Seit dem heutigen 15. Dezember 2019 gilt in Mainz ein neuer Fahrplan, und der bringt erhebliche Änderungen mit sich: Erstmals seit dem Jahr 2000 hat die Mainzer Mobilität eine umfassende Änderung bei Linien und auch Takten vorgenommen, herausgekommen ist praktisch ein neues Fahrplannetz für Mainz. Grundlegend viel ändert sich allerdings nicht: Der Sternverkehr über den Hauptbahnhof ist weiter das zentrale Merkmal des neuen Fahrplans, eine echte Ringlinie gibt es weiter nicht – dafür zwei neue Linien, die einzelne Stadtteile jetzt besser miteinander verbinden sollen. Zum 1, Januar 2020 hebt der Rhein-Main-Verkehrsverbund zudem die Preise wieder einmal an, damit werden auch die Tickets in Mainz teurer.

23 neue Busse der Mainzer Mobilität. - Foto: gik
Mehr Mobilität versprechen die Mainzer Verkehrsbetriebe mit dem neuen Fahrplan ab dem 15. Dezember 2019. – Foto: gik

Der neue Fahrplan sehe „optimierte Streckenführungen, neue Takte und teilweise neue Linienwege vor und berücksichtigt so die seit Jahren steigenden Fahrgastzahlen“, heißt es bei der Mainzer Mobilität. Die größeren Veränderungen seien oftmals mit einer deutlichen Steigerung des Gesamtangebotes verbunden, Grundlage für den neuen Fahrplan sei der neue Nahverkehrsplan der Stadt Mainz, der „mit breiter Bürgerbeteiligung“ in den Jahren 2017 und 2018 erarbeitet worden sei. Ziel sei, das Liniennetz transparenter zu machen, die Wege in die Stadt zu beschleunigen, mehr Direktfahrten anzubieten sowie Verbindungen zwischen den Stadtteilen zu erhöhen.

Und dafür führt die Mainzer Mobilität nun vor allem zwei neue Linien ein: Die neue Linie 74 startet nun am Mombacher Kreisel und fährt von dort quer durch Mombach nach Gonsenheim via Obere Elbestraße zur Hochschule Mainz. Von dort geht es weiter über die Koblenzer Straße, hinter dem Ostergraben biegt die 74 dann ab zur Ludwig-Nauth-Straße und fährt weiter über die Albert-Stohr-Straße und die Hans-Böckler-Straße, biegt dann am Südriung links ab zur Alten Ziegelei und fährt von dort über die Autobahn durch das Hechtsheimer Gewerbegebiet zum Mühldreieck in Mainz-Hechtsheim.

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Die 74 umfährt damit die komplette Innenstadt und kommt nicht am Hauptbahnhof vorbei, allerdings ist ihre Route recht verschlungen. Wichtige Anknüpfungspunkte wie der Gonsenheimer Ortskern oder der Bretzenheimer Ortskern werden nur am Rande gestreift, das Gutenberg-Center und die dort inzwischen angesiedelten Gewerbe lässt man ebenfalls links liegen. Auch Hechtsheim selbst wird von der neuen Linie nicht tangiert, ebensowenig wird damit eine Querverbindung nach Laubenheim oder Weisenau geschaffen. Wer also von Bretzenheim nach Gonsenheim will, muss weiter erhebliche Umwege mit Umsteigen in Kauf nehmen – oder über den Hauptbahnhof fahren.

