten hergestellt ist. „Ziel der Maßnahmen ist, die Brücke soweit zu stabilisieren, dass die notwendigen Arbeiten zu Klärung der Schadensursache und die Vorbereitungen zu einer geregelten Sprengung gefahrlos durchgeführt werden können“, heißt es weiter. Wann die geplante Vollsprengung der Brücke erfolgen kann, steht noch nicht fest.

Der beschädigte Brückenpfeiler, auf den am 18. Juni der Brückenoberbau krachte - dazwischen sollte eigentlich ein Rolllager sein... - Foto: gik
Der beschädigte Brückenpfeiler, auf den am 18. Juni der Brückenoberbau krachte – dazwischen sollte eigentlich ein Rolllager sein… – Foto: gik

Die Ursache für das plötzliche Absacken der Brücke ist derweil noch immer unklar. Am späten Nachmittag des 18. Juni war der Brückenüberbau plötzlich mit einem lauten Knall auf den Brückenpfeiler gekracht, weil ein sogenanntes „Rolllager“ zwischen Pfeiler und Überbau nachgab. Bundesweit müssten nun „Tausende Brücken kontrolliert werden, die den gleichen Lagertyp haben wie die Salzbachtalbrücke“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, Stefan Naas, nach der Sitzung des Verkehrsausschusses vergangene Woche – so solle ausgeschlossen werden, dass der Brückenschaden auf das defekte Lager zurückzuführen sei.

Naas machte zudem Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) für den Brückengau verantwortlich: Al-Wazir habe die Verzögerung des Brückenneubaus zu verantworten, und somit auch den enormen Schaden für Ausflugsziele, Winzerbetriebe und Gastronomie im Rheingau, die nun unter wegbrechenden Besuchern litten, kritisierte Naas. Auch die SPD-Opposition im Hessischen Landtag kritisierte, Al-Wazir habe es sieben Jahre lang nicht geschafft, den Neubau der Brücke auf den Weg zu bringen, die Hessische Landesregierung „trägt mindestens eine Mitverantwortung an diesem verkehrspolitischen Supergau“, betonte SPD-Verkehrsexperte Marius Weiß.

Blick von oben auf die kaputte Salzbachtalbrücke, auf der noch immer ein Brückenprüffahrzeug steht. Rechts entstehen die Gerüsttürme zur Stabilisierung. - Foto: Autobahn GmbH
Blick von oben auf die kaputte Salzbachtalbrücke, auf der noch immer ein Brückenprüffahrzeug steht. Rechts entstehen die Gerüsttürme zur Stabilisierung. – Foto: Autobahn GmbH

Tatsächlich wurde die Entscheidung für den Neubau der Salzbachtalbrücke bereits 2009 getroffen, die Vorplanungen samt umweltfachlicher Gutachten sowie die Etablierung der Baumaßnahme als Vorzugsvariante für den Streckenausbau beim Bundesverkehrsministerium dauerten aber bis 2016. Dann begann die Entwurfsplanung für den eigentlichen Brückenneubau, die biennen zwei Jahren abgeschlossen wurden, parallel  zum Planfeststellungsverfahren arbeitete der damals zuständige Betrieb Hessen Mobil am detaillierten Bauwerksentwurf sowie den europaweiten Ausschreibungsverfahren.

Al-Wazir verteidigte sich im Verkehrsausschuss, er habe nicht nur daran gearbeitet, „dass wir eine neue Brücke bekommen, sondern bis dahin der Verkehr weiter fließen kann“ – sein oberstes Ziel sei es gewesen, eine Vollsperrung wie jetzt gerade zu verhindern. „Es ist bitter, dass nur wenige Monate vor dem Abbruch des südlichen Teils der Salzbachtalbrücke, über den seit November 2019 ohnehin keine Autos oder LKWs mehr fuhren, nun ein solcher Unfall passiert“, betonte Al-Wazir. Die Schuld liege aber an den Jahrzehntelangen Versäumnissen anderer Regierungen, die vor allem in den Neubau von Straßen, aber nicht genug in Sanierung und Ersatzbauten investiert hätten.

Die beiden Gerüsttürme sollen von einem Transportfahrzeuge ferngesteuert in ihre Position gebracht werden. - Foto: Autobahn GmbH
Die beiden Gerüsttürme sollen von einem Transportfahrzeuge ferngesteuert in ihre Position gebracht werden. – Foto: Autobahn GmbH

„Ein solch plötzliches Ereignis wie am Südteil der Brücke war nicht vorherzusehen“, betonte der Minister im Landtag weiter. Durch die massive Entlastung aufgrund des wegfallenden Verkehrs seien sich „alle Fachleute einig gewesen, dass es am Südteil keine Probleme mehr geben würde.“ Auch während der Sonderprüfungen seien keine Veränderungen am Bauwerk festgestellt worden, die auf einen Schaden oder kommenden Schaden hätten hinweisen können. Die Beweissicherung und Ursachensuche laufe aber weiter, er habe auch noch einmal gegenüber dem Bundesverkehrsministerium „die jetzige katastrophale Situation für viele Pendler und die Bedeutung Wiesbadens für den Ballungsraum Rhein-Main deutlich gemacht“, sagte Al-Wazir.

Wiesbaden ächzt derweil weiter unter langen Staus, weil sich der Verkehr Richtung Frankfurt, in die Stadt hinein oder Richtung Rheingau nun mitten durch die Stadt kämpfen muss. Um den „massiven Verkehrsstörungen“ entgegenzuwirken, bringe man weitere Maßnahmen für eine Beschleunigung des Auto- und Busverkehrs auf den Weg, teilte Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) mit – so etwa eine zweite Fahrspur auf dem Theodor-Heuss-Ring (2. Ring) bergauf zwischen Mainzer Straße und Biebricher Allee.

Wegen der kaputten Salzbachtalbrücke sind seit dem 18. Juni auch die Bahnstrecke nach Wiesbaden sowie die A671 gesperrt. - Foto: Autobahn GmbH
Wegen der kaputten Salzbachtalbrücke sind seit dem 18. Juni auch die Bahnstrecke nach Wiesbaden sowie die A671 gesperrt. – Foto: Autobahn GmbH

Am Wochenende wurde zudem die Verkehrsführung auf der Mainzer Straße rund um den Amöneburger Kreisel neu geordnet:  mit gelber Baustellenmarkierung soll hier nun eine Busspur geschaffen werden, um den Bussen zwischen Wiesbadener Hauptbahnhof und den Bahnhöfen Wiesbaden Ost und Biebrich ein schnelleres Durchkommen zu ermöglichen. „Tausende Wiesbadener Pendler müssen jeden Morgen mit der Bahn nach Frankfurt oder Mainz zur Arbeit“, sagte Kowol, dabei seien sie besonders auf die Bahnhöfe Biebrich und Wiesbaden-Ost angewiesen. „In den ersten Tagen glich es angesichts des Staus einer Odyssee, überhaupt eine Bahn zu erreichen“, sagte Kowol weiter. Mit der Busspur am Amöneburger Kreisel sollen nun die ESWE-Busse 6 und 33 sowie die Schienenersatzbusse in ihrer Anfahrt zum Bahnhof Wiesbaden-Ost beschleunigt werden – das freut dann auch die Pendler aus und nach Mainz.

Info& auf Mainz&: Mehr über das Absacken der Salzbachtalbrücke lest Ihr hier bei Mainz&, über die Pläne zur Sprengung der Brücke und zum genaueren Zustand des Bauwerks haben wir hier berichtet. Weil der Zustand der Salzbachtalbrücke noch immer hochgradig unsicher ist, gibt es derzeit keine Pressetermine an der Brücke, das gesamte Bildmaterial stammt deshalb von der Autobahn West GmbH.

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Ich glaube nicht, dass das Rollenlager kaputt gegangen ist. Wo nur ist das Lager geblieben? Jedenfalls nicht heruntergefallen. Am ehesten ist das Lager in den durch Armierungsrost geschwächten Kastenüberbau eingebrochen. Diese Betonzermürbung gibt es flächendeckend, auch am Unterbau des Mainzer Rathauses.

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