Droht an der Schiersteiner Brücke ein neuer Brückengau – dieses Mal auf der Landseite in Mainz? Davor warnt jetzt die Autobahn GmbH West des Bundes, die zuständig ist für die Autobahnen. Man müsse die Auf- und Abfahrtsrampen bei Mainz-Mombach „für jeglichen Verkehr sperren“, sollten weiter Fahrzeuge über 3,5 Tonnen die Zufahrtsbeschränkungen ignorieren, warnte die Autobahn GmbH am Mittwoch: Die Beschränkung sei unbedingt notwendig, um die Tragfähigkeit der Vorlandbrücke Mombach sicherzustellen, bis ein Ersatzbauwerk realisiert werden könne.

Die Vorlandbrücke der A 643 bei Mainz-Mombach im Jahr 2015 von unten: Das Bauwerk von 1962 ist marode. - Foto: gik
Die Vorlandbrücke der A 643 bei Mainz-Mombach im Jahr 2015 von unten: Das Bauwerk von 1962 ist marode. – Foto: gik

Die Debatte über den Ausbau der Autobahn A 643 bei Mainz ist ja gerade in eine neue Runde gegangen, nun macht eine Mitteilung der Autobahn GmbH des Bundes deutlich, wie marode die alte Vorlandbrücke ist: Bereits seit Mitte April sind die Zufahrtsrampen auf und von der Schiersteiner Brücke bei Mainz-Mombach für Lastwagen gesperrt, doch diese Sperrung wird offenbar dauernd missachtet. Ab Donnerstag wird es deshalb nun bauliche Beschränkungen geben. Die Autobahn GmbH warnt: Das sei unbedingt nötig, ansonsten werde man ab Oktober die Rampen komplett sperren.

Die Autobahn A 643 führt vom Autobahnkreuz Mainz derzeit mit einem vierspurigen Ausbau durch das Naturschutzgebiet „Mainzer Sand“ zur Schiersteiner Brücke, die Autobahn verläuft dabei über eine sogenannte „Vorlandbrücke“ – und die ist offenbar noch maroder als bislang ohnehin schon gedacht. Die Vorlandbrücke Mombach wurde bereits 1962 errichtet, der damalige Betonbau ist aber den Anforderungen der heutigen schwere Fahrzeuge sowie dem stark gestiegenen Fahrzeugaufkommen längst nicht mehr gewachsen.

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Vorlandbrücke Mombach: Rampen tragen LKW nicht mehr

„Durch den stark zunehmenden Güterverkehr, die Erhöhung der zulässigen Gesamtgewichte und der Achslasten sowie die deutlich ansteigende Zahl der genehmigten Schwertransporte haben sich die Belastungen in den vergangenen Jahren signifikant gegenüber den Bemessungslasten der bei der Planung und Herstellung gültigen Regelwerke erhöht“, heißt es nun noch einmal von der Autobahn GmbH. Zwar seien im Laufe der Jahre „die Bemessungslasten für neue Brücken immer wieder der Verkehrsentwicklung und den gestiegenen zulässigen Gesamtgewichten angepasst“ worden, notwendige Verstärkungen älterer Brücken seien „jedoch nur begrenzt und oft nur mit großem technischem und finanziellem Aufwand möglich.“

Neubau der Schiersteiner Autobahnbrücke im Jahr 2018. - Foto: gik
Neubau der Schiersteiner Autobahnbrücke im Jahr 2018. – Foto: gik

Die gestiegenen Beanspruchungen könnten „unter anderem zu einer vorzeitigen Materialermüdung und damit zu einer Verkürzung der Nutzungsdauer der Bauwerke führen“, betont man beim Bund weiter – genau deshalb war in den vergangenen Jahren bereits die Schiersteiner Brücke komplett erneuert worden. Bei den Bauarbeiten zur Verstärkung der alten Brückenpfeiler war es im Februar 2015 wegen eines Baufehlers zu einem Absacken eines der Pfeiler gekommen – die Vorlandbrücke hatte einen dicken Riss bekommen, das Ergebnis war eine monatelange Sperrung der Autobahn und der wichtigen Rheinquerung. Der „Brückengau“ stürzte die ganze westliche Rhein-Main-Region ins Chaos.

