Nach der Farbattacke auf das Kriegerdenkmal in Mainz-Gonsenheim in der Nacht zum 27. Januar ist eine Debatte um die Form des Denkmals und die Art des Gedenkens entbrannt. Kritik entzündet sich vor allem an der Ästhetik des Ortes: Kritiker sehen in den Darstellungen gefallener Soldaten eine überholte Form der Heldenverehrung und Kriegsverherrlichung. Viele Gonsenheimer verweisen hingegen darauf: Hier wird nicht dem Krieg gehuldigt, sondern der Opfer von Terror und Gewalt gedacht – und gefallenen Gonsenheimern. Inzwischen bekennen sich linke Antifa-Kreise zu der Attacke, wie Mainz& erfuhr. Dahinter steht die Frage: Wie soll Deutschland mit seinen Kriegerdenkmälern umgehen – und kann man an diesen Denkmälern auch ermordeten Juden und anderer Terroropfer gedenken?

Das mit Farbe beschmierte Kriegerdenkmal in Mainz-Gonsenheim. - Foto: Flegel
Das mit Farbe beschmierte Kriegerdenkmal in Mainz-Gonsenheim. – Foto: Flegel

In der Nacht zum Mittwoch hatten Unbekannte das Kriegerdenkmal in Mainz-Gonsenheim in der Nähe des Juxplatzes mit rosaroter Farbe beschmiert, der Vorfall löste in dem Mainzer Stadtteil Entsetzen aus – ausgerechnet am Vorabend des Gedenktages für die Opfer des Holocausts sei ein Ort beschmiert und beschädigt worden, der doch gerade dem Gedenken der Opfer von Terror und Krieg gewidmet sei, empörten sich viele Gonsenheimer: Das sei geschichtsvergessen und empörend.

Zu dem Vorfall bekennen sich mittlerweile linke Antifa-Kreise: Gerade am Holocaust-Gedenktag “finden wir es unerträglich, dass in Mainz weiterhin Soldaten beider Weltkriege als ‘Helden’ bezeichnet und zahlreiche Denkmäler zu ihren Ehren in Mainz existieren und gepflegt werden”, heißt es in einem Beitrag auf der explizit linksgerichteten Medienplattform Indymedia, und weiter: “Wir sehen in den Soldaten-Denkmälern eine Verklärung der Wehrmacht als Helden. Diesem Narrativ stellen wir uns entgegen und bringen dies heute deutlich zum Ausdruck.” Deshalb habe man an diesem 27. Januar einige dieser Denkmäler “exemplarisch gekennzeichnet”, heißt es in dem Text wörtlich weiter, “um auf das Missverhältnis des Gedenkens an Täter und Opfer aufmerksam zu machen.”

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Danach wird der 117er Ehrenhof in der Mainzer Innenstadt genannt – und das “Kriegerdenkmal 1914/18 am Juxplatz in Gonsenheim.” Indymedia ist eine Medienplattform aus dem linken Spektrum, das sich als Teil einer journalistischen Graswurzel-Bewegung sieht, und Berichte aus dem linken Antifa-Spektrum verbreitet. Indymedia wurde im Juli 2020 vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Verdachtsfall im Bereich Linksextremismus eingestuft und wird von den Behörden wegen der Verbreitung linksextremer Inhalte beobachtet. Der Verfasser des Artikels zu den Mainzer Kriegerdenkmalen vom 28. Januar 2021 ist anonym und hat seinen Artikel mit den Schlagworten “Antifa” und “Militarismus” versehen.

Stein des Anstoßes: das Kriegerdenkmal in Mainz-Gonsenheim mit der Aufschrift "Im Gehorsam". - Foto: Flegel
Stein des Anstoßes: das Kriegerdenkmal in Mainz-Gonsenheim mit der Aufschrift “Im Gehorsam”. – Foto: Flegel

Die Gruppe, für die er zu sprechen angibt, kritisiert weiter, es gebe in Mainz zu wenig Orte zum Gedenken der Opfer des Holocausts, Mainz sei “die einzige Landeshauptstadt in der BRD ohne festen Gedenkort, was unakzeptabel ist.” In einer “post-faschistoiden Gesellschaft” sei aber “kein Platz für Denkmäler, welche Mörder*innen und Faschist*innen huldigen”, heißt es weiter.  Man fordere eine lückenlose Aufarbeitung der NS-Zeit und ein respektvolles Gedenken der Opfer des Faschismus. “Deutsche Täter sind keine Opfer! Kein Gedenken für Mörder!”, heißt es weiter.

Der Streit um den Umgang Deutschlands mit seinen Kriegerdenkmälern ist alles andere als neu: Mehr als 100.000 solcher Denkmäler soll es in Deutschland heute noch geben, schreibt das Internetlexikon Wikipedia, die meisten entstanden bereits in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg – oder sogar früher: Die Tradition der Kriegerdenkmäler begann in Deutschlands vor allem mit dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, besonders viele aber wurden während oder nach dem Ersten Weltkrieg errichtet. Das ungeheure Ausmaß von 17 Millionen Toten durch diesen, mit industriellen Waffen geführten Krieg war ein gigantischer Schock für die beteiligten Länder. Ehrenmale für gestorbene Soldaten gehörten deshalb “in fast allen Teilnehmerstaaten des Ersten Weltkriegs zum Landschaftsbild”, heißt es bei Wikipedia.

Die Intention dieser Ehrenmale war es, den im Krieg gestorbenen Soldaten ein Erinnerungsdenkmal zu setzen, meist wurden hier die Namen der Gefallenen eingraviert – selbst in kleinsten französischen Städten finden sich bis heute solche Ehrenmale. “Wenn auf den Denkmälern lediglich ein Widmungstext ohne Namensnennung der Gefallenen zu finden ist, handelt es sich streng genommen um kein Kriegerdenkmal, sondern um Mahnmale”, heißt es im Wikipedia-Fachartikel weiter. Die Tradition lebte in den 1930er Jahren fort, nun aber wurden vermehrt stilisierte Soldatenfiguren dargestellt, die wahlweise Kampfbereitschaft und Mut oder aber das Leiden der Gefallenen darstellten – oft in heroischen Posen voller Pathos.

Ensemble des Gonsenheimer Kriegerdenkmals Nähe Juxplatz. Foto: Nixnubix via Wikipedia
Ensemble des Gonsenheimer Kriegerdenkmals Nähe Juxplatz. Foto: Nixnubix via Wikipedia

So zeigt sich auch das Gonsenheimer Ensemble: Das “Ehrenmal 1914/1918” wurde etwas zurückgesetzt an der Ecke Juxplatz, Breite Straße an zentraler Stelle in Gonsenheim errichtet, um den Gefallenen des Ersten Weltkriegs zu gedenken. Ein überlebensgroßer Soldat reckt sich dabei anklagend in den Himmel, ein nebenstehender Steinquader zeigt Soldaten im typischen Stil der Zeit, die einen gefallenen Kameraden tragen. Errichtet wurde das Ensemble 1938 unter den Nationalsozialisten, in den 1950er Jahren wurde es erweitert, um auch der Toten des Zweiten Weltkriegs zu gedenken – seither sind hier nun auch Namen von Gonsenheimern eingemeißelt, die im Krieg fielen.

Die Ästhetik des Ortes ist für moderne Betrachter durchaus schwierig, nach der Farbattacke auf das Mahnmal ist deshalb auch eine heftige Debatte entbrannt: Darf man an so einem Ort auch der Opfer von Terror und Rassenverfolgung gedenken? Verherrlicht das Denkmal Soldatentum und Gewalt – oder mahnt es gerade dazu, die Schrecken des Krieges nicht zu vergessen? Er sehe in dem Ensemble “nichts Mahnendes”, schreibt etwa ein Mainz&-Leser auf unserer Facebookseite: “Das ist ein riesiges Krieger-Denkmal. Ein Ehrenhof für Soldaten, errichtet 1938 im Nationalsozialismus. Nach dem zweiten Weltkrieg ergänzt durch einen selbstmitleidigen Block in der Mitte, durch den die deutschen Täter als nur “für ihr Volk” und vermeintlich nur “im Gehorsam” handelnd verklärt werden.” Da fehle doch “jede Aufarbeitung der deutschen Taten und jede Erinnerung an die Opfer von Nazi-Deutschland”, schreibt der Kommentator.

Gedenktafel mit dem Zusatz "an alle Opfer von Krieg, Folter und Gewalt" am Gonsenheimer Kriegerdenkmal. - Foto: privat
Gedenktafel mit dem Zusatz “an alle Opfer von Krieg, Folter und Gewalt” am Gonsenheimer Kriegerdenkmal. – Foto: privat

Das allerdings ist nicht ganz richtig, tatsächlich wurde dem Denkmal in späteren Jahren eine Plakette hinzugefügt mit dem Text: “Dieses Mahnmal soll die Erinnerung wachhalten an alle Opfer von Krieg, Folter und Gewalt. Unsere Trauer gilt den Leiden der Menschen, die sich zu allen Zeiten Diktatur und Unterdrückung widersetzten und dafür mit ihrem Leben bezahlten.” Das Mahnmal diene heute genau diesem Zweck, hatte die Gonsenheimer Ortsvorsteherin Sabine Flegel (CDU) im Interview mit Mainz& nach der Farbattacke betont: “Wir gedenken hier der Opfer von Terror und Gewalt, und zwar aller Opfer – gerade auch von Juden, von Vertriebenen und der Opfer von Terroranschlägen in der jüngsten Zeit“, hatte Flegel erläutert.

Flegel wird seither für diese Aussagen in sozialen Netzwerken vor allem von linken Aktivisten angefeindet, beschimpft und teilweise sogar bedroht. Auf der Plattform Twitter brach ein regelrechter Shitstorm los, Flegel wird als “Antisemitin” diffamiert, sie “skandalisiere” den Anschlag auf das Denkmal und missbrauche ein Ehrenmal für die Täter des Zweiten Weltkrieges als Gedenkort für die Opfer der nationalsozialistischen Massenvernichtung, heißt es da unter anderem. Die Angriffe und Bedrohungen hätten ein unerträgliches Ausmaß angenommen, sagte Flegel am Freitagabend gegenüber Mainz&.

Auch zahlreiche weitere Gonsenheimer, darunter auch viele Jüngere, hatten sich jedoch über die Farbattacke entsetzt geäußert: Das Denkmal sei “ein Ort der Erinnerung, Trauer & Mahnung, an und für alle Opfer dieses schrecklichen Krieges”, schrieb ein Kommentator, und auch Flegel betonte nun noch einmal: “Die Gonsenheimer nenne es schlicht “Gunsenumer Ehrenmal”, für den Ort ist es heute ein Mahnmal”, das auf die Schrecken und Gräuel des Krieges hinweise. “Viele Menschen haben eine Verbindung dazu”, sagte Flegel, das Mahnmal sei eben auch ein Ort, um gefallenen Vätern und Großvätern zu gedenken, getöteten Zivilisten und Feuerwehrleuten.

Das offizielle Denkmal für das Grauen des Krieges in Mainz ist die Kirchenruine St. Christoph. - Foto: Roland Struwe/Wikipedia
Das offizielle Denkmal für das Grauen des Krieges in Mainz ist die Kirchenruine St. Christoph. – Foto: Roland Struwe/Wikipedia

Tatsächlich ist die Debatte in Deutschland ungelöst, wie das Land seiner Gefallenen aus den Weltkriegen öffentlich gedenken, an welchen Orten das Land sich an seine Toten erinnern soll. Die Soldaten gerade des Zweiten Weltkrieges stehen noch immer unter dem Generalverdacht, Mittäter des nationalsozialistischen Unrechtregimes und der Tötungsmaschinerie gewesen zu sein – doch viele hatten damit gar keinen Berührungspunkt. Hunderttausende gerade junger Männer wurden gegen ihren Willen an die Front geschickt, als Kanonenfutter, und ohne persönlich an grauenhaften Ermordungen von Juden, Homosexuellen, Sinti und Roma oder schlicht politischen Gegnern beteiligt gewesen zu sein – auch der Vater der Autorin dieser Zeilen war so ein junger Soldat.

Das monströse Unrecht des millionenfachen Völkermordes der Deutschen unter den Nationalsozialisten überschattet bis heute die Frage: Wie kann ein Land danach seiner Toten und gefallenen Soldaten würdevoll gedenken, ohne in den Verdacht zu geraten, Mördern zu huldigen? Gleichzeitig stehen in den Städten noch immer eben jene Kriegsdenkmäler in großer Zahl als Erbe der Vorväter, deren Ästhetik heute als abstoßend und glorifizierend empfunden wird – wie damit umgehen? Historiker sehen in den Denkmälern durchaus auch Zeitzeugnisse, die eine unkritisch-glorifizierende Haltung zu Krieg und Soldatentum belegen, der heutzutage vielfach mit Unverständnis begegnet wird, die aber eben auch Teil der deutschen Geschichte ist.

Denkmal für den kaiserlichen Kreuzer SMS Mainz am Rheinufer. - Foto: gik
Denkmal für den kaiserlichen Kreuzer SMS Mainz am Rheinufer. – Foto: gik

An vielen der alten Kriegerdenkmälern finden heute Veranstaltungen zum Volkstrauertag statt, in denen gleichzeitig den Gefallenen der Weltkriege, aber auch den Opfern von Terror und Verfolgung, von Diskriminierung und eben auch des Holocausts gedacht wird. Daran entzündet sich immer wieder Kritik: So hatte die Mainzer Linke schon vor Jahren Gedenkfeiern zum Volkstrauertag am Denkmal für den kaiserlichen Kreuzer SMS Mainz aus dem Ersten Weltkrieg am Rheinufer in Mainz kritisiert, Grüne und Linke beantragten im Sommer 2020 die Umbenennung des “117er Ehrenhofs” in der Innenstadt wegen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit – der Antrag wurde abgelehnt. Auch in Gonsenheim wird das Kriegerdenkmal heute eben für das Gedenken an die Gräuel und das Unrecht des Krieges genutzt, nun wird die Frage aufgeworfen, ob dies der richtige Ort dafür ist.

“Es ist mir unbegreiflich, wie man so einen Klotz, mit Wehrmachtsoldaten drauf, Fraktura Schrift und “Im Gehorsam” heute noch in so einem Kontext [des Gedenkens] nutzen kann”, schreibt etwa ein Kommentator auf der Mainz&-Facebookseite mit Blick auf das Gonsenheimer Kriegerdenkmal. Ein anderer aber gibt auch zu bedenken: “Seine Toten sollte man in Ehren; also in Gedanken behalten. Jeder gefallene Soldat ist auch ein Opfer seiner Zeit und hat eine Lücke im Leben einer trauernden Familie gerissen. Diesen Schmerz darf man nicht mit Füßen treten.”

Ein Denkmal für die Opfer des Holocausts sind die Stolpersteine, von denen es Dutzende in ganz Mainz gibt. - Foto: gik
Ein Denkmal für die Opfer des Holocausts sind die Stolpersteine, von denen es Dutzende in ganz Mainz gibt. – Foto: gik

“Wann wird ein Denkmal zum Mahnmal”, fragt deshalb der Mainzer Stadtrat Maurice Conrad, Mitglied der Fraktion Piraten & Volt, in einem Kommentar auf der Mainz&-Facebookseite: “Für mich gehört da etwas mehr dazu als dort aktuell angebracht ist.” Er könne die Kritik an dem Denkmal sehr gut nachvollziehen, ein Mahnmal werde eben nicht nur definiert durch die Aktionen, die dort stattfänden – sondern auch durch seine äußerliche Wirkung auf Unbeteiligte, argumentiert Conrad weiter: “Ein Mahnmal sollte eigentlich direkt als Mahnmal auffallen und nicht auf viele Menschen auf den ersten Blick wie eine Verherrlichung wirken (was offensichtlich nicht nur einigen wenigen so geht).”

Insofern müsse doch an ein Mahnmal der Anspruch gestellt werden, dass sein Sinn und seine Ausrichtung nicht auf den ersten Blick von vielen Menschen als etwas anderes interpretiert werde, argumentiert Conrad weiter: “Gerade bei einer so heiklen Thematik ist das jetzt nicht abwegig.” Sein Vorschlag sei, das Denkmal abzureißen und neu zu gestalten, schreibt ein anderer Leser, viele andere bestätigten: Auch sie sähen das Denkmal mit seinen Darstellungsformen problematisch. Flegel sagte zu diesen Rückmeldungen: “Die Diskussion, ist das noch zeitgemäß, muss geführt werden.”

Info& auf Mainz&: Den Ausgangstext zu der Farbattacke auf da Gonsenheimer Kriegsdenkmal findet Ihr hier bei Mainz&. Zu dem Artikel auf Indymedia liegt uns selbstverständlich die Originalquelle, der Linke und der genau Wortlaut vor, wir verlinken diese problematische Seite hier aber bewusst nicht – auch aus haftungstechnischen Gründen. Alle oben zitierten Kommentare könnt Ihr auf unserer Mainz-Facebookseite nachlesen.

Wir weisen aus aktuellem Anlass darauf hin: Beschimpfungen, Verunglimpfungen und Beleidigungen sowie üble Nachreden von Personen werden weder gegen die Autorin dieses Artikels noch gegen andere Personen geduldet und gegebenenfalls zur Anzeige gebracht. Die Verfasserin dieses Artikels ist übrigens studierte Historikerin mit einem Schwerpunkt in Nationalsozialismus und Holocaust.

 

7 KOMMENTARE

  1. Im OBR Neustadt wurde 2020 ein Antrag verabschiedet:

    „Weiterhin wird die Verwaltung gebeten, eine Umbenennung des 117er Ehrenhofes zu prüfen. In diesem Zusammenhang soll ebenfalls geprüft werden, inwieweit der Platz einschließlich der Denkmäler städtebaulich aufgewertet und damit eine intensivere, kritische Auseinandersetzung mit seiner Historie ermöglicht werden kann.“

    https://bi.mainz.de/getfile.php?id=211527&type=do&

    • Bitte auch den Kaiser-Karl-Ring, den Barbarossaring, die Kaiserstraße usw. umbenennen. Aus heutiger Sicht waren die ehemaligen Helden Kriegsverbrecher. Vielleicht auch die Reste der Römersteine abreißen. Das alles erinnert mich an Bilderstürmer und Bücherverbrennung. Geschichte ist nicht austauschbar.

  2. Aha, die selbsternannten, vom System hervorgebrachten Edel-Demokraten, die als Rambos regelmäßig Hundertschaften der Polizei in Atem halten. Ohne die Gnade der späten Geburt hätten diese als Wehrkraftzersetzer oder Deserteure sich reihenweise zu Tode verurteilen lassen? Ich will nicht verkennen, dass es eine Tragik der Menschheitsgeschichte ist, aufeinander loszugehen, weil das Mächtige zur Befriedigung ihrer Gier so anordnen. Und das lustvolle Massakrieren der Unterlegenen war schon immer ein Vergnügen, gerade so wie die Besudelung der wehrlosen Gedenkstätte. Entwicklungsgeschichtlicher Ursprung ist die Revierverteidigung, wie wir sie von allen unseren höher organisierten Mitgeschöpfen kennen.
    Übrigens: Mein Vater ist von Granatsplittern durchsiebt worden, das Elternhaus ist abgebrannt und ich habe Luftschutzkeller- und Strohsackerfahrung.

  3. Toller Artikel! So eine differenzierte Diskussion liest man selten. Am Ende erfährt man, wieso ihnen das gelungen ist, was meine lange gehegte Vermutung zu bestätigen scheint, dass Journalisten meistens besonders gut über Dinge berichten, mit denen sie sich auskennen – was die Frage aufwirft, ob es nicht zahlreiche Berufsfelder gibt, die zu wenig im Journalismus präsent sind… ich würde jedenfalls behaupten, dass die Zahl der Journalisten mit Ingenieursausbildung eher gegen Null geht, während Geisteswissenschaften überrepräsentiert sind. Das erzeugt eine unbalancierte Öffentlichkeit

    • Da haben Sie nicht ganz Unrecht mit dem Ungleichgewicht… Allerdings muss ich hier mal eine Lanze brechen für die Kompetenz von Journalisten: Unser Job ist es ja gerade, Fachinhalte verständlich für den Laien aufzubereiten, das gelingt meist übrigens besser, wenn man selbst Laie ist – und das ist KEIN Plädoyer für oberflächliche Artikel 😉 In manchen Gebieten ist ein fundiertes Fachwissen natürlich durchaus von Vorteil – eine langjährige, wissenschaftliche Beschäftigung mit Holocaust, autoritären Systemen und der Kollektivschuldfrage der Deutschen nach dem Dritten Reich lässt sich eben nicht so einfach mal ersetzen. Aber fundiert berichten kann man über so eine Frage auch ohne das zugehörige Studium – man hole sich dann eben dazu die jeweiligen Experten zum Interview. So machen wir Journalisten das, und genau so können dann auch gute, differenzierte Artikel über alle möglichen Themen entstehen. Aber das Lob hat natürlich trotzdem erfreut 😉

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