Gott Jupiter war einst bei den Römern der höchste der Götter: Göttervater, Blitzeschleuderer, mächtigster aller Olympier – „Bei Jupiter!“ ruft der Gallier Asterix gerne und oft. Kein Wunder: Dem Göttervater galten die höchsten Ehren und die größten Tempel, landauf, landab wurden ihm Jupitersäulen gewidmet: Gigantische Schmucksäulen, reich verziert mit Reliefs von Göttern und mythischen Gestalten. Die größte und bedeutendste dieser Art außerhalb Roms aber stand in Mainz – gestiftet von Mainzer Kaufleuten zu Ehren Kaiser Neros. Den traf nach seinem Fall in den Wahnsinn der Bannfluch, vielleicht liegt es ja daran, dass die Große Mainzer Jupitersäule seit zehn Jahren verschwunden ist…

Ein goldener Jupiter thronte auf der Spitze der 9,10 Meter hohen Großen Mainzer Jupitersäule. - Foto: gik
Ein goldener Jupiter thronte auf der Spitze der 9,10 Meter hohen Großen Mainzer Jupitersäule. – Foto: gik

Sie war 9,10 Meter hoch, eine schlanke Säule, verziert mit den Darstellungen von 28 verschiedenen Gottheiten: Fortuna und Minerva, Victoria und Mars, Mercurius, der Gott des Handels, aber auch Gottheiten aus dem keltischen Raum waren vertreten. Auf ihrer Spitze aber thronte eine noch einmal drei Meter große, vergoldete Jupiterstatue – es muss ein imposanter Anblick gewesen sein.

Die Große Mainzer Jupitersäule gilt bis heute als die größte und beeindruckendste ihrer Art, die jemals nördlich der Alpen gefunden wurde – und offenbar war sie auch in der Antike bereits berühmt: Ihr Stil und ihre Pracht wurden zum Vorbild für zahlreiche Monumente dieser Art im gesamten römischen Germanien, wie man bei Regionalgeschichte.net weiß. Errichtet wurde die Mainzer Säule zwischen 63 und 67 nach Christus. Das Datum ist gut belegt, denn die Säule war mit einer Weiheinschrift auf einem unteren Sockel versehen – und dahinter verbirgt sich eine wahre Kriminalgeschichte um Wahnsinn und Mobbing.

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Zu Ehren Neros, durch Intrige in den Selbstmord getrieben

Denn die Jupitersäule wurde zu Ehren des damaligen Kaiser Nero errichtet, der zu Beginn seiner Amtszeit noch als visionärer Architekt und Erbauer von Rom galt – bevor er dem Wahnsinn verfiel und Rom bekanntlich in Brand steckte. In Laufe seiner Amtszeit mutierte Nero denn auch immer mehr zum größenwahnsinnigen Tyrann, der vermeintliche Gegner gnadenlos verfolgte – so trieb der Kaiser eben jenen Publius Sulpicius Scribonius Proculus, der auf der Jupitersäule genannt wird, durch eine Intrige in den Selbstmord.

So imposant erhob sich die Große Mainzer Jupitersäule bis 2015 auf der Wiese vor dem Mainzer Landtag. - Foto: gik
So imposant erhob sich die Große Mainzer Jupitersäule bis 2015 auf der Wiese vor dem Mainzer Landtag. – Foto: gik

Dort heißt es nämlich, die Säule sei errichtet worden „als Publius Sulpicius Scribonius Proculus Statthalter war“ – der war von etwa 63 bis 67 Legat des obergermanischen Heeres. Scribonius starb nur ein Jahr vor Neros Selbstmord – der Kaiser fiel danach selbst der Ächtung anheim. „Die ‚Damnatio Memoriae‘ war damals etwas ganz Typisches“, erklärt der frühere Landesarchäologe Gerd Rupprecht: Die betroffene Person traf der Bannstrahl des Fluches und des Vergessens, jede öffentliche  Erinnerung sollte ausgelöscht werden – sogar Inschriften des Namens der Person wurden ausgemeißelt.

