Die Impfungen gegen das Coronavirus laufen weiter nur langsam an, in Rheinland-Pfalz stieg die Zahl der Impfungen am Dienstag auf rund 11.500 Personen, fast 60.000 Termine wurden nach Angaben des Landes mittlerweile vergeben – an den Hotlines hakte es am Dienstag allerdings weiter. Noch ist der Impfstoff knapp, auch weil Deutschland und die EU erst im November Impfstoffe beim Mainzer Unternehmen Biontech orderte. Dessen Gründer Ugur Sahin sagte nun: „Ich gehe davon aus, dass wir bis Sommer ausreichend Impfstoff zur Verfügung stellen können, dass alle, die eine Immunisierung haben wollen, sie auch bekommen können.“

Impfquoten der Bundesländer laut Impfmonitor des RKI. - Grafik: RKI
Impfquoten der Bundesländer laut Impfmonitor des RKI. – Grafik: RKI

Am Montag startete offiziell die Terminvergabe für die Corona-Impfungen in Rheinland-Pfalz – mit erheblichen Problemen. Die für die Terminvergabe zuständige Internetseite impftermin.rlp.de war nicht erreichbar oder brach immer wieder zusammen, die Telefonhotline war dem Ansturm nicht ansatzweise gewachsen. Trotzdem sprach Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) von einem „sehr erfolgreichen“ Start der Terminvergabe – auch am Dienstag wieder.

Nutzer berichteten hingegen, sie hätten bis zu 200 Anrufe gebraucht, um bei der Hotline durchzukommen, auch am Dienstag seien die Formulare zur Anmeldung auf der Internetseite diverse Male weggebrochen. Bei der allgemeinen Informationshotline der Krankenkassen, der 116117, wiederum durften sich Anrufer erst einmal durch mehrere Menüpunkte klicken – um dann mit der Ansage beschieden zu werden: „Diese Rufnummer existiert nicht“. Das Land Rheinland-Pfalz empfiehlt derweil Angehörigen, die einen Krankentransport für ihre Eltern oder Großeltern zu den Impfterminen suchen, unter der Rufnummer 116117 nachzufragen.

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Seit dem Impfstart am 27. Dezember waren bis Montagnachmittag in Rheinland-Pfalz erst 8.282 Menschen geimpft, am Dienstag stieg die Zahl nach Angaben des Landes um rund 3.000 weitere Impfungen: Rund 11.500 Menschen seien inzwischen in Rheinland-Pfalz geimpft, fast 60.000 Impf-Termine registriert und weitere 25.000 im Terminpool, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Montag auf ihrem digitalen Neujahrsempfang in der Staatskanzlei. Rheinland-Pfalz liegt laut dem Impfmonitor des Robert-Koch-Instituts (RKI) aber weiter nur mit einer Impfquote von auf dem fünftletzten Platz der Bundesländer.

Neujahrsempfang von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mit Biontech-Gründer Ugur Sahin als Gast. - Foto: gik
Neujahrsempfang von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mit Biontech-Gründer Ugur Sahin als Gast. – Foto: gik

Das RKI meldete am Dienstag 11.897 Neuinfektionen mit dem Coronavirus, die Zahlen sind noch immer nur eingeschränkt zu betrachten, weil wegen der in mehreren Bundesländern anhaltenden Weihnachtsferien weiter weniger getestet und langsamer gemeldet wird. Laut RKI gab es erneut 944 Todesfälle nach einer Covid-19-Erkrankung, damit bleiben die Todeszahlen auf Rekordniveau. Allein Rheinland-Pfalz hatte erneut 51 Tote zu beklagen.

Der schleppende Impfstart hat eine heftige Debatte über die Organisation, aber auch die Bestellung der Impfstoffe durch EU und Deutschland im vergangenen Sommer ausgelöst. Tatsächlich zögerte die Europäische Union im Sommer 2020 bei der Bestellung der Impfstoffe – während sich bereits USA, Israel und Großbritannien große Mengen des Biontech-Impfstoffs sicherten, bestellte die EU erst am 11. November bei dem Mainzer Unternehmen, dessen Impfstoff als erster in den USA, in Großbritannien sowie in der EU zugelassen wurden.

Dabei hatte Biontech schon im April erste Erfolge bei der Entwicklung seines auf mRNA-Botenstoffen basierenden neuen Impfstoffs gemeldet, und war am 27. Juli bereits in die dritte Phase der Erprobung an mehr als 40.000 Probanden gestartet. Trotzdem behaupten EU und Bundesregierung derzeit, man habe im Sommer nicht absehen können, welcher Impfstoff als erster marktreif sein würde – ein glatte Fehleinschätzung. Bereits im September kündigte Biontech an, noch im Herbst die Zulassung für seinen Impfstoff zu beantragen, Experten lobten den neuen Impfstoff in höchsten Tönen – und den Arzneimittelbehörden von EU und Bund selbst lagen permanent die neuesten Zahlen und Berichte zu dem Impfstoff vor.

