Der Streit um das Thema Parkplätze in Mainz geht weiter, dieses Mal trifft es den Mainzer Stadtteil Mombach. Neu dabei: Hier streiten nun SPD und Grüne um die Neueinrichtung von rund 20 Parkplätzen, die nach dem Willen des Ortsbeirats entlang der Kreuzstraße entstehen sollen. Die Grünen zeigten sich daraufhin fassungslos und schimpften, man dürfe „die Sicherheit von Kindern nicht für Parkplätze opfern“. Das wiederum erbost den Mombacher Ortsvorsteher Christian Kanka (SPD): Der Bereich sei nicht stark frequentiert – und es seien die Grünen, die mit ihrem Parkplatzkrieg die Menschen zur Verzweiflung brächten.

Die Kreuzstraße in Mainz-Mombach mit dem heutigen Radweg und dem drei Meter breiten Gehweg. - Foto: Kanka
Die Kreuzstraße in Mainz-Mombach mit dem heutigen Radweg und dem drei Meter breiten Gehweg. – Foto: Kanka

Die Kreuzstraße führt vom Kreisel im Mombacher Ortskern hinauf in den Nachbarstadtteil Gonsenheim, entlang der Straße gab es vor Jahren bereits Parkplätze, die laut Ortsvorsteher Christian Kanka (SPD) auch dringend benötigt wurden. Nun beschloss der Ortsbeirat Mombach mit großer Mehrheit: Entlang der Kreuzstraße sollen bergauf wieder Parkplätze entstehen – zwischen der Fußgängerampel der De-la-Roche-Anlage und dem Pfarrer-Bechtolsheimer-Weg könnten damit auf einer Länge von rund 110 Metern Platz für rund 20 Autos geschaffen werden.

„Die Kreuzstraße geht in diesem Abschnitt ziemlich steil bergauf. Viele Radfahrende nutzen deshalb schon jetzt den Gehweg, obwohl auf der Straße ein 1,80 Meter breiter Fahrradschutzstreifen angebracht ist“, argumentiert die Fraktionsvorsitzende der SPD im Mombacher Ortsbeirat, Katina Tiesler. Die SPD machte deshalb den Vorschlag, den Radverkehr auf den drei Meter breiten Gehweg zu verlegen, wo sich Fußgänger und Radfahrer den Platz teilen könnten. Das würde Platz für einen zwei Meter breiten Parkstreifen auf der Straße schaffen, der Fahrradstreifen bergabwärts bliebe erhalten.

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Grüne: „Es zählt nur der Blick durch die Windschutzscheibe“

Das aber rief die Mainzer Umweltministerin Katrin Eder (Grüne) auf den Plan, die zum einen gerade als Spitzenkandidatin der rheinland-pfälzischen Grünen im Landtagswahlkampf steht, und zum anderen selbst mit ihrer Familie in Mombach lebt. Und die schimpfte nun, man dürfe „die Sicherheit für Kinder nicht für Parkplätze opfern“: „Ich bin fassungslos, dass im Antrag des Ortsbeirats wieder nur der Blick aus der Windschutzscheibe zählt und die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer diesem geopfert werden soll”, kritisierte Eder.

Schimpft gegen neue Parkplätze und Autos im Mainzer Ortskern: Die rheinland-pfälzische Umweltministerin und Ex-Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne). - Foto: MKUEM
Schimpft gegen neue Parkplätze und Autos im Mainzer Ortskern: Die rheinland-pfälzische Umweltministerin und Ex-Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne). – Foto: MKUEM

Die volle Breite des Gehwegs werde benötigt, „da die Kinder der Pestalozzischule ohne pädagogische Betreuung, aber in Gruppen in den Hort der Kita Mombach West gehen“, sagte Eder weiter. Ein breiter Gehweg von mindestens 1,50 Metern sei „nicht nur das rechtlich geltende Maß, sondern auch aus Gründen der Barrierefreiheit und der Schulwegesicherheit wichtig.“ Essentiell sei zudem ein unverstellter Blick in den Straßenraum, und zwar auf Höhe der Kinderaugen.

„Radverkehr auf dem Gehweg würde mobilitätseingeschränkte Menschen ebenso wie die Kinder auf dem Gehweg beeinträchtigen und auch für die Radfahrenden Gefährdungen bedeuten“, betonte Eder weiter. Die Grünen würden „nicht zulassen, dass in der Verkehrsinfrastruktur der Weg in die Moderne zurückgedreht wird für eine autogerechte Stadt der 60er Jahre, die weniger Sicherheit für Radfahrende und Kinder bedeutet.“

 

