Das Kabinett des designierten Ministerpräsidenten Gordon Schnieder (CDU) ist komplett, nach der SPD am Montag stellte am Dienstag nun auch die CDU ihre künftige Regierungsmannschaft vor. Die größte Überraschung ist die neue Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig: Die 58-Jährige kommt aus Bayern. Der bisherige Landrat Achim Schwickert aus dem Westerwaldkreis wird neuer Innenminister. „Dieses Team ist bereit, wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen“, betonte Schnieder bei der Vorstellung in Mainz.

das sind die neuen Minister der CDU für Rheinland-Pfalz im Kabinett des designierten Ministerpräsidenten Gordon Schnieder (Mitte): Marcus Klein, Ute Eiling-Hütig, Achim Schwickert, Christine Schneider und Helmut Martin (von links). - Foto: gik
das sind die neuen Minister der CDU für Rheinland-Pfalz im Kabinett des designierten Ministerpräsidenten Gordon Schnieder (Mitte): Marcus Klein, Ute Eiling-Hütig, Achim Schwickert, Christine Schneider und Helmut Martin (von links). – Foto: gik

Die CDU war bei der Landtagswahl am 22. März 2026 mit 31 Prozentpunkten stärkste Kraft in Rheinland-Pfalz geworden, und löst am kommenden Montag nach 35 Jahren die SPD an der Macht ab. Dass die CDU so lange in der Opposition verharren mussten, hatte zu Spekulationen geführt, ob die Partei denn genügend geeignete Persönlichkeiten für eine Ministerriege haben würde – die Antwort am Dienstag lautete: Ja.

Zu Spekulationen hatte auch geführt, dass die Vorstellung des CDU-Teils der neuen Regierungsmannschaft verschoben werden musste, Fragen zu möglichen Absagen von Kandidaten besonders für das Bildungsministerium wich der designierte Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) am Dienstag aber aus. Mit der designierten Bildungsministerin sei er bereits „seit vielen Tagen im Gespräch“ und sehr froh, dass sie sich bereit erklärt habe, dieses Amt zu übernehmen, unterstrich Schnieder.

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CSU-Politikerin Ute Eiling-Hütig wird neue Bildungsministerin

Die Personalie ist die größte Überraschung im neuen Kabinett: Ute Eiling-Hütig kommt aus Bayern, und vertrat bislang den Landkreis Starnberg im bayrischen Landtag. Dort erwarb sich die 58-Jährige aber offenbar schnell eine guten Ruf als Bildungsexpertin: Eiling-Hütig sei seit 2013 direkt gewählte Abgeordnete, zudem bildungspolitische Sprecherin und Vorsitzende des Bildungsausschusses, sagte Schnieder bei der Vorstellung, und lobte: „Wir holen damit bewusst bildungspolitischer Erfahrung aus einem der erfolgreichsten Systeme in Deutschland.“ Eiling-Hütig bringe parlamentarische Erfahrung mit, ihr Kommen sei „ein großer Gewinn für Rheinland-Pfalz.

Aus dem bayrischen Landtag nach Mainz: Ute Eiling-Hütig wird neue Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz. - Foto: gik
Aus dem bayrischen Landtag nach Mainz: Ute Eiling-Hütig wird neue Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz. – Foto: gik

Eiling-Hütig sagte gegenüber Mainz&, sie komme wegen der spannenden Aufgabe nach Mainz – und stamme ursprünglich aus Dorsten in Westfalen. In Münster studierte sie Alte Geschichte, Klassische Archäologie und Mittlere Geschichte, promovierte zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte im antiken Ägypten und arbeitete von 2000 bis 2002 als Konferenzmanagerin im Bereich Controlling und Finanz- und Rechnungswesen beim Management Forum Starnberg.

Ab 2002 war Eiling-Hütig Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Strafrecht, Informationsrecht und Rechtsinformatik an der Universität München, ab 2008 persönliche Referentin der CSU-Landtagsabgeordneten Ursula Männle, deren Nachfolgerin im Landkreis Starnberg sie wurde. in Mainz hat sie nun die Mammutaufgabe vor sich, die Vorhaben der CDU in Sachen Bildungspolitik um zusetzen – ihr zur Seite steht dabei die bisherige bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion in Mainz, Jenny Groß, als neue Staatssekretärin.

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Westerwälder Landrat Schwickert wird Innenminister

Eine weitere Überraschung Schnieders: Neuer Innenminister wird der langjährige Landrat des Westerwaldkreises, Achim Schwickert, der auch seit 2022 Vorsitzender des Landkreistages Rheinland-Pfalz ist. Mit Schwickert holt sich Schnieder einen erfahrenen kommunalen Manager ins Kabinett, der enge Verbindungen zur kommunalen Ebene hat und gleichzeitig große Erfahrung auch im Bereich Katstrophenschutz.

