Auf der Suche nach Geld für den Bundeshaushalt greift die Bunderegierung nun zu einem alten Kniff: Sie hebt die Steuern auf Tabak und Alkohol an. Die gute Nachricht für Winzer und Bierbrauer in Mainz und anderswo: Bier und Wein sind außen vor. Der Haken: Sekt ist es nicht – der prickelnde Genuss soll künftig 20 Prozent teurer werden. Scharfe Kritik daran kommt vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau: Das sei „weder klug, nicht notwendig“ – und ein Griff in die ganz alte Trickkiste aus der Zeit Kaiser Wilhelms II.

Sekt gilt vielen Deutschen als DAS Getränke für besondere Gelegenheiten wie Feiern oder Silvester. - Foto: gik
Sekt gilt vielen Deutschen als DAS Getränke für besondere Gelegenheiten wie Feiern oder Silvester. – Foto: gik

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat ein enormes Problem: Am Montag legte der oberste Lenker des Bundeshaushalts ein neues Zahlenwerk vor. Bei 555,4 Milliarden Euro Gesamtvolumen will Klingbeil dabei 118,7 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen, inklusive Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur sollen es sogar mehr als 203 Milliarden Euro sein. Doch nicht einmal das reicht, die Löcher im Bundeshaushalt zu stopfen: Gleichzeitig will der Bund auch noch Steuern auf Genussmittel erhöhen – auf Tabak und Alkohol.

So soll die Tabaksteuer steigen, eine Zuckersteuer für Softdrinks kommen – und eine Anhebung der Alkoholsteuer. Die trifft vor allem harte Drinks wie Schnaps und Mixed Drinks, zur allgemeinen Erleichterung der Winzer sind Wein und Bier davon jedoch nicht betroffen. Ein 124 Jahre altes Relikt aber sehr wohl: Auch die Sektsteuer soll um 20 Prozent steigen.

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Schaumweinsteuer: Erfunden zur Finanzierung der kaiserlichen Flotte

Die Sektsteuer, die eigentlich Schaumweinsteuer heißt, ist ein Kuriosum im deutschen Finanzsystem, denn ins Leben gerufen wurde sie tatsächlich von Kaiser Wilhellm II. – der Kaiser brauchte die Einnahmen zur Finanzierung seiner Hochseeflotte. Das funktionierte nur sehr eingeschränkt, doch abgeschafft wurde die Steuer nie wieder: 1933 wurde sie als Maßnahme zur Überwindung der Wirtschaftskrise auf Null gesenkt, weiß das Internetlexikon Wikipedia, doch 1939 aktivierten die Nationalsozialisten sie wieder – zur Finanzierung der U-Boot-Flotte.

Rosésekte in der Abfüllanlage bei der Winzergenossenschaft in Sprendlingen. - Foto: gik
Rosésekte in der Abfüllanlage bei der Winzergenossenschaft in Sprendlingen. – Foto: gik

Nach dem zweiten Weltkrieg galt sie einfach weiter, in den 1960er Jahren nannte man zur Begründung „die Beseitigung der Kriegsschäden und der Wiederaufbau des Landes“. Und bis heute zahlen die Verbraucher für jede Flasche Sekt, Champagner oder Schaumwein eine Abgabe an den Staat: Bei einem Produkt mit mehr als 6 Prozent Alkoholgehalt sind es 1,02 Euro pro Liter, bei geringerem Alkoholgehalt 0,38 Euro, auch für „Zwischenerzeugnisse“ werden Abgaben fällig, wie der Zoll erklärt.

Die Idee ist eigentlich sogar folgerichtig, sind die Deutschen doch Weltmeister im Konsum von Sekt: Rund 320 Millionen Liter wurden im Jahr 2019 in Deutschland konsumiert, das war Rekord. 3,5 Liter oder knapp fünf Sektflaschen trinkt jeder Deutsche über 16 Jahren pro Kopf pro Jahr, wie das Deutsche Weininstitut berichtet – damit ist der Sektkonsum in Deutschland im Gegensatz zum Wein weitgehend stabil geblieben. Anders sieht es hingegen bei den Absatzzahlen aus: Die sanken 2025 beim Schaumwein auf rund 281,5 Millionen Liter, das brachte dem Bund noch Steuereinnahmen in Höhe von 325,7 Millionen Euro, heißt es beim Statistischen Bundesamt.