Kanka: Politik der Grünen führt zu Unmut und Verzweiflung

Doch die Grünen, die im Ortsbeirat gegen den Antrag stimmten, hatten die Rechnung ohne die SPD gemacht – die wehrte sich in einer umfangreichen Pressemitteilung, und widersprach: „Der Gehweg wird dort nicht stark frequentiert“, betonte Ortsvorsteher Kanka im Gespräch mit Mainz&: „Die meisten gehen dort sowieso nicht gerne lang, sondern nehmen den Weg durch das Wohngebiet“, erklärte Kanka: „Durch die Verlagerung des Radverkehrs auf den Gehweg stört man echt keinen.“

Sucht pragmatische Lösungen für seinen Ortsteil Mombach: Ortsvorsteher Christian Kanka (SPD). - Foto: gik
Sucht pragmatische Lösungen für seinen Ortsteil Mombach: Ortsvorsteher Christian Kanka (SPD). – Foto: gik

Pikant dabei: Es war gerade die damalige Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder, die die Parkplätze entlang der Kreuzstraße strich – mit Zustimmung der SPD. Die stützte bisher die Autofeindliche Politik ihres Lieblingskoalitionspartners Grüne vorbehaltlos mit – doch das scheint zumindest in Teilen zu bröckeln. Eder habe damals den Anwohner gesagt, sie sollten im Ortskern parken, erinnert sich Kanka – doch seither habe sich die Lage dramatisch geändert: „Es ist eine Politik der Grünen, die in den letzten Jahren in Mombach zu großen Problemen für den ruhenden Verkehr und Unmut bei den Bürgern führt“, kritisierte Kanka: „Der Frust der Mombacher ist groß, die Verzweiflung enorm.“

Denn derzeit gehe das Verkehrsdezernat unter Eders Nachfolgerin Janina Steinkrüger (Grüne) rigoros gegen das sogenannte „Gehwegparke“ vor – und streiche damit erhebliche Mengen von Parkplätzen, auf denen jahrzehntelang problemlos und unbeanstandet geparkt werden konnte. „Ich halte es ebenfalls für wichtig, dass man dort, wo es aufgrund der baulichen Gegebenheiten enge Straßen und Gehwege gibt, die Sicherheit der Fußgänger in den Blick nimmt“, sagte Kanka. Nun aber fielen im Ortskern viele Parkflächen weg – wo diese Fahrzeuge künftig parken sollten, „darauf hat mir die Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger bis heute keine Antwort gegeben“, kritisierte Kanka.

„Stehe ratlos vor Bürgern, die sich beschweren“

Als Ortsvorsteher stehe er nun „ratlos vor den Bürgern, die sich zurecht zuallererst an mich wenden und beschweren“, schildert Kanka die Situation. Der Parkdruck wachse stetig, von der Verkehrsverwaltung komme aber keinerlei Unterstützung zur deswegen „habe ich dies zum Anlass genommen, um selbst zu schauen wo man Parkraum schaffen kann.“ Er habe dann selbst verkehrsrechtliche Mindestbreiten für Fußgänger, Radfahrer, fließenden und ruhenden Verkehr recherchiert und geschaut, „wo man in Mombach etwas anpassen kann.“

Skizze zur Verteilung des Straßenraums in der Mombacher Kreuzstraße mit potenziellen neuen Parkplätzen. - Foto: Kanka
Skizze zur Verteilung des Straßenraums in der Mombacher Kreuzstraße mit potenziellen neuen Parkplätzen. – Foto: Kanka

Die Grünen hingegen hätten an einer Lösung des Parkproblems offenbar kein Interesse, kritisierte Kanka: „Man versucht, durch pauschalisierte Begründungen, Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum zu verhindern oder gar zu vernichten.“ Auch die ehemalige Mombacher Ortsvorsteherin Eleonore Lossen-Geißler (SPD) forderte, es brauche neue Alternativen für Parkflächen und begrüßte den neuen Vorschlag der SPD.

Die SPD sieht zudem weitere konkrete Möglichkeiten für Parkmöglichkeiten im öffentlichen Raum in der Kreuzstraße zwischen Hauptstraße und Industriestraße. „Wir wollen, dass die Verwaltung diese und auch weitere Möglichkeiten prüft“, betonte Tiesler. Dabei sollten natürlich keine Gefahren für Radfahrer oder Fußgänger geschaffen werden, „sondern Lösungen für alle Verkehrsteilnehmer“, fügte sie hinzu.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Krieg der Grünen gegen Parkplätze in Mainz könnt Ihr auch hier bei Mainz& nachlesen. Bereits im April 2025 hatten Anwohner in der Oberstadt eine Petition an OB Nino Haase (parteilos) übergeben, in der sie ein Moratorium forderten, auch die Mainzer FDP kritisiert, Parkplatzvernichtung sei „unsozial“ und startete ebenfalls eine Petition – mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&:

FDP fordert Legalisierung von geduldetem Parkraum in Mainz: „Parkplatzvernichtung ist unsozial“ – Petition an Haase übergeben