Nach wochenlangem Hin und Her war es am Freitag dann doch so weit: Das 20. Mainzer Oktoberfest konnte doch noch starten. Pünktlich um 17.00 Uhr öffneten die Türen trotz stürmischem Wetters. Am Ende feierten einige Tausend Besucher begeistert die Band, Kritik gab es indes am zugigen Zelt, an Schwierigkeiten im Service – und viel Spott für den Fassanstich. Bei den Veranstaltern herrschte dennoch Erleichterung. Doch die Frage bleibt: Wie geht es weiter mit dem Oktoberfest und dem Messegelände? Die Stadt Mainz signalisiert Redebedarf.

Nach dem wochenlangen Tauziehen um die Austragung des 20. Mainzer Oktoberfestes, herrschte am Freitag bange Erwartung: Würden die Besucher überhaupt kommen? Würde das neue Zelt sich bewähren – trotz heftigem Sturms auf dem Mainzer Messegelände? Der Verlauf des Eröffnungstages passte irgendwie zur Vorgeschichte: Pleite beim Fassanstich, dunkle Wolken über dem Messegelände, Schwierigkeiten mit der Bierleitung, eine einstürzende Seitenwand – und Veranstalter, die all dem weiter trotzen. Aber der Reihe nach.
Um 17.00 Uhr füllt sich das große Ersatzzelt auf dem Mainzer Messegelände erst langsam, als der Fassanstich nach 19.00 Uhr begann, war das Festzelt aber immerhin zu drei Vierteln gefüllt. Besonders der Logenbereich zeichnete sich durch weithin gähnend leere Tische aus, wer hier sonst Hof hielt oder Geschäftsgäste bewirtete, hatte es sich offenbar anders überlegt oder zwischenzeitlich anders disponiert: Die meisten Tische und Bänke blieben hier leer. Entsprechend kalt und zugig zeigte sich vor allem auch dieser Bereich – schweißdampfende Festatmosphäre wollte sich hier jedenfalls nicht einstellen.
Probleme mit dem Service, völlig verpatzter Fassbieranstich
Anders der Bereich der „normalen“ Karteninhaber: Hier waren die Tische gut gefüllt, standen die Besucher schon nach kurzer Zeit auf den Bänken und feierten ausgelassen. Das lag vor allem auch an der hervorragenden Band Wolfsegger, die das Zelt mühelos in Stimmung und zum Feiern brachten. Die Gäste waren zum allergrößten Teil in Dirndl und Lederhosen gekommen, Unmut gab es allerdings wegen des Service: „Wir warten jetzt seit einer Stunde auf einen Kellner“, kritisierte eine junge Besucherin vor Ort etwa.

Auch andere monierten, Bier und Essen ließen auf sich warten, das Essen sei am Ende kalt gewesen – vor Ort kam der Eindruck auf, es gebe schlicht nicht genügend Servicekräfte für das Zelt. Das hatte zudem gleich zu Beginn eine Bewährungsprobe zu bestehen: Ein Wandteil an der Giebelseite knickte unter den heftigen Sturmböen ein, das wirkte wie eine Bestätigung für die harte Linie der Stadt Mainz in Sachen Statik und Sicherheit. Die Plane konnte schnell wieder befestigt werden, ein Lkw wurde als Windschutz von außen davor postiert – danach passierte nichts mehr.
Trotzdem ging es mit den Pannen auch während der Eröffnung weiter: Der Fassanstich geriet zur Slapstick-Nummer, denn der Zapfhahn wollte einfach nicht ins Fass, schließlich spritzte das Bier gar oben heraus – im Netz hagelte es Hohn und Spott. Kein einziger Vertreter der Stadt war zum Fassbieranstich gekommen, so musste DEHOGA-Chef Gereon Haumann den Hammer schwingen – und traf bei seinen Schlägen zwar den Fest-Maßkrug, den Zapfhahn bekam er aber ebensowenig ins Loch wie sein Nachfolger.
Tankleitung vom Bierwagen verstopft, Mitarbeiter abgewandert
Schließlich floss das Bier dann doch noch auf der Bühne – nur um in der Zapfanlage des Zeltes zu versiegen: „Die Tankleitung vom Bierwagen lief nicht mehr“, berichtete Haumann im Gespräch mit Mainz& – die Folge: 40 Minuten lang floss kein Bier aus den Leitungen, der Super-GAU für ein Oktoberfest. „In dieser Zeit hätte der Wirt normalerweise 3000 Liter Bier gezapft“, sagte Haumann, und bat: „Bitte berücksichtigen, unter welchen Bedingungen das stattfand.“