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Weber: „Wirtschaftspolitischer Fehlgriff“ in angespanntem Markt

Nun also greift auch Lars Klingbeil in die alte Trickkiste der Schaumweinsteuer, das bringt indes Weinbauvertreter auf die Palme: „Diese Steuererhöhung ist weder klug noch notwendig, sie ist ein wirtschaftspolitischer Fehlgriff“, schimpfte Marco Weber, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, und Ex-FDP-Landtagsabgeordneter. Klingbeil rechne mit 455 Millionen Euro Mehreinnahmen durch die höheren Verbrauchsteuern insgesamt, doch das könne ein Trugschluss sein, warnt Weber: Höhere Steuern bedeuteten nicht automatisch höhere Einnahmen.

Sektflaschen des traditionellen Sektherstellers Flik in einem Kühler: Hochgenuss und Tradition. - Foto: gik
Sektflaschen des traditionellen Sektherstellers Flik in einem Kühler: Hochgenuss und Tradition. – Foto: gik

„Wenn Produkte teurer werden, sinkt in der Regel die Nachfrage – gerade in einem Markt, der ohnehin angespannt und preissensibel ist“, kritisiert Weber in einem Facebook-Beitrag – und überhaupt komme der Vorschlag zur Unzeit. Die deutsche Wein- und Sektwirtschaft „steht bereits massiv unter Druck: sinkender Konsum, rückläufige Absatzmengen, hohe Produktionskosten, inflationsbedingte Kaufzurückhaltung und ein harter Wettbewerb prägen den Markt“, sagt Weber.

„Wer in dieser Lage die Steuerlast weiter erhöht, schwächt nicht nur einzelne Betriebe, sondern ganze regionale Wertschöpfungsketten“, schimpfte der Bauernpräsident weiter: „Denn die Weinwirtschaft besteht nicht nur aus Erzeugern, an ihr hängen Zulieferer, Handel, Gastronomie, Tourismus, Arbeitsplätze und Investitionen in vielen ländlichen Regionen.“ Klingbeil stelle hier „kurzfristige Einnahmewünsche über die langfristige Stabilität einer ganzen Branche“ – das könne nach hinten losgehen.

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Sparkling Report der ProWein: Sekt stärkste Wachstumsbranche

Tatsächlich hatte gerade die weltgrößte Weinmesse ProWein in Düsseldorf in ihrem ersten Report zum Schaumweinmarkt das Loblied auf dieses Segment gesungen – denn Champagner, Sekt & Co trotzten im Gegensatz zum Weinabsatz der Krise „und bleiben auf Wachstumskurs“, heißt es dort: „Trotz veränderter Konsumgewohnheiten, wirtschaftlicher Unsicherheiten und eines rückläufigen Weinkonsums zeigt sich die Kategorie deutlich widerstandsfähiger als viele andere Weinsegmente.“

Weltweit steige zudem „die Nachfrage nach hochwertigen, Terroir geprägten Schaumweinen“, also genau den Sekten, wie sie deutsche Winzer herstellen. Einziges Trostpflaster: Der stärkste Wachstumsmarkt bei Schaumweinen ist die Sparte der alkoholfreien Schaumweine, diese zähle aktuell „zu den am schnellsten wachsenden Kategorien innerhalb der Weinbranche“, konstatiert die Studie. Allein in Deutschland seien zuletzt mehr als 22 Millionen Flaschen alkoholfreier Schaumweine verkauft worden – Marktforscher erwarteten für die kommenden Jahre zweistellige Wachstumsraten.

Info& auf Mainz&: Den ganzen Sparkling Report der ProWein findet Ihr hier im Internet, die Geschichte des deutschen Winzersekts, und was ihn so besonders macht, haben wir hier auf Mainz& erzählt – sein Mit-„Erfinder“ kommt nämlich aus Mainz:

„Brüder, kommt, ich trinke Sterne!“ – Zu Silvester Winzersekt genießen