Schwickert stehe für Verwaltungserfahrung und Erfahrung vor Ort, sagte Schnieder denn auch: „Wie kaum ein anderer weiß er, wo der Staat funktionieren muss, und wo er besser werden kann.“ Schwickert sei ein Mann „mit Bodenhaftung, klarem Blick für das Machbare und der Fähigkeit, Verwaltung wirklich zum Funktionieren zu bringen“, lobte Schnieder. Das gelte besonders für die Bereiche Katastrophenschutz und Verkehr, die Schwickert ebenfalls verantwortet, da seien „seine Erfahrungen von besonderem Wert.“

Der 63-Jährige studierte Jura in Mainz, arbeitete unter anderem als Richter in Koblenz und wechselte 1994 zur Kreisverwaltung des Westerwaldkreises, wo er 1999 in den Stadtrat einzog und 2009 schließlich Landrat wurde. Der bedächtige und erfahrene Kommunalmanager soll nun für Schnieder die Innen- und Migrationspolitik steuern, ihm zur Seite stehen zwei Staatssekretäre: Der Polizist Dirk Herber, bislang innenpolitischer Sprecher der CDU, für die Bereiche Inneres und Sicherheit, sowie Markus Wolf für die Bereiche Verkehr und Mobilität. Wolf war bisher schon Experte für den ÖPNV in der Landtagsfraktion.

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Christine Schneider übernimmt Umwelt, Landwirtschaft und Weinbau

Das neue Ministerium für Landwirtschaft, Weinbau und Umwelt übernimmt wie erwartet die EU-Abgeordnete Christine Schneider. Für den Bereich gebe es „keine bessere Ministerin“, betonte Schnieder bei der Vorstellung, die 53-Jährige gebürtige Landauerin war von 2001 bis 2019 Mitglied des Mainzer Landtags, und dort bereits Sprecherin für Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau und leitete zehn Jahre lang die entsprechenden Ausschüsse in Mainz. 2019 ging Schneider ins EU-Parlament, auch dort kümmerte sie sich um die Themen Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittelsicherheit.

Die designierte Ministerin für Landwirtschaft, Weinbau und Umwelt, Christine Schneider (Mitte) mit den designierten Staatssekretären Michael Mätzig und Kristina Brixius. - Foto: gik
Die designierte Ministerin für Landwirtschaft, Weinbau und Umwelt, Christine Schneider (Mitte) mit den designierten Staatssekretären Michael Mätzig und Kristina Brixius. – Foto: gik

„Es gibt wohl kaum jemanden im Land, der über so viele Erfahrung im Bereich Landwirtschaft verfügt“, betonte Schnieder: „Ich freue mich sehr, dass sie ihre Erfahrung einbringen will, und zurück nach Mainz kommt.“ Schneider selbst sagte, sie wolle die Umweltpolitik mit der Landwirtschaft versöhnen, es sei wichtig zu würdigen, was auch Landwirte jetzt schon für den Umweltschutz täten.

Ihr zur Seite steht künftig eine Newcomerin in der Landespolitik: Staatssekretärin wird die Unternehmensberaterin Kristina Brixius, die bei KPMG arbeitet. Die promovierte Physikerin führt gemeinsam mit ihrem Mann das Weingut Brixius in Maring-Noviand an der Mosel und ist Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion von Bernkastel-Wittlich. Gehandelt für den Posten war auch der Wormser CDU-Bundestagsabgeordnete Jan Metzler, der sich aber ebenso wie CDU-Generalsekretär Jo Steiniger entschied, in Berlin zu bleiben. zweiter Staatssekretär in dem neuen haus wird Michael Mätzig, Geschäftsführer des Städtetags Rheinland-Pfalz.

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Justiz an Helmut Martin, Schlüsselstellung für Marcus Klein

Das Justizministerium wiederum übernimmt der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU, Helmut Martin. Der Bad Kreuznacher gehört zum engsten Kreis um Gordon Schnieder, der lobte Martin als erfahrenen Juristen und Vorsitzenden des Rechtsausschusses, und betonte: „Uns verbindet eine langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit.“ Martin verantwortet künftig auch den Verbraucherschutz, seine Staatssekretärin wird die bisherige Präsidentin des Landgerichts Landau, Anja Schrauth – sie bringe „höchste fachliche Kompetenz mit“, lobte Schnieder. Für das Ressort war auch Christian Baldauf gehandelt worden – er wird nun Chef von Lotto Rheinland-Pfalz.

