In früheren Zeiten galten sie als Vorboten von Umsturz und Katastrophen und in jedem Fall als Schicksalsboten: Kometen. Nun ist ausgerechnet in der Corona-Krise erstmals seit vielen Jahren wieder ein Komet in Deutschland am Nachthimmel zu sehen. C/2020 F3 heißt die Kugel aus Gestein, Staub und Eis, oder besser Neowise. Das Besondere an Neowise: Er ist der hellste Komet seit sieben Jahren und zieht einen gut sichtbaren Schweif aus verdampfendem Eis hinter sich her.

Komet Neowise ganz hell am Nachthimmel. - Foto: Daniel Fischer/Planetarium Bochum
Komet Neowise ganz hell am Nachthimmel. – Foto: Daniel Fischer/Planetarium Bochum

Das seltene Himmelsschauspiel begeistert derzeit Astronomen und Hobby-Himmelsgucker in ganz Deutschland, denn Neowise ist der erste Komet seit den 1990er Jahren, der sogar mit bloßem Auge gut sichtbar ist. Die letzten Kometen, bei denen das „von der Nordhalbkugel aus möglich war, waren „Hyakutake“ und „Hale Bopp“ Mitte der 1990-er Jahre“, sagt Birgit Heck vom Wetterdienst Wetter Online: „Seither erschienene Kometen blieben meist so lichtschwach, dass sie ohne optische Hilfsmittel entweder nicht oder nur mit viel Geduld beobachtet werden konnten.“ Zuletzt war im Jahr 2013 der Komet „Panstarrs“ mit freiem Auge sichtbar, jedoch nur mit optischen Hilfsmitteln bot dieser auch ein sehenswertes Himmelsschauspiel.

Das ist jetzt bei Neowise anders: Gleich Dutzendfach posten derzeit Astronome und Hobby-Sterngucker in sozialen Netzwerken begeistert Fotos von dem leuchtenden Stern am Nachthimmel, bei dem sogar der Schweif aus verdampfendem Eis und anderes Gestein gut zu sehen ist. Neowise wurde erst am 27. März 2020 vom NASA-Weltraumteleskop „Neowise“ entdeckt, von dem er seinen Namen bekam. Kometen sind Überreste der Entstehung des Sonnensystems und bestehen aus Eis, Staub und lockerem Gestein, „er benötigt mehrere Jahrtausende für einen Umlauf um die Sonne und ist dieser nur für wenige Monate so nah, dass Gase und Staub freigesetzt werden und einen Schweif bilden können“, erklärt Heck.

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Komet Neowise gut sichtbar mit seinem Schweif am Nachthimmel. - Foto: Daniel Fischer/Planetarium Bochum
Komet Neowise gut sichtbar mit seinem Schweif am Nachthimmel. – Foto: Daniel Fischer/Planetarium Bochum

Der neue Schweifstern hatte schon am 4. Juli den sonnennächsten Punkt seiner Umlaufbahn erreicht und war zuvor nur von der Südhalbkugel der Erde aus zu sehen. Inzwischen entfernt er sich zwar wieder von der Sonne, kommt aber der Erde noch bis zum 23. Juli näher – mit etwas Glück könne Neowise noch bis in den August hinein sichtbar bleiben.

Neowise komme der Erde bis zum 23. Juli auf rund 300-fache Mondentfernung nahe, erklärt Axel Weiss von der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Mainz auf Mainz&-Anfrage. Wie hell der Komet am Nachthimmel über Mainz zu sehen ist, ist unklar, „Helligkeitsprognosen verbieten sich“ und hätten schön öfter getäuscht, sagt Weiss. Fest steht: In anderen Regionen wie Bochum und Bonn war der Komet bereits gut zu sehen. „Neowise ist da – und super-einfach zu sehen“, jubeln die Beobachter vom Astronomieblog „Bonner & Bochumer Sterne“. Der Komet sei mit bloßem Auge problemlos zu sehen und mit einer Superzoom-Kamera auch gut zu fotografieren.

Neowise erscheint in der frühen Morgenstunden ab etwa 3.20 Uhr in Richtung Nordwest bis Nordost – allerdings sehr tief über dem Horizont. „Derzeit ist Neowise tief unten am Horizont im Nordosten kurz vor Sonnenaufgang zu sehen“, sagte Axel Weiss von der AAG: „Ab 3.30 Uhr bis gegen 4.30 Uhr kann man den Versuch wagen, ihn ein Stückchen links von Capella, dem Hauptstern im Sternbild Fuhrmann zu sichten.“ Die Helligkeit entspreche einem helleren Stern, gerade sein Schweif werde voraussichtlich nur mit einem Feldstecher richtig gut zu sehen sein.

Stein aus dem Weltallt: Stück eines 1852 in Mainz an der Pariser Straße gefundenen Meteoriten. - Foto: gik
Stein aus dem Weltallt: Stück eines 1852 in Mainz an der Pariser Straße gefundenen Meteoriten. – Foto: gik

„Nötig ist eine wirklich freie Sicht bis weit runter zum Horizont in Richtung Nordwest bis Nordost, damit Neowise in drei bis vier Grad Höhe erkennbar wird“, warnt Weiss. Wer sich tatsächlich auf die Suche machen will, sucht sich am besten einen erhöhten Standort mit freier Sicht in die entsprechende Himmelsrichtung. „In der Umgebung von Mainz könnte dafür etwa die Laubenheimer Höhe gut geeignet sein“, sagt Weiss. Wer mehr Aufwand treiben wolle, könne auch auf den Großen Feldberg fahren.

Die Nachtstunden sollte man bis zum 10. Juli nutzen, ab dann wird Neowise nicht mehr am frühen Morgen, sondern schon in den Abendstunden zu sehen sein. „Wer ihn dann finden will, kann sich am Großen Wagen orientieren: die beiden vorderen Sterne des Wagenkastens zeigen am 24.7. nach unten in Richtung Neowise“, erklärt Weiss. Leider werde sich mit der besseren Sichtbarkeit aber auch die Helligkeit des Kometen verringern. Der Grund: „Neowise verdankt wie alle Kometen seine Leuchtkraft der Sonnenstrahlung“, erklärt Weiss – und da sich der Komet dann wieder von der Sonne entfernt, nimmt auch seine Strahlkraft ab. Zudem nimmt auch die Masse ab, die von der Sonne weggeblasen wird, auch der Schweif des Kometen wird somit kleiner.

Womöglich ist Neowise aber – immer schwächer werdend – noch bis in den August hinein zu sehen. Dann verschwindet der Komet wieder in die ewigen Weiten des Sonnensystems, genau das macht ihre geheimnisvolle Aura und ihre Anziehungskraft aus.

Info& auf Mainz&: Wir danken ganz herzlich dem Astronomie-Blog „Bonner & Bochumer Sterne“ für die tollen Fotos von Neowise, die sie uns zur Verfügung gestellt haben – bitte schaut hier bei den Astronomie-Bloggern vorbei! Die Astronomische Arbeitsgemeinschaft Mainz betreibt die Sternwarte bei Klein-Winternheim, ob es dort ein Kometen-Spotting-Event gibt, wissen wir nicht – aber Informationen zur AAG findet Ihr hier im Internet. Treffen und Beobachtungsabende werden meist hier auf Facebook angekündigt. Mainz hat übrigens eine lange Astronomiegeschichte – die vom Meteoriten von Mainz erzählen wir Euch hier.

4 KOMMENTARE

  1. Frau Kirschstein, Sie sind wirklich auf allen Gebieten perfekt. Großes Kompliment. Dennoch will ich einen Hinweis geben, evtl. zur nachträglichen Korrektur des Textes. Ein Komet zieht den Schweif nicht hinter sich her. Ganz unabhängig von seiner Bewegungsrichtung zeigt der Schweif als Ergebnis des Materie- und Strahlungsdrucks immer von der Sonne weg

    • Oh hups, vielen Dank für das tolle Kompliment! Sie haben natürlich Recht mit dem Schweif, so physikalisch gesehen. Aber wir haben uns dieses gängige sprachliche Bild einfach mal erlaubt, weil es so hübsch ist… (und wir das immer schon mal schreiben wollten…).

  2. H. Rencker,
    das ist halb richtig und halb falsch. Den Staubschweif (hell und meist weiß) zieht der Komet tatsächlich hinter sich her.
    Der Ionenschweif (blau bis blaugrün und meist schwächer) zeigt immer von der Sonne weg. Deswegen zeigen beide Schweife oft in unterschiedliche Richtung.

    • Im Vakuum des Universums gibt es keinen Widerstand, der Partikel als nachgezogene „Rauchspur“ sortieren könnte. Sehr selten, bei besonderen Bahnkonstellationen, ist ein Gegenschweif (Typ-III Schweif, Antischweif) sichtbar. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen eigenständigen Schweif, sondern nur um einen geometrischen Projektionseffekt: Wenn sich die Erde zwischen Sonne und Komet hindurchbewegt, ragt ein Teil des Staubschweifs, bedingt durch seine Krümmung, scheinbar über den Kometenkopf hinaus.

      Nur in Sonnennähe mag deren Materieauswurf eine Wirkung haben, was nur unter diesen Bedingungen einen gegenläufigen Doppelschweif verursachen mag.. Bitte keine akademische Diskussion.

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