Am heutigen Mittwoch berät der Finanzausschuss der Stadt Mainz über den Haushalt für das Jahr 2027, und der kommt mit einer deftigen Streichliste daher. Ein Posten darauf: Die Absage der Mainzer Minipressenmesse für das Jahr 2027. Doch dagegen regt sich nun Protest, der langjährige Leiter Jürgen Kipp befürchtet gar, die beliebte Messe für Kleinverlage könne „still und leise“ gänzlich verschwinden. Eine Petition fordert nun den Erhalt der Messe und eine Zukunftsgarantie – schließlich nenne sich Mainz „Gutenberg-Stadt“.

Die Minipressen-Messe fand lange in großen Zelten am Mainzer Rheinufer statt. - Foto: gik
Die Minipressen-Messe fand lange in großen Zelten am Mainzer Rheinufer statt. – Foto: gik

Die Mainzer Minipressen-Messe gilt als das „Mekka der Kleinverlage“, 1970 wurde sie nach dem Vorbild der Arbeit des Verlegers und Autors Victor Otto Stomps ins Leben gerufen. Stomps gilt als Vater der Kleinverlage und Minipressen, mit seinen diversen Gründungen kämpfte er gegen die Dominanz der Riesenauflage. Die Mainzer Minipressen-Messe galt als älteste Messe für Kleinverlage, auf ihre mehr als 55 Jahre währende Tradition war man in Mainz ausgesprochen stolz – zumindest bisher.

Denn: Die für das Jahr 2027 geplante 28. Auflage der Messe soll nach dem Willen der Stadt Mainz gestrichen werden. „Aufgrund der derzeitigen Haushaltssituation der Stadt Mainz sind alle Bereiche der Stadtverwaltung mit Sparmaßnahmen konfrontiert“, heißt es zur Begründung von Seiten der Stadt. Die Verhandlungen über die Maßnahmen zur Konsolidierung des Haushaltes hätten „im Zusammenspiel mit organisatorischen Gründen ergeben, dass die Mainzer Minipressen-Messe im kommenden Jahr pausieren muss.“ Der V. O. Stomps-Preis sei davon aber nicht betroffen, er werde auch 2027 vergeben.

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Ex-Leiter Kipp befürchtet dauerhaftes Aus für die Messe

40.000 Euro will die Stadt Mainz mit der Absage der Messe einsparen, so steht es in einer Konsolidierungsliste für die Haushaltsberatungen, die Mainz& vorliegt. Der Betrag soll helfen, das Haushaltsdefizit von rund 275 Millionen Euro auf 233 Millionen Euro zu drücken – damit reißt die Stadt aber noch immer die erlaubte Grenze für eine Neuverschuldung. Und nun kommt an der Absage der Messe auch noch deutliche Kritik.

Das neue Zuhause der Minipressen-Messe wurde die Mainzer Rheingoldhalle. - Foto: Stadt Mainz
Das neue Zuhause der Minipressen-Messe wurde die Mainzer Rheingoldhalle. – Foto: Stadt Mainz

„Viele von Euch haben mitbekommen, dass ich vor einigen Monaten – nach 51 Arbeitsjahren – in den Ruhestand gegangen bin“, reagierte nun der langjährige Leiter und Organisator der Messe, Jürgen Kipp, in einem Beitrag auf Facebook, und zeigt sich entsetzt: „Dabei bin ich fest davon ausgegangen, dass die Mainzer Minipressen-Messe, der ich mehr als vier Jahrzehnte vorstehen durfte, selbstverständlich weitergeführt würde. Leider sieht es derzeit nicht danach aus.“

Kipp befürchtet, dass die Absage der Messe 2027 keine einmalige Sache sein könnte: Er kenne zwar die Pläne der Stadtverwaltung nicht, „ich befürchte jedoch, dass die Messe und damit ein wichtiger Teil der Mainzer Buch- und Druckkultur still und leise verschwinden könnte“, schreibt er weiter. Tatsächlich wurde Mainz während der Messe regelmäßig zum Mekka der Kleinverlagsszene, 2023 trafen sich etwa mehr als 220 Aussteller aus zehn Ländern in Mainz und hatten rund 5.000 Titel und 1.000 Neuerscheinungen im Gepäck. Dazu gab es 30 Kultur- und Fachveranstaltungen, dazu mehr als 100 Lesungen.

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Online-Petition fordert Zukunftsgarantie für Minipressen-Messe

In seinen mehr als 40 Jahren Arbeit bei der Stadtverwaltung Mainz habe er indes gelernt, dass der städtische Haushalt „auch schon schwierigere Zeiten erlebt hat und deutlich höher verschuldet war“, merkt Kipp an: „Trotzdem haben die Verantwortlichen immer wieder dafür gesorgt, dass die Minipressen-Messe stattfinden konnte“ – Kipp sieht dieses Engagement jetzt offenbar nicht mehr gegeben.

Eine Online-Petition fordert nun, die Minipressen-Messe zu erhalten und für die Zukunft zu sichern.- Grafik: Petition, Screenshot: gik
Eine Online-Petition fordert nun, die Minipressen-Messe zu erhalten und für die Zukunft zu sichern.- Grafik: Petition, Screenshot: gik

Inzwischen hat eine Mainzerin nun auch eine Online-Petition im Internet gestartet, die ebenfalls den Erhalt der Messe fordert. „Die Mainzer Minipressen-Messe ist nicht irgendeine Messe“, heißt es dort: „Sie ist seit 1970 die größte europäische Buchmesse für Kleinverlage, Handpressen, Buchkünstler und Selfpublisher. Sie trägt das Gutenberg-Erbe unserer Stadt in die Welt. Ihr Motto „Eine Messe ohne Zensur“ ist heute wichtiger denn je.“

Mainz nenne sich Gutenberg-Stadt, werbe mit Druckkunst und Buchkultur – „und streicht dann genau die Veranstaltung, die diese Kultur lebendig hält, mit 5.000-10.000 Besuchern alle zwei Jahre“, klagt die Verfasserin Maria LJ Hirschmann: „Für mich gehört die Minipressenmesse zu einem der wichtigsten Kulturgüter der Stadt Mainz, sie verbindet europäische Kleinverlage , Künstler*innen und Interessierte. Diese Messe ist einzigartig und unverzichtbar und sollte Stolz der GUTENBERG-Stadt sein und bleiben!“

Die Petition richtet sich an Oberbürgermeister Nino Haase, sie fordert, die Durchführung der Messe 2027 zu sichern – notfalls durch alternative Finanzierungsmodelle mit Land (Kultursommer RLP), Börsenverein und Sponsoren – und die tatsächlichen Kosten der Messe offenzulegen. Zudem fordert man eine Zukunftsgarantie: Die Minipressen-Messe müsse als „unverzichtbare Kulturveranstaltung in den städtischen Haushalt, damit sie nicht bei jeder Sparrunde wackelt.“ Denn, so heißt es abschließend: „Wer die Mainzer Minipressen-Messe streicht, streicht ein Stück Mainzer Identität.“

Info& auf Mainz&: Mehr zur Minipressen-Messe und ihrer Geschichte findet Ihr auch hier bei der Stadt Mainz im Internet.