Sieht einen guten Start der Terminvergaben für die Corona-.Impfungen: Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). - Foto: gik
Sieht einen guten Start der Terminvergaben für die Corona-.Impfungen: Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). – Foto: gik

Nun aber impfen andere Länder mit dem in Mainz entwickelten Impfstoff bereits Hunderttausende – während Deutschland noch immer auf relevante Mengen der Impfdosen warten muss. Der Grund: Die Firmen beliefern den zuerst, der zuerst verbindlich bestellt hat, Deutschland und die EU müssen sich deshalb nun hinten anstellen – auch, weil man in der EUU offenbar auf Druck Frankreichs zunächst auf den Impfstoff der französischen Pharmakonzerns Sanofi setzte. Bei Sanofi bestellte die EU am 18. September rund 300 Impfdosen, doch die Franzosen patzten: Der Impfstoff wird dort nun frühestens Ende 2021 fertig. Auch der als erstes bestellte Impfstoff von Astra Zeneca lässt noch auf sich warten, so orderte die EU eilig im Dezember weitere 100 Millionen Impfdosen von Biontech nach, muss aber auf die Fertigstellung wohl bis Ende 2021 warten.

Die Folge: Deutschland wird zwar ausreichend Impfdosen für seine Bevölkerung erhalten – aber erst spät. Eine Massenimpfung aber gilt als entscheidender Faktor, um künftig flächendeckende Lockdowns zu vermeiden – und um Infektionen und Todesfälle zu senken. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sprach bislang erst von einem Start der Impfungen für die breite Bevölkerung nach dem Sommer 2021. Am Montag überraschte dann Bu8ndesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit der Ansage, man werde jedem in der Bevölkerung, der dies wolle, noch vor dem Sommer ein Impfangebot machen.

Biontech-Gründer und Chef Ugur Sahin beim digitalen Neujahrsempfang von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). - Foto: gik
Biontech-Gründer und Chef Ugur Sahin beim digitalen Neujahrsempfang von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). – Foto: gik

Die Aussage stützte nun aber Biontech-Chef Ugur Sahin: „Ich gehe davon aus, dass wir bis Sommer ausreichend Impfstoff zur Verfügung stellen können, dass alle, die eine Immunisierung haben wollen, sie auch bekommen können“, sagte Sahin am Dienstag beim Neujahrsempfang von Ministerpräsidentin Dreyer. Gleichzeitig warnte Sahin aber auch: „Wir können die nächsten drei bis vier Monate die Zahlen durch Impfungen nicht beeinflussen.“ Es sei deshalb „wirklich wichtig, dass die Menschen diszipliniert bleiben“ und sich an die Corona-Maßnahmen hielten. „Wenn es richtig los geht und wir noch mehr Impfstoff bekommen, können wir noch mehr zulegen“, versprach derweil Dreyer.

Bei den Über-80-Jährigen im Land gingen derweil am Dienstag die ersten Informationsbriefe der Landesregierung zu den Impfungen ein – einen Tag nach dem Start der Terminvergabe. Darin wird auf die kostenlose Termin-Hotline 0800-5758100 hingewiesen, sowie auf die Homepage impftermin.rlp.de. In dem Schreiben heißt es weiter, wer über 80 Jahre alt und bettlägerig sei, solle sich an seinen Hausarzt wenden, wer einen Fahrdienst brauche, solle Kontakt zur Krankenkasse aufnehmen „und fragen, ob und unter welchen Umständen ein Anspruch auf Fahrtkostenerstattung“ bestehe.

Info& auf Mainz&: Mehr zum Chaos zum Start der Terminvergabe bei den Corona-Impfungen in Rheinland-Pfalz lest Ihr hier bei Mainz& – samt einem Kommentar zum verpatzten Impfstart. Die Internetseite zur Terminvergabe in Rheinland-Pfalz findet Ihr hier im Internet, den Impfmonitor des Robert-Koch-Instituts zum Stand der Corona-Impfungen in den Bundesländern könnt Ihr hier einsehen. In Rheinland-Pfalz gilt neben der Rufnummer 115 116 auch die Telefonnummer 0800 / 57 58 100 als Hotline für die Terminvergabe. In welcher Reihenfolge die Impfungen erfolgen sollen, könnt Ihr könnt Ihr hier im Internet nachlesen. Offizielle Informationen zum Impfen in Rheinland-Pfalz findet Ihr hier bei der Landesregierung.

 

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