Seither ist klar. Auch die Mombacher Vorlandbrücke muss dringend neu gebaut werden, doch der Neubau wird auch durch den Streit um die Ausbaupläne der gesamten Autobahn A 643 verhindert. Denn bis heute ist die Frage ungeklärt, ob die Autobahn vierspurig bleiben, oder sechsspurig ausgebaut werden soll. Der Bund hatte bereits 2015 den sechsspurigen Ausbau per Dekret verfügt, doch dagegen wehrt sich vehement ein Bündnis aus Umweltverbänden und Parteien wie Linke, SPD und Grünen in Mainz.

Ministerin Schmitt: „Ohne Ausbauplanung kein Brückenersatz“

Ein Nein der EU-Umweltkommission zu den alten Ausbauplänen auf sechs Spuren hatte jüngst die Debatte wieder angefacht, die Mainzer Verkehrsministerin Daniela Schmitt (FDP) hatte dabei eindringlich vor den Folgen einer weiteren Verzögerung des Bauvorhabens gewarnt: „Die in die Jahre gekommene Vorlandbrücke ist ein sicherheitsrelevanter Engpass“, warnte Schmitt: „Ohne Ausbauplanung kein Brückenersatz – und ohne neue Brücke keine Entlastung. Die Brücke steht unter Druck – und mit ihr die Geduld von Wirtschaft, Bevölkerung und Planern.“

Sperrung der Rampen an der A 643 bei Mainz-Mombach für Lkw: Die Sperrung gilt bereits seit Mitte April, sie wird aber dauern ignoriert, klagt die Autobahn GmbH. - Foto: Autobahn GmbH
Sperrung der Rampen an der A 643 bei Mainz-Mombach für Lkw: Die Sperrung gilt bereits seit Mitte April, sie wird aber dauern ignoriert, klagt die Autobahn GmbH. – Foto: Autobahn GmbH

Nun liefert die Autobahn GmbH einen weiteren Beleg dafür: Bereits Mitte April habe man die westlichen Abfahrtsrampen der A 643 von Wiesbaden kommend für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sperren müssen, klagte die Autobahn GmbH nun – doch die Maßnahmen würden einfach ignoriert. Betroffen sind dabei die Abfahrtsrampe von Wiesbaden in Richtung Mainz-Mombach, sowie die Auffahrtsrampe von Mombach in Richtung Bingen. „Um die betroffenen Teilbauwerke zu entlasten, dürfen diese nicht mehr von Fahrzeugen mit mehr als 3,5 Tonnen befahren werden“, betont man bei der Autobahn GmbH, das sei auch durch umfangreiche Beschilderungs- und Markierungsmaßnahmen deutlich gemacht worden.

Polizeikontrollen zeigten aber, „dass eine sehr hohe Anzahl von Verkehrsteilnehmern die angeordnete Lastbeschränkung missachtet.“ Um „die Verkehrssicherheit und die Tragfähigkeit der Vorlandbrücke Mombach auch künftig sicherzustellen, ist es wichtig, dass die verkehrlichen Maßnahmen eingehalten werden“, mahnte die Autobahn GmbH nun.  Hintergrund dafür sei eine von der Autobahn GmbH des Bundes 2023 begonnene Untersuchung des gesamten Bereiches der Vorlandbrücke auf Basis einer Richtlinie zur Nachrechnung von Straßenbrücken im Bestand. Die Einschränkungen müssten unbedingt bis zu einem Neubau bestehen bleiben, damit die Vorlandbrücke noch einige Jahre halte.

Ab diesem Donnerstag, dem 18. September 2025, sollen die Zufahrten zu den Rampen nun „angepasst“ werden, um es Fahrzeugen mit mehr als 3,5 Tonnen zu erschweren, die Rampen verkehrswidrig zu nutzen. Bis Ende September 2025 werde man das Verkehrsgeschehen dort nun weiter beobachten. „Sollte keine signifikante Verhaltensänderung feststellbar sein“, werde man die Rampen der Vorlandbrücke in der ersten Oktoberwoche sperren müssen – und zwar für jeden Verkehr.

Info& auf Mainz&: Für den geplanten Neubau der Vorlandbrücke der A 643 bei Mainz-Mombach hat die Autobahn GmbH des Bundes eine eigene Projektseite eingerichtet, die Ihr hier im Internet findet. Mehr zur Debatte um den Ausbau der A 643 findet Ihr ausführlich hier bei Mainz&.