Stillstand auf der Autobahn A60 bei Mainz-Hechtsheim: Nach einem Unfall vor dem Autobahnkreuz Mainz-Süd war am frühen Freitagabend der Hechtsheimer Tunnel in beiden Richtungen gesperrt. Die Folge: Lange Staus im abendlichen Berufsverkehr. Das Autobahnkreuz ist damit derzeit das Hauptproblemfeld in Sachen Verkehr in Mainz und Umgebung – dabei war Anfang Oktober nach acht Jahren die Baustelle in dem Kreuz endlich fertig geworden. Doch seither ist die Staulage schlimmer als vorher – das sagt nun die Autobahn GmbH des Bundes zu dem Problem.

Autobahn gesperrt, Tunnel dicht, Rückstau bis Hessen – die Probleme am Autobahnkreuz Mainz-Süd reißen nicht ab. Am frühen Freitagabend meldeten die Verkehrsdienste erneut: Unfall auf der A60, Stau zwischen Mainz-Weisenau und dem Autobahnkreuz Mainz-Süd. Die Autobahnpolizei in Heidesheim teilte auf Mainz&-Anfrage mit, gegen 17.30 Uhr sei es auf der A60 zu einem Unfall zwischen einem Lkw und einem Pkw gekommen, Näheres war zum Zeitpunkt des Telefonats noch nicht bekannt.
Der Unfall ereignete sich jedoch zwischen der Ausfahrt Mainz-Hechtsheim und dem AK Mainz-Süd, hinter dem Tunnel und kurz vor dem Kreuz. Mitten im Berufsverkehr bildete sich sofort ein langer Stau, eine weitere Folge: Der Hechtsheimer Tunnel war ab 18.00 Uhr dicht, und zwar für beide Fahrtrichtungen. „Wir haben aktuell Stillstand“, sagte eine Polizeisprecherin gegenüber Mainz& – man arbeite gerade daran, den Tunnel wieder freizugeben.
Probleme am AK Mainz-Süd – seit Ende der Baustelle
Damit gehen die Probleme am Autobahnkreuz Mainz-Süd seit dem Ende der Baustelle weiter. Anfang Oktober hatte die Autobahn GmbH des Bundes nach acht Jahren Bauzeit endlich den Neubau der beiden Autobahnbrücken der A60 über die A63 abschließen können – seither herrscht mehr Stau als zuvor. Der Grund: Während der Bauzeit hatte die Autobahn GmbH eine zusätzliche Abfahrtspur für Abbieger in Richtung Alzey eingerichtet, die Standspur war derweil zur Abbiegespur in Richtung Mainzer Innenstadt umfunktioniert worden.

Doch mit dem Ende der Baustelle endetet auch diese Spurführung, seither stehen statt vier wieder nur drei Spuren zur Verfügung – das Ergebnis: Dauerstaus vor dem Autobahnkreuz. Mainz& hat sich auf die Suche gemacht: Wer könnte das Problem angehe und wie könnte man es ändern? Zuständig für die Autobahnen ist die Autobahn GmbH des Bundes, bei der zuständigen Dienststelle West heißt es auf Anfrage: Die Option, die Regelung wie zur Baustellenzeit beizubehalten, „bestand leider nicht“ – aus baurechtlichen Gründen habe der alte Zustand wieder hergestellt werden müssen.
„Wir können die Leute ja verstehen, wir sehen die Probleme auch“, versicherte Sprecher Maximilian Angst im Gespräch mit Mainz&: „Aber wir können die Regelung nicht aufrecht erhalten, so sinnvoll, wie das wäre.“ Die Autobahn GmbH sei an das geltende Baurecht gebunden, „wir sind rechtlich verpflichtet, den alten Zustand wieder herzustellen“, betonte Angst. Solange das Autobahnkreuz Baustelle war, hab es eine Ausnahmeregelung gegeben, die habe nun aber beendet werden müssen.
Ausbau Mainzer Ring: Pläne da, Willen nicht
Denn die Baustelle im Autobahnkreuz sei eben nur eine Erneuerung der beiden Brücken gewesen, und nicht etwa ein Ausbau des Kreuzes. Dabei gibt es dafür auch bereits Pläne:, und die sähe auch eine eigene Abbiegespur in Richtung Alzey vor, verriet Angst weiter: „Seit Jahren ist ein Ausbau des Mainzer Rings geplant, aber dafür gibt es kein Baurecht.“ Der Ausbau sei durchaus von Teilen der Politik gewollt, in der Bevölkerung gebe es aber auch Widerstand dagegen – am Zuge sei damit jetzt die Politik in Rheinland-Pfalz: Sie muss Baurecht schaffen.
In Rheinland-Pfalz aber verweist man auf den Bund, eine konkrete Antwort war aus dem Mainzer Verkehrsministerium bis Freitagabend nicht zu bekommen. Ohnehin würde ein Ausbau des Mainzer Rings erneut Jahre dauern, droht also Mainz ein jahrelanger Dauerstau auf dem Mainzer Ring? Die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BAST) sieht durchaus Zwischenlösungen vor – und zwar für genau solche Fälle.
Temporäre Umnutzung des Seitenstreifens eine Option?
Dort heißt es nämlich in einer Studie zum Thema „Temporäre Umnutzung von Seitenstreifen an Autobahnen“ wörtlich: „Die Freigabe des Seitenstreitens für den fließenden Verkehr hat sich auf einzelnen Autobahnstrecken als bewährtes Mittel erwiesen, um angesichts langer Planungsvorläufe kurzfristig auf Kapazitätsengpässe reagieren zu können.“ Das würde exakt auf das Autobahnkreuz Mainz-Süd zutreffen, zumal die Umnutzung des Seitenstreifens mindestens 1,5 Jahre lang bereits erprobt wurde – und dabei keine größeren Probleme verursachte.
Bei der BAST heißt es dazu weiter: Bei einer solchen Umnutzung sei „volkswirtschaftlich abzuwägen, ob die Verbesserung des Verkehrsablaufs den Verzicht auf den aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Betriebsdienstes notwendigen Seitenstreifen rechtfertigen kann.“ Eine temporäre Freigabe von Seitenstreifen sei seit Januar 2002 verkehrsrechtlich eindeutig geregelt, sogar ein eigenes Verkehrszeichen (Z 223 der StVO) wurde dafür eingeführt: Mit ihm erhält der Seitenstreifen die Bedeutung eines Fahrstreifens.
Beim BAST sieht man allerdings auch eine Gefahr für den Autoverkehr durch ein erhöhtes „Risiko von Fehlnutzungen“ – das allerdings dürfte in Mainz kein Problem sein: Die Autofahrer waren die alte Baustellen-Regelung so gewöhnt, dass die Rückkehr zu den alten Fahrspuren Probleme verursachte. Auf die Frage bei der Autobahn GmbH, ob denn eine temporäre Umnutzung des Seitenstreifens nicht eine Option sei, hieß es aber lediglich: Eine Ausnahmesituation sei derzeit „nicht gegeben“, eine Umwidmung des Standstreifens daher zurzeit nicht möglich.
Info& auf Mainz&: Mehr zu den Problemen am Autobahnkreuz Mainz-Süd seit dem Ende der Baustelle lest Ihr hier bei Mainz&.







