Nach der eher steinlastigen Südmole des Mainzer Zollhafens soll nun auf der Nordmole des neuen Wohngebiets ein „Grünufer“ entstehen: Auf rund 10.000 Quadratmetern Fläche soll hier direkt am Rhein eine grüne Oase mit Bäumen, Wiese und Spielmöglichkeiten entstehen. Ende Juni war Baustart, das Gelände soll sich in den kommenden drei Jahren komplett verändern – wie genau, das soll ein Wettbewerb von Landschaftsarchitekten ergeben. Doch auch die Mainzer sollen mitreden: Bis zum 20. Juli können sie ihre Wünsche und Ideen einbringen.

Die Nordmole des Mainzer Zollhafens soll bis 2023 ein "Grünufer" werden. - Foto: gik
Die Nordmole des Mainzer Zollhafens soll bis 2023 ein „Grünufer“ werden. – Foto: gik

Der ehemalige Binnenschiffahrtshafen von Mainz wird seit 2013 zum Wohngebiet umgebaut, das neue Wohngebiet „Mainzer Zollhafen“ ist inzwischen erheblich gewachsen. Die Gestaltung des Umfelds hinkte da bislang noch hinterher. Vor einem Jahr, im August 2019, wurde die neu gestaltete Südmole eingeweiht, das neue Rheinufer zeichnet sich allerdings durch eine fast 100-prozentige Versiegelung aus – es entstand eine 15.000 Quadratmeter große Freifläche aus Stein und Beton.

Nun soll der grüne Teil des neuen Stadtquartiers folgen: Ende Juni fiel der Startschuss zum Umbau der Nordmole, bis 2023 soll hier ein „Grünufer“ entstehen, das in Teilen zum Wasser hin abgesenkt wird. „Die Realisierung des Grünufers an der Nordmole ist der nächste bedeutende Entwicklungsschritt“, betont die Zollhafen GmbH. Bisher war das Gelände hier zum Großteil asphaltiert, bis Ende 2021 sollen die Uferanlagen nun zum Großteil zurückgebaut werden. Künftig soll nun der Uferstreifen um knapp zwei Meter tiefer gelegt werden. Das neue Uferprofil besteht in Teilen aus einem zum Wasser hin abfallenden Schrägufer, zum Teil bleibt aber auch die alte Betonwand erhalten, wenn auch nicht so hoch wie heute. Damit mussten hier auch die temporären Schiffsanleger für Binnenschiffe weichen, das führte zu Protesten und sogar zu einem Gerichtsprozess.

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Die Nordmole war Teil des Mainzer Zollhafens und soll nun von einer Industriebrache zum Erholungsgebiet werden. - Foto: gik
Die Nordmole war Teil des Mainzer Zollhafens und soll nun von einer Industriebrache zum Erholungsgebiet werden. – Foto: gik

Grund für die neue Ufergestaltung ist der Hochwasserschutz: Bei der Umgestaltung des Zollhafens machte das rheinland-pfälzische Umweltministerium die Schaffung von neuen Räumen zur Hochwasservorbeugung zur Bedingung. Durch die Absenkung des Uferniveaus soll so künftig ein Ausdehnungsraum entstehen, den der Rhein bei Hochwasser überfluten kann – „Retentionsraum“ ist das Fachwort dafür. Damit werden die künftigen Wiesen der Nordmole in regelmäßigen Abständen unter Wasser stehen – für eine Gestaltung der Anlage ist das eine Herausforderung.

Das Motto der Neuanlage laute „mehr Natur und mehr Erholung im Quartier“, betont die Zollhafen GmbH, auf dem Ufer sei „eine naturnahe Gestaltung und Bepflanzung mit hohem ökologischem und klimatischem Nutzen gewünscht.“ Zum anderen solle das Grünufer aber auch den Bürgern „eine dauerhafte und je nach Jahreszeit entsprechende Freizeitnutzung ermöglichen.“ So sollen „Aufenthaltsbereiche für Menschen jeden Alters“, aber auch Spielbereiche für Kinder und Jugendliche entstehen – gefragt seien dabei „Spielangebote, die sich in die naturnahe Gestaltung integrieren – und das, natürlich, nicht zulasten des Spaßes“, heißt es auf der Internetseite zum Projekt Nordmole weiter.