Wegen des chaotischen Vorlaufs hätten sich die Verläufe auf dem Fest nicht so einspielen können wie im Normalfall, auch seien Servicemitarbeiter womöglich zu anderen Festen abgewandert. „Wir haben im Moment in ganz Rheinland-Pfalz Oktoberfeste, und überall fehlen Mitarbeiter“, sagte Haumann, allein in Mainz, Bitburg und auf dem Hahn gebe es drei große Feste. „Ich kann dann verstehen, dass Mitarbeiter sich haben abwerben lassen“, sagte Haumann.
Dennoch sei das erste Wochenende ein Erfolg gewesen, befand der DEHOGA-Chef, der seit gut zwei Wochen dem Veranstalter Karl Strack tatkräftig mit Organisation und Kommunikation unter die Arme gegriffen hatte. „Wir sprechen über mehrere Tausend Besucher, die Stimmung im Zelt war super, denen haben wir eine große Freude bereitet“, betonte Haumann: „Ich wünsche dem Veranstalter und allen dort tätigen, dass da noch richtig was geht, und dass der Veranstalter am Ede mit einem blauen Auge davon kommt.“
Tausende Besucher am ersten Wochenende – wie geht es weiter?
Denn statt drei ausgebuchter Wochenenden stellt sich nun die Frage, wie der Besucherzuspruch am kommenden Wochenende ausfallen wird. War das Zelt am Freitag und Samstag gut gefüllt, so herrschte am Sonntag beim Familientag samt Frühshoppen sehr viel Leere. Für die neu hinzugekommenen Veranstaltungstage Donnerstag bis Samstag gibt es nun keine Reservierungen, man könne einfach hinkommen und mitfeiern, wirbt die Festwirtin auf Facebook – Umbuchungen der bisherigen Karten mache man auch gerne möglich.

So stellt sich grundsätzlich die Frage: Wie geht es mit dem Oktoberfest in den kommenden Jahren weiter? Haumman betonte im Gespräch mit Mainz&, Stadt Mainz und Veranstalter seien nun gleichermaßen „nach diesem Theater aufgefordert, sich nach Abschluss des Festes zusammenzufinden, und mit der notwendigen Stringenz und einem Zeitplan dahin zu arbeiten, dass ein Oktoberfest 2027 stattfinden kann.“ Schon im November müsse mit den Planungen für 2027 begonnen werden, damit frühzeitig klar sei, dass ein Oktoberfest 2027 stattfinden könne.
„Es muss verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden“, forderte Haumann, und zwar „durch eine rechtzeitige Genehmigung und eine rechtzeitig, umfassende Kommunikation“ – dabei seien alle Seiten gefragt. Auch der Veranstalter Karl Strack müsse Konsequenzen aus der Vorgeschichte ziehen, tatsächlich hatte dieser am Ende der Presskonferenz vergangenen Mittwoch eingeräumt, er denke derzeit intensiv darüber nach, „was da alles falsch gemacht wurde“. Und fügte mit Blick auf die Vorgeschichte hinzu: „Es tut mir leid.“
Stadt Mainz fordert langfristiges Konzept für die Messe
Tatsächlich stehen auf dem Messegelände dazu noch sehr bald weitere Veranstaltungen an, etwa die Agrarwintertage im Januar sowie „Ice Dome“, der Zelt-Ersatz für die geschlossene Mainzer Eishalle – er ist ebenfalls noch nicht genehmigt, soll aber bereits im November starten. Auch hier steht die Frage im Raum, ob das Zelt ein „fliegender“ oder ein fester Bau ist, Baudezernent Ludwig Holle (CDU) sagte vergangene Woche, es gebe „inhaltliche Überschneidungen“. Offenbar gibt es hier aber die Bereitschaft der Stadt, den Ice Dome zügiger zu genehmigen, das Eiszelt sei „ja auch für die Bevölkerung und den Eissport wichtig“, sagte Holle.

Derweil verdichten sich die Hinweise, dass es der Stadt Mainz bei ihrem harten Vorgehen nicht nur um die Sicherheit beim Oktoberfest, sondern um die Lage der Mainzer Messe insgesamt ging: Das Messegelände sei für die Stadt „ein wichtiger Standort“, sagte Holle vergangene Woche am Rande der Pressekonferenz. „Wir wollen auch gerne da oben noch mehr Veranstaltungen oder Events oder Messen haben“, sagte Holle, auch das Thema Rheinland-Pfalz-Messe sei noch nicht ad acta gelegt.
Die Stadt wolle deshalb sehr zügig mit Strack und seiner Mainzer Messegesellschaft darüber sprechen, welche Pläne er langfristig für die Messe habe, verriet Holle. Er gehe davon aus, dass der Veranstalter jetzt „verstanden hat, dass Handlungsbedarf ist, die Planungen konkreter zu machen“, betonte der Dezernent. Er hoffe, dass es „im nächsten halben Jahr ein klares Konzept vom Veranstalter“ gebe, was er auf dem Messegelände plane. Dann könne die Stadt reagieren, und sagen „jawohl, das ist möglich oder unter den Bedingungen wäre es möglich, oder so geht es leider nicht.“
Info& auf Mainz&: Einen ausführlichen Bericht zur Vorgeschichte der Genehmigung des Mainzer Oktoberfestes könnt Ihr noch einmal hier auf Mainz& nachlesen. Die Geschichte hatte vergangenen Mittwoch zu einem heftigen Eklat im Mainzer Stadtvorstand geführt – mehr zu den Hintergründen findet Ihr hier:









