Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass die Stadt Mainz eine Anfrage des Discounter Aldi-Süd abgelehnt hatte, den Aldi-Markt in Mainz-Bretzenheim zu erweitern – und in den Obergeschossen Raum für Wohnungen oder auch eine Kita zu schaffen. Die Stadt lehnte den Vorschlag mit Verweis auf das Mainzer Zentrenkonzept ab – die CDU-Opposition will das Zentrenkonzept deshalb nun ändern. Am Mittwoch stellt die Fraktion im Mainzer Stadtrat einen Antrag, das Zentrenkonzept so anzupassen, dass es zukünftig möglich wird, Geschäfte des Lebensmitteleinzelhandels aufzustocken und so zusätzlichen Wohnraum in Mainz zu schaffen.

Aldi-Süd würde diesen Supermarkt in Mainz-Bretzenheim gerne neu bauen, erweitern und aufstocken - mit Wohnungen. - Foto: gik
Aldi-Süd würde diesen Supermarkt in Mainz-Bretzenheim gerne neu bauen, erweitern und aufstocken – mit Wohnungen. – Foto: gik

Aldi-Süd würde gerne den Discountmarkt an der Essenheimer Straße durch einen mehrgeschossigen Neubau ersetzen. Im  Erdgeschoss sollte eine modernere Aldi-Filiale entstehen, in den Obergeschossen könnten zwischen 60 und 80 Wohnungen, Büroraum oder beispielsweise auch eine Kita Platz finden, teilte Aldi Süd auf Mainz&-Anfrage mit. Das Problem dabei: Aldi wollte den Markt erweitern und dafür größer bauen, die Stadt Mainz lehnte die Anfrage aber mit Verweis auf das Mainzer Zentrenkonzept ab: Nach dem dürften Einzelhändler in den Stadtteilen maximal 800 Quadratmeter Fläche haben – und die habe der Aldimarkt bereits erreicht.

Die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) hatte daraufhin die Ablehnung der Verwaltung als unverständlich kritisiert: Aldi wolle ja nicht neu bauen, ein aufgestocktes Gebäude könne den dringend benötigten zusätzlichen Wohnraum schaffen sowie eine größere Kundenzufriedenheit – das sei eine Chance für beide Seiten. „Trotz Zentrenkonzept geht der Einzelhandel in den Innenstädten oder Stadtteilen ja zurück“, sagte Matz gegenüber Mainz&, „dann muss ich mir überlegen, ob das Zentrenkonzept noch das richtige Instrument ist.“

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Die CDU-Fraktion im Mainzer Stadtrat greift das nun auf: Die CDU finde die Idee der Aufstockung von Supermärkten für Wohnraum „ausgezeichnet, und fordert deswegen die Verwaltung in ihrem Antrag dazu auf, zu prüfen, an welchen Standorten solche Projekte zukünftig umgesetzt werden können“, sagte CDU-Fraktionschef Hannsgeorg Schönig. Man stelle deshalb den Antrag, das Zentrenkonzept anzupassen, weil dieses eine solche Bebauung derzeit noch ausschließe. „Wir halten das Zentrenkonzept nach wie vor grundsätzlich für richtig und wollen es auch beibehalten“, betonte Schönig. Allerdings müsse das bestehende Konzept „flexibel und besser als bisher an neue Entwicklungen angepasst werden.“

Die Mainzer Markthäuser  - hier stehen nach wie vor viele Läden leer. - Foto: gik
Das Zentrenkonzept soll den Einzelhandel in der Innenstadt schützen, trotzdem stehen hier weiter diverse Läden leer – wie hier in den Mainzer Markthäusern. – Foto: gik

Um dem Wohnraumangel in Mainz erfolgreich zu begegnen, erfordere es „innovative Lösungen“, sagte Schönig weiter. Ladenflächen mit Wohnbebauung oder Büroräumen zu ergänzen, stelle eine solch innovative Lösung dar. „Bereits versiegelte Flächen können so optimal genutzt werden“, sagte Schönig. Die Filialen lägen häufig an attraktiven Standorten, die großen Parkplätze könnten bei solchen Konzepten darüber hinaus intelligent genutzt werden.

Das Aufstocken von bereits bestehenden Gebäuden sei ohnehin sinnvoll, betonte der Fraktionschef weiter. In vielen Fällen könnten kleine Gebäude vergrößert und an die angrenzenden Gebäude angepasst werden – etwa am Münsterplatz. Dort sei es möglich, Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig das Stadtbild zu verbessern, sagte Schönig, es müsse aber darauf geachtet werden, dass die Bebauung nicht überdimensioniert werde.

Wie genau die Stadt das Zentrenkonzept ändern soll, legte die CDU in ihrem Antrag aber nicht vor. Die Stadt Mainz beruft sich beim Zentrenkonzept auf den Landesentwicklungsplan des Landes Rheinland-Pfalz. Dieser schreibt zwar vor, dass die Städte Zentrenkonzepte zum Schutz des Einzelhandels in den Innenstädten erstellen sollen – eine Größenordnung von maximal 800 Quadratmeter Fläche für Lebensmittelmärkte schreibt das LEP hingegen nicht vor. Das Zentrenkonzept weiter zu entwickeln, sei Aufgabe der Stadt, heißt es im rheinland-pfälzischen Innenministerium, wolle Mainz sein Zentrenkonzept ändern, müsse es einen Antrag bei der Planungsgemeinschaft stellen. Dass begründete Änderungswünsche abgelehnt würden, sei bislang nicht bekannt.

Info& auf Mainz&: Die Diskussion über das Zentrenkonzept ist alt und wird seit Jahren heftig geführt – einen Artikel dazu mit den verschiedenen Positionen findet Ihr hier bei Mainz&. Den Artikel über die Ablehnung der Aldi-Anfrage für einen aufgestockten Supermarkt lest Ihr hier bei Mainz&.

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