Die Regierungsmannschaft des designierten Ministerpräsidenten Gordon Schnieder (CDU, ganz links) mit den künftigen Ministern und Staatssekretären. - Foto: gik
Die Regierungsmannschaft des designierten Ministerpräsidenten Gordon Schnieder (CDU, ganz links) mit den künftigen Ministern und Staatssekretären. – Foto: gik

Eine absolute Schlüsselstellung erhält künftig Marcus Klein, bisheriger Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion und enger Begleiter Schnieders. Klein wird nicht nur Chef der Staatskanzlei, sondern auch Minister des in der Staatskanzlei angesiedelten Ministeriums für Bundes und Europaangelegenheiten, Medien, Ehrenamt und Sport. Der Volljurist und ehemalige Beamte sei „die letzten Jahre die Stütze der guten Arbeit gewesen, die wir in der Fraktion machen konnten“, betonte Schnieder, und ergänzte: „Lieber Marcus, ich freue mich ganz besonders, Dich auch künftig eng an meiner Seite zu wissen.“

Der gebürtige Kaiserslauterer studierte Jura im Saarland und arbeitet dort zunächst im Umweltministerium, bevor er das Büro des Saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller leitete – Klein bringt damit Erfahrung in Sachen Regierungsmanagement mit. 2011 zog er in den Mainzer Landtag ein, war unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zur Flutkatastrophe im Ahrtal und seit Ende 20254 Parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion.

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Thorsten Welling für Medienpolitik, Lammert als Landtagspräsident

Auch Klein erhält zur Unterstützung einen Staatssekretär: Der Koblenzer Thorsten Welling, seit 2021 direkt gewählter Landtagsabgeordneter der CDU im Wahlkreis Mayen, soll künftig die Bereiche Medien und Ehrenamt betreuen. Der 41 Jahre alte Diplom-Volkswirt wird damit für den wichtigen Bereich der Medienpolitik der Länder mit der Koordinierung der Rundfunkkommission zuständig und löst damit die bisherige SPD-Staatssekretärin Heike Raab ab.

Als stärkste Fraktion im Landtag stellt die CDU zudem künftig den Landtagspräsidenten, nominiert wurde dafür am Dienstag der langjährige Landtagsabgeordnete Matthias Lammert. Neuer CDU-Fraktionschef im Mainzer Landtag wird der bisherige gesundheitspolitische Sprecher Christoph Gensch, neuer Parlamentarischer Geschäftsführer Denis Junk.

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ADD-Präsident Thomas Linnertz wird abgelöst

Einen Wechsel gibt es zudem bei der wichtigen Dienstaufsicht ADD sowie den Struktur- und Genehmigungsdirektionen (SGD), den Verwaltungseinheiten im Norden und Süden des Landes. Neuer Chef der ADD in Trier wird Andreas Kruppert, bisher Landrat des Eifelkreises, er löst damit den seit der Flutkatastrophe im Ahrtal höchst umstrittenen Thomas Linnertz ab.

Chef der SGD Nord wird der Wittlicher Bürgermeister Joachim Rodenkirch, Vize-Präsident der SGD Süd wird der Landauer Landtagsabgeordnete Sven Koch. Schnieder betonte, die CDU habe damit „ein Team zusammengestellt, dass Erfahrung und neuen Schwung verbindet und Rheinland-Pfalz in seiner ganzen Erfahrung abbildet.“ Die CDU wolle „Rheinland-Pfalz an möglichst vielen Stellen nach vorne bringen“, dafür brauche es „ein schlagkräftiges Team auf allen Ebenen.“

Ins Amt kommt die neue Regierung am kommenden Montag, dem 18. Mai, wenn  sich der neue Landtag in Mainz konstituiert. In dieser ersten Sitzung steht die Wahl des neuen Ministerpräsidenten auf der Tagesordnung, der anschließend seine Minister und die Staatssekretäre ernennt. Die SPD stellt in der neuen Regierung ebenfalls fünf Minister und Ministerinnen, die bereist am Montag vorgestellt wurden.

Info& auf Mainz&: Weitere Fotos folgen! Alles zu den SPD-Ministern im künftigen Kabinett von Gordon Schnieder lest Ihr hier bei Mainz&:

UPDATE& — SPD-Minister für Regierung in Mainz: Ebling und Ahnen bleiben – Schweitzer setzt auf altes Personal, kein Neuer im Kabinett