Die heiße Sommerwetterlage sorgt nicht nur für Hitze, sondern auch für dicke Luft in Mainz: Am Donnerstagmittag gab es erstmals seit Langem wieder eine Ozonwarnung für Mainz. Der Ozonwert kletterte an der Messstation in Mainz-Mombach auf 181 Mikrogramm und überschritt damit die Meldeschwelle von 180 Mikrogramm. Ab 180 Mikrogramm wird der Bevölkerung empfohlen, körperliche Anstrengungen im Freien zu meiden – Ozon ist ein Reizgas, das insbesondere bei empfindlichen Personen sowie bei Asthmatikern für eine verminderte Lungenfunktion, entzündlichen Reaktionen in den Atemwegen und Atemwegsbeschwerden sorgen kann. Der Ozonanstieg geht mit einer seit Tagen sich verschlechternden Luftqualität einher.

Messtation in der Mainzer Parcusstraße. - Foto: gik
Messtation in der Mainzer Parcusstraße. – Foto: gik

Offenbar sorgt derzeit eine Inversionswetterlage in Mainz wieder einmal für dicke Luft – verbunden mit stetigen Ostwind und einer Windflaute, alles zusammen sorgt derzeit dafür, dass sich die Luft in Mainz regelrecht staut. Seit Tagen meldet die Luftqualitäts-App des Bundesumweltamtes bereits steigende Stickoxidwerte in Mainz – besonders hoch sind sie an der Station Rheinallee: Am Mittwochabend, den 16. Juni, wurden hier abends um 21.00 Uhr sogar 122 Mikrogramm NO2 gemessen – 40 Mikrogramm gelten als Grenzwert.

Die schlechte Luft hat ihren Ursprung offenbar nicht nur aus dem Verkehr, der jetzt – nach Ende des Corona-Lockdowns – wieder erheblich zugenommen hat. Montagabend lag am Zollhafen ein Gestank nach Schwefel und faulen Eiern in der Luft, nach wie vor steigen die Stickoxidwerte just in den Abendstunden stark an – also genau dann, wenn der Straßenverkehr praktisch nicht mehr stattfindet. Beim Landesumweltamt hieß es auf Nachfrage stets: Das liege an der Wetterlage, die Konzentrationen stiegen über den Tag hinweg an und sammelten sich dann gegen Abend.

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Verkehr auf der Mainzer Rheinstraße bei Nacht vor Corona - die Messstation ist auf Höhe der Mainzer Neustadt. - Foto: gik
Verkehr auf der Mainzer Rheinstraße bei Nacht vor Corona – die Messstation ist auf Höhe der Mainzer Neustadt. – Foto: gik

Die Messwerte sprechen eine andere Sprache: So stieg die Stickoxidkonzentrationen in der Mainzer Rheinallee am Mittwoch in den Morgenstunden zwischen 6.00 Uhr und 8.00 Uhr zunächst auf bis zu 80 Mikrogramm an, zwischen 14.00 Uhr und 18.00 Uhr sank die Konzentration dann aber wieder in den grünen Bereich unter 40 Mikrogramm – um ab 19.00 Uhr rasant in die Höhe zu schießen. Andere Verursacher als der Verkehr werden offenbar bisher beim Landesuntersuchungsamt in die Auswertungen gar nicht einbezogen – Anfragen zu Fabriken und Ausdünstungen der Industrie blieben ergebnislos.

In Mainz steigen aber seit dem 8. Juni die Messwerte der Luftschadstoffe deutlich an, wie die Luftdaten des Umweltbundesamtes zeigen, auch um den 10. und 11. Juni herum wurden in der Rheinallee bereits mehr als 80 Mikrogramm an beiden Tagen hintereinander gemessen – in der Messstation an der Parcusstraße waren es hingegen maximal 70 Mikrogramm. Die Luft entlang des Rheins war also deutlich schlechter. Parallel dazu stiegen auch die Ozonwerte massiv an: Am 10. Juni wurden in der einzigen Ozon-Messstation in Mainz-Mombach bereits 120 Mikrogramm Ozon gemessen – in den vergangenen Montane schwankte der Wert hier meist um die 80 Mikrogramm.

Industrieanlagen im Norden von Mainz und in Wiesbaden. - Foto: gik
Industrieanlagen im Norden von Mainz und in Wiesbaden. – Foto: gik

Ozon gilt als Reizgas, das „bei intensiver Sonneneinstrahlung durch komplexe photochemische Prozesse aus Vorläuferschadstoffen − überwiegend Stickstoffoxiden und flüchtigen organischen Verbindungen − gebildet wird“, heißt es beim Umweltbundesamt, die Vorläuferstoffe stammten „hauptsächlich aus vom Menschen verursachten Quellen“: Etwa die Hälfte der Stickstoffoxide komme aus dem Verkehrsbereich, vor allem dem Straßenverkehr, der restliche Anteil überwiegend aus Feuerungsanlagen, so die Experten weiter. „Flüchtige organische Stoffe werden zu etwa der Hälfte bei der Verwendung von Lösemitteln freigesetzt“, die fänden sich in Produkten wie Farben und Lacken, Klebstoffen, Reinigungsmitteln und ähnliches.

