Ist das die Trendwende in der Wirtschaft? Jahrelang gab es beim Konjunkturklimaindex der Wirtschaft in Mainz und Rheinhessen nur Hiobsbotschaften, der Index stürzte von Mal zu Mal mehr ab, die Wirtschaft stehe „am Kipppunkt“, hieß es gar im Herbst 2025 – nun hat die IHK Mainz-Rheinhessen erstmals wieder gute Nachrichten im Gepäck: „Die rheinhessische Wirtschaft startet mit Lichtblicken in den Herbst – die Stimmung bei den Unternehmen der Region hat sich verbessert“, heißt es bei der Herbst-Umfrage. Dennoch: Vor allem hohe Energiepreise Arbeitskoten und Bürokratie belasten die Unternehmen weiter.

„Konjunkturklimaindex der IHK Mainz-Rheinhessen stürzt ab“ hieß es noch im Juni dieses Jahres, der Index – wichtiges Stimmungsbarometer der Wirtschaft – kam gerade einmal noch auf 81 Punkte, das war schlechter als zu Zeiten der Corona-Pandemie. Deutschland stecke in einer handfesten Rezession, klagten die Industrie- und Handelskammern (IHK) in Rheinland-Pfalz, im Oktober 2025 hieß es gar, die Wirtschaft stehe „am Kipppunkt“, nur 21 Prozent der Unternehmen beurteilten die Geschäftslage noch als positiv.
Die Gründe waren immer die gleichen: unverhältnismäßig hohe Energiekosten, drastisch steigende Löhne, anhaltende Inflation sowie eine wachsende Konjunkturflaute im Inland, zählte die IHK Mainz-Rheinhessen noch im Juni 2026 auf. Dazu der Zollkrieg mit den USA und der jüngste Iran-Krieg, der für sprunghaft gestiegene Rohstoffpreise sorgt – das Konjunkturklima fiel im Mai auf einen neuen Negativrekord von 81 Punkten.
Stimmung in der Wirtschaft hellt sich auf: Kein echter Aufschwung
Nun schöpft die Wirtschaft aber vorsichtig wieder Hoffnung: Die Stimmung bei den Unternehmen in der Region hat sich verbessert, der Konjunkturklimaindex der IHK für Rheinhessen stieg gegenüber dem Frühsommer um satte 17 Punkte auf nunmehr 98 Punkte. „Damit wird die Wachstumsschwelle von 100 Punkten erstmals seit Frühjahr 2025 fast wieder erreicht“, konstatiert die IHK erfreut, dennoch: Von einem breit getragenen Aufschwung könne auch weiter keine Rede sein.

„Die Richtung stimmt wieder – aber für einen echten Aufschwung müssen jetzt weitere wichtige Schritte schnell folgen“, betonte IHK-Präsident Marcus Walden: „Auch wenn die Unternehmen ihre derzeitige Lage wieder etwas optimistischer bewerten zeigen die Ergebnisse sehr deutlich, was den Standort weiterhin ausbremst: hohe Kosten und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die Investitionen und Wachstum hemmen.“ Vor allem hohe Energiepreise und Arbeitskosten belasteten die Unternehmen weiter und trübten den Blick in die Zukunft.
Immerhin: Während im Frühjahr bei den Unternehmen in Rheinhessen noch die negativen Lageeinschätzungen überwogen, wird die aktuelle Geschäftslage jetzt neutral bewertet: 30 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Lage jetzt als gut (im Frühjahr: 23 Prozent), 42 Prozent als befriedigend und 28 Prozent als schlecht. Die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate hellen sich ebenfalls auf, bleiben insgesamt aber pessimistisch: 18 Prozent der Unternehmen rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit besseren Geschäften – im Frühjahr waren das nur 11 Prozent.
IHK fordert Umsetzung von Reformen: Bund und Land in der Pflicht
57 Prozent rechnen jetzt mit einer gleichbleibenden Entwicklung und 25 Prozent mit einer Verschlechterung – im Frühjahr hatten noch 39 Prozent mit schlechteren Geschäften gerechnet. „Jetzt kommt es darauf an, die konjunkturelle Aufhellung in ein nachhaltiges Wachstum zu überführen“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede, und kritisierte: „Es fehlt nicht an Reformankündigungen, sondern an deren Umsetzung. Hier stehen Bund und Land gleichermaßen in der Pflicht.“

Als größte Geschäftsrisiken werden von 65 Prozent die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen genannt, gefolgt von Rohstoff- und Energiepreisen (64 Prozent) und die Arbeitskosten (53 Prozent). Auch die schwache Inlandsnachfrage bleibt für 51 Prozent ein Risiko. Entsprechend zurückhaltend sind die Unternehmen bei ihren Zukunftsplanungen: Nur 21 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionen erhöhen, 47 Prozent das Niveau halten und 32 Prozent weniger investieren. Und nur noch gut jedes siebte Unternehmen will in Kapazitätserweiterungen investieren, 22 Prozent Personal abbauen.
Zugpferde der positiven Entwicklung sind nach langer Zeit mal wieder Industrie und Dienstleistungen: In der Industrie steigt das Geschäftsklima deutlich auf 104 Punkte und damit wieder über die Wachstumsschwelle, entscheidend hier: die Exportquote, denn die liegt bei einem Anteil von 49 Prozent bei rheinhessischen Industriebetrieben. 32 Prozent meldeten zuletzt steigende Auslandsaufträge, diese 32 Prozent rechnen auch mit weiter steigenden, 55 Prozent mit stabilen und nur 13 Prozent mit sinkenden Exporten.
Auch die Dienstleistungswirtschaft liegt mit 102 Punkten wieder über der Wachstumsschwelle und erholt sich damit von ihrem Tief im Frühsommer deutlich. Ihre aktuelle Lage bewerten 32 Prozent der Dienstleistungsbetriebe als gut, 23 Prozent als schlecht. 20 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten bessere Geschäfte, 25 Prozent aber immer noch eine Verschlechterung. Im Handel bleibt die Situation dagegen angespannt: Für die kommenden zwölf Monate erwarten lediglich 11 Prozent eine Verbesserung, 33 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung.
Info& auf Mainz&: Im Rahmen der repräsentativen IHK-Konjunkturumfrage zum Herbst 2026 wurden insgesamt 701 Unternehmen aller Größen und Branchen in Rheinhessen befragt. Den vollständigen Konjunkturbericht findet Ihr hier im Internet.