Der neue, interaktive Liniennetzplan der Mainzer Mobilität im Internet. - Screenshot: gik
Der neue, interaktive Liniennetzplan der Mainzer Mobilität im Internet. – Screenshot: gik

Eine zweite neue Linie – die Linie 78 – verbindet nun Finthen, Drais, Gonsenheim und das Münchfeld miteinander, von der Finther Römerquelle geht es nach Drais und von dort über die Querspange zum Gonsenheimer Bahnhof, und vorn dort über die Koblenzer Straße ins Münchfeld. Von hier gehts über die Saarstraße zum Hauptbahnhof West und durch Große Bleiche und Bauhofstraße zum Höfchen, womit das Münchfeld seine Direktverbindung zum Höfchen zurückerhält. Schließlich fährt die 78 dann auch noch das Gautor hinauf zum Landwehrweg, und bindet somit die Mainzer Uniklinik mit ihrem südlichen Ausgang besser an – das ist Teil der Strategie, die Universitätsmedizin besser mit Bussen zu versorgen. Davon profitiert auch die Oberstadt rund um den Landwehrweg – hier fahren künftig gleich drei Linien tagsüber sowie die Nachtbuslinie 92.

Auch das Nachtangebot habe man ausgebaut, so dass es „zu umfangreichen Veränderungen kommt, die zu einer deutlichen Verbesserung beim Großteil der Fahrgäste führen“, heißt es bei der Mainzer Mobilität denn auch. Neben der Uniiklinik hilft das vor allem Bretzenheim: Mit dem Bau der Mainzelbahn hatte der alte Ortskern und vor allem die Tangente entlang der Albert-Schweitzer-Straße die Buslinie 6 verloren – mit drastischen Konsequenzen. Tagsüber fuhr statt alle 10 Minuten teils nur noch alle 30 Minuten ein Bus, nachts gar keiner – nach drei Jahren gibt es nun endlich eine Verbesserung. Mit dem neuen Fahrplan bindet nun die Nachtbuslinie 90 über die Albert-Schweitzer-Straße endlich wieder Bretzenheim an die Nachtbusse an.

Ein echter Nachtschwärmer darf man dabei aber immer noch nicht sein: Montags bis Freitags fährt der letzte Nachtbus (!) schon um 1.00 Uhr am Mainzer Hauptbahnhof ab – danach ist Schicht. An den Wochenende verkehrt immerhin ein Bus bis 4.00 Uhr morgens, unter der Woche aber sind lange Nächte nicht vorgesehen: Auch bei den meisten anderen Linien ist um 1.00 Uhr letzte Fahrt – oft sogar schon früher.  So gibt es etwa mit der Linie 76 eine neue Schnellverbindung von der Frankenhöhe zum Hauptbahnhof, die sogar alle 15 Minuten fährt – doch die letzte Fahrt beginnt um 20.17 Uhr ab Frankenhöhe. Danach bleibt nur die Linie 64, die wieder quer durch die Innenstadt fährt. Nachts gelange man aber nun aus Laubenheim, Weisenau und der Frankenhöhe auf direkteren Wegen deutlich schneller in die Innenstadt und zum Hauptbahnhof, betonte die Mainzer Mobilität, Dank Linie 93.

Insgesamt wird es nachts für Bus- und Bahnnutzer deutlich schwieriger, sich mit Öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen – die Straßenbahnen nämlich bleiben jetzt zwischen 2.00 Uhr und 4.00 Uhr unter der Woche ganz im Depot. Grund sei die „sehr geringe Nachfrage“, denn unter der Woche seien in diesem Zeitraum im Schnitt lediglich 470 Fahrgäste unterwegs, an den Wochenendnächten seien das hingegen im Durchschnitt 2.140 Fahrgäste. Insgesamt habe man auch die Taktzeiten der meisten Linien kräftig angepasst, heißt es bei der Mainzer Mobilität – mit zum Teil erheblichen Folgen.

