Die gesperrte Autobahnabfahrt der Autobahn A643 bei Mainz-Mombach sorgt weiter für viel Unmut in Mainz, gerade verabschiedete der Mainzer Stadtrat sogar eine Resolution, mit der man die schnelle Wiederöffnung der Rampe forderte. Die wird es nicht geben, stattdessen teilte der Bund nun eine andere Lösung mit: Man wolle die Vorlandbrücke der A643 vom übrigen Planungsverfahren abtrennen und als Vorzugslösung zeitnah neu bauen, das teilte nun Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) mit. Wann die neue Brücke stehen könnte, ist aber noch unklar.

Die Vorlandbrücke der A643 mit der inzwischen gesperrten Abfahrtsrampe bei Mainz-Mombach (vorne). - Foto: Autobahn GmbH
Die Vorlandbrücke der A643 mit der inzwischen gesperrten Abfahrtsrampe bei Mainz-Mombach (vorne). – Foto: Autobahn GmbH

Im Oktober 2025 sperrte die für die Autobahnen zuständige Autobahn GmbH des Bundes überraschend die Abfahrtsrampe an der A643 von Wiesbaden kommend nach Mainz-Mombach komplett für den Verkehr. Zuvor war ein halbjährlicher Versuch gescheitert, die Abfahrtsrampe nur für Lkw zu sperren, für Autos aber offen zu halten – zu viele Lkws hatten das Fahrverbot einfach mal ignoriert. Weil bauliche Maßnahmen auch nach intensiver Prüfung nicht möglich waren, blieb der Autobahn GmbH nichts anderes übrig, als die Abfahrt komplett zu sperren.

Denn: Die statischen Schäden an dem Bauwerk aus den 1960er Jahren waren zu groß, es bestehe ein „enormes Sicherheitsrisiko“, betonte die Autobahn GmbH wieder und wieder – in Mainz wollte man das nicht hören: Ende Juni beschloss der Mainzer Stadtrat noch eine Resolution, in der man die schnelle Wiederöffnung der Abfahrtsrampe forderte. Was der Stadtrat geflissentlich ignorierte: Die Rampe sei so beschädigt, dass es eine Öffnung nur mit einer neuen Vorlandbrücke geben werde, erklärte die Autobahn GmbH explizit.

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Neubau von Vorlandbrücke und A643 jahrelang aus Mainz blockiert

Doch genau diesen Neubau der Vorlandbrücke hatte das Bündnis „Nix in den Mainzer Sand setzen“ seit mehr als zehn Jahren blockiert – allen voran Grüne und SPD, aber auch der Mainzer Stadtvorstand, der sich mit den Forderungen des Bündnisses gemein machte. Denn: Das Bündnis und die Mainzer Stadtpolitik bekämpfen auch weiter vehement den Ausbau von Autobahn und Vorlandbrücke auf sechs Spuren, dabei zählt die neue Schiersteiner Brücke über den Rhein sechs Spuren – und eine Vereinbarung zwischen den Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz lautet auf, richtig: einen sechsspurigen Ausbau.

Die Vorlandbrücke der A643 im Anschluss an die Schiersteiner Brücke ist bereits seit Jahren marode, nun steht das Bauwerk offenbar kurz vor dem Aus - und soll prioritär neu gebaut werden. - Foto: gik
Die Vorlandbrücke der A643 im Anschluss an die Schiersteiner Brücke ist bereits seit Jahren marode, nun steht das Bauwerk offenbar kurz vor dem Aus – und soll prioritär neu gebaut werden. – Foto: gik

Verkehrsplaner und Verkehrsexperten betonen seit Jahren, die sechs Spuren seien unbedingt notwendig, weil sich der Verkehr zwischen Mainz und Wiesbaden – vor allem aufgrund der deutlich gestiegenen Pendlerzahlen – vervielfacht haben: Über die Schiersteiner Brücke rollen heute pro Tag mehr als 90.000 Fahrzeuge –  für 20.000 Fahrzeuge war die Brücke einst zwischen 1959 und 1962 gebaut worden, damals mit zwei Spuren pro Fahrtrichtung.

Die vehemente politische Blockade aus Mainz stoppte immer wieder den Fortgang der Planungen für einen sechsspurigen Ausbau, den der Bund eigentlich 2015 per Dekret verfügt hatte. Weil man in Mainz bis heute auf einer 4+2-Lösung besteht, scheute der Bund den Konflikt, zumal das Planfeststellungsverfahren in Mainz durchgeführt werden muss – und in der Landesregierung blockierten die Grünen den Fortgang. Nun hat die Regierung in Berlin wie in Mainz gewechselt, die Vorlandbrücke ist gefährlich marode – und der Bund will nun Nägel mit Köpfen machen.

