Mainz ächzt weiter unter Baustellenchaos, viele Einzelhändler klagen über Besucherrückgang, Traditionsgeschäfte schließen. Nun will die Stadt Mainz mit einer neuen Imagekampagne dagegenhalten: Unter dem Titel „Mainz bleibt offen“ wirbt das Mainzer Wirtschaftsdezernat für die Inhaber-geführten Geschäfte in der Innenstadt. Sechs Mainzer Geschäftsleute sollen dabei der Kampagne ein Gesicht geben, die Betonung liege auf „ehrlichen Botschaften“ heißt es weiter. Ein Beispiel: „Baustelle nervt. Wir bleiben offen.“

Eine Serie von Geschäftsschließungen traditionsreicher Einzelhandelsgeschäfte wie etwa der Kinderladen Wirth oder der Fachhändler Listmann zum Jahresende 2026 hatte vor einigen Wochen erst die Mainzer und dann auch die Stadtverwaltung aufgeschreckt. Während die Stadt darauf verweist, dass es in Mainz doch gar nicht so viel Leerstand gebe – etwa 6 Prozent statt bundesweit 10 Prozent – und die Passantenströme in der City nicht nachgelassen hätten, bleiben die Einzelhändler bei ihrer Kritik.
Durch das Baustellenchaos der vergangenen Monate seien Kunden und Umsätze deutlich zurückgegangen, viele Kunden kämen wegen der hohen Staudichte und der lange Anfahrten nicht mehr in die Innenstadt. Eine IHK-Umfrage hatte das im Oktober 2024 bestätigt: Die Folgen des Baustellen-Chaoses durch die zeitgleiche Sperrung der Binger Straße und der Windmühlenstraße in Mainz seien „dramatisch“, hieß es dabei. 81 Prozent der negativ betroffenen Betriebe stellten einen Rückgang der Kundenfrequenz fest, 83 Prozent gaben an, von Umsatzeinbußen betroffen zu sein – und für 17 Prozent waren die negativen Auswirkungen sogar existenzbedrohend.
Neue Marketing-Kampagne will mit ehrlichen Botschaften punkten
Die zeitgleiche Sperrung der Windmühlenstraße ist inzwischen passé, doch das Stauchaos wegen der Sperrung der Binger Straße in Richtung City und des schlechten Abflusses der Fahrzeuge stadtauswärts belastet den Verkehr in Mainz gerade am Einfallstor Alicenbrücke weiter erheblich. Mainz&-Leser berichten, sie bräuchten inzwischen vom Mainzer Hartenberg satte 20 Minuten in die Innenstadt, auch Fahrzeiten mit dem ÖPNV haben sich drastisch verlängert. Von Bretzenheim aus brauchen Bus und Bahn derzeit das Dreifache der üblichen Fahrzeiten.

Das Problem dabei: Seien die Kunden erst einmal abgeschreckt, kehrten sie auch nicht mehr zurück, klagt etwa Jan Sebastian, Inhaber des Juweliergeschäftes Willenberg am Mainzer Schillerplatz und Vorsitzender des Handelsverbandes Rheinland-Pfalz. Sebastian spricht offen über seine Umsatzrückgänge, in sieben Jahren habe er insgesamt „1,7 Millionen Euro an Umsatz verloren“, sagte er gegenüber Mainz& – nun sucht Sebastian ein kleineres Ladenlokal in anderer Lage, wo er auf mehr Kundenfrequenz hofft als in der Schillerstraße.
Mit einer neuen Kampagne will die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) den Einzelhändlern nun unter die Arme greifen: Noch im Dezember soll eine stadtweite Kampagne starten, die mit dem Slogan wirbt: „Mainz bleibt offen“. Dabei setze man auf authentische Kommunikation und „ehrliche Botschaften statt Beschönigung“, heißt es weiter. Sechs Mainzer Geschäftsleute sollen dabei der Kampagne ein Gesicht geben und mit Botschaften wie „Baustelle nervt. Wir bleiben offen.“ neugierig auf den Besuch der Innenstadt machen.
„Echte Menschen, echte Vorteile“ soll Menschen nach Mainz locken
„Die Baumaßnahmen rund um das Gutenberg-Museum und den Münsterplatz belasten den Einzelhandel und andere Gewerbetreibende seit Monaten“, sagte Dezernentin Matz. Die neue Kampagne benenne die Belastungen – und zeige gleichzeitig, warum sich ein Besuch in der Innenstadt trotzdem lohne. Die Kampagne wurde in Zusammenarbeit mit der Mainzer Designagentur Honey Studio erarbeitet und wird auf digitalen Großflächen, in sozialen Medien und Print-Publikationen ausgespielt.

Zentrale Anlaufstelle ist die Landingpage mainz.de/offen, auf der die Händler und Händlerinnen vorgestellt werden und alle Informationen zu den Unterstützungsmaßnahmen der Stadt gebündelt sind. Mit dem Konzept „Echte Menschen. Echte Vorteile“ setze man auf großformatige Porträtaufnahmen der Mainzer Fotografin Linda Deutsch. Die Bilder zeigen die Geschäftsleute vor ihren Läden, in winterlicher Atmosphäre, mit sichtbaren Baustellen-Elementen im Hintergrund. Die Botschaft: Hier stehen Menschen, die für ihre Stadt einstehen.
Portraitiert werden dabei Jan Sebastian, Cliff Kilian von der Buchhandlung Shakespeare und So in der Gaustraße, Laura Schué vom Familienbetrieb Ohlala by Schué im Kirschgarten, die Deko und Heimtextilien anbietet sowie Daniel Sieben vom Liebs in der Seppel-Glückert-Passage. Ebenfalls dabei sind Stefanie Menz vom italienischen Kaffeeladen TabaCasa am Dom sowie Jana Blume mit ihrem Laden mit handverlesener Vintage-Mode in der Fischtorstraße.

Parkhaus-Wertbons für Kunden in Geschäften
Diese sechs Gesichter stünden stellvertretend für über 400 Einzelhändler in der Mainzer Innenstadt, betonte Matz. Die Marketing-Kampagne stärke den Einzelhandel während der Bauphase, indem sie den Wandel von Mainz als Wirtschaftsstandort betone. „Wir zeigen, dass Veränderungen Chancen bieten und unsere Stadt trotz der Umbaumaßnahmen lebendig und attraktiv bleibt“, betonte die Dezernentin: „Die Innenstadt lebt – trotz Baustellen.“
Daneben will die Stadt aber auch mit konkreten Anreizen locken, so erhalten die Kunden in teilnehmenden Geschäften Parkhaus-Wertbons für die PMG-Parkhäuser in der Innenstadt. Jeder Bon hat einen Wert von 1,80 Euro, ist zwölf Monate gültig und kann mit weiteren Bons kombiniert werden. Die Stadt stellt insgesamt 10.000 Parktickets zur Verfügung. Auch der 0-Euro-Samstag soll weiter Menschen nach Mainz locken, jeden ersten Samstag im Monat ist dabei die Fahrt mit Bus und Bahn in Mainz, Budenheim, Wackernheim und Zornheim kostenlos. Die Stadt hatte die Aktion gerade für das Jahr 2026 verlängert.
Info& auf Mainz&: Alle Informationen zu der neuen Kampagne findet ihr hier im Internet, mehr Hintergrundinformationen zu Geschäftsschließungen und Problemen gibt es hier und hier mit weiterer Kritik und Lösungsansätzen:






