UPDATE&:Die Geschichte um das 20. Mainzer Oktoberfest wird immer mehr zu einem Krimi, und jetzt kommt es ganze dicke: Am Mittwoch präsentierte der Veranstalter Karl Strack gemeinsam mit DEHOGA-Präsident Gereon Haumann die Genehmigung der Stadt Mainz zur Durchführung des Festes – und zwar im Einklang mit der Stadt Mainz. Vertreten war die durch Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz und Ordnungsdezernent Karsten Lange (beide CDU). Baudezernent Ludwig Holle (CDU) stand derweil vor der Tür, die Pressestelle verschickte Mitteilungen, genehmigen könne da Fest nur der Baudezernent – da war der Stempel längst da. Nach Mainz&-Informationen gab es eine Intervention von ganz oben.

Drei Wochen lang hatten Stadt Mainz und die Mainzer Messegesellschaft (MMG) um die Ausrichtung des Mainzer Oktoberfestes gerungen – das 20. Jubiläumsfestival hätte eigentlich vom 08. bis zum 25. Oktober auf dem Messegelände in Mainz stattfinden sollen. Doch am 25. September, zwei Wochen vor dem Start, zog die Stadt Mainz auf einmal die Reißleine: Das Fest sei nicht genehmigungsfähig, es gebe Fragen zu Brandschutz und statischer Sicherheit des alten Festzeltes.
Was folgte war ein wohl einmaliges Tauziehen um die Austragung des Festes: Die Stadt Mainz stellte dem Betreiber ein Ultimatum, der reichte Unterlagen nach und zog vors Mainzer Verwaltungsgericht – das gab der Stadt Mainz in vollem Umfang Recht: Das alte Zelt sei kein „fliegender Bau“ und brauche eine Baugenehmigung, auf Gewohnheitsrecht könne sich der Veranstalter nicht verlassen. Die Stadt blieb hart: Das Oktoberfest bleibe abgesagt.
Gerüchte in Mainz: Wollte die Stadt Oktoberfest nicht genehmigen?
Doch dann schaltete sich DEHOGA-Präsident Gereon Haumann ein, und zog alle Register: Der DEHOGA-Präsident präsentierte neue Gutachter und neue Gutachten, beschwor die Stadt Mainz, ein Einsehen zu haben – das Zelt sei standsicher, der Brandschutz gewährleistet. Doch das Bauamt der Stadt Mainz blieb hart: Man fühle sich weiter „an die Rechtslage gebunden“, die neuen Argumente und Gutachten überzeugten die Stadt nicht. Man habe den Veranstalter seit elf Monaten angemahnt, bis heute lägen nicht alle Anforderungen vor, das gelte auch für das Küchenzelt, sagte Holle gegenüber Mainz&.

Inzwischen kursierten in Mainz Gerüchte, die Stadt wolle das Fest überhaupt nicht genehmigen – eine mögliche Insolvenz des MMG-Geschäftsführers Karl Strack nehme man offenbar in Kauf. Das Gelände der Mainzer Messe gehört der Stadt Mainz, die MMG hat das Gelände von der Stadt gepachtet – und zwar mit einem Erbbaurechtsvertrag. Wie lange der noch gültig ist, beantwortete die Stadt Mainz auf Anfrage von Mainz& nicht – nach Mainz&-Informationen läuft der Pachtvertrag noch bis 2055. Tatsache ist: Erbbaurechtspachtverträge sind kaum kündigbar, ein wesentlicher Grund wäre die Insolvenz des Pächters.
Der Zustand des Mainzer Messegeländes war schon öfter Gegenstand von Kritik, im Frühjahr zog die Rheinland-Pfalz-Ausstellung die Verbrauchermesse von Mainz ab und nach Trier um – und übte scharfe Kritik am Veranstalter. Bei der Stadt Mainz hieß es auf Mainz&-Anfrage, ob die Stadt mit der MMG zufrieden sei: Man stehe mit der MMG in einem konstruktiven Austausch, „dabei ist es uns wichtig, Themen und Herausforderungen offen anzusprechen und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen. Zugleich erwarten wir, dass das Gelände dauerhaft in einem ordentlichen und gepflegten Zustand gehalten wird“ – das sei „eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit.“
Game Changer: Neues Festzelt – und Expertengutachter aus Berlin
Inzwischen hatten Strack und Haumann noch einmal reagiert – und stellten kurzerhand ein neues Festzelt neben dem alten auf. Das war nun ohne jeden Zweifel als „fliegender Bau“ mit reduzierten Anforderungen genehmigungsfähig, doch die Stadt Mainz sperrte sich noch immer: Noch vergangenen Freitag sagte Baudezernent Holle auf Mainz&-Anfrage, es gebe noch immer rund 100 offene Punkte in den Antragsunterlagen, die es zu klären gelte, die neuesten Unterlagen habe die Stadt erst am Freitag um 14.00 Uhr bekommen – das sei für eine Genehmigung bis Eröffnung des Festes um 17.00 Uhr zu kurzfristig gewesen.