Baustart auf der Nordmole mit Bagger und viel Staub. - Foto: gik
Baustart auf der Nordmole mit Bagger und viel Staub. – Foto: gik

Öffentliche Veranstaltungen sollen im Bereich des Grünufers nicht stattfinden, das vertrage sich nicht mit der gewünschten naturnahen Gestaltung, so die Anforderungen. Dazu muss der Zugang zum Ufer barrierefrei, aber auch für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge erreichbar sein, eine gute Beleuchtung ist ebenso gewünscht wie eine „instandhaltungsfreundliche und robuste Gestaltung.“

Wie das alles zusammengehen soll, dafür startet die Zollhafen GmbH einen Planungswettbewerb: Sieben renommierte Planungsbüros für Landschaftsarchitektur und -planung werden zur Teilnahme aufgefordert, das Verfahren soll schon nach den Sommerferien 2020 starten und bis Ende 2021 entschieden sein, damit ab 2022 die Neugestaltung beginnen kann. Im Wettbewerb gehe es konkret um die Gestaltung des Areals zwischen der Einfahrt zum Hafenbecken und dem Gastronomiebetrieb „Zum Schorsch“, und damit um ein Ufer von gut 550 Metern Länge und einer Gesamtfläche von rund 10.000 Quadratmetern.

Vorläufige Planungsskizze für die Umgestaltung der Nordmole im Mainzer Zollhafen zu einem "Grünufer". - Grafik: Zollhafen GmbH
Vorläufige Planungsskizze für die Umgestaltung der Nordmole im Mainzer Zollhafen zu einem „Grünufer“. – Grafik: Zollhafen GmbH

Mit einbeziehen müssen die Planer aber auch historische Aspekte: Bei den Vorbereitungen für die Bauarbeiten wurden alte Mauern der früheren Rheinbefestigung gefunden, es handele sich wahrscheinlich um Reste einer alten Militäranlage aus dem Jahr 1880, berichtete Peter Zantopp-Goldmann von der Zollhafen GmbH. Aber auch die Mainzer sind gefragt: Im Vorfeld des Planungswettbewerbs können sie auf einer Internetseite ihre Wünsche und Ideen zur Gestaltung der Nordmole einbringen. Der „Wunschzettel“ werde in die Planungen einfließen, versprach Zantopp-Goldmann – das Grünufer an der Nordmole solle „eine Bereicherung für das Stadtquartier Zollhafen, die Neustadt und alle Bürger der Stadt Mainz werden.“

Das Luftbild vom Mainzer Zollhafen auf der Internetseite zur Nordmole zeigt den Grad der Bebauung. - Screenshot: gik
Das Luftbild vom Mainzer Zollhafen auf der Internetseite zur Nordmole zeigt den Grad der Bebauung. – Screenshot: gik

Das unterstrich auch Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) beim Spatenstich auf der Nordmole: „Wir haben ein großes Stück Rheinufer zurückerobert, hier entsteht eine der größten zusammenhängenden Grünflächen der Stadt“, sagte Ebling. Die großen Rheinuferveränderungen seien 100 Jahre her, seither habe es viele Pläne zur Umgestaltung gegeben. „Aber wir haben begonnen es umzusetzen, es wird eine echte grüne Lunge“, betonte Ebling. Die Umgestaltung der Nordmole stehe „wie kein anderes Projekt für eine Aufwertung des Rheinufers, für ein Plus an Lebensqualität – und dass wir die Stadt wieder an den Rhein holen.“

Info& auf Mainz&: Alle Informationen zum Umbau der Nordmole im Mainzer Zollhafen findet Ihr hier auf dieser Internetseite der Zollhafen GmbH, auf derselben Seite könnt Ihr auch Eure Wünsche und Anregungen zur Gestaltung loswerden. Die Geschichte zur Gestaltung der Südmole im Mainzer Zollhafen könnt Ihr hier bei Mainz& nachlesen, den Streit um die Schiffsliegeplätze an der Nordmole haben wir hier aufgeschrieben.

2 KOMMENTARE

  1. Wie schon an anderer Stelle geschrieben, finde ich es unglaublich, wie man die Bürger hier wieder für dumm verkauft. An der Ausschreibung sind große Planungsbüros beteiligt, die sich ihre Ideen – sofern sie angenommen werden – gut bezahlen lassen. Und hier sollen die Mainzer Bürger quasi für lau und ohne Angabe des Ideengebers ihre Vorschläge einreichen, die bestenfalls übernommen werden – oder auch nicht. Je nachdem wie es den Verantwortlichen ins Konzept passt. Am Ende schmücken die sich mit fremden Federn und beahupten, die Mainzer Bürger hätten ja die Chance gehabt, sich einzubringen.

  2. Wie schon an anderer Stelle geschrieben, finde ich es unglaublich, wie man die Bürger hier wieder für dumm verkauft. An der Ausschreibung sind große Planungsbüros beteiligt, die sich ihre Ideen – sofern sie angenommen werden – gut bezahlen lassen. Und hier sollen die Mainzer Bürger quasi für lau und ohne Angabe des Ideengebers ihre Vorschläge einreichen, die bestenfalls übernommen werden – oder auch nicht. Je nachdem wie es den Verantwortlichen ins Konzept passt. Am Ende schmücken die sich mit fremden Federn und behaupten, die Mainzer Bürger hätten ja die Chance gehabt, sich einzubringen.

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