Das geschah tatsächlich auch an der Großen Mainzer Jupitersäule, allerdings recht nachlässig, und deshalb bis heute erkennbar. Auch dass die Säule in 2000 Einzelstücke zerschmettert war, spricht Experten zufolge dafür, dass sie bewusst zerschlagen wurde. Finanziert wurde das Monument indes durch die reichen Mainzer Kaufleute Quintus Julius Priscus und Quintus Julius Auctus, „sie waren zur römischen Gesellschaft gehörend, aber ohne Bürgerrecht“, erklärt Rupprecht: „In der Regel waren dies Einheimische.“

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Reiche Mainzer Kaufleute stifteten die Ehrensäule einst

Gefunden wurde die Jupitersäule denn auch im Dezember 1904 bei Bauarbeiten in der Mainzer Neustadt, in in der Sömmerringstraße 6: Der damalige Leiter des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz, Ludwig Lindenschmit, wurde auf Bronzefragmente aufmerksam, die Bauarbeiter bei einem Altmetallhändler verkauften. Die Fragmente stellten sich als einen mit einer Sandale bekleideter Fuß sowie Überreste eines Blitzbündels heraus – es waren Teile einer überlebensgroßen Jupiterfigur.

Der verwaiste Sockel der Großen Mainzer Jupitersäule im Sommer 2025. - Foto: gik
Der verwaiste Sockel der Großen Mainzer Jupitersäule im Sommer 2025. – Foto: gik

Lindenschmit machte den Fundort in der Mainzer Neustadt ausfindig, eine mehrwöchigen Grabung Anfang 1905 förderte in zweieinhalb Metern Tiefe Sensationelles zutage: die Überreste der Jupitersäule, zerschlagen in rund 2.000 Stücke. In mühsamer Puzzlearbeit konnte die Säule rekonstruiert werden, das Original ist heute im Mainzer Landesmuseum zu sehen. Vor dem Mainzer Landtag stand indes seit 1934 auf einer Wiese eine nahezu exakte Kopie der Original-Säule – doch seit Mai 2015 ist das imposante Denkmal verschwunden.

Im Juli 2025 machte der neu gegründete Verein „Rettet das Römische Mainz“ mit einer Aktion darauf aufmerksam, dass der massive Steinsockel seit nunmehr zehn Jahren verwaist ist. Die Säule war zu Restaurationszwecken abgebaut und in einer Spezialwerkstatt in Budenheim saniert worden – 2023 sollte sie eigentlich zurückkehren. Doch daraus wurde nichts – warum, ist unklar. Die Stadt Mainz behauptet, Sockel und  Boden der Säule seien nicht mehr standfest, mit einer schnellen Rückkehr der Säule sei nicht zu rechnen.

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Das Römische Dreieck mit Jubiläumsbrunnen und Ehrenbogen

Der Verein „Rettet das Römische Mainz“ widerspricht: Die Säule sei fertig restauriert und könne sofort aufgestellt werden, habe man bei der ausführenden Restaurationsfirma versichert. Auch ein neuer Sockel wäre demnach kein großes Problem: Im Frühjahr 2026 könnte die Säule zurück auf ihren Standort – wenn denn Wille und Geld da wären. Denn gemeinsam mit dem Dativius-Victor-Bogen (unser Türchen Nummer 2) und dem Jubiläumsbrunnen (unser Türchen Nummer 3) bildet die Große Mainzer Jupitersäule eine Art römisches Dreieck rund um den Ernst-Ludwig-Platz.

Das beeindruckte im Sommer einen Mainz&-Leser so sehr, dass er gar vorschlug: Warum man denn nicht das Gelände an der Großen Bleiche zu einem ganzen Römerpark mit einer Vielzahl von Denkmälern mache? Vielleicht müsste Jupiter einmal eingreifen und einen Blitzstrahl vom Himmel schicken, oder die Mainzer wie einst in den Tempeln Fluchtäfelchen verfassen oder ein Opfer bringen. Und wer weiß, vielleicht heißt es ja in wenigen Monaten dann doch: „Beim Jupiter, haben uns die Götter etwa erhört?“

Info& auf Mainz&: Mehr zur verschwundenen Mainzer Jupitersäule könnt Ihr ausführlich noch einmal hier nachlesen, was die Stadt Mainz zu dem Ganzen sagt, haben wir hier berichtet. Dieser Adventskalender entsteht in Kooperation mit dem Verein „Rettet das Römische Mainz“, der Mainz& mit Informationen und Fotos unterstützt.

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