Anderthalb Jahre nach der Kommunalwahl im Juni 2024 hat Mainz endlich einen neu formierten Stadtvorstand: Am Mittwoch wurde im Mainzer Stadtrat die scheidende Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) verabschiedet, dazu wurden zwei neue Dezernenten vereidigt. Mit dem Grünen Daniel Köbler, der neuer Bürgermeister und Finanzdezernent ist, sowie dem SPD-Mann Ata Delbasteh als neuer Schul- und Kulturdezernent ist der neue Stadtvorstand der Kenia-Koalition jetzt komplett. Wer in Zukunft für was zuständig ist – wir sagen es Euch.

Abschied nach 16 Jahren: Im Mainzer Stadtrat wurde am Mittwoch Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse verabschiedet. - Foto: FDP Mainz
Abschied nach 16 Jahren: Im Mainzer Stadtrat wurde am Mittwoch Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse verabschiedet. – Foto: FDP Mainz

Die Kommunalwahl im Juni 2024 änderte die Machtverhältnisse im Mainzer Stadtrat grundlegend, statt einer Ampel-Koalition formierte sich im Herbst 2024 eine Kenia-Koalition aus Grünen, CDU und SPD. Doch erst jetzt, gut 1,5 Jahre später kommen die dazu gehörenden Dezernenten ins Amt – Schuld ist auch das rheinland-pfälzische Kommunalwahlgesetz: Im Gegensatz zu Nachbarländern wie Hessen werden Beigeordnete in Kommunen in Rheinland-Pfalz auf acht Jahre gewählt – und zwar unabhängig von Kommunalwahlen.

Damit ist die Amtszeit der Dezernenten nicht an die Wahlen gekoppelt, das führte in Mainz jetzt fast zwei Jahre lang faktisch zu Stillstand: Die neue Koalition sei „1,5 Jahre damit beschäftigt war, zu klären: wer sitzt wo“, schimpfte FDP-Stadtrat David Dietz am Mittwoch im Stadtratsplenum, und forderte die Koalitionspartner auf: „TUN Sie doch mal etwas!“ Tatsächlich konnten neue Impulse der Kenia-Koalition lange nicht umgesetzt werden, weil die alten Dezernenten noch im Stadtvorstand agierten, der Übergang: langwierig.

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Fünf neue Dezernenten der Kenia-Koalition im Amt

Nun aber stehen die Zeichen auf Neuanfang: Von sieben Dezernenten im Stadtvorstand sind fünf neu im Amt. Eigentlich erlaubt die Kommunalverordnung in Rheinland-Pfalz nur fünf hauptamtliche Beigeordnete einer Stadt, daran gibt es durchaus auch Kritik: Eine Großstadt wie Mainz sei damit angesichts gewachsener Aufgaben kaum noch zu managen, sagen Kritiker. Die Kenia-Koalition löste das Problem gewachsene Aufgaben plus neue Parteien-Arithmetik mit gleich zwei neuen Dezernenten, die im Ehrenamt agieren.

Der CDU-Politiker Karsten Lange bei seiner Vereidigung im Mainzer Stadtrat, er ist künftig Dezernent für Ordnung und Verkehrsüberwachung. - Foto: gik
Der CDU-Politiker Karsten Lange bei seiner Vereidigung im Mainzer Stadtrat, er ist künftig Dezernent für Ordnung und Verkehrsüberwachung. – Foto: gik

Den Anfang machte der CDU-Politiker Karsten Lange, er wurde bereits im Dezember 2024 im Mainzer Stadtrat vereidigt – als Fördermitteldezernent. Lange blieb das indes nicht lange: Zum 1. Oktober 2025 wurde sein Dezernat VII in „Verkehrsüberwachung und Fördermittelmanagement“ umbenannt, Lange übernahm die Geschäftsbereiche Kfz-Zulassung, Fahrerlaubnisse und Verkehrsüberwachung von der grünen Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger.

Ab dem 1. März kommt für Lange noch das Ordnungsdezernat dazu, das von der Abteilung Wirtschaft unter Dezernentin Manuela Matz (CDU) wechselt. Matz wiederum, die seit Dezember 2018 im Amt ist, führt weiter das Dezernat III „Wirtschaft und Liegenschaften“, und soll sich künftig noch stärker auf wirtschaftliche Entwicklung, Immobilien und Fördermittelmanagement konzentrieren. Dazu ist Matz für Messen und Märkte zuständig sowie für die Great Wine Capital Mainz – und einer möglichen Weinerlebniswelt. Die Bereiche Stadtentwicklung und Raumordnungsplanung wechseln hingegen von Matz zum Amtsbereich des Oberbürgermeisters.

 

Delbasteh vereidigt: Erster Dezernent mit Migrationshintergrund

Die zweite in der Runde der Neu-Dezernenten wurde zum 1. Juli 2025 die SPD-Politikerin Jana Schmöller, die die Nachfolge von Sozialdezernent Eckart Lensch (SPD) antrat. Damit war Schmöller zunächst für „Soziales, Kinder, Jugend, Schule und Gesundheit“ zuständig – den Bereich Schule gibt sie nun aber an ihren Kollegen Ata Delbasteh ab. Der Mainzer SPD-Chef wurde bereits im Mai 2025 im Mainzer Stadtvorstand gewählt, aber erst an diesem Mittwoch vereidigt.

