Gordon Schnieder ist neuer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Der Mainzer Landtag wählte am Montagmittag den 50 Jahre alten CDU-Politiker zum 10. Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz gewählt. Für Schnieder stimmten 63 Abgeordnete, die schwarz-rote Koalition hätte eigentlich 71 Stimmen gehabt. Damit übernimmt nach 35 Jahren wieder ein Christdemokrat die Regierungsverantwortung in dem Bundesland.

Der rheinland-pfälzische Landtag trat am Montag zu seiner konstituierenden Sitzung für die 19. Legislaturperiode zusammen. - Foto: gik
Der rheinland-pfälzische Landtag trat am Montag zu seiner konstituierenden Sitzung für die 19. Legislaturperiode zusammen. – Foto: gik

Die CDU hatte bei der Landtagswahl am 22. März 2026 mit 31 Prozent die Mehrheit geholt und lag damit gut fünf Prozentpunkte vor der bislang regierenden SPD von Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD). Der Pfälzer wird dem neuen Regierungskabinett nicht angehören, sondern fungiert künftig als Fraktionschef der SPD im Landtag, der mit der neuen Legislaturperiode 105 Abgeordnete aus vier Fraktionen hat.

Am Montag trat der 19. Landtag in der Geschichte von Rheinland-Pfalz zu seiner  konstituierenden Sitzung zusammen, das geschieht immer am 18. M ai, dem Verfassungstag von Rheinland-Pfalz. Die vornehmste Aufgabe in der ersten Sitzung: erst die Wahl des Landtagspräsidenten – und dann des Ministerpräsidenten. Einziger Kandidat: Gordon Schnieder, 50 Jahre, aus Birresborn in der Eifel, studierter Finanzwirt und Landeschef der CDU Rheinland-Pfalz.

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Schnieder mit allen Stimmen der Koalition gewählt

Es war genau um 12.34 Uhr, als der neue Landtagspräsident Matthias Lammert (CDU) das Ergebnis der Wahl verkündete: Von 105 abgegebenen Stimmen waren demnach 103 gültig – davon stimmten 63 mit Ja, 38 mit Nein und zwei Abgeordnete enthielten sich. Schnieder erhielt damit satte acht Stimmen weniger, als die neue Regierungskoalition Sitze im Landtag hat. Schnieder wurde im Anschluss vereidigt.

Zu den ersten Gratulanten gehörte Ex-Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD, rechts): Gordon Schnieder ist neuer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. - Foto: gik
Zu den ersten Gratulanten gehörte Ex-Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD, rechts): Gordon Schnieder ist neuer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. – Foto: gik

Schnieder wurde am 8. Juli 1975 in Trier geboren und wuchs in Birresborn in einer politischen Familie auf – sein Bruder ist Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU). Patrick Schnieder war es auch, der seinen jüngeren Bruder Gordon zum Eintritt in die CDU motivierte, das war im Jahr 1991, also  also just in jenem Jahr, in dem die CDU die Macht in Mainz krachend verlor. Drei Jahre zuvor hatte sich der bislang vorletzte CDU-Ministerpräsident Bernhard Vogel mit einem bitteren „Gott schütze Rheinland-Pfalz“ verabschiedet – nun tritt Schnieder dessen Erbe an.

Schneider machte Abitur in Gerolstein und studierte an der Fachhochschule für Finanzen in Nordrhein-Westfalen Finanzwirtschaft und Steuerrecht, arbeitet danach zunächst beim Finanzamt in Köln, bevor er 2002 nach Rheinland-Pfalz zurückkehrte. In der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm arbeitet Schnieder unter anderem als Kämmerer und Leiter der Kommunalaufsicht – wenn einer das Thema Kommunales und Finanzen von der Pike auf kennt, dann Gordon Schnieder. 2016 zog er erstmals direkt gewählt in den Mainzer Landtag ein und holte seither zwei Mal erneut das Mandat.

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Wer ist der neue Mann an der Spitze der Landesregierung?

Erst im März 2023 wurde Gordon Schnieder zum Fraktionschef der CDU im Mainzer Landtag, seit September 2024 ist er Landeschef, im November 2025 wurde er zum Spitzenkandidaten seiner Partei gekürt. Seine erste Landtagswahl gewann Schnieder mit Beharrlichkeit und hartnäckiger Strategie, einer klaren Orientierung an den Bedürfnissen des Landes und viel Nähe zur Basis – sowohl zu den Bürgern, als auch seiner eigenen Parteijugend: Es war die Junge Union, die als „Team Gordon Schnieder“ den Spirit zum Machtwechsel in Mainz entfachte.

Gordon Schnieder am Abend des 22. März 2026. - Foto: gik
Gordon Schnieder am Abend des 22. März 2026. – Foto: gik

Nun steht er vor der größten Herausforderung seines Lebens: Gemeinsam mit dem Wahlverlierer SPD eine funktionierende Regierung zu lenken. Im Anschluss an Schnieders Wahl erfolgte die Vereidigung, danach wurde die Sitzung des Landtags unterbrochen, damit der neue Ministerpräsident sein neues Kabinett ernennen kann. Mit der Vereidigung der neuen Minister wird die Sitzung danach fortgesetzt. Die Minister der SPD sind bekannte Gesichter – im Einzelnen lest Ihr das hier, die neuen CDU-Minister stellen wir Euch hier vor.

Zu Beginn der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags hatte der CDU-Politiker Christian Baldauf als Alterspräsident zur Verteidigung von Demokratie und Freiheit aufgerufen, und an die lange Geschichte von Rheinland-Pfalz als Ursprungsort der Demokratie erinnert – im Landtag von Rheinland-Pfalz hängt bis heute eine Originalfahne des Hambacher Festes von 1832.

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Baldauf: Täglich Nein sagen zu Lügen, Hass und Hetze

„Lassen Sie mich mit einem Appell schließen“, sagte Baldauf: „Dass wir uns immer wieder bewusst machen, wie frei wir heute leben bei allem, was wir als Zumutung, Belastung oder Unsicherheit empfinden. Wir leben in einer Gesellschaft, die historisch und global das höchste Maß an Freiheit und Wohlstand hat, die wir je erlebt haben. Die Demokratie hat die Verachtung, die ihr entgegen schlägt, nicht verdient. Jeder einzelne von uns hat die Aufgabe, achtsam zu sein gegen jeden Versuch, sie von innen auszuhöhlen.

Es geht darum, täglich Nein zu sagen zu Lügen, Hass und Hetze -und Ja zu Einigkeit, Recht und Freiheit. Möge dieses Parlament ein Ort sein, in dem Worte kein Instrument gegen die Wirklichkeit sind, sondern der engagierte Versuch, ihr gerecht zu werden. Ich wünsche allen Mut, vor allem aber ein tiefes, ehrliches Verantwortungsgefühl zum Besten des Landes.“ Am Nachmittag wird rund um den Mainzer Landtag das Verfassungsfest gefeiert, mehr Infos dazu hier auf Mainz&.

Info& auf Mainz&: Alles zur Landtagswahl und ihrem Ausgang mit Analysen, Ergebnissen und der Vorstellung der neuen Minister könnt Ihr hier in unserem großen Mainz&-Dossier nachlesen.