Der Winter war so hart wie lange nicht mehr, der wochenlange Frost hat Spuren hinterlassen – gerade auf den Straßen. Die Stadt Wiesbaden meldet nun, man rechne mit rund 5.000 neuen Schlaglöchern auf den Straßen, man habe derzeit vier Reparaturtrupps im gesamten Stadtgebiet im Einsatz. Dazu kann man in Wiesbaden Schlaglöcher mit einem Online-Formular melden – und die hessische Stadt verspricht: Binnen 24 Stunden gibt es Abhilfe. In Mainz gibt es nichts dergleichen, das grün-geführte Verkehrsamt kann nicht angeben, wie viele Mittel in das Stopfen von Schlaglöchern investiert wurden.

Schlaglochpiste in Mainz-Bretzenheim: Diese Straße sieht nicht erst seit diesem Winter so aus - die Löcher gibt es bereits seit Jahren. - Foto: gik
Schlaglochpiste in Mainz-Bretzenheim: Diese Straße sieht nicht erst seit diesem Winter so aus – die Löcher gibt es bereits seit Jahren. – Foto: gik

Man sieht es auf allen Straßen: Nach dem ungewöhnlich harten Winter mit langen Frostphasen haben Schlaglöcher Hochkonjunktur – aber was tun die Städte eigentlich dagegen? Die Landeshauptstadt Wiesbaden meldete nun vor einigen Woche, der harte Winter habe für 5.000 Schlaglöcher zusätzlich gesorgt: „Die anhaltend kalte und wechselhafte Witterung hinterlässt in diesem Winter deutliche Spuren“, teilte der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) mit – Grund sei vor allem auch der häufige Wechsel zwischen kalt und warm.

„Seit November wurden 27 Frost-Tau-Wechsel registriert – ein physikalisches Wechselspiel, das den Asphalt stark beansprucht“, so die Erklärung aus Wiesbaden weiter. Dadurch dringe Wasser in kleinste Risse ein, gefriere bei Nacht, dehne sich aus und sprenge die Fahrbahndecke weiter auf. Das Tiefbau- und Vermessungsamt rechne deshalb mit einem deutlichen Anstieg auf über 5.000 Schlaglöcher in den Wintermonaten.

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Wiesbaden: Vier Reparaturtrupps, online Schlagloch-Melder

Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren, als durchschnittlich rund 3.000 Schadstellen pro Saison ausgebessert werden mussten. Allein in diesem Winter seien deshalb für kurzfristige Reparaturen durch beauftragte Fremdfirmen Kosten von etwa 230.000 Euro angefallen, informiert die Stadt Wiesbaden weiter. Diese Mittel dienten ausschließlich dazu, akute Gefahrenstellen zu entschärfen, und die Verkehrssicherheit zeitnah zu gewährleisten.

Reparaturtrupp in Sachen Schlaglöcher in Wiesbaden. - Foto: Stadt Wiesbaden
Reparaturtrupp in Sachen Schlaglöcher in Wiesbaden. – Foto: Stadt Wiesbaden

Doch Wiesbaden tut noch mehr, hier geht man das Thema Schlaglöcher aktiv an: „Um die Straßen in einem sicheren Zustand zu halten, sind derzeit vier Reparaturtrupps im gesamten Stadtgebiet unterwegs“, informiert die Stadt weiter. Außerdem können Bürger schadhafte Stellen über den städtischen stadteigenen Schlaglochmelder melden – und die Stadt verspricht sogar: „Darüber gemeldete Schlaglöcher werden in der Regel innerhalb von 24 Stunden bearbeitet und beseitigt.“

Davon kann man in Mainz nur träumen: Der Zustand vieler Straßen ist katastrophal, Schlaglöcher werden oft jahrelang nicht beseitigt – wir kennen aktuelle Beispiele -, viele Straßen erinnern an Ruckelpisten. Mainz& hat die Stadtverwaltung gefragt, wie viele Mittel in den vergangenen Jahren in den Straßenbau in Mainz investiert wurden? Das Dezernat von Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) konnte oder wollte auf diese Frage keine Antwort geben.

