Schockmoment am frühen Freitagmorgen im Mainzer Willigis-Gymnasium: In der Schule am Stephansberg wurde Amokalarm ausgelöst. In den Schulräumen wurde damit eine vorbereitetet Bandansage abgespielt, die Schüler aufgefordert, in den Klassenräumen zu bleiben. Da der Alarm vor Schulbeginn ausgelöst wurde, betraf dies aber nur wenige Schüler, die meisten wurden in die Stephanskirche umgeleitet. Die Polizei durchkämmte das Gebäude Raum für Raum – eine Bedrohungslage konnte nicht festgestellt werden.

Die Bischöflichen Willigis-Schulen wurden am Freitagmorgen durch einen Amokalarm erschreckt. - Foto: Willigis
Die Bischöflichen Willigis-Schulen wurden am Freitagmorgen durch einen Amokalarm erschreckt. – Foto: Willigis

Die Nachricht machte in Mainz schnell die Runde: Am Bischöflichen Willigis-Gymnasium und der angeschlossenen Realschule am Willigisplatz in der Mainzer Altstadt wurde am Freitagmorgen Amokalarm ausgelöst – was wiederum einen Großalarm der Polizei auslöste. Wie die Polizei mitteilte, ging gegen 07.45 Uhr bei der Polizei die Meldung ein, dass über Lautsprecher in der Schule eine Amokansage laufe. Umgehend seien zahlreiche Einsatzkräfte ausgerückt.

Das Gute: Der Alarm wurde gegen 07.45 Uhr, und damit zehn Minuten vor Schulbeginn ausgelöst, damit waren die Klassenräume noch nicht voll. Das Gymnasium und die angeschlossene Realschule haben zusammen rund 1.100 Schüler, mit dem Auslösen des Amokalarms läuft eine automatisierte Routine ab: Eine Bandansage kläre über die Lage auf und gebe Hinweise, was zu tun ist, sagte Thomas Schneider, stellvertretender Willigis-Schulleiter im Gespräch mit Mainz&.

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Alarmknöpfe öffentlich zugänglich, Alarm vor Schulbeginn

Das zentrale Element dabei: Wer in einem Klassenraum ist, soll diesen gerade nicht verlassen, um nicht einem potenziellen Amokläufer in die Hände zu laufen. Solche Alarmsysteme wurden nach den Amokläufen am Gutenberg Gymnasium in Erfurt sowie vor allem nach dem Amoklauf in Winnenden vor gut 15 Jahren in den Schulen installiert. Im Willigis gebe es ein solches Alarmsystem seit 14 Jahren, berichtete Schneider weiter: „Die Alarmknöpfe gibt es bei uns in jedem Klassenraum.“

Ein Klassenraum des Willigis-Gymnasiums bei Luftmessungen in der Coronazeit. - Foto: gik
Ein Klassenraum des Willigis-Gymnasiums bei Luftmessungen in der Coronazeit. – Foto: gik

Die anrückende Polizei durchsuchte am Morgen die Schulgebäude Raum für Raum und sicherte eine Stockwerk nach dem anderen, wie der Sprecher der Mainzer Polizei, Roberto Rinaldo, gegenüber Mainz& erläuterte. Die meisten Schüler waren derweil in der benachbarten Stephanskirche untergebracht worden, der Großteil war bereits vor dem Schulgebäude abgefangen und umgeleitet worden. Für Eltern wurde an der Zitadelle eine gesonderte Anlaufstelle eingerichtet.

Die gute Nachricht: Eine Bedrohung irgendeiner Art wurde nicht gefunden, wer den Alarm ausgelöst habe, sei derweil völlig unklar, sagte Rinaldo weiter. „Diese Knöpfe sind ja frei zugänglich, und das muss auch so sein“, betonte der Polizeisprecher. Oft seien sie an der gleichen Stelle wie ein Feuermelder und auch so ähnlich gestaltet, wer den Knopf gedrückt habe, müsse also nicht unbedingt gewusst haben, was er damit auslöse. „Dass damit eine Lautsprecherdurchsage wegen Amokalarm ausgelöst wird, muss derjenige gar nicht gewusst haben“, sagte Rinaldo.

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Wer löste Alarm aus? Versehen, technischer Defekt, Mutwillen?

Mögliche Varianten seien denn auch ein versehentliches Auslösen, ein technischer Defekt – aber auch eine mutwillige Betätigung des Alarmknopfes. Die könnte den Täter allerdings teuer zu stehen kommen: „Der Missbrauch eines Notrufs ist ein Straftatbestand und kann eine Strafe nach sich ziehen, wenn das unter Vorsatz passiert ist“, betonte Rinaldo. Im Einzelfall könne auch geprüft werden, ob die Einsatzkosten in Rechnung gestellt würden – da könnten schnell sehr hohe Summen zusammenkommen. Schneider betonte, ein solcher Fall sei in 14 Jahren noch nie vorgekommen.

Gegen kurz nach 09.00 Uhr konnte schließlich Entwarnung gegeben werden, eine reale Gefahr für die Schüler habe zum Glück nie bestanden, betonte die Schule. Die Klassen sowie die Lehrkräfte wurden an der Anlaufstelle informiert, anschließend begab sich die Schulgemeinschaft wieder zurück in die Unterrichtsräume begeben. Die Ermittlungen zu den Hintergründen dauern an, den Schülern und Lehrern stehen Schulseelsorger und psychologische Unterstützung zur Verfügung.

Info& auf Mainz&: Informationen zum Geschehen gibt es auch hier auf der Homepage der Willigis-Schulen.