Die Landtagswahl 2021 ist entschieden – auch in der Landeshauptstadt Mainz: Danach holt die SPD in Mainz bei den Zweitstimmen 34,1 Prozent, die CDU kommt mit 21,5 Prozent auf den zweiten Platz, und die Grünen holen 18,7 Prozent der Zweitstimmen. Die FDP kann in der Landeshauptstadt nur 5,4 Prozent einfahren, die Linke kommt auf 3,9 Prozent, die AfD auf 4,4 Prozent. Von den drei Mainzer Wahlkreisen holt die SPD zwei: Der Wahlkreis 28 geht an Finanzministerin Doris Ahnen (SPD) und der neu formierte Wahlkreis 29 an Patric Müller (SPD). Die Grünen holen hingegen mit Katharina Binz im Wahlkreis 27 erstmals überhaupt in ihrer Geschichte in Rheinland-Pfalz ein Direktmandat.

Pressezelte im Innenhof des Mainzer Abgeordnetenhauses am Abend der Landtagswahl 2021. - Foto: gik
Pressezelte im Innenhof des Mainzer Abgeordnetenhauses am Abend der Landtagswahl 2021. – Foto: gik

Es war der ungewöhnlichste Wahlabend, der Rheinland-Pfalz je erlebt hatte: Statt Wahlparties und gemeinsamem Bangen vor den Bildschirmen, standen sich die Journalisten zur Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr im Innenhof des Mainzer Landtags die Beine in den Bauch. Wegen der Corona-Pandemie war der Zutritt in die Räume des Abgeordnetenhauses nicht erlaubt, bei eisigen Temperaturen und immer wieder niedergehenden Schauern mussten die Journalisten im Freien ausharren und abwarten, wer von den Politikern zufällig oder geplant für kurze Statements des Weges kam.

Zur Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr fanden sich so pro Partei nur zwei bis drei Parteigetreue an den einzelnen Pavillons ein, am größten war der Jubel dann bei der SPD: Nach einer furiosen Aufholjagd schafften die Sozialdemokraten erneut den Durchmarsch, während die CDU-Opposition abstürzte. Das Bild des Landesergebnisses spiegelte sich am Abend auch in der Landeshauptstadt Mainz: Im Gegensatz zur Kommunalwahl 2019 holte sich die SPD stadtweit den Sieg als stärkste Partei.

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Ergebnis der Landtagswahl Rheinland-Pfalz in Mainz. - Grafik: Stadt Mainz, Foto: gik
Ergebnis der Landtagswahl Rheinland-Pfalz in Mainz. – Grafik: Stadt Mainz, Foto: gik

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kommt demnach die SPD in Mainz bei den Zweitstimmen auf 34,1 Prozent, die CDU wird mit 21,5 Prozent zweitstärkste Kraft und verweist die Grünen mit 18,7 Prozent auf Platz drei. Bei der Kommunalwahl 2019 hatte die SPD in Mainz mit 20,5 Prozent nur auf Platz drei gelegen, die CDU bei 23,4 Prozent, und die Grünen waren mit 27,6 Prozent stärkste Kraft im Stadtrat geworden. Die FDP, der dritte Partner in der Ampel-Koalition, kam am Abend bei der Landtagswahl in Mainz insgesamt auf 5,4 Prozent der Zweitstimmen, dicht gefolgt von der AfD mit 4,4 Prozent der Mainzer Stimmen.

Die kleinen Parteien spielten beim Ausgang der Landtagswahl in Mainz praktisch keine Rolle: Die Linke holte mit 3,9 Prozent im Vergleich zum landesweiten Ergebnis von gerade einmal 2,5 Prozent ein noch gutes Ergebnis in Mainz. Einen Achtungserfolg erzielte die Partei VOLT, die in Mainz immerhin auf 2,9 Prozent kam, die neu formierte Klimaliste RLP holte 2,4 Prozent der Stimmen. Die ÖDP kam bei den Mainzer Zweitstimmen nur auf 1,8 Prozent, die Freien Wähler holten 1,9 Prozent – sie ziehen mit ihrem Bitburger Landrat Joachim Streit als Spitzenkandidat erstmals überhaupt in den Mainzer Landtag ein.

Der Anteil der Briefwahl war rekordverdächtig hoch. - Foto: gik
Der Anteil der Briefwahl war rekordverdächtig hoch. – Foto: gik

147.800 Wähler waren am Sonntag in Mainz aufgerufen, ihre Stimme bei der Landtagswahl abzugeben, 101.224 gaben am Ende ihre Stimme ab – das entsprach einer Wahlbeteiligung von 69 Prozent, 2016 hatte die noch bei 73,5 Prozent gelegen. Der Anteil der Briefwähler war dabei so hoch wie noch nie in der Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz: 74.656 Mainzer hatten Briefwahl beantragt, allerdings gaben am Ende nur 70.823 ihre Briefwahlstimmen auch wirklich ab – rund 4.000 Stimmen blieben damit auf der Strecke. Der abgegebene Anteil machte dann 69,9 Prozent der abgegeben Stimmen aus.