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Vorlandbrücke soll nun als Ersatzneubau schnell realisiert werden

Der Bund wolle den Neubau der Vorlandbrücke „zeitnah“ realisieren, kündigte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), Bruder des Mainzer Ministerpräsidenten, am Donnerstag an, und betonte: „Wir sorgen für ein Comeback der Infrastruktur!“ Eine leistungsfähige, sichere und moderne Verkehrsinfrastruktur sei für den Wirtschaftsstandort Deutschland von zentraler Bedeutung, Deutschland brauche mehr Tempo bei Verkehrsprojekten, „gerade bei den Brücken“, betonte Schnieder, und kündigte an: „Das werden wir jetzt an der A643 zeigen.“

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im März 2026 im Interview mit der Internetzeitung Mainz& in Mainz. - Foto: gik
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) im März 2026 im Interview mit der Internetzeitung Mainz& in Mainz. – Foto: gik

Möglich werden soll das durch ein Abtrennen des Baus der Vorlandbrücke von dem übrigen Planungsverfahren für den Autobahnausbau der A643. Die marode Vorlandbrücke soll nun als Ersatzneubau geplant werden, damit kann die Autobahn GmbH sie aus dem laufenden Baurechtsverfahren herauslösen und baulich vorziehen, erklärte Michael Güntner, Chef der der Autobahn GmbH. „Dies ist ein wichtiger Baustein für eine leistungsfähige und moderne Verkehrsinfrastruktur in der Region rund um Mainz, und dafür danke ich allen, die zu dieser Lösung beigetragen haben“, sagte Güntner.

Schnieder erklärte, sein Haus habe gemeinsam mit der Autobahn GmbH „alle Möglichkeiten geprüft, um die Vorlandbrücke Mainz-Mombach zeitnah zu erneuern“ – das kam dabei heraus: „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, uns im Planfeststellungsverfahren auf die Brücke zu konzentrieren. Damit rückt die bauliche Umsetzung dieses wichtigen Vorhabens nun deutlich näher.“ Damit ist aber auch klar: Eine einfache Wiederöffnung der Abfahrtsrampe in Mainz-Mombach wird es definitiv nicht geben – genau so, wie es die Autobahn GmbH seit Oktober 2025 betont, und diese Zeitung wiederholt geschrieben hat.

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Ausbau von A643 weiter mit 6 Spuren aber geringerer Fläche geplant

Gleichzeitig kündigten Bund und Autobahn GmbH an, die Planungen für den Ausbau der A643 im weiteren Verlauf Richtung Mainz-Gonsenheim ebenfalls zu stellen – und zwar für einen 6-spurigen Ausbau. Das bisher schon laufende Baurechtsverfahren habe bisher „aufgrund von Einsprüchen noch nicht abgeschlossen werden“ können, hieß es am Donnerstag weiter, deswegen werde man sich zunächst auf „den regelgerechten Ausbau der Vorlandbrücke konzentrieren und mit einer kürzeren Brücke Eingriffe in das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) vermeiden.

Engere Fahrspuren, Mini-Mittelstreifen: So könnte der sechsspurige Ausbau der A643 aussehen - die Pläne entwickelte der Landesbetrieb Mobilität schon vor zehn Jahren. - Grafik: LBM RLP
Engere Fahrspuren, Mini-Mittelstreifen: So könnte der sechsspurige Ausbau der A643 aussehen – die Pläne entwickelte der Landesbetrieb Mobilität schon vor zehn Jahren. – Grafik: LBM RLP

Dazu brauche man auch keine Zustimmung der EU-Kommission mehr – die hatte im August 2025 einen sechsspurigen Ausbau der A643 durch das Naturschutzgebiet „Mainzer Sand“ abgelehnt, und damit erneut einen schnellen Neubau auch der maroden Vorlandbrücke verzögert. Der Mainzer Bundestagsabgeordnete Daniel Baldy (SPD) begrüßte am Donnerstag prompt den priorisierten Neubau der Vorlandbrücke als „gute Lösung“ – und betonte gleichzeitig, den sechsspurigen Ausbau lehne er weiter ab: „Für den weiteren Abschnitt bleibt der Schutz des Mainzer Sands und die 4+2-Lösung mein Ziel.“

Die Autobahn GmbH des Bundes werde nun „eine optimierte Lösung“ mit einem geringeren Flächenbedarf im FFH-Gebiet erarbeiten, hieß es am Donnerstag vom Bund – das hatte die Autobahn GmbH schon mehrfach angekündigt: Die Lösung könnten drei engere Fahrspuren und ein deutlich kleinerer Mittelstreifen sein, so dass die neue Autobahn nicht mehr Platz wegnimmt, als die alte. Zudem würden „die von der EU-Kommission geforderte Vermeidung von Beeinträchtigungen geschützter Lebensraumtypen einfließen, sodass anschließend die Planung auch für diesen Ausbauabschnitt fortgesetzt werden kann“, betonte die Autobahn GmbH.

Und: Der Bund will dann ebenfalls „zeitnah“ auch den Ausbau des Mainzer Rings vom Autobahndreieck Mainz-Gonsenheim bis zum Autobahnkreuz Mainz-Süd in Angriff nehmen – auch der „verkehrsgerechte und leistungsfähige Ausbau“ der A60 wird dann wohl einen Ausbau auf sechs Spuren bedeuten.

Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht über die marode Vorlandbrücke der A643, und warum die Autobahn GmbH die Abfahrt Mainz-Mombach eben nicht wieder öffnen kann, könnt Ihr noch einmal hier bei Mainz& nachlesen:

„Enormes Sicherheitsrisiko“: Sperrung der Ausfahrt der A643 nach Mainz-Mombach bleibt – „Konnten Lkw-Verkehr nicht unterbinden“