Vereidigung des neuen Dezernenten für Schule und Kultur, Ata Delbasteh (SPD), am Mittwoch im Mainzer Stadtrat. - Foto: gik
Vereidigung des neuen Dezernenten für Schule und Kultur, Ata Delbasteh (SPD), am Mittwoch im Mainzer Stadtrat. – Foto: gik

Der 47 Jahre alte Delbasteh ist als Sohn türkischer Einwanderer der erste Dezernent in Mainz mit Migrationshintergrund, zum 10. Februar tritt er nun sein Amt als Dezernent für Schule und Kultur an. Den Bereich Kultur übernimmt Delbasteh von der bisherigen Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD), die am Mittwoch im Mainzer Stadtrat verabschiedet wurde. „Seit 16 Jahren schreiben Sie Mainzer Geschichte und Gegenwart, mit Haltung, Mut, Disziplin und einer großen Leidenschaft für die Sache“, würdigte Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) die scheidende Dezernentin: „Diese Stadt trägt ihre Handschrift.“

Haase verlieh Grosse den Ehrenring der Stadt Mainz, die Geehrte dankte: „Es war mir eine große Ehre, und es hat mir immer eine große Freude bereitet, 16 Jahre Dezernentin in dieser schönen Stadt gewesen zu sein.“ Die Umwandlung des Mainzer Zollhafens in ein Wohngebiet, der Neubau des Gutenberg-Museums sowie die Rettung des Capitol-Kinos nannte Grosse als zentrale Projekte ihrer Amtszeit, und betonte zudem. „Bei der Schaffung bezahlbareren Wohnraums haben wir super viel richtig gemacht.“ In Zukunft will sich Grosse ehrenamtlich in der deutsch-französischen Gesellschaft widmen – eine ausführliche Bilanz lest Ihr hier bei Mainz&.

Holle über nimmt Bauen, Köbler als Bürgermeister vereidigt

Den großen und zentralen Bereich „Bauen“ übernimmt nun ab dem 10. Februar der CDU-Politiker Ludwig Holle, er wurde gleich zwei Mal im Mainzer Stadtrat gewählt: Wegen eines Formfehlers musste Holles Wahl zum Dezernenten aus dem Mai 2025 Anfang Juli noch einmal wiederholt werden. Holle wird zudem Baudezernent im Ehrenamt – ein Novum.  Zu seinem Dezernat VII gehören zudem die Bereiche Denkmalpflege und – neu – ein Bereich „Historisches Erbe“, der künftig ausgebaut werden soll.

Auch der neue Bürgermeister und Finanzdezernent Daniel Köbler (Grüne) wurde am Mittwoch im Mainzer Stadtrat vereidigt. - Foto: gik
Auch der neue Bürgermeister und Finanzdezernent Daniel Köbler (Grüne) wurde am Mittwoch im Mainzer Stadtrat vereidigt. – Foto: gik

Neuzugang Nummer fünf ist Daniel Köbler, der Grünen-Politiker tritt die Nachfolge des scheidende Bürgermeisters und Finanzdezernent Günter Beck an, und wurde ebenfalls am Mittwoch im Stadtrat vereidigt. Köbler wird damit ab dem 10. Februar Dezernent für „Finanzen, Beteiligungen und Sport“. Damit ist die Neuordnung des Stadtvorstands vorerst abgeschlossen – de Fortsetzung folgt Ende 2026: Dann läuft die Amtszeit von Wirtschaftsdezernentin Matz aus.

Und so sieht die Verteilung der Dezernate und Aufgabenbereiche der Stadt Mainz ab dem 1. März 2026 aus:

  • Dezernat I – Oberbürgermeister Nino Haase
  • Dezernat II – Finanzen, Beteiligungen und Sport, Bürgermeister Daniel Köbler (Amtsantritt 10.02.2026)
  • Dezernat III – Wirtschaft und Liegenschaften mit Fördermittelmanagement, Beigeordnete Manuela Matz
  • Dezernat IV – Soziales, Kinder, Jugend und Gesundheit, Beigeordnete Jana Schmöller
  • Dezernat V – Umwelt und Mobilität, Beigeordnete Janina Steinkrüger
  • Dezernat VI – Kultur und Schule, Beigeordneter Ata Delbasteh (Amtsantritt 10.02.2026)
  • Dezernat VII – Ordnung und Verkehrsüberwachung, Beigeordneter Karsten Lange
  • Dezernat VIII – Bauen, Denkmalpflege und historisches Erbe, ehrenamtl. Beigeordneter Ludwig Holle

Info& auf Mainz&: Mehr zu den neuen Dezernenten von Mainz lest Ihr hier bei Mainz& (Schmöller & Holle) sowie in diesem Mainz&-Artikel zu Köbler, Delbasteh und Holle.