Die Corona-Pandemie ist bereits zwei Jahre alt, doch flächendeckende Luftfilter sucht man in Schulen und Kitas weiter vergeblich. Eine Petition mit mehr als 12.000 Unterschriften fordert nun, Schulen und Kitas für die Zukunft sicher zu machen – mit mobilen Luftfiltern. Der Landeselternbeirat übergab die Unterschriften am Donnerstag im Mainzer Landtag den Oppositions-Fraktionen von CDU und Freien Wählern, die sich seit zwei Jahren für genau solche Geräte einsetzen. Man hoffe nun “auf Einsicht im Bildungsministerium”, sagte CDU-Bildungsexpertin Jenny Groß: “Wir stehen hier mit dem gleichen Thema wie 2020, nur großartig passiert ist nichts.”

Übergabe der Petition für Luftfilter am Donnerstag im Mainzer Abgeordnetenhaus. - Foto: gik
Übergabe der Petition für Luftfilter am Donnerstag im Mainzer Abgeordnetenhaus. – Foto: gik

“Wir haben vor zwei Jahren auch schon mal gedacht, Corona ist vorbei – das stimmte auch nicht”, sagte Reiner Schladweiler, Sprecher des Landeselternbeirats, bei der Übergabe der Petition. Schladweiler hatte die Unterschriftenaktion “Schulen und Kitas ohne Corona” bereits im März 2021 gestartet, 13.576 Unterstützer setzten ihren Namen auf der Online-Plattform openpetition.de darunter, davon 12.205 in Rheinland-Pfalz.

“Kinder haben ein Recht auf Bildung und Betreuung mit den besten Schutzmaßnahmen, die wir im Land haben”, heißt es im Petitionstext. Wer eine Schulpflicht verordne, der müsse auch für die Sicherheit in den Schulen und auf dem Weg dorthin sorgen. Doch beim Mainzer Bildungsministerium habe man lediglich “Lüften, Lüften” auf der Agenda, das sei aber lediglich eine Notlösung heißt es weiter: “Die Eltern von Rheinland-Pfalz wollen eine effektivere, modernere Lösung – wie sich das für ein hochentwickeltes Industrieland gehört.” Bei einer Befragung durch den Elternbeirat Trier etwa hätten sich 75 Prozent der Eltern mobile Raumluftreinigungsgeräte mit Hepafilter H14 gewünscht.

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Tatsächlich ist die Debatte um mobile Luftreiniger in Klassenräumen und Kitas so alt wie die Pandemie selbst: Schon im Frühjahr 2020 hatten Hersteller, aber auch Raumluftexperten immer wieder darauf hingewiesen, dass mit HEPA-Filtern ausgestattete, mobile Reinigungsgeräte tatsächlich Viren aus der Luft filtern und die Raumluft effektiv verbessern können. Studien untermauerten dies mehrfach, im Sommer 2021 änderte nach langem Zögern und lavieren dann auch das Umweltbundesamt seine ohnehin umstrittene Einschätzung.

Karikatur von Cartoonist Ralf Böhme zum Thema Lüften in Klassenräumen aus dem Winter 2020-2021. - Copyright: RABE Kartoon
Karikatur von Cartoonist Ralf Böhme zum Thema Lüften in Klassenräumen aus dem Winter 2020-2021. – Copyright: RABE Kartoon

Seither heißt es auch beim Umweltbundesamt: “Dort, wo nicht ausreichend gelüftet werden kann, helfen kontinuierlich betriebene, einfache Zu- und Abluftanlagen oder mobile Luftreiniger, die Virenlast im Raum ebenfalls in einer Größenordnung von bis zu 90 Prozent zu reduzieren.” Die Politik änderte trotzdem – nichts. Das bereits 2020 vom Land Rheinland-Pfalz aufgelegte Förderprogramm in Höhe von sechs Millionen Euro fördert bis heute nur Luftfiltergeräte für solche Klassenräume, die überhaupt nicht gelüftet werden können.

Schladweiler hält das für völlig überholt: Die meisten Klassenräume ließen sich doch gar nicht Querlüften, ein Vertreiben der Viren – gerade beim Stoßlüften – sei so gar nicht möglich. Die einzige Variante in den Klassenräumen sei deshalb, die Tür zum Flur zu öffnen, “das ist aber der völlig falsche Weg”, kritisierte der Elternsprecher: “Dann zieht alles nur in den Flur, und dort konzentrieren sich dann die Viren” – das sei höchst kontraproduktiv. Dazu kommt, dass gerade in den kalten Wintermonaten die Schüler vielfach mit Decken und Wärmflaschen in den Klassenräumen saßen, der Landeselternbeirat hatte auch das mehrfach als unzumutbar kritisiert.

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Die Petition fordert deshalb Luftreiniger für alle Klassenzimmer und alle Kitas, und das gelte auch weiterhin, betonte Schladweiler auf Mainz&-Nachfrage: “Wir wissen alle nicht, was noch kommt, wir sollten doch vorbereitet sein”, betonte er. Luftreiniger schützten zudem nicht nur vor dem Coronavirus, sondern auch vor Grippeviren, Pollen und vor anderen Raumluftgiften. “Wir haben in den Schulen vielfach auch noch Altlasten von Giften in der Raumluft”, betonte Schladweiler – auch diese Stoffe würden von den Geräten aus der Raumluft gefiltert.

