Hat die Kenia-Koalition quasi versehentlich das verbilligte 365-Euro-Schülerticket gekippt? Die Mainzer FDP brachte jetzt mit einer Anfrage im Mainzer Landtag einen brisanten Vorgang ans Tageslicht: Demnach wurden im Zuge der Haushaltaufstellung die Zuschüsse für das verbilligte Schülerticket einfach gestrichen – auf Tausende Familien in Mainz kommt jetzt eine hohe Belastung zu. Zuständig für die Zuschüsse: die SPD-Dezernenten – sie sollen heute im Stadtrat aufklären. Die Linke fordert, Familien dürften auf keinen Fall mehr belastet werden.

War das 365-Euro-Ticket am Ende nur heiße Luft? Ein Bus der Mainzer Mobilität mit Brennstoffzellentechnologie pries 2022 das 365-Euro-Ticket an. - Foto: Mainzer Mobilität
War das 365-Euro-Ticket am Ende nur heiße Luft? Ein Bus der Mainzer Mobilität mit Brennstoffzellentechnologie pries 2022 das 365-Euro-Ticket an. – Foto: Mainzer Mobilität

Das verbilligte Schülerticket zum Preis von 365 Euro war zum 1. September 2022 in Mainz eingeführt worden, Schuld daran war auch der Druck des Nachbarlandes Hessen: Dort gibt es nämlich bereits seit Anfang 2018 ein 365-Euro-Ticket, mit dem hessische Schüler das ganze Jahr über kreuz und quer im ganzen Bundesland den Nahverkehr nutzen können – und dabei ihre Familien sehr viel Geld sparen. Das Pikante dabei: Das Ticket galt und gilt auch für Schüler, die in Rheinland-Pfalz wohnen, doch die Ampel-Regierung in Rheinland-Pfalz lehnte regelmäßig die Einführung eines Schülertickets ab.

Die Mainzer CDU hingegen forderte wieder und wieder ein ebensolches Ticket, um Familien zu entlasten – Anfang 2022 kam es zumindest in Mainz dann doch: Die Biontech-Milliarden machten es möglich, der damalige Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) kündigte stolz gemeinsam mit der grünen Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) den Start des 365-Euro-Tickets auch für Schüler in Mainz an. In Hessen hatte das Ticket bereits rund 20 Prozent Schüler und Azubis mehr zum Umstieg auf Busse und Bahnen bewegt, das sollte jetzt auch in Mainz Schule machen.

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Strich der grüne Finanzdezernent Beck das Schülerticket?

Doch offenbar steht nun das Aus für das Schülerticket bevor: Zum kommenden Schuljahr 2026/2027 hat die Stadt Mainz die Förderung dieses Tickets gestrichen – das fand die Mainzer FDP beim Blick in den Haushalt heraus. Zuerst hatte darüber der Merkurist berichtet. „Das Geld für das 365-Euro-Ticket fehlt im neuen Haushalt“, sagte nun FDP-Fraktionschefin Susanne Glahn im Gespräch mit Mainz& – die bisher dafür vorgesehene Summe stehe im neuen Zahlenwerk der Stadt Mainz nicht mehr drin.

Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD) kam 2025 ins Amt und war bis Mitte Februar auch für das Schuldezernat zuständig. - Foto: gik
Sozialdezernentin Jana Schmöller (SPD) kam 2025 ins Amt und war bis Mitte Februar auch für das Schuldezernat zuständig. – Foto: gik

Zuständig für das Schülerticket ist der jeweilige Schulderzernent, bis Mitte Februar 2026 war das die Sozialdemokratin Jana Schmöller – sie stellte im Ratsinformationssystem nun auch einen „Zwischenstand“ auf die Anfrage der FDP ein. Darin heißt es aber lediglich, man werde die Fragen  in der Stadtratssitzung am 25. März beantworten – der Merkurist hatte zuvor noch aus einer Antwort der Stadtverwaltung zitiert, die am Dienstagabend aber verschwunden war. Weiß man im SPD-Schuldezernat selbst nicht, was da geschehen ist?

Die Grünen meldeten sich am Dienstag dazu zu Wort und forderten eine Lösung: „In vielen Familien ist die finanzielle Situation aktuell angespannt, die allgemeine Preissteigerung trifft sie hart“, sagte Grünen-Schulexperte Gunther Heinisch. Es brauche „eine Lösung, wie es trotz der Haushaltssituation der Stadt Mainz gelingen kann, die Familien nicht zusätzlich zu belasten.“ Doch bei der FDP vermuten sie: Es war der bisherige Finanzdezernent Günter Beck (Grüne), und damit ein Grüner, der die Förderung aus dem Haushalt strich.

FDP und Linke fordern: Familien entlasten, nicht belasten

Mainz musste Ende 2025 ein Millionen-Defizit im Haushalt ausgleichen, und das Schülerticket gehört zu den sogenannten „freiwilligen Leistungen“, die aus Sicht der Dienstaufsicht ADD nicht genehmigungsfähig sind. „Es wurde offenbar wegen des nicht ausgeglichenen Haushalts gestrichen, das war aber kein Teil des Einsparkonzeptes“, betont Glahn: „Der eigene grüne Finanzdezernent hat es ihnen offenbar gestrichen.“

Die FDP-Fraktionschefin im Mainzer Stadtrat, Susanne Glahn, kritisiert die Streichung der Zuschüsse für das 365-Euro-Schülerticket. - Foto: FDP Mainz
Die FDP-Fraktionschefin im Mainzer Stadtrat, Susanne Glahn, kritisiert die Streichung der Zuschüsse für das 365-Euro-Schülerticket. – Foto: FDP Mainz

Die zuständige SPD-Dezernentin aber merkte es entweder nicht – oder legte kein Veto ein. Betroffen seien davon rund 3.500 Haushalte in Mainz, ihnen droht jetzt die Verdoppelung der Kosten für das monatliche Busticket. Nach den Kalkulationen der FDP geht es dabei um einen Betrag von rund 1,3 Millionen Euro, also keine Kleinigkeit – Glahn fordert Aufklärung: „Diese Koalition muss sich mal ehrlich machen, hier hat mal wieder einer seine Hausaufgaben nicht gemacht.“

Die Linke zeigte sich entsetzt: „Drastisch erhöhte Spritpreise, rasante Mieterhöhungen, gestiegene Nebenkosten, verteuerter Zugang zu Kultur – und nun auch noch das“, schimpfte Linksfraktionschef Tupac Orellana: „Wo soll das enden?“ Die Abschaffung des subventionierten Schülertickets bedeute für rund 3.500 Familien eine Verdoppelung der Kosten: Statt 31 Euro müssen sie in Zukunft knapp 60 Euro im Monat zahlen.

Orellana verwies zudem darauf, dass die Einführung der Ganztagsförderung an den Grundschulen ebenfalls bis zu 350 Euro pro Kind im Monat kostet, und auch der Eigenanteil der Eltern am Kita-Essen sich erneut erhöhen werde. „Wir halten diese Politik auf Kosten von Familien für grundverkehrt und fordern eine Kehrtwende“, sagte Orellana – Familien bräuchten Entlastung, „und zwar jetzt!“

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