Immer mehr Menschen nehmen ihre Impftermine im Impfzentrum der Stadt Mainz nicht wahr, deshalb weitet die Stadt nun ihre Impfbörse aus: Ab sofort können sich bei der Impfbörse auch Personen unter 60 Jahren anmelden, denn zum Zuge kommen dort jetzt auch die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna. Wer sich bei der Impfbörse registriert, landet auf einer Nachrückerliste für nicht verimpfte Dosen, Impfwillige müssen in der Lage sein, binnen 30 Minuten im Impfzentrum zu erscheinen. Voraussetzung ist aber noch immer die Zugehörigkeit zu einer der drei Priorisierungsgruppen 1 bis 3.

Das Impfzentrum der Stadt Mainz in der ehemaligen FH in Mainz-Gonsenheim. - Foto: gik
Das Impfzentrum der Stadt Mainz in der ehemaligen FH in Mainz-Gonsenheim. – Foto: gik

Anfang Juni hatte die Stadt Mainz eine Impfbörse für liegen gebliebene Corona-Impfdosen gestartet, denn immer mehr Impftermine im Impfzentrum wurden nicht wahrgenommen. Das lag zum einen daran, dass seit dem Impfstart bei den Hausärzten viele Impfwillige dort einen Termin bekamen, aber vergaßen, ihre Termine im Impfzentrum abzusagen.

Grund Nummer zwei aber: der Impfstoff von AstraZeneca ist weiter unbeliebt, viele Termine mit dem Impfstoff platzten – die Stadt Mainz richtete daraufhin die Nachrückerliste via “Impfbörse” ein, damit kein Impfstoff verfällt, sondern auch kurzfristig verimpft werden kann. In Rheinland-Pfalz haben inzwischen 54,1 Prozent der Rheinland-Pfälzer eine Erstimpfung und erst 33,5 Prozent eine Zweitimpfung erhalten – gegen die neue Delta-Variante ist aber erst geschützt, wer beide Impfungen und somit einen vollen Impfschutz erhalten hat.

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Trotzdem aber haben die Ausfallquoten in den Impfzentren weiter zugenommen, das Land räumte gerade ein: Gut 15 Prozent der Termine in den Impfzentren werden im Schnitt derzeit nicht wahrgenommen. Die Termine in den Impfzentren würden allerdings “mit einer flexiblen Quote überbucht”, darüber hinaus stellten die Impfzentren Nachrückerlisten für ausgefallene Termine zur Verfügung, sagte der Sprecher des Mainzer Gesundheitsministeriums Markus Nöhl auf Mainz&-Anfrage: “Damit kann die Zahl der tatsächlich ausgefallenen Termine geringer gehalten werden.”

Die Corona-Impfung bietet sehr guten Schutz gegen schwere Erkrankungen und tödliche Verläufe. - Foto: gik
Die Corona-Impfung bietet sehr guten Schutz gegen schwere Erkrankungen und tödliche Verläufe. – Foto: gik

Man gehe davon aus, dass ein Großteil der Personen, die nicht zu ihrem Impftermin im Impfzentrum erscheinen, zwischenzeitlich bereits anderweitig eine Impfung erhalten hätten, sagte Nöhl weiter. Das Land appelliere aber weiter an die Impfwilligen, nicht notwendige Termine auch bitte zu stornieren.

Die Landeshauptstadt Mainz weitet nun genau aus diesem Grund ihre Impfbörse für Nachrücker aus: Die Zahl der nicht wahrgenommenen Impftermine steige weiter, teilte die Stadt vergangenen Donnerstag mit, deshalb öffne man die Impfbörse nun auch für Menschen unter 60 Jahren. Nach dem Verimpfen von Restimpfdosen von AstraZeneca kommen dabei nun auch die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna zum Einsatz. Es solle unbedingt vermieden werden, dass auch nur etwas von den Vakzinen ungenutzt entsorgt werden müsse, deshalb könnten sich Impfwillige nun auch unter 60 Jahren bei der Impfbörse anmelden, heißt es weiter. Der Impfstoff von AstraZeneca wird weiter nur gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission an Menschen über 60 Jahren verimpft.

Im Mainzer Impfzentrum verfallen immer mehr Impftermine - obwohl noch viele Menschen dringend auf eine Corona-Impfung warten. - Foto: gik
Im Mainzer Impfzentrum verfallen immer mehr Impftermine – obwohl noch viele Menschen dringend auf eine Corona-Impfung warten. – Foto: gik

Trotz des Wegfalls der Priorisierung Anfang Juni, können sich hier aber weiter nur Personen anmelden, die zu einer der früheren Priorisierungsgruppen 1 bis 3 gehören – das muss im Impfzentrum nachgewiesen werden. Impfwillige müssen zudem in Mainz wohnen und bereits in einem Impfzentrum des Landes registriert sein – ohne die Wartelistenummer weist die Impfbörse die Anmeldung zurück. Zudem müssen Interessenten binnen 30 Minuten im Impfzentrum erscheinen können und eine Mobilfunknummer haben, mit der man per SMS kontaktiert werden kann.

Aus dieser Nachrückerliste werden abends, wenn absehbar ist, dass Impfdosen im Impfzentrum RLP-Mainz übrigbleiben, impfwillige Menschen per SMS kontaktiert, eine Möglichkeit zur Impfstoffwahl bestehe nicht, betonte die Stadt weiter. Die Stadt weist zudem darauf hin, dass im Vorhinein nicht absehbar ist, ob an einem Tag Reste an Impfdosen zur Verfügung stehen, und wenn ja, wie viele. Daher könne auch nicht vorausgesagt werden, ob und wann Menschen auf der Warteliste kontaktiert werden.

Info& auf Mainz&: Die Impfbörse mit der Nachrückerliste für Impfungen der Stadt Mainz findet Ihr hier im Internet. Wer dort nun geimpft wird, erhält am Ende auch die Bestätigung für den digitalen Impfpass – mehr dazu lest Ihr hier bei Mainz&. Der digitale Impfnachweis wird entweder im Impfzentrum ausgestellt oder – wenn man bei einem Arzt geimpft wurde – von einer Apotheke, welche Apotheke diesen Service anbietet, könnt Ihr auf dem Internetportal „Mein Apothekenmanager“ nachschauen.

 

 

7 KOMMENTARE

  1. Im Satz “Gut 15 Prozent der Termine in den Impfzentren werden im Schnitt derzeit wahrgenommen.” dürfte ein “nicht” fehlen; ansonsten sähe es arg schlimm mit der Impfterminkoordination im Land aus.

  2. In Ihrem Artikel vom 11. Juni zur Nachrückerliste sagt unser Herr Gesundheisminister, dass Termine verschoben werden können, auch und gerade wenn sie mit einer Urlaubsplanung kollidiert. Hoch: „Wir haben die Urlaubszeit im Blick.“ Bei sehr triftigen Gründen „geht sehr viel“, versprach der Minister – und zu triftigen Gründen könne auch eine Urlaubsbuchung etwa mit der ganzen Familie gehören. Wer ein solches Problem habe, solle sich mit allen Daten und Angaben unbedingt online im Terminportal melden, sagte Hoch: „Wir gucken im Rahmen der Kapazität der Impfzentren immer, ob da individuell etwas machbar ist.“
    Bisher besteht dazu jedoch noch keine Möglichkeit, wie man selbst ersehen kann: https://impftermin.rlp.de/kontakt/stornierung/
    Warum werden hier Hoffnungen geweckt, die nicht eingehalten werden? Warum wird hier die Unwahrheit gesagt? Auch die unterschiedlichen Menschen in der Hotline wissen von solchen Möglichkeiten nichts. In Hessen kann man seinen zweiten Impftermin verschieben, warum geht das in RLP nicht? Kein Wunder, dass die Impfmüdigkeit steigt.

    • Vielen Dank, dass Sie uns geschrieben haben – das ist wirklich wichtig. Und wir werden gleich morgen versuchen, Minister Hoch damit zu konfrontieren. Denn in der Tat: Er hatte genau das versprochen. Und morgen ist wieder mal eine Regierungs-Pressekonferenz (14.00 Uhr), da werden wir versuchen, die Frage zu platzieren. Der Stornierungs-Link auf der Seite dürfte aber nicht der richtig sein – wir würden empfehlen, die Anfrage zur Verschiebung der Zweitimpfung per Email zu verschicken, und dort alle Infos reinzuschreiben. Interessant ist aber, dass das in Hessen geht… Wenn wir was rauskriegen, lesen Sie es hier!

  3. Dankeschön! Ich habe gerade noch einmal mit einem Mitarbeiter der Impfhotline gesprochen. Er weiß von solchen Möglichkeiten leider nichts, wie sie der Herr Gesundheitsminister anbietet. Es gäbe nur drei trifftige Gründe den zweiten Impftermin zu verschieben: Erkrankung, Krankenhaus-Aufenthalt oder Quarantäne. Dabei sind Nachweise über den Verschiebungsgrund vorzuzeigen (Ärztliches Attest oder Nachweis vom Gesundheitsamt bei Quarantäne). Verschiebungen in Bezug auf die Urlaubsplanung u. a. mit Kindern sind nicht möglich. Der Mitarbeiter bei der Hotline erklärte mir, dass sie wegen solcher Nachfragen gerade überrannt werden. Die Menschen seien verzweifelt, wüssten nicht, was sie tun sollten. Wir müssen deswegen wahrscheinlich unseren Urlaub in Deutschland unterbrechen. Man denke an den energetischen Aufwand. Was mich aber noch mehr ärgert ist die Frage, warum lügt der Herr Minister hier? Außerdem leistet er der Impfmüdigkeit Vorschub, die ich um mich herum immer mehr zunehmen sehe.

  4. Übrigens die Email-Adresse von der Sie sprechen, existiert ebenfalls nicht. Man kann den Termin nur stornieren und nicht verschieben, wie man das sonst macht. Der Termin ist dann weg, wie mir der Mitarbeiter in der Hotline mitteilte. Was summasummarum doch alles etwas an einen autoritären Obrigkeitsstaat erinnert.

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