Am 13. Juni wurde die neue Grünanlage auf der Mainzer Nordmole mit viel Lobeshymnen eingeweiht – nur rund zwei Wochen später präsentierte sich ein völlig anderes Bild: Die gesamte neue Rasenfläche ist komplett braun und wirkt wie abgestorben, auch die Bäume kämpfen teilweise um ihre Existenz. Mainz& hat einen Experten für Garten- und Landschaftsbau gefragt, seine Diagnose ist eindeutig: „Der Rasen erholt sich nicht mehr, das muss erneuert werden – das ist ein wirtschaftlicher Totalschaden.“

Die neue Grünanlage auf der Nordmole des Mainzer Zollhafens Anfang Juli 2025, gut zwei Wochen nach ihrer Eröffnung: Braun und verdorrt. - Foto: Kirchmann
Die neue Grünanlage auf der Nordmole des Mainzer Zollhafens Anfang Juli 2025, gut zwei Wochen nach ihrer Eröffnung: Braun und verdorrt. – Foto: Kirchmann

Das „Grünufer“ auf der Mainzer Nordmole ist ein lange versprochener Ausgleich für die im neuen Wohngebiet Mainzer Zollhafen vielen versiegelten Areale. Die Nordmole werde zu einem „Grünufer“ werden, eine „echte grüne Lunge“ für die Mainzer Neustadt, versprach Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) im Jahr 2020, und die damalige Umweltdezernentin und heutige Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) versicherte: Auf der Nordmole werde es eine „Parkwiese“ als Liege- und Freizeitfläche geben. Ziel sei „eine naturnahe, robuste Gestaltung mit hoher Aufenthaltsqualität und Nutzbarkeit“, hieß es von Seiten der Stadt Mainz.

Am 13. Juni dieses Jahres wurde die neue Grünanlage auf der Nordmole nun feierlich eröffnet und der Stadt Mainz übergeben. Gestaltet hatte sie die Zollhafen Mainz GmbH, die Tochterfirma der Mainzer Stadtwerke vermarktet die Grundstücke im Mainzer Zollhafen und hatte einen Gestaltungswettbewerb für die Nordmole ausgeschrieben, den – wie schon bei der Südmole – das  Berliner Landschaftsarchitekturbüro SINAI gewann. Deren Entwurf sehe „einen sehr hohen Anteil an Grünflächen und Bäumen vor“, lobte die damalige Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) bei der Vorstellung des Siegerentwurfs.

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3.400 Quadratmeter Rollrasen auf der Nordmole

Bei der Eröffnung Mitte Juni fiel vor allem eines auf: Eine uni-grüne Rasenfläche, auf der rund 26 junge Bäume verteilt wurden – weder Blumenbeete noch Sträucher noch Naturwiesen waren hier entstanden. Nach Angaben der Stadt Mainz und der Zollhafen GmbH wurden auf dem insgesamt rund 10.000 Quadratmeter großen Areal 3.400 Quadratmeter Rollrasen verlegt, 8,3 Millionen Euro wurden den Angaben zufolge für die Gestaltung ausgegeben.

Einweihung der neuen Grünanlage auf der Nordmole in Mainz am 13. Juni (von links): Stadtwerkevorstandschef Daniel Gahr, OB Nino Haase (parteilos) und Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) und ganz rechts Ortsvorsteher Christoph Hand (Grüne). - Foto: gik
Einweihung der neuen Grünanlage auf der Nordmole in Mainz am 13. Juni (von links): Stadtwerkevorstandschef Daniel Gahr, OB Nino Haase (parteilos) und Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) und ganz rechts Ortsvorsteher Christoph Hand (Grüne). – Foto: gik

„Wir haben mit dem Grünufer Nordmole für die Stadt Mainz einen Meilenstein in der Entwicklung des Zollhafen-Quartiers geschaffen“, sagte der Vorstandschef der Mainzer Stadtwerke AG, Daniel Gahr: Das Areal biete jetzt „Rheinkontakt und mehr Naherholung für die Mainzer Neustadt.“ Das Areal sei „eine grüne Oase“, eine Abkühlungsmöglichkeit für heiße Tage und Sommernächte“, schwärmte Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne), und der Ortsvorsteher der Mainzer Neustadt, Christoph Hand, freute sich, er sei „stolz, dass wir mit dieser Fläche einen Schritt in Richtung einer noch lebendigeren und lebenswerteren Neustadt gehen.“

Inzwischen allerdings ist von Grün, Natur und Lebendigkeit auf der Nordmole kaum noch etwas zu sehen, das gesamte Gelände präsentiert sich braun und vertrocknet. Mainz& hat Fotos von dem jetzigen Zustand einem Experten gezeigt: Wilhelm Hartmann ist gelernter Gärtner und leitet seit mehr als 30 Jahren einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb in Fulda, die „Gärtnerei Hartmann“. Die bietet die Gestaltung von Gärten und deren Pflege samt Bewässerungskonzepten an, Kernexpertise unter anderem: Rollrasen.

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Diagnose des Gartenbauexperten: „Das ist ein Totalschaden“

Hartmanns Diagnose zum Rasen auf der Nordmole ist auch aus der Ferne eindeutig: „Das ist ein wirtschaftlicher Totalschaden“, sagte der Gartenbauexperte beim Blick auf die Fotos: „Das muss erneuert werden, da kommt nichts mehr bei raus.“ Rollrasen habe einen „ganz großen Wasserbedarf beim Anwachsen“, betont Hartmann, „da muss mehrmals täglich gegossen werden.“ 10 Liter pro Quadratmeter Fläche müsse man da schon rechnen, und zwar pro Tag, bei 3.400 Quadratmetern Rollrasen „wären das allein 40 Kubikmeter Wasser pro Tag.“

Fast derselbe Standort wie bei der Einweihung Mitte Juni: Die Grünfläche auf der Nordmole Anfang Juli 2025. - Foto: Kirchmann
Fast derselbe Standort wie bei der Einweihung Mitte Juni: Die Grünfläche auf der Nordmole Anfang Juli 2025. – Foto: Kirchmann

Und das sei nur der Wert, der dem Boden am Tag durch Verdunstung entzogen werde, erklärte Hartmann im Gespräch mit Mainz& weiter: „Wir hatten in diesen Tagen warme Winde, trockene Luft und hohe Verdunstungsraten, selbst der kleine Baum da vorne kämpft ja schon ums Überleben“, sagte Hartmann weiter. Tatsächlich präsentiert sich eine Birke am südlichen Ende der Nordmole bereits bei der Eröffnung mit wenig Blättern und wenig Grün. Da helfe auch der Wassersack am Fuße des Baums wenig, sagt Hartmann: „Bäume brauchen allein 50 Liter pro Tag“, betont der Experte.

Bei der Eröffnung hatte Umweltdezernentin Steinkrüger auf die Frage nach der Bewässerung noch gesagt, dafür habe man „eine ressourcenschonende Lösung“ gefunden: „Die Anlage entnimmt Wasser aus dem Rhein und verzichtet auf die Nutzung von Trinkwasser“, betonte die Dezernentin, dafür gebe es eigens eine neue Pumpanlage in der Höhe des früheren Imbiss „Zum Schorsch“. Das Areal befindet sich allerdings noch im Bau, dieser zweite Teil der Nordmole erstreckt sich im Norden hin zur Kaiserbrücke – ob die Pumpanlage bereits fertig und in Benutzung ist, sagte die Dezernentin nicht. Auch waren auf dem neu eingeweihten Areal keinerlei Sprinkler oder andere Bewässerungsanlagen zu sehen, weder eingebaut noch – nach Angaben von Anwohnern – bisher in Nutzung.

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Der Zustand des Areals wundert den Landschaftsgärtner nicht wenig: „Wer den Auftrag zum Bau der Grünanlage vergeben hat, muss auch eine Pflege geplant haben“, sagte Hartmann gegenüber Mainz&. Üblich sei eine „Fertigstellungspflege“, die mit ausgeschrieben werden müsse, im Jahr danach sei ein „Entwicklungspflege“ üblich – auch wenn die manchmal vom neuen Eigentümer selbst übernommen werde. Die Frage sei nun, wer die Pflege nicht geleistet habe, „das wäre eigentlich eine Abmahnung“, sagt Hartmann: „Das ist jedenfalls völlig danebengegangen, das ist schon peinlich.“ Denn, fügte Hartmann noch hinzu, die Hoffnung, dass da noch mal etwas nachwachse, könne man sich sparen: „Eine Reparatur ist da nicht möglich.“

Info& auf Mainz&: Unseren ausführlichen Bericht zur Eröffnung der Grünanlage Nordmole im Mainzer Zollhafen lest Ihr hier bei Mainz&. Und natürlich fragen wir gerade auch bei der Stadt Mainz nach, wer denn da das Gießen vergessen hat…