Bereits am Freitag zeichnete sich allerdings auch ab: Die Stadt Mainz würde um eine Genehmigung nicht mehr herumkommen, ein Start für diese Woche wurde immer wahrscheinlicher. Zum Game Changer wurde dabei zum einen das neu aufgebaute Festzelt – und ein neuer Gutachter: Der Ingenieur Florian Eising aus Berlin. Der Experte für Großveranstaltungen machte der Stadt offenbar klar, dass das neue Festzelt unbedingt zu genehmigen sei. Denn Eising stellte auch fest: Das Festzelt mit seine rund 3.700 Plätzen brauche gar kein ausgefeiltes Sicherheitskonzept – denn die Stadt selbst habe dafür die Grenze bei über 5000 Gästen festgelegt.
Am Mittwochvormittag dann die neuerliche Wendung: Haumann, Strack und die Stadt Mainz präsentierten im Festzelt den Genehmigungsstempel der Stadt Mainz. „Wir haben die Gebrauchsabnahme jetzt schriftlich erhalten vom Bauamt der Stadt Mainz, das Brandschutzgutachten ist abgenommen, die Sicherheitschecks auch“, verkündete Haumann. Damit seien alle formalen Voraussetzungen gegeben, damit das 20. Mainzer Oktoberfest nun doch noch beginnen könne.
PK mit Matz und Lange – Dezernent Holle bleibt vor der Tür
„Das ist ein schöner Tag für die Messegesellschaft, ein guter Tag für die Wirtschaft in Mainz und die Mitarbeiter, die seit vielen Tagen in den Startlöchern stehen – und ein fröhlicher Tag für alle, die hier feiern können“, freute sich Haumann. Interessant dabei: Der DEHOGA-Präsident betonte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Mainz, und lobte das Team der MMG, die in Rekordzeit ein neues Zelt errichtet habe: „Hier haben wirklich im allerbesten Sinne alle Hand in Hand gearbeitet, um ein Oktoberfest 2026 zu ermöglichen“, schwärmt Haumann: „Es findet sogar noch im Oktober statt, und endet im Oktober.“

Das Kuriose dabei: Die Stadt Mainz war keineswegs durch den eigentlich zuständigen Baudezernenten Ludwig Holle vertreten – sondern durch Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz und Ordnungsdezernent Karsten Lange (alle CDU). Und sowohl Matz, als auch lange betonten, wie wichtig das Fest für die Region sei, wie gut man zusammengearbeitet habe – und wie wichtig es doch sei, dass die Stadt als Dienstleister Veranstaltungen genehmigen helfe.
Das Fest sei „nicht nur Gaudi, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor“, betonte Matz, „es geht hier auch wirklich ganz ernsthaft um Umsätze, und die sind nicht unerheblich.“ Matz sagte, es sei die Wirtschaftsförderung der Stadt gewesen, die sich eingebracht und gesagt habe: „Mit dem alten Zelt, das wird nichts mehr, ein neues muss her – wir haben auch für Angebote gesorgt.“ Ordnungsdezernent Lange habe dann „in Windeseile“ für die Genehmigungen gesorgt, deren Kurzfristigkeit liege nun einmal „in der Natur der Sache, da muss man als Stadt auch geländegängig sein“, betonte Matz.
Untersagte OB Haase seinen Dezernenten die Teilnahme an der PK?
Der zuständige Dezernent Holle stand derweil vor dem Festzelt im Regen, auf die Frage, warum er nicht an der Pressekonferenz teilnahm, sagte er gegenüber Mainz&, er habe mit seinen Leuten vom Bauamt nicht offene Fragen regeln müssen, derweil aber verschickte die Pressestelle der Stadt Mainz ein Statement: „Zum jetzigen Zeitpunkt hat die Verwaltung noch keine Entscheidung über eine Genehmigung des Mainzer Oktoberfestes getroffen.“ Das sei allein Sache des Baudezernenten – weder die Wirtschaftsdezernentin noch der Ordnungsdezernent könnten das entscheiden.

Die aber präsentierten zu dem Zeitpunkt längst den Genehmigungsstempel, den das Bauamt der Stadt selbst ausgestellt hatte – Gutachter Eising schüttelte da nur noch den Kopf: Aus fachlicher Sicht sei der Widerspruch der städtischen Pressestelle „absurd“, sagte er: „Der fliegende Bau, wie er hier steht, ist genehmigt – es bedarf keiner weiteren Genehmigung.“ Damit das Festzelt in Betrieb gehen dürfe, brauche es lediglich einer Gebrauchsabnahme – und die sei am Mittwochmorgen erfolgt, der Stempel sei da.
Nach Mainz&-Informationen hatte die Abwesenheit des Baudezernenten indes einen höchst ungewöhnlichen Grund: Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) hatte seinen Dezernenten die Teilnahme an der Pressekonferenz von DEHOGA und MMG kurzerhand verboten. Mainz& liegen dafür handfeste Belege vor, das Verbot galt auch für Matz und Lange – ob die zu spät davon erfuhren, oder sich schlicht nicht daran hielten, ist bislang unklar. Haase und Holle haben nun für 14.00 Uhr zu einer eigenen Pressekonferenz eingeladen.
Die Veranstalter gehen jedenfalls nun davon aus, dass das 20. Mainzer Oktoberfest tatsächlich stattfinden kann, die Eröffnung soll nun am Freitag, um 17.00 Uhr sein. Gefeiert werden soll dann Freitag, Samstag und Sonntag, und zudem kommende Woche von Donnerstag bis Samstag. Gäste, die Karten für dieses Wochenende hatten, können diese ganz normal wahrnehmen, wer Karten für das erste Wochenende hatte, kann diese nun kommende Woche einlösen – es wird gebeten, sich an den Veranstalter per Email zu wenden.
Info& auf Mainz&: Die ganze Story könnt Ihr auf Mainz& nachlesen – den jüngsten Artikel dazu findet Ihr hier:







