Im Mainzer Altenheim ist der Teufel los, der Investoren-Teufel nämlich. Eigentlich lebt die Gemeinschaft liebevoll-kurioser Gestalten friedlich vor sich hin, doch nun droht Ungemach: Ein Investor will die baufällig Residenz kaufen und in Luxuswohnungen à la Zollhafen verwandeln. Den Skandal deckt ein Online-Magazin auf, und nun müssen die Alten ihre Residenz retten… Vorhang auf für die Fasnachtsposse 2026 des MCV – es beginnt ein toll inszeniertes Spiel um Freundschaft, Zusammenhalt und natürlich die Mainzer Fastnacht als Retterin von Seelen, Frieden und Freundschaft.

Jedes Jahr bringen die „Scheierborzeler“ des Mainzer Carneval-Vereins in der Fastnachtssaison ein buntes Narrenspiel auf die Bühne des Staatstheaters in Mainz – die Tradition gibt es tatsächlich schon seit 1838. Da geht es mal auf die Kirmes und mal zum Weiber-Fastnachtsverein, in diesem Jahr ist eine Seniorenresidenz Schauplatz des Geschehens. Die ist – wie könnte es in Mainz anders sein – natürlich prächtig, aber baufällig, und sie beherbergt eine ganze Riege skurriler Gestalten im Abend ihres Lebens.
Da ist Gutenberg der Ex Drucker, ein Ex-Banker mit Spitznamen „Rothschild“, eine frühere Fernsehansagerin des ZDF mit Spitznamen „Antenne“ oder „Frau Doktor“, die einmal eine Sprechstundenhilfe war. Sie alle kabbeln sich und frotzeln viel, doch vor allem hält die Altersgemeinschaft fest zusammen. Das ist auch gut so, denn eines Tages platzt in die Idylle eine schreckliche Nachricht: die Residenz soll verkauft werden, und der Investor plant natürlich keine Renovierung, sondern einen Abriss – und den Neubau von Luxuswohnungen wie im Zollhafen.
Online-Magazin „Mogons“ deckt Skandal auf: Residenz in Gefahr!
Den Skandal deckt die pfiffige Reporterin Franziska eines Online-Magazins auf, das heißt ausgerechnet „Mogons“ wie der altrömische Gott und Namensgeber von Mainz, und erinnert überhaupt gar nicht per Zufall an eine kreative Online-Zeitung namens Mainz&… Das Agieren der Reporterin haben wir natürlich mit höchsten Vergnügen beobachtet, die innige Liason mit dem Stadtrat müssen wir allerdings auf das Schärfste zurückweisen: das geht ja gar nicht… Aber wir eilen voraus.

Tatsächlich gibt es in der Residenz ein Maulwurf, der die Presse eingeschaltet hat: die rüstige und höchst streitbare „Katinka Zitz“, eine ehemalige Journalistin und gespielt von Scheierborzeler-Chefin Sylvia Planitzer. Die organisiert dann auch den Widerstand der Residenzbewohner, die sich einfach nicht vertreiben lassen wollen – fortan herrscht Ramba Zamba in der Seniorenresidenz! Ganz nach dem alten Seppelt Glückert-Motto: Sie kriehn uns net, sie kriehn uns net, sie krieh uns net kaputt!“
Doch wie den Investor stoppen? Die Frau Doktor will Kuchen verkaufen, der Bankdirektor den Tresor seiner alten Bank ausrauben – für den hat er nämlich noch den Sicherheitscode. Und wie er die Kollegen kennt, haben die den bis heute nicht erneuert. Der Plan: sich per Tunnel in die Bank zu graben, „fällt sowieso in Mainz net uff, wenn mer buddelt, fällt eher auf, wenn mer net buddelt“, sagt „Rothschild“. Doch auch das hat wieder einen Haken: „Das geht nicht: womöglich stößt man dabei auf Römer, dann ist die Baustelle sofort dicht“, stöhnt „Frau Doktor“.
Kreppel-Hungerstreik? Banküberfall?
Bleiben also doch nur der Kreppel-Hungerstreik, das Sich-Anketten an den Fastnachtsbrunnen oder ein Senioren-Hausboot auf dem Rhein… Da müsste doch jetzt mal der Stadtrat helfen, doch dem sind die Glühweinpreise auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt wichtiger – „Du bist mei Schobbe“, singt das Ensemble, und der Saal feiert begeistert mit. Überhaupt besteht diese Posse aus so viel Gesang, wie selten zuvor, das ist schon ein veritables Musical, und ein Bewohner mit dem Spitznamen „Caruso“ macht seinem Namen mit fantastischen Arien alle Ehre.

Dann beginnt die Fastnachtszeit, das MCV-Ballett wirbelt magisch über die Bühne, und wird völlig zurecht vom Publikum frenetisch gefeiert: „Jetzt ist sie da, hurra, endlich ist es so weit“, singt das Theater – doch eine Lösung für die Residenz ist noch immer nicht in Sicht. Dabei ist der Artikel von der Franziska „abgegangen wie doll“, freut sich „Katinka“ – die junge Azubine, die sich längst in den Pfleger und in die Bewohner verliebt hat, hat den Skandal via Instagram verbreitet…
Zwischendurch werden jede Menge Anspielungen auf die Mainzer Stadtpolitik verarbeitet. Da sind die Schließungen des Kinderladens Wirth und vom Listmann Thema, und die verkauften Flamingos im Stadtpark werden sehnsüchtig mit „Fly away, flieg in die Welt, oh mein schöner Flamingo, hoffe, dass Ihr glücklich seid“ besungen. „Da sollte man mal die Franziska drauf ansetzen“, sagt die Katinka noch. Schon geschehen…
Heidi Pohl: Abschied nach 27 Jahren als Possen-Regisseurin
Doch jetzt droht endgültig das Aus, „and now the end is here“, singt Caruso: „I did it my way!“ Das ist denn auch die Lösung: Eine Fastnachtssitzung muss her, denn mit Rucki Zucki und Samba Olé wird das Herz jedes Investors weich… Das Ende wird natürlich nicht verraten, doch so viel sei gesagt: Der schleimige Stadtrat bekleckert sich nicht mit Ruhm, und Wiesbadener haben auch ein Herz.
27 Jahre lang hat Regisseurin Heidi Pohl die Fastnachtsposse inszeniert, in diesem Jahr verabschiedet sie sich mit „Ramba Zamba in der Residenz“ – und liefert ein letztes Mal ein farbenfrohes, liebevolles Possenspiel ab, das aus der Feder von Christian Pfarr stammt. Die Premiere am Dienstagabend war umjubelt, wie wir härten – Mainz& war bei der Hauptprobe am Montagabend zu Gast. Mainz verneigt sich vor einer verdienten fastnachts-Regisseurin – natürlich mit dreifach donnerndem Helau!
Info& auf Mainz&: Noch bis einschließlich Fastnachtsdienstag wird die Fastnachtsposse „Ramba Zamba in der Residenz“ am Mainzer Staatstheater gegeben, Infos und Karten zu den Spieltagen gibt es hier im Internet. Achtung: Verkleidung ist hier Narrenpflicht!






