Ein „Grünufer“ solle die Nordmole im neuen Wohnquartier Mainzer Zollhafen werden, eine grüne Anlage für „mehr Natur und mehr Erholung“ – da das Versprechen beim Start der Bauarbeiten für den kompletten Umbau im Juli 2020. Für die Umsetzung rief die Zollhafen GmbH einen Planungswettbewerb ins Leben – nun legte sie das Ergebnis vor: Zum Sieger kürte eine Jury das Berliner Landschaftsarchitekturbüro SINAI. Deren Entwurf sehe „einen sehr hohen Anteil an Grünflächen und Bäumen vor“, lobte Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) – kurz gesagt: Die Planskizzen zeigen vor allem eines – Wiesen. Auf den Skizzen außerdem erkennbare: Die Grünflächen werden nur einen schmalen Streifen entlang des Ufers bedecken. Interessant auch: Das Berliner Büro ist dasselbe, das 2014 auch den 1. Preis für die Gestaltung der Südmole des Mainzer Zollhafens gewann.

Die Südmole des Mainzer Zollhafens, gestaltet übrigens von denselben SINAI Landschaftsarchitekten. - Foto: gik
Die Südmole des Mainzer Zollhafens, gestaltet übrigens von denselben SINAI Landschaftsarchitekten. – Foto: gik

Das neue Wohnquartier rund um den ehemaligen Mainzer Zollhafen zeichnet sich durch eine dichte Bebauung aus, Grünflächen sucht man hier weitgehend vergeblich. Im August 2019 eröffnete die Stadt Mainz dann stolz die neu gestaltete Südmole direkt vor den sogenannten Schiffshäusern ein, die Stadtspitze schwärmte von einer großen Freifläche, Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) sprach gar von „einer der schönsten Rheinufergestaltungen überhaupt“ – entstanden war jedoch vor allem eine Steinwüste: Auf der 15.000 Quadratmeter großen Fläche gibt es kaum Grün und nur wenige Bäume, im Sommer heizen sich die Steinflächen zu großen Backofenflächen auf.

An der Steinwüste hagelte es prompt Kritik, die Stadtspitze reagierte darauf mit einem Versprechen: Die Nordmole des Zollhafens werde zu einem „Grünufer“ werden, von einer „echten grünen Lunge“, sprach Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) Anfang Juli dieses Jahres. Auf der Nordmole werde „eine der größten zusammenhängenden Grünflächen der Stadt“ entstehen. Das war beim Spatenstich für die Rückbauarbeiten der ehemaligen Kaimauer des entwidmeten Zollhafens, die bis Ende 2021 dauern sollen – ab 2022 soll die Neugestaltung der Nordmole beginnen.

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Plan der Landschaftsarchitekten von SINAI für das Grünufer der Nordmole im Mainzer Zollhafen. - Grafik: SINAI
Plan der Landschaftsarchitekten von SINAI für das Grünufer der Nordmole im Mainzer Zollhafen. – Grafik: SINAI

Und wie die aussehen soll, zeigte sich nun: Die Zollhafen GmbH teilte die Ergebnisse des im Sommer ausgerufenen Planungswettbewerbs zur Gestaltung des grünen Ufers mit – wegen des verschärften Corona-Lockdowns erfolgte die Mitteilung nur schriftlich, eine öffentliche Präsentation mit Möglichkeit für Nachfragen von Journalisten war abgesagt worden. Insgesamt sechs Landschaftsarchitekturbüros hatten den Angaben zufolge die Aufgabe, gestalterische Vorschläge für die zukünftigen öffentlichen Grün- und Erholungsflächen des Uferstreifens der Nordmole zwischen der Hafeneinfahrt und dem Imbiss „Zum Schorsch“ zu entwickeln.

Zum Sieger wählte eine Jury den Entwurf des Berliner Büros SINAI Landschaftsarchitekten, die mitgeschickten Entwürfe zeigen einen schmalen Streifen zwischen Rheinufer und der Häuserfront, auf dem vor allem Wiesenflächen entstehen sollen. Die Wiesen fallen teils steil, teils flacher von einem gepflasterten Weg zum Rheinufer ab, auf einem Teil des Ufers sollen auch terrassenförmige Strukturen, ein sogenannter „Stadtbalkon“ entstehen. Zudem ist entlang der Uferstrecke eine „Sportsbay“ mit Fitness- und Bewegungsangeboten geplant, wie die allerdings aussehen soll, zeigten die mitgelieferten Skizzen nicht.

Visualisierung des Grünufers der neuen Mainzer Nordmole durch das Berliner Büro SINAI.
Visualisierung des Grünufers der neuen Mainzer Nordmole durch das Berliner Büro SINAI. – Grafik: SINAI

Insgesamt 550 Meter lang soll das „Grünufer“ von der Spitze der Hafeneinfahrt bis zum Imbiss „Zum Schorsch“ werden, den jetzt vorgelegten Plänen zufolge, wird es eine eher schmaler Wiesenstreifen zwischen Häusern und Wasser – auch von einem inzwischen von Oberbürgermeister Michael Ebling versprochenen Rheinschwimmbad, ist auf den Plänen nichts zu sehen. Der nun gekürte Siegerentwurf zeichne sich durch „einen sehr hohen Anteil an Grünflächen und Bäumen“ aus, lobte hingegen Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne), die selbst Mitglied der Jury war.