Natürliche Quellen von flüchtigen organischen Verbindungen seien Ausdünstungen aus Laub- und Nadelbäumen oder auch aus überdüngten Böden. Für Ozon gelten in Deutschland Risiko-Meldewerte, ab einer Konzentration von 180 Mikrogramm muss die Bevölkerung informiert werden, ab 240 Mikrogramm wird eine Alarmschwelle ausgelöst. Der Grund: Ozon kann die Gesundheit erheblich schädigen, Risiken seien vor allem „eine verminderte Lungenfunktion, entzündliche Reaktionen in den Atemwegen und Atemwegsbeschwerden“, heißt es beim UBA weiter: „Bei körperlicher Anstrengung, also bei erhöhtem Atemvolumen, können sich diese Auswirkungen verstärken.“

Regionen in Deutschland mit besonders hohen Ozon-Konzentrationen (gelb bis dunkelrot) von 2000 bis 2009. - Foto: gik
Regionen in Deutschland mit besonders hohen Ozon-Konzentrationen (gelb bis dunkelrot) von 2000 bis 2009. – Grafik: UBA, Foto: gik

Empfindliche oder vorgeschädigte Personen, wie etwa Asthmatiker, seien besonders anfällig und sollten bei hohen Ozonwerten körperliche Anstrengungen im Freien vermeiden. Da Ozon sehr reaktionsfreudig sei, „liegt die Vermutung nahe, dass es krebserregend sein könnte“, warnt das UBA zudem. Das Rhein-Main-Gebiet gehörte schon in der Vergangenheit zu den Regionen mit den höchsten Ozon-Konzentrationen in Deutschland, besonders schlimm war die Lage 2001 sowie im Hitzesommer 2003.

Das UBA zählt zu deutlich erhöhten Ozonkonzentrationen bereits Messwerte 120 Mikrogramm, die wurden in Mainz bereits in den vergangenen Tagen mehrfach erreicht: Am 15. Juni wurden in Mombach 170 Mikrogramm gemessen, einen Tag später noch einmal 160 Mikrogramm. Am Donnerstag erreicht die Ozon-Konzentration in Mainz um 12.00 Uhr 126 Mikrogramm, um 14.00 Uhr wurde die Meldeschwelle von 180 Mikrogramm überschritten, bis 18.00 Uhr sanken die Werte wieder auf 139 Mikrogramm. Angaben zur Ursache machte das Landesumweltamt in Mainz auch auf Nachfrage nicht.

Messkurven für Mainz mit Ozon (blau, Mombach, oben) sowie für Stickoxide der vergangenen Tage. - Foto: gik
Messkurven für Mainz mit Ozon (blau, Mombach, oben) sowie für Stickoxide der vergangenen Tage. – Foto: gik

Ein Hinweis darauf, dass die dicke Luft in der Atmosphäre über Mainz nicht allein am Verkehr liegen kann, lieferte der erste Corona-Lockdown im Frühjahr 2020: Obwohl damals die Mobilität auch in Mainz dramatisch einbrach, verzeichneten die Messstationen in der ersten Woche nach dem Shutdown in der Mainzer Parcusstraße steigende Stickoxidwerte – bei 35 Prozent weniger Verkehr stiegen die Stickoxidwerte in derselben Woche um 13 Prozent auf 45,4 Mikrogramm an, und lagen damit über dem EUU-Grenzwert. Mehr dazu lest Ihr ausführlich hier auf Mainz&.

Info& auf Mainz&: Die Luftqualität an den Messstationen in Mainz könnt Ihr selbst nachverfolgen: Auf der Seite des Umweltbundesamtes gibt es unter dem Button Daten – Luft – Aktuelle Luftdaten einen direkten Link zu den Messstationen in ganz Deutschland, wählt Ihr hier die Mainzer Parcusstraße oder Rheinallee an, könnt Ihr alle Werte selbst einsehen und Euch in Diagrammen anzeigen lassen – der direkte Link zum Luftqualitätsindex ist dieser hier. Tagesaktuelle Messwerte für Mainz gibt es zudem hier beim Zimen-Messsysten des Landes Rheinland-Pfalz. Wie das Umweltbundesamt den Corona-Effekt auf die Luftqualität einschätzt, könnt Ihr hier nachlesen.

 

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