Wiesbaden: 700.000 Euro für Fahrbahndecken pro Jahr

Auf die Frage, wie viele Mittel in Mainz in den vergangenen Jahren in den Erhalt von Straßen investiert wurden, antwortete das Dezernat: „Die Stadt Mainz investiert ca. 12 Millionen Euro jährlich in die Straßenunterhaltung“, das sei ohne Reinigung und Kosten für den Winterdienst. Auf die Frage, bei wie vielen Straßen die Fahrbahndecke komplett erneuert wurde, hieß es nur, es sei „eine Vielzahl“ gewesen. Auf die Frage, wie viele Mittel in das Stopfen von Schlaglöchern investiert wurden, hieß es lediglich: Der Umfang sei „schwer zu erheben“, bei Sofortmaßnahmen komme überwiegend Kaltasphaltkosten, und da seien 2023 Kosten in Höhe von rund 150.000 Euro angefallen.

Zu den Straßen mit besonders schlechter Oberfläche in Mainz gehört die Mombacher Straße. - Foto: gik
Zu den Straßen mit besonders schlechter Oberfläche in Mainz gehört die Mombacher Straße. – Foto: gik

In Wiesbaden kann man die Kosten derweil ganz genau beziffern: Das Fahrbahndeckenprogramm, das seit 2005 für nachhaltige Erneuerungen sorge, verfüge jährlich über rund 700.000 Euro, teilte Wiesbaden mit – selbst das sei aber noch „zu wenig, um den tatsächlichen Bedarf zu decken und die Verkehrssicherheit im gesamten Stadtgebiet dauerhaft zu gewährleisten.“ Für den Betrieb und die Instandhaltung der Straßen stehen in Wiesbaden zudem allein für 2026 rund 4,5 Millionen Euro bereit, das Tiefbauamt schätze jedoch den tatsächlichen Bedarf etwa doppelt so hoch ein. Zur Deckung hoffe die Stadt nun auch auf Unterstützung durch das Infrastrukturpaket des Bundes.

Das Ausbessern von Schlaglöchern findet sich übrigens nicht im Wiesbadener Baustellenmelder: Dafür würden die Reparaturtrupps einen Straßenabschnitt immer nur kurze Zeit sperren, das lohne sich nicht zur Veröffentlichung. Man bitte aber um Verständnis für mögliche kurzfristige Behinderungen im Straßenverkehr: „Alle Arbeiten sind eine Investition in die Zukunft“, betont man in Wiesbaden: „Ohne die Arbeiten käme es früher oder später zu Schäden an Fahrzeugen oder zur Vollsperrung von Fahrbahnen.“

 

Land Hessen: Schlaglochprogramm mit 6 Millionen Euro

Hilfe kann die Stadt Wiesbaden zumindest wohl vom Land Hessen erwarten: Das Nachbarland startete gerade ein „Schlaglochprogramm“ und will 6 Millionen Euro in die Beseitigung von Frostschäden investieren. „Wir investieren gezielt Mittel, damit Reparaturen zügig umgesetzt werden können und Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen auch weiterhin zuverlässig unterwegs sein können“, sagte der hessische Verkehrsminister Kaweh Mansoori (SPD). Damit sollten vor allem kleinere Reparaturmaßnahmen im gesamten Landesstraßennetz umgesetzt werden.

Schlagloch-Beseitigungstrupp in Korbach, Hessen. - Foto: Hessen Mobil
Schlagloch-Beseitigungstrupp in Korbach, Hessen. – Foto: Hessen Mobil

Hessenweit habe man so in diesem Jahr bereits fast 38.000 Fahrbahnschäden auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen beseitigt, davon allein fast 25.000 auf Landesstraßen. Alle Kosten für Material, Personal und Anfahrtskosten addiert, koste die Beseitigung eines Schlaglochs mit Kaltmischgut in etwa 500 Euro. Bis zum Sommer will man in Hessen mit den Reparaturarbeiten durch sein.

In Rheinland-Pfalz hatte der Landesrechnungshof gerade erst den Zustand besonders der Straßen in den Landkreisen scharf gerügt: 41 Prozent seien „in einem sehr schlechten Zustand“, es gebe einen Nachholbedarf von über einer Milliarde Euro, kritisierte der Landesrechnungshof in seinem Jahresbericht. Zuständig für Planung, Bau, Unterhalt und Verwaltung der Kreisstraßen sei der Landesbetrieb Mobilität – und dem sei es in den vergangenen Jahren „nicht gelungen, die von den Landkreisen vorgesehenen Mittel von durchschnittlich 72,3 Millionen Euro jährlich umzusetzen.“

Info& auf Mainz&: Wir würden gerne wissen: Welche Schlaglochposten in Mainz kennt Ihr? Schickt uns Eure Infos und Fotos! Bitte einfach per Email an info(at)mainzund.de – Wie einfach das mit dem Schlagloch-Melder in Wiesbaden geht, könnt Ihr Euch hier im Internet selbst ansehen.