Dem Mainzer Oktoberfest droht zwei Wochen vor seinem Termin überraschend das Aus: Die Nutzung des Festzeltes bei dem geplantem Oktoberfest auf dem Mainzer Messegelände sei derzeit „nicht genehmigungsfähig“, sagte Baudezernent Ludwig Holle (CDU) am Freitag. Offenbar stellte man im Bauamt fest: Das Festzelt hatte schon seit 2017 keine ordentliche Genehmigung mehr. Nun zog der neue Baudezernent die Reißleine – und argumentiert dabei auch mit dem Brandunglück in einer Bar im schweizerischen Crans-Montana.

Das Oktoberfest in Mainz gibt es seit 2005, zwei Wochen lang im Oktober wird dabei auf einem Zelt im Mainzer Messepark nach bayrischer Art gefeiert. Pro Jahr kommen dabei nach Angaben der Stadt Mainz rund 40.000 bis 60.000 Personen, ein Großevent also, in diesem Jahr sollte vom 08. bis zum 25. Oktober 2026 die 20. Ausgabe gefeiert werden. Doch ob daraus etwas wird, ist ausgesprochen fraglich: Die Stadt Mainz verweigerte nun die Genehmigung für die Nutzung des großen Festzeltes.
„Auf Basis der aktuellen Gegebenheiten ist das Oktoberfest 2026 im geplanten Festzelt nicht zulässig“, erklärte der Mainzer Baudezernent Ludwig Holle (CDU) am Freitag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Mainz. Der Grund: Das aktuelle Festzelt habe schlicht keine Baugenehmigung, es gebe Bedenken bei der Standsicherheit sowie beim Brandschutz. Dazu habe der Betreiber, die Mainzer Messe Gesellschaft MMG, bis heute weder einen Bauantrag eingereicht, noch die notwendigen Unterlagen zur Beurteilung vorgelegt.
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Festzelt hatte seit 2017 keine ordentliche Genehmigung
Das Brisante dabei: Dem seit Jahren genutzten Festzelt auf dem Messegelände wurde nach Angaben der Stadt im Jahr 2010 eine Baugenehmigung erteilt, die aber wegen des „temporären Charakters“ bis zum Jahr 2017 befristet wurde. „Seit diesem Zeitpunkt verfügt das Festzelt über keine Baugenehmigung mehr“, betonte Holle nun – der CDU-Mann übernahm in diesem Februar das Amt von seiner Vorgängerin Marianne Grosse (SPD). Und unter Grosse gab es von Jahr zu Jahr eine kurzfristige Duldung für die Nutzung des Festzeltes – drückte man bei der Stadt Mainz also einfach ein paar Augen zu?

Der Betreiber habe immer wieder „temporär gültige fachliche Gutachten zu Fragen des Brandschutzes und der Standsicherheit vorgelegt“, heißt es von Seiten des Bauamtes, aber auch immer erst kurzfristig und als Reaktion auf das Einschreiten der Stadt. Der neue Baudezernent hält das nun nicht mehr für ausreichend, und verweist dabei auch das Brandunglück im schweizerischen Crans-Montana: Dort hatten Wunderkerzen beim Feiern in der Silvesternacht Teile der Deckenverkleidung in Brand gesetzt, bei der anschließenden Katastrophe waren 41 Menschen gestorben und 115 verletzt worden.
„Gerade ein Blick zurück auf das verheerende Brandunglück in Crans-Montana führt sehr deutlich vor Augen, wie wichtig die Einhaltung, Überwachung und stete Optimierung der sicherheitsrelevanten Bauvorschriften bleibt“, betonte Holle nun. Die Stadt begrüße „die traditionelle Veranstaltung außerordentlich, wir würden uns über eine Durchführung freuen“, unterstrich Holle zudem: „Dazu muss aber die oberste Prämisse vorab zwingend garantiert sein: Die Sicherheit der Veranstaltung – in jeglicher Hinsicht.“
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Dezernent Holle: Sicherheit des Festes muss gewährleistet sein
Das Problem sei dabei auch die lange Dauernutzung des Zeltes, sagte Holle am Nachmittag auf Mainz&-Anfrage: Das Veranstaltungszelt sei eben nicht jedes Jahr ab- und wieder aufgebaut worden, sondern stehe seit rund 20 Jahren auf dem Gelände. „Man muss die Frage stellen, ist das Zelt statisch noch sicher? Gibt es Materialermüdung? Das muss per Gutachten geprüft werden“, sagte Holle weiter. Auch gebe es Anforderungen an den Brandschutz wie Markierungen, Materialien, Beleuchtung oder die Breite von Fluchtwegen, auch das müsse sicher gestellt und nachgewiesen werden – Stand heute seien „diese Grundprämissen zum derzeitigen Zeitpunkt nicht gegeben.“

Denn, so die Stadt weiter: „Im laufenden Jahr 2026 wurde dem Bauamt bis zum heutigen Tage nicht die notwendigen Unterlagen vorgelegt, anhand derer eine aktuelle und abschließende Beurteilung möglich wäre“, heißt es von Seiten der Stadt. Auch eine Baugenehmigung liege nicht vor. Eine solche sei zwar im Frühjahr 2026 beantragt worden, im weiteren Verfahren seien aber die prüfenden Nachweise nicht vorgelegt worden, deshalb müsse man den Antrag „nach den gesetzlichen Vorgaben als ,zurückgenommen‘ ansehen“, sagte Holle weiter.
Tatsächlich hatte es zuletzt auch von einer anderen Seite scharfe Kritik am Mainzer Messegelände gegeben, und zwar vom Betreiber der Rheinland-Pfalz-Ausstellung. Deren Betreiber, die Expotec GmbH, hatte im Juli ihren Weggang aus Mainz und den Umzug nach Trier verkündet: Das Messegelände in Mainz Hechtsheim „entspricht nach unserer Auffassung in relevanten Bereichen nicht den gesetzlichen Standards einer Versammlungsstätte“, hatte die Expotect mitgeteilt – Messebetreiber Karl Strack hatte damals gegenüber dem SWR gesagt, man könne die Argumente nicht nachvollziehen.
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Ultimatum an Oktoberfest-Betreiber in Mainz: in einer Woche Deadline
Holle betonte nun, mit der Messegesellschaft habe es über die Probleme mit der Genehmigung seit einem Jahr mehrere Gespräche gegeben, sagte Holle gegenüber Mainz& – zuletzt noch im August dieses Jahres. Dabei habe die Stadt auch klar kommuniziert, dass unter den derzeitigen Gegebenheiten eine Genehmigung der Veranstaltung nicht möglich sei. Der Betreiber habe zwei Möglichkeiten, erläuterte der Dezernent weiter: Er könne einen klassischen Bauantrag für das Zelt stellen, was aber bisher nicht erfolgt sei – oder ein neues Zelt aufstellen, dann bewege man sich im Bereich eines „fliegenden Baus“, für den andere Auflagen gelten.
Daraufhin sei das Festzelt abgebaut und einige Meter weiter wieder aufgestellt worden, berichtete Holle zudem – doch nun fehlten dafür ebenfalls Gutachten zu Statik und Standsicherheit. Dem Betreiber wurde nun ein Ultimatum gestellt: Man müsse bis Freitag kommender Woche wissen, ob es eine sichere Lösung gebe, sagte Holle: „Wenn es bis dahin eine nachvollziehbare Dokumentation für eine Lösung gibt, kann es stattfinden. Wenn nichts passiert, ist am Freitag die Deadline, dann müssen wir absagen.“ Man könne sich ja nicht bei 3.500 Menschen in einem Festzelt „darauf verlassen, dass das ’schon passt'“, fügte er noch hinzu.
Info& auf Mainz&: Infos zum Mainzer Oktoberfest findet Ihr im Übrigen hier im Internet.






