Die Corona-Pandemie stellt die Narrenwelt wahrlich auf den Kopf, doch nicht alles soll einfach ausfallen: Einen Tag vor dem 11.11. hat der Der Mainzer Carneval Verein (MCV) nun ein Fastnachtsmotto für 2021 präsentiert – und ein Nicht-Zugplakettcher. „Ich persönlich nennen sie Fastnachtsplakette“, sagte MCV-Präsident Reinhard Urban – dass es 2021 keinen Rosenmontagszug geben wird, war schon seit Anfang September klar und hier bei Mainz& zu lesen. Nun sagte der MCV auch den traditionellen Neujahrsumzug der Mainzer Garden ab. Das Narrenmotto soll dennoch für 2021 Hoffnung spenden: „Trotz Corona segelt heiter, das Narrenschiff voll Hoffnung weiter.“

MCV-Präsident Reinhard Urban mit dem Fastnachtsplakettche 2021. - Foto: gik
MCV-Präsident Reinhard Urban mit dem Fastnachtsplakettche 2021. – Foto: gik

„Außergewöhnliche Zeiten verlangen außergewöhnliche Zeichen“, betonte MCV-Präsident Reinhard Urban am Dienstag in Mainz: Einen Tag vor dem traditionellen Narrendatum 11.11. stellte der MCV allen Corona-Einschränkungen zum Trotz ein Fastnachtsmotto für die Kampagne 2021 vor – und ja, auch ein Umhängeplakettchen. Man wolle „ganz bewusst an bestimmten Traditionen festhalten“, betonte Urban: „Es ist uns gerade in dieser herausfordernden Zeit wichtig, die Fastnacht sichtbar werden zu lassen.“ Und so sollen Motto, das Zugplakettche, die Narrenzeitschrift „Narrhalla“ und diverse weitere Ideen für die kommende Kampagne „auch ein Signal der Hoffnung für unser einzigartiges Brauchtumsfest ‚Mainzer Fastnacht‘ sein.“

Und so zeigt die Plakette für die Kampagne 2021 ein Narrenschiff, auf dem ein Gardist der Kleppergarde, ein Haubengardist sowie der Mainzer Bajazz segeln. Auf der Rückseite findet sich das Motto für die außergewöhnliche Corona-Kampagne 2021: „Trotz Corona segelt heiter, das Narrenschiff voll Hoffnung weiter.“ Die Idee zum Plakettche sei eigentlich schon vor Corona entstanden, „das Narrenschiff war eine Idee, die wir immer schon mal hatten“, sagte Hansjörg Langenbach vom MCV-Vorstand. Kleppergarde und Mainzer Haubengarde gehörten zu den ältesten Mainzer Garden, die Kleppergarde wird 2021 immerhin 165 Jahre alt – und der Bajazz mit der Laterne ist eine der Symbolfiguren der Mainzer Fastnacht.

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Das Mainzer Fastnachtsplakettcher 2021 in der Corona-Kampagne. - Foto: gik
Das Mainzer Fastnachtsplakettcher 2021 in der Corona-Kampagne. – Foto: gik

„Es findet das Brauchtum der Fastnacht statt, also machen wir auch ein Zugplakettcher“, beschrieb Langenbach die Idee dahinter. Im kommenden Jahr sei es allerdings mehr „ein Fastnachtsplakettcher“, betonte Urban – denn einen klassischen Rosenmontagszug wird es 2021 nicht geben. Schon Anfang September hatte Urban bei ein Pressetermin gesagt: Einen Rosenmontagszug werde es im kommenden Jahr nicht geben, am Dienstag betonte er erneut, Umzüge seien einfach in der Corona-Pandemie nicht zu verantworten: „Das Problem ist nicht der Umzug, sondern dass die Zuschauer am Straßenrand sehr wahrscheinlich nicht Abstand halten werden“, sagte Urban, „wir können es nicht verantworten, Menschen in Gefahr zu bringen.“

Der MCV sagte deshalb nun auch den traditionellen Neujahrsumzug der Mainzer Garden ab, und doch soll die Straßenfastnacht nicht ganz ausfallen: „Das Plakettcher ist für die Straßenfastnacht da“, betonte Langenbach, und kündigte an: „Auf der Straße wird auch etwas stattfinden, was Corona konform ist.“ Wie bereits vom MCV angekündigt, soll es zwei bis drei närrische Motivwagen geben, die aktuelle politische Themen aufgreifen und karikieren – der MCV werde diese Motive wie gewohnt mit Zeichner Michael Apitz umsetzen, kündigte Urban an. Die Motivwagen sollen dann an den Fastnachtstagen in der Mainzer Innenstadt zu sehen sein, in welchem Rahmen, das werde sich noch entscheiden und hänge von den dann geltenden Corona-Bedingungen ab.