Straßenbahn auf dem Vorplatz des Mainzer Hauptbahnhofs. - Foto: gik
Bessere Verknüpfungen zwischen Bussen und Bahnen verspricht die Mainzer Mobilität mit dem neuen Fahrplan ab 15.12.2019. – Foto: gik

Die meisten Linien sind nämlich ab heute nur noch im 30-Minuten-Takt unterwegs, die Mainzer Mobilität betont zugleich aber: „Da viele Abschnitte aber von mehreren Linien befahren werden, ergibt sich so ein 15- oder sogar 7,5-Minuten-Takt.“ Ob das für Euch auch zutrifft, müsst Ihr bitte selbst herausfinden… Vorteil der neuen Regelung sei, dass die Abfahrtszeiten nun über den ganzen Tag hinweg in der Regel gleich blieben und sich damit leichter merken ließen. Da Züge und Buslinien im Umland zudem meist im 30-Minuten-Takt unterwegs seien, gebe es auch hier bessere Verknüpfungen zwischen diesen Linien und dem Stadtverkehr.

Die Mainzer Mobilität hat auf ihrer neu gestalteten Internetseite mit dem neuen Fahrplan auch ein runderneuertes Angebot eingestellt – und das hat in Sachen Übersichtlichkeit deutlich zugelegt. Für einen guten Überblick hilft vor allem die neue Liniennetzkarte, denn die ist auch noch umfassend interaktiv: Mit Klick auf eine Haltstelle öffnet sich gleich ein Fesnter, das die nächsten Abfahrtzeiten an der Haltestelle zeigt. Unten ist in dem Menu am unteren Rand zudem eine Fahrplanauskunft eingebaut, man kann die nächste Carsharing- oder MeinRad-Station suchen und vieles mehr. Oben links hat man zudem die Auswahl zwischen verschienen Karten, so kann man sich Tages- oder Nachtkarte auch separat anzeigen lassen, das erleichtert das Findend er jeweiligen Strecke.

Unschön ist indes eine andere Begleiterscheinung des allgemeinen Fahrplanwechsels: Die Preise steigen wieder einmal. Ein Einzelfahrschein kostet damit ab dem 1. Januar 2020 statt bisher 2,80 Euro dann 2,90 Euro für Erwachsene, Kinder müssen für eine Einzelfahrt 1,70 Euro statt bisher 1,65 Euro zahlen. Auch Kurzstreckentickets Wochenkarten und sämtliche Monatskarten werden teurer, und das in Zeiten des Klimawandels und der Diskussionen, wie der Öffentliche Nahverkehr attraktiver gemacht werden kann. Schon jetzt klagen viele Mainzer, die Tickets wären zu teuer – jetzt steigen sie noch einmal an.

So kostet eine Tageskarte für Erwachsene ab 1. Januar 5,80 Euro statt bisher 5,60 Euro, eine Monatskarte 84,50 Euro und 65,90 Euro für Auszubildende – und eine Jahreskarte stolze 844,80 Euro für Erwachsene. Einzig die Sammelkarte wird leicht günstiger: Erwachsene zahlen dann bei einem Kauf von 5 Tickets ab Januar 2,30 Euro statt wie bisher 2,34 Euro pro Ticket, Kinder 1,35 Euro statt bisher 1,40 Euro. Richtig Grund zur Freude haben so nur die Senioren: Das hessische Seniorenticket gilt auch in Mainz und ersetzt das bisherige 65-plus-Jahresticket – statt 666,- Euro kostet der ÖPNV für Senioren in Mainz jetzt nur noch 365,- Euro im Jahr.

Info& auf Mainz&: Alles zum neuen Fahrplan und neuen Liniennetz findet Ihr hier bei der Mainzer Mobilität, mehr zum hessischen Seniorenticket berichten wir hier bei Mainz&. Getestet wird derzeit außerdem eine neue App bei der Mainzer Mobilität – mehr dazu lest Ihr hier. (Sorry, Links müssen wir nachreichen)

Die Preisliste für Mainz-Wiesbaden ab dem 1. Januar 2020:

