Es ist eine perfide Masche, die mit Urängsten von Eltern spielt: „Achtung! Dieser Transporter ist unterwegs und spricht Kinder an, ob sie mitfahren wollen!“ Solche Nachrichten kursieren derzeit auch in digitalen Netzwerken in Mainz – die Mainzer Polizei stellt nun klar: Die Nachrichten sind Fake, es besteht KEINE objektive Gefahr. Was Eltern nun tun sollten, und wie man reagieren sollte – die Polizei wart eindringlich davor, solche Gerüchte ungeprüft weiter in sozialen Medien zu verbreiten.

Ein weißer Transporter vor einer Kita in Mainz: Warnungen vor Gefahren seien Fakenews, sagt die Polizei Mainz - dieser hier war ein harmloser Lieferdienst. - Foto: gik
Ein weißer Transporter vor einer Kita in Mainz: Warnungen vor Gefahren seien Fakenews, sagt die Polizei Mainz – dieser hier war ein harmloser Lieferdienst. – Foto: gik

Ursprünglich kam die aktuelle Welle der Nachrichten aus Rheinhessen: Ein vermeintlich verdächtiger weißer Transporter sei unterwegs und stehe vor Kindergärten, der Fahrer spreche Kinder ein, lade sie zur Mitfahrt ein – und schenke ihnen Kuscheltiere. Solche oder ähnliche Nachrichten wurden dann in sozialen Netzwerken und vielfach auch über Whatsapp-Channel verbreitet – und haben nun auch Mainz erreicht..

„In den vergangenen Tagen haben sich die Berichte über einen vermeintlich verdächtigen weißen Transporter, der ursprünglich aus dem Bereich Rheinhessen gemeldet wurde, nun auch auf das Stadtgebiet von Mainz ausgeweitet“, teilte die Mainzer Polizei nun mit, und betont ausdrücklich: „Es besteht nach wie vor keine objektive Gefahr!“ Die polizeilichen Ermittlungen und Befragungen deuteten darauf hin, „dass es sich hierbei um eine klassische Dynamik einer sogenannten Legendenbildung handelt.“

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Hinweise aus Mainzer Stadtteilen zu „verdächtigem“ Transporter

In den vergangenen Tagen erreichten die Polizeidienststellen in Mainz vermehrt Hinweise aus verschiedenen Mainzer Stadtteilen zu angeblich verdächtigen weißen Transportern. Man habe dann bereits in der vergangenen Woche eines der beschriebenen Fahrzeuge sowie eine entsprechende Person überprüft, „es ergaben sich keinerlei Hinweise auf eine Straftat oder eine Gefährdung“, betont die Polizei: „Die Situationen haben sich als harmlos herausgestellt.“

Die Mainzer Polizei warnt eindringlich davor, solche Falschnachrichten weiter zu geben, und die Welle so weiter zu befeuern. - Foto: Polizei Mainz
Die Mainzer Polizei warnt eindringlich davor, solche Falschnachrichten weiter zu geben, und die Welle so weiter zu befeuern. – Foto: Polizei Mainz

Trotzdem verbreiten sich diese Nachrichten rasant in digitalen Netzwerken. Man beobachte, dass die Meldungen in sehr großen WhatsApp-Gruppen (z. B. Eltern-Chats, Nachbarschafts- und Flohmarktgruppen) geteilt würden, das sei „besonders besorgniserregend“, warnte die Polizei. Denn: „In diesen Gruppen werden die Informationen meist ohne jegliche Prüfung des Wahrheitsgehalts oder Rücksprache mit der Polizei weitergegeben.“ Oft würden die Nachrichten mit emotionalen Appellen versehen, „was zu einer unbegründeten Hysterie und massiver Verunsicherung bei Eltern und Kindern führt.“

Tatsächlich handelt es sich bei den beobachteten Transportern meist um harmlose Fahrzeuge von Lieferdiensten. Ein Grund dafür: Viele Lieferdienste, auch die DHL greifen inzwischen auf Subunternehmer zurück, um der Paketflut Herr zu werden, die aber sind oft mit anonymen weißen Fahrzeugen unterwegs – ein guter Nährboden für eine moderne urbane Legende. Ein guter Hinweis darauf: Bereits im Frühjahr 2024 kursierten ähnliche Geschichten von einem weißen Transporter samt Fahrer, der damals in Baden-Württemberg Kinder angesprochen haben sollte – auch damals sah die Polizei keine Gefahr und fand keinen Hinweis auf einen wahren Hintergrund.

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Geschichte mit Kuscheltieren oder Katze kursieren bei Kindern

Nun also hat eine neue Welle Mainz erreicht, und die vermeintliche Geschichte werde mit vermeintlichen Beobachtungen befeuert, glaubt die Polizei: „Kinder werden aufgrund der bereits kursierenden Falschnachrichten zu Recht von ihren besorgten Eltern informiert und erhalten Verhaltenshinweise. Sie tauschen sich untereinander – auf dem Schulweg oder dem Pausenhof – über die bereits im Umlauf befindlichen Geschichten aus.“ Dabei würden eigene, eigentlich völlig harmlose Beobachtungen – wie etwa ein parkender Lieferwagen oder ein wendendes Fahrzeug – unbewusst in den Kontext der „Warnung“ gesetzt und mit fiktiven Elementen ergänzt.

Dass Kinder auf dem Schulweg von Fremden angesprochen und entführt werden, ist eine Urangst von Eltern - hier süße Zwerge im Mainzer Jugendmaskenzug. - Foto: gik
Dass Kinder auf dem Schulweg von Fremden angesprochen und entführt werden, ist eine Urangst von Eltern – hier süße Zwerge im Mainzer Jugendmaskenzug. – Foto: gik

„Diese ‚gegenseitige Befruchtung‘ führt dazu, dass die Berichte der Kinder subjektiv glaubwürdig erscheinen, einer objektiven Überprüfung jedoch nicht standhalten“, warnen die Experten. Aktuell falle auf, dass sich die Schilderungen der Kinder nur leicht unterschieden: Während ursprünglich von einem weißen Transporter und dem Angebot von Kuscheltieren die Rede war, kursierten im Stadtgebiet nun Versionen der Geschichte mit einer Katze.

Die Mainzer Polizei rät nun eindringlich: „Stoppen Sie die Kette! Teilen Sie keine Warnmeldungen über verdächtige Fahrzeuge oder Personen in Messenger-Gruppen, wenn diese nicht von einer offiziellen Behördenseite stammen.“ Mit Kindern solle sachlich über das Thema gesprochen werden, dabei sollten Eltern aber es vermeiden, durch übermäßige Befragung („Hat er ein Kuscheltier gezeigt?“) erst die Basis für eine falsche Erinnerung zu schaffen.

„Sollten Sie oder Ihr Kind eine Beobachtung machen, die Ihnen verdächtig vorkommt, wenden Sie sich bitte exklusiv und unmittelbar an Ihre örtliche Polizeidienststelle oder wählen Sie den Notruf 110“, bittet die Polizei: „Wir prüfen jeden Hinweis mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit und Sorgfalt und leiten bei geringsten Verdachtsmomenten Sofortmaßnahmen ein.“ Man bitte „um Besonnenheit, um eine weitere unnötige Verunsicherung der Bevölkerung zu vermeiden.“

Info& auf Mainz&: Wer eine verdächtige Beobachtungen gemacht hat, sollte sich umgehend mit der nächsten Polizeidienststelle in Mainz in Verbindung setzen, oder einfach den Notruf 110 wählen.