Hansjörg Langebach vom MCV mit dem neuen und dem allerersten Mainzer Zugplakettcher von 1951 (rechts). - Foto: gik
Hansjörg Langebach vom MCV mit dem neuen und dem allerersten Mainzer Zugplakettcher von 1951 (rechts). – Foto: gik

„Die Motivwagen sind das Besondere der Mainzer Fastnacht, sie sind doch das Salz in unserer Suppe“, betonte Urban. Zur Finanzierung der stattfindenden Aktivitäten dient nun auch die Fastnachtsplakette 2021, die ab dem 11.11. zu kaufen gibt, und die es in einer limitierten Auflagen von 20.000 Stück gibt. Die traditionellen Plakettenverkäufer, die mit dem Bauchladen durch Mainz und seine Gaststätten ziehen, wird es allerdings in dieser Kampagne nicht geben – das lasse sich in der Corona-Pandemie „gegenüber der Gesundheit der Verkäufer nicht vertreten“, sagte Langenbach bedauernd. Der MCV sucht deshalb noch Geschäftsleute, die mithelfen, die Fastnachtsplakette zu verkaufen.

Die knüpft übrigens an ein höchst historisches Vorbild an: Das allererste Zugplakettche im Jahr 1951 war ebenfalls eine Plakette, auch sie wurde damals vom Bajazz geziert und verkündete das Motto „Lachen spende – Trübsal wende“. Mit dem Fastnachtsplakettche 2021 greife der MCV so auch weit zurück zu den Anfängen, sagte Langenbach – genau 70 Jahre nach seiner Erfindung. Das Zugplakettcher wurde 1951 zur Finanzierung des Mainzer Rosenmontagszuges ins Leben gerufen und griff eine Idee des Deutschen Katholikentages von 1948 auf, der damals Ansteckplaketten zu seiner Finanzierung verkaufte – ebenfalls in Mainz. Das allererste Plakettcher wurde in einer Stückzahl von 100.000 hergestellt und für eine Mark verkauft, das moderne Pendant kostet 4,50 Euro.

Das allererste Mainzer Zugplakettcher aus dem Jahr 1951. - Foto: gik
Das allererste Mainzer Zugplakettcher aus dem Jahr 1951. – Foto: gik

Auch die klassischen Fastnachtssitzungen im Saal hat der MCV bereits vor Wochen abgesagt, Urban kündigte nun aber einen Ersatz an: „Wir werden etwas machen, was man im weitesten Sinne als Sitzung bezeichnen kann“, sagte er. Der MCV plane einen Fastnachtsstream, eine MCV-Fastnachtsshow nach dem Vorbild der ZDF Heuteshow, sagte Andi Eberle. Das Format solle 35 bis 45 Minuten lang sein und mit Mainzer Fastnachtsaktiven produziert werden – die Ausstrahlung ist unter anderem am Fastnachtssonntag geplant.

Ob es 2021 die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ geben wird, ist indes weiter unklar: Es gebe Gespräche zwischen dem ausrichtenden Fernsehsender SWR und den vier großen Fastnachtsvereinen, sagte Urban auf Mainz&-Frage, auch ein Kreativkreis sei gegründet worden, der überlege, ob und wenn ja wie eine Fernsehsitzung aussehen könne. „Die Sitzung ist weder abgesagt noch sicher zugesagt“, betonte Urban.

Auch einen neuen Zugenten-Ansteckbutton gibt es - die Zugente trägt natürlich brav Schnabelschutz. - Foto: gik
Auch einen neuen Zugenten-Ansteckbutton gibt es – die Zugente trägt natürlich brav Schnabelschutz. – Foto: gik

Sicher stattfinden aber soll 2021 die traditionelle Fastnachtsposse des MCV: Die Proben für den Fastnachtsschwank im Mainzer Staatstheater liefen weiter, wenn auch mit reduziertem Ensemble, sagte Sylvia Planitzer. Wegen der reduzierten Zuschauerzahl im Theater planten die „Scheierborzeler“, wie die Possen-Truppe heißt, statt sieben sogar 13 Aufführungen, die Premiere wäre am 9. Februar 2021 – wenn Corona es denn zulässt. „Wir werden auch am heiligen Fastnachtsfreitag und an Rosenmontag spielen“, kündigte Planitzer an: „Sollte es dazu kommen, dass wir nicht spielen können, werden wir es einfach um ein Jahr verschieben und die Posse in der Kampagne 2021/22 aufführen.“

Zum Inhalt verriet Planitzer schon einmal, die Posse werde sich an den antiken griechischen Klassiker Lysisatrata von Aristophanes anlehnen: Das Stück werde sich um einen Fastnachtsverein drehen, in dem inzwischen das letzte männliche Mitglied den Verein verlassen habe. „Dir Männer machen zuhause den Haushalt – und proben den Aufstand“, sagte Planitzer – es wäre genau die Umkehrung der heutigen klassischen Verhältnisse… Die Karten sollen ab dem 19. Dezember in den Vorverkauf kommen. „Wir können dann eher abschätzen, ob die Posse tatsächlich stattfinden kann“, sagte Planitzer zur Begründung.

Info& auf Mainz&: Mehr zum 11.11. in Coronazeiten in Mainz, was noch stattfindet und was nicht, lest Ihr hier auf Mainz&. Die Fastnachtsplakette 2021 könnt Ihr ab dem 11.11. hier beim MCV im Online-Shop erwerben. Mehr zum Thema Rosenmontagszug und Mainzer Straßenfastnacht in Coronazeiten haben wir hier auf Mainz& berichtet.

 

 

1 KOMMENTAR

  1. Schade, dass den „Machern“ des Zugplakettchens das falsche Komma nicht aufgefallen ist. Man kann es auch weder mit Reform der reformierten Rechtschreibreform noch mit Mundart begründen.

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