Feldversuch mit Luftreinigern in der Bibliothek des Willigis-Gymnasiums im Februar 2021. - Foto: gik
Feldversuch mit Luftreinigern in der Bibliothek des Willigis-Gymnasiums im Februar 2021. – Foto: gik

Tatsächlich bestätigen auch Schulleiter, dass die Luftfilter zu deutlich besserer Luft in den Klassenräumen führen und gerade auch für Allergiker oder in Heuschnupfen-Zeiten eine echter Erleichterung bilden. “Ich sehe da mittlerweile auch nach Corona noch Einsatzmöglichkeiten”, sagte etwa der Leiter des Willigis-Gymnasiums, Roman Riedel, bei einem Feldversuch mit Luftreinigern in seiner Schule im Februar 2021: Ein Drittel seiner Schüler hätten inzwischen Allergien, eine Verbesserung der Raumluft gerade auch in der Mainzer Innenstadt durchaus hilfreich.

“Gute Luft hat nichts mit Corona allein zu tun”, betonte auch Joachim Streit, Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag: Gute Luft in Schulen habe auch etwas mit CO2-Werten und Sauerstoff in der Luft zu tun. “Man kann nur gut lernen, wenn die Luft mit Sauerstoff angereichert ist”, betonte Streit. Dazu komme: In bestimmten Neubauten könnten die Fenster gar nicht mehr geöffnet werden, gerade hier aber säßen inzwischen 30 Kinder auf engstem Raum zusammen.

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Schon im Wahlkampf und jetzt im Landtag setzten sich die Freien Wähler für die Luftfilter ein, betonte Streit, “getreu dem Motto: ‘Technik rein, Masken runter”. Das Land müsse die Kommunen dringend dabei unterstützen, leistungsfähige Luftreiniger überall zu installieren. Streit verwies zudem darauf, dass mehr als 12.000 Unterschriften ein großes Votum seien.

Schon haushaltsübliche Luftreiniger mit HEPA-Filter können nachweislich 99 Prozent der Viren aus der Raumluft holen. - Foto: gik
Schon haushaltsübliche Luftreiniger mit HEPA-Filter können nachweislich 99 Prozent der Viren aus der Raumluft holen. – Foto: gik

“Seit mehr als zwei Jahren fordern wir nun die Landesregierung und Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) auf, endlich flächendeckend Lüftungsanlagen an unseren Schulen und Kitas im Land zu installieren”, sagte auch CDU-Bildungsexpertin Jenny Groß: “In allen Klassenräumen und Kita-Gruppen könnten solche Geräte längst ihren Dienst tun.” Die Landesregierung habe es aber immer wieder versäumt, die Schutzmaßnahmen für Kinder, Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher hochzufahren.

“Unsere Schulen brauchen ein passgenaues Konzept für gesunde Luft, das aus einer Kombination von Lüften, CO2-Ampeln und Luftreinigungsgeräten besteht, das fordern wir seit Sommer 2020”, betonte Groß. Niemand wisse zudem, wie sich das Coronavirus im Herbst 2022 entwickeln werde. “Jetzt in den dritten Corona-Herbst zu laufen, und wieder keine Pläne zu haben und nur auf Sicht zu fahren, geht gar nicht”, kritisierte sie. Zudem müsse die Landesregierung ihre Schulbaurichtlinie erneuern und dabei auch Investitionen in den Gesundheitsschutz in die Landesförderung aufnehmen. Die CDU werde weiter für Luftfilter kämpfen, versprach Groß: “Wir hoffen auf Einsicht im Ministerium.”

“Jetzt muss das Wegducken der Bildungsministerin ein Ende haben”, forderte auch CDU-Generalsekretär Gordon Schnieder: “Wir haben vor Ort versucht, was geht”, das reiche aber nicht aus. Das Land müsse endlich seine Förderrichtlinien ändern, damit die Kommunen auch die Mittel zum Aufstellen der Geräte abrufen könnten. “Es kann ja nicht sein, dass wir im Herbst da wieder stehen, und haben den gleichen Schlamassel wieder”, fügte Schnieder hinzu. Die Petition geht nun zunächst an die Bürgerbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz.

Info& auf Mainz&: Mainz& hat wiederholt über das Thema Raumluftfilter berichtet, einen Text über den Feldversuch im Willigis-Gymnasium findet Ihr hier bei Mainz&, Wissenschaftler haben sogar einen Online-Kalkulator zur Berechnung der richtigen Raumluftreinigergröße entwickelt, mehr dazu hier bei Mainz&. Einen grundlegenden Artikel zum Thema könnt Ihr hier nachlesen:

Studien bescheinigen Luftreinigern in Schulen gute Ergebnisse – Land lehnte erst ab, jetzt Förderprogramm

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