Der hohe Anteil der Briefwahlstimmen verzögerte am Abend die Auszählung, erst gegen 22.00 Uhr lag das vorläufige amtliche Endergebnis für Mainz vor. Freuen konnte sich dabei in zwei von drei Wahlkreisen die SPD: Im Wahlkreis 28, der weitestgehend die Mainzer Außenbezirke umfasste, setzte sich mit 30,8 Prozent klar SPD-Finanzministerin Doris Ahnen durch, die CDU-Kandidatin Sabine Flegel lag mit 27,1 Prozent mit 3,7 Prozentpunkten Anstand auf Platz zwei. Die Grünen holten hier mit Fabian Ehmann 18,7 Prozent, die FDP 5,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag in diesem Wahlkreis bei 68,8 Prozent.

Die Grüne Katharina Binz holte im Wahlkreis Mainz Zentrum das Direktmandat. - Foto: Grüne RLP
Die Grüne Katharina Binz holte im Wahlkreis Mainz Zentrum das Direktmandat. – Foto: Grüne RLP

Den neu formierten Wahlkreis 29 holte sich Patric Müller von der SPD mit 33,9 Prozent vor CDU-Kandidat Hannsgeorg Schönig, der auf 29,2 Prozent kam. Damit konnte sich die CDU auch nicht in dem Wahlkreis durchsetzen, wo ihr zuvor die meisten Chancen eingeräumt worden waren – der neu formierte Wahlkreis umfasste neben dem Südwesten von Mainz auch die rheinhessischen Gemeinden Bodenheim, Gau-Bischofsheim, Harxheim, Lörzweiler sowie Nackenheim. Mit 71,8 Prozent lag hier die Wahlbeteiligung in Mainz am höchsten, die Grünen kamen mit David Nierhoff auf 15 Prozent, die FDP holte 5,3 Prozent. Die Freien Wähler fuhren mit 3,8 Prozent ihr bestes Mainzer Ergebnis ein, die ÖDP holte mit dem Marienborner Claudius Moseler 3,7 Prozent.

Besonders laut aber jubelten wieder einmal die Grünen: Im Wahlkreis 27, der Mainzer Innenstadt, holte sich Katharina Binz mit 29,6 Prozent das Direktmandat – das erste für die Grünen in Rheinland-Pfalz überhaupt. Die Landtagsabgeordnete Binz schlug damit den SPD-Landtagsabgeordneten Johannes Klomann hauchdünn, Klomann kam auf 29,2 Prozent – 177 Stimmen gaben am Ende den Ausschlag. Die CDU kam mit ihrem Landes-Generalsekretär Gerd Schreiner lediglich auf 17,4 Prozent, die FDP-Kandidatin und Fraktionschefin im Landtag, Cornelia Wilius-Senzer, holte in der Innenstadt 4,8 Prozent  – einen Achtungserfolg gelang hier der Linken mit 5,4 Prozent der Erststimmen. Stadtrat Maurice Conrad fuhr mit 4,4 Prozent der Erststimmen für die Klimaliste RLP ein sehr gutes Ergebnis ein.

Die CDU geht bei der Landtagswahl RLP ziemlich leer aus - hier das Zelt am Wahlabend. Foto: gik
Die CDU geht bei der Landtagswahl RLP ziemlich leer aus – hier das Zelt am Wahlabend. Foto: gik

Nach dem derzeitigen Stand der Auszählung wird Mainz nun von diesen Politikern im Landtag vertreten: Doris Ahnen für die SPD und Cornelia Wilius-Senzer für die FDP, dazu für die Grünen Katharina Binz. Fabian Ehmann wird ebenfalls in den Landtag einziehen, denn der Vertreter der Grünen Jugend rangiert auf Platz 8 der Landesliste – die Grünen werden wohl zehn Sitze im Landtag haben.

Ebenso zieht die Parlamentarische Geschäftsführerin Pia Schellhammer, die in Oppenheim lebt, wieder in den Landtag ein, sie kandidierte auf Platz drei der Landesliste. Aber auch SPD-Mann Klomann wird sein Landtagsmandat behalten: Er zieht über die Landesliste mit Platz 36 in den Landtag ein, denn die SPD wird nach derzeitigem Stand wohl 40 Sitze bekommen. Als einziger Mainzer CDU-Mann hält weiter Gerd Schreiner die Fahne im Landtag hoch: der Generalsekretär stand auf einem sicheren Listenplatz.

Info& auf Mainz&: Die Mainzer Ergebnisse mit allen Stimmen in den einzelnen Wahlkreisen könnt Ihr hier im Internet nachschlagen. Das vorläufige amtliche Endergebnis der Landtagswahl Rheinland-Pfalz landesweit lest Ihr hier bei Mainz&. Eine erste Analyse zum Ausgang der Landtagswahl findet Ihr hier bei Mainz&.

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Es fällt eine taktische Stimmensplitterung auf, wie auch zu erwarten war. Mancher Wähler wollte keine politisch unwirksame Listenstimme an Kleinparteien verschenken, zeigte aber dennoch seine Sympathie mit einer Kandidaten-Erststimme „ehrenhalber“. Umgekehrt sind Abstrafungen von Erstkandidaten unübersehbar.

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