Das Konzept zeichne sich zudem „durch ein auf den einmaligen Ort bezogenes außergewöhnliches und innovatives Konzept aus, das spielerisch die topografischen Anforderungen über Rampen, Stufen und Böschungen auf die flachen Ebenen erfüllt und ohne großflächige Stützmauern auskommt“, lobte die Dezernentin weiter. So werde „eine vielfältige naturnahe Spiel- und Naherholungsnutzung möglich.“

Der terrassierte "Stadtbalkon" auf dem "Grünufer" der Nordmole des Mainzer Zollhafens. - Grafik: SINAI
Der terrassierte „Stadtbalkon“ auf dem „Grünufer“ der Nordmole des Mainzer Zollhafens. – Grafik: SINAI

Zu den Kernelementen gehörten eine „Parkwiese“ als Liege- und Freizeitfläche, der „Stadtbalkon“ mit Aufenthaltsbereichen, dazu ein Standortvorschlag für eine temporäre Gastronomie. Besonders hervorzuheben sei „eine ‚Urbane Aue‘ mit terrassierten Rasen- und Wiesenlandschaften.“, betonte Eder laut Mitteilung: Auf diese Weise werde die Veränderlichkeit der Flusslandschaft unmittelbar erlebbar. „Die Gesamtstruktur bietet ein sehr hohes Potential für Biodiversität im Stadtraum“, bilanzierte die Dezernentin.

In dem Entwurf fänden sich auch „zahlreiche Vorschläge der Bürgerbeteiligung wieder“, betonte zudem Olaf Heinrich von der Geschäftsführung der Mainzer Zollhafen GmbH – die Bürger hatten im Vorfeld des Planungswettbewerbs Wünsche und Ideen einreichen können. Wie viele Ideen eingereicht wurden, sagte die Zollhafen GmbH nicht. Als besonders gelungen habe die Jury zudem die Mischung aus urbanen und landschaftlichen Elementen gesehen, sagte Heinrich weiter. Auch der Umgang mit den historischen Funden und die Wahl des Standortes für den alten Kran sei einhellig gelobt worden. Wo genau der alte Kran stehen soll, geht aus den Plänen leider nicht hervor.

Der alte Mainzer Zollhafen in seiner aktiven Hafenzeit als Containerhafen im Jahr 2008. - Foto: Zollhafen GmbH
Der alte Mainzer Zollhafen in seiner aktiven Hafenzeit als Containerhafen im Jahr 2008. – Foto: Zollhafen GmbH

Der Wettbewerb habe damit „ein hervorragendes Ergebnis“ für die 10.000 Quadratmeter große Grün- und Naherholungsfläche gebracht, sagte Heinrich weiter, nun freue man sich „auf die Konkretisierung der Planung in den kommenden Monaten.“ Die Zollhafen GmbH will in die Umgestaltung insgesamt rund sieben Millionen Euro investieren, die Neugestaltung soll 2022 beginnen, die Fertigstellung ist laut Unterlagen „ab 2023, gegebenenfalls in Abschnitten“ geplant.

Die Sieger des Wettbewerbs sind indes keine Unbekannten: Das Büro SINAI gewann schon den Gestaltungswettbewerb für die Freiraumflächen der Südmole, die nach diesen Plänen gestaltet wurde. Und die Berliner Architekten wurden in diesem Sommer auch zu den Siegern des nicht-offenen Planungswettbewerbs für die Gestaltung des Umfelds des Alten jüdischen Friedhofs an der Mombacher Straße gekürt. Das Büro SINAI grüßt übrigens in diesen Tagen mit einer Winterlandschaft als Weihnachtsgruß auf seiner Homepage, darauf zu sehen: Der Entwurf für den „Stadtbalkon“ auf der Mainzer Nordmole als Winterlandschaft – Schlittschuhbahn inklusive.

Info& auf Mainz&: Unseren Bericht vom Beginn der Bauarbeiten auf der Mainzer Nordmole könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen. Über die Einweihung der Südmole am Zollhafen haben wir hier berichtet, einen Leitartikel zu der Kritik an der „Steinwüste“, dem Problem Grünflächen in Mainz und dem Klimawandel findet Ihr hier auf Mainz&.

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3 KOMMENTARE

  1. Eisbahn, Winteridylle – gehts noch?
    Wir leben 2020, bald 2021 mit Klimaerwärmung, durch nötige Kraftwerkskühlung erwärmten Flüssen und dann eine Eisbahn an der Südmole – DER BURNER! :-)=)
    Kennste? Kennste? Berliner Firma, SINAI, ja – jenau – wie die Wüste! Ja- passt doch!
    Und dette schon zum zweetn Male – mann is det Kabarett…

  2. Verdichtete Betonwüste mit grünem Randstreifen. Vorher war allerdings gar nichts. Wenn Altmeister Kreyßig, der für seine Zeit außerordentlich großzügig und luftig geplant hat, diese an Berliner Hinterhöfe erinnernde Verdichtung sähe, würde er sich im Grabe umdrehen. Und wehe, wenn die Griller dieses Gelände entdecken, gibt es wieder Zoff.

  3. Wird es einen Bildband geben?
    Ich seh‘ den schon vor mir: Folioformat, Kunstdruck, kalandriert, teilwiese echt posh in Schwarzweiß
    Gesteinigte Landschaften – Südmole und jüdischer Friedhof Mainz
    (Ha- ist ein Trick, war doch alles in Farbe, die Gestaltung ist als solche schwarzweiß)
    :-)=)

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