1.1.2020 1.1.2019
Einzelkarte Erwachsene 2,90 € 2,80 €
Kinder 1,70 € 1,65 €
Kurzstrecken-Ticket Erwachsene 1,85 € 1,80 €
Kinder 1,10 € 1,05 €
Sammelkarte Erwachsene 2,30 € 2,34 €
Kinder 1,35 € 1,40 €
Tageskarte Erwachsene 5,80 € 5,60 €
Kinder 3,20 € 3,10 €
Gruppe (bis 5 Pers.) 10,80 € 10,50 €
Wochenkarte Erwachsene 24,90 € 24,50 €
Auszubildende 19,40 € 19,10 €
Monatskarte Erwachsene 84,50 € 83,20 €
Auszubildende 65,90 € 64,90 €
9-Uhr-Monatskarte Erwachsene 67,60 € 66,60 €
65-plus-Monatskarte Erwachsene 67,60 € 66,60 €
Jahreskarte / Abonnement Abo, 12 x Abb. 844,80 € 832,20 €
1x bar / Abo, 1x Abb. 827,90 € 815,60 €
9-Uhr-Jahreskarte / Abonnement Abo, 12 x Abb. 676,20 € 666,00 €
1x bar / Abo, 1x Abb. 662,70 € 652,70 €
65-plus-Jahreskarte / Abonnement Abo, 12 x Abb. s. Seniorenticket Hessen 666,00 €
1x bar / Abo, 1x Abb. 652,70 €
Seniorenticket Hessen Basis Abo, 12 x Abb. 372,00 € erst ab 1.1.2020
1x bar / Abo, 1x Abb. 365,00 €
Seniorenticket Hessen Komfort Abo, 12 x Abb. 636,00 € erst ab 1.1.2020
1x bar / Abo, 1x Abb. 625,00 €
CleverCard Abo, 12 x Abb. 581,40 € 573,00 €
1x bar / 1x Abb. 569,80 € 561,50 €
Schülerticket Hessen 12 x Abbuchung 372,00 € 372,00 €
1x bar / 1x Abb. 365,00 € 365,00 €

 

3 KOMMENTARE

  1. Die Quadratur des Kreises. Allen wohl und (fast) niemand weh. Für den Lerchenberg gibt es eine interessante Veränderung. Die Überversorgung mit der Straßenbahn wird zu den Schwachlastzeiten halbiert, Der dichte Takt endet an der Marienborner Wendeschleife. Zu den Schwachlastzeiten wird die Verbindung Lerchenberg – Hauptbahnhof nur noch alle 15 Minuten mit der Straßenbahn bedient und mit dem Bus 54 alle halbe Stunde.

    • „Nur noch“ alle 15 Minuten ist gut 😉 – andere Linien wären Gottfroh, einen 15-Minuten-Takt zu haben… Das beweist vor allem eines: Die Straßenbahnverbindung auf den Lerchenberg ist ab Marienborn zum Großteil überflüssig… wer muss da schon hin? Ich habe diese Strecke in drei Jahren nicht ein einziges Mal benutzt – wie viele andere Mainzer auch.

  2. Sehr geehrte liebe Frau Kirschstein,
    wie wahr, was Sie schreiben. Ich bin zwar für Straßenbahnen, auch für den Neubau, wenn sich die Gleise „ausrollen“ lassen. Die kurvenreiche „Hubbelstrecke“ nur zum halben Lerchenberg habe ich immer kritisiert und ziemlich recht behalten. Die Illusion eines stark frequentierten Umsteigepunktes am Marienborner Bahnhof hat sich nicht erfüllt. Stattdessen hat sich meine Erwartung bestätigt, dass der nur zum Zwecke der Bezuschussung gebaute Endast auf den Lerchenberg ausgedünnt wird. Und unfallträchtig ist die Streckenführung gerade für Abbieger, die von einer „hinterrücks“ heraneilenden Straßenbahn gerammt werden. Besonders schlimm ist der schienengleiche Bahnübergang der Koblenzer Straße, weil die trasse beiderseits in einem kaum einsehbaren Einschnitt verläuft. Hier sollte es mal mit Halbschranken versucht werden. Wäre mainzigartig